Kolumne
Peter Heine Nielsen sekundiert künftig Kronprinz Carlsen – dreht bei der WM gegen alten Chef Anand aber „keine krummen Dinger“
Von Hartmut Metz
Die Bibel der Schach-Eröffnungen, der „Informator“, hat Peter Heine Nielsen schon mehrfach den Preis für die beste neue Idee verliehen. Was der Däne aber aus den ersonnenen brillanten Eröffnungszügen am Turnierbrett dann selbst macht, frustri
ert den Weltranglisten-87. zuweilen ziemlich. Mit ein Grund, warum Nielsen dem Inder Viswanathan Anand als Sekundant diente und jetzt zum Norweger Magnus Carlsen wechselte! „Sie vollstrecken ganz anders als ich. Ihre Verwertung meiner Ideen macht Freude“, gesteht der 39-Jährige unumwunden.
Die Rochade vom Weltmeister zum Weltranglistenersten hat in der Szene wie eine Bombe eingeschlagen – im Prinzip ist es, als wechselte Jupp Heynckes vor dem Champions-League-Finale von Bayern München zu Borussia Dortmund. Zwar gilt der 22-jährige Carlsen schon lange als Kronprinz von Anand. Der „Transfer“ des umworbenen Eröffnungsexperten wurde aber dadurch besonders pikant, dass sich Nielsens neuer Schützling für den WM-Zweikampf im November qualifizierte. Umgehend witterte mancher Ränke: Der „Tiger von Madras“ würde nun schon allein deshalb in seiner Heimatstadt den Kürzeren ziehen, weil Nielsen alle Eröffnungsgeheimnisse ausplaudert.
Murgtäler Schachspieler erinnern an alte Glanzzeiten.png)
Von Hartmut Metz
Die Schachfreunde Hörden haben ein bisschen an glorreiche alte Zeiten angeknüpft: Die Murgtäler gewannen mit 16:2 Punkten den Titel in der Landesliga. Der frühere Oberligist ging mit einem Zähler Vorsprung auf die mit Talenten gespickten SF Sasbach über die Ziellinie. Die Überraschung verdankten die Hördener vor allem Gerd Merkel. Ihr vieljähriger Spitzenspieler blieb an vorderster Front ungeschlagen und sammelte stolze 6:1 Punkte. Diese bedeuteten eine Rating-Performance von 2347 Elo.
„Es stimmt, ich war schon immer gut“, scherzt Merkel wie gewohnt mit trockenem Humor, als er auf seine früheren Erfolge angesprochen wurde. Der Kaufmann, der einst beim schon lange aufgelösten SK Forbach anfing, trumpfte vor allem immer wieder beim Chessorg-Turnier in Oberstdorf auf. Gleich fünfmal siegte der 63-Jährige dort – seinen größten Erfolg feierte Merkel jedoch 1985. Damals gewann er das stark besetzte internationale Open in Klausen (Südtirol) vor rund 200 Teilnehmern, darunter einigen Internationalen Meistern (IM). In der Zeit trumpfte er auch in der Verbandsliga groß auf und holte phänomenale 8,5:0,5 Punkte!
Weltmeisterin Anna Uschenina kann nicht mit Springer + Läufer mattsetzen – Katerina Lahno übernimmt beim ersten Turnier des Frauen-Grand-Prix 2013/14 in Genf die Führung
Als Trainer im Nachwuchsbereich ist einer meiner Schwerpunkte, mit meinen Schützlingen das Mattsetzen zu üben. Und spätestens bei der elementaren Aufgabe, mit Springer + Läufer und den gegnerischen König zur Strecke zu bringen, gehen wir jedes Mal an die Grenzen. Wie oft höre ich zuvor das Argument: „Herr Stolze, so ein Endspiel kommt doch überhaupt nicht in der Praxis vor!“. Ist aber nicht so, denn nun habe ich sogar einen ganz konkreten Fall. Oder soll ich Unfall sagen?
Also, in Runde 4 beim ersten Turnier der Frauen-Grand-Prix-Serie 2013/14 in Genf war in der Partie zwischen Anna Uschenina und Olga Girya nach dem Zug 72.Sxc3 (Diagramm) genau ein solches Endspiel auf dem Brett. Der „eiserne Geselle“ zeigte in der Diagrammstellung ein Plus von 6.41 an. Wie Sie sicherlich sehen können, war die Position alles andere als ungünstig, aber selbst dann kann das Problem in 30 Zügen erzwungen werden.
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Nachruf: Rolf Schwarz verfasste mehr als 30 beliebte Bücher.png)
Von Hartmut Metz
Die neuesten Schachpartien und aktuellsten Eröffnungen verbreiten sich heutzutage in Windeseile rund um den Globus. Datenbanken werden oft sinnlos gefüttert mit Duellen von Patzern. Fünf Millionen Partien tragen so bei Amateuren oft zur Verwirrung bei – und stehlen manchem Profi die Zeit, weil er sie auch anschauen muss, um in dem „Mist“ manchmal vielleicht doch eine Eröffnungsperle zu finden.
Die förderte Rolf Schwarz ab den 50er Jahren direkt ans Tageslicht. Der Berliner gründete nicht nur 1947 Lasker Steglitz und zählte mit dem späteren deutschen Meister Rudolf Teschner und Heinz Lehmann zu den namhaftesten Spielern des Hauptstadt-Traditionsklubs. Der 87-Jährige, der Ende März kurz nach seinem Geburtstag starb, wurde vor allem als Eröffnungsbuchautor und Lehrmeister vieler Amateure berühmt. Weiterlesen
Fantastisches Damenopfer rettet Kronprinz Giri den Kopf
Von Hartmut Metz
Die Bundesliga-Schlussrunde im Schwetzinger Schloss ist auf einhellige Begeisterung bei den 16 Vereinen, Spielern und Zuschauern gestoßen. Das einzigartige Ambiente zog zahlreiche Fans an – und obwohl diese den Großmeistern fast zu nah auf die Pelle rücken konnten, störten sich die Stars nicht daran. Die drei letzten Spieltage waren ein Fest des königlichen Spiels, bei dem sogar Legende Anatoli Karpow mitwirkte. Der Ex-Weltmeister gab ein Simultan und ging am Sonntag für Gastgeber Hockenheim ans Brett. Der 61-Jährige bewies dabei seine Klasse und trotzte dem beim WM-Kandidatenturnier drittplatzierten Peter Swidler von Meister OSG Baden-Baden ein Remis ab.
Die aufregendste Partie im Schloss spielte jedoch einer von Karpows Kronprinzen: Anish Giri. Der Niederländer mit russisch-nepalesischen Wurzeln steht mit 18 Jahren bereits auf Platz 21 der Weltrangliste. Giri geht wie fünf weitere Holländer für Turm Emsdetten ans Brett. Mit 18:12 Punkten und Platz sechs schnitten die Münsterländer für ihre finanziell bescheidenen Verhältnisse sehr gut ab. Noch weniger kann der SC Forchheim seinen Akteuren bieten. Entsprechend gelten die Franken als Fahrstuhlmannschaft zwischen Liga eins und zwei. Mit nur 2:28 Punkten muss die Amateurtruppe als Tabellenvorletzter wieder mit den SF Berlin, SV Griesheim und Schlusslicht SV Norderstedt eine Klasse tiefer.
Krimiautor Tim Krabbé begeistert mit Thrillern wie Schachbüchern
Von Hartmut Metz
Das goldene Ei“ hat sich für Tim Krabbé zumindest bei den Preisen als solches entpuppt: Für das Buch erhielt der Holländer 1993 den internationa
len schwedischen Krimipreis. Seine Thriller wurden in 16 Sprachen übersetzt und fünf davon laut Wikipedia verfilmt. Den Schachspielern ist der Amsterdamer aber noch mehr als seine Morde im Bett durch die Schlachten auf dem Brett ein Begriff: Zum einen schrieb er 1972 eine Biografie über den neuen Weltmeister Bobby Fischer, zum anderen verfasste Krabbé die grandiosen Bändchen „Schach-Besonderheiten“ (Teil 1 und 2). Der in den 70er Jahren zur erweiterten niederländischen Schach-Spitze zählende Autor präsentiert darin zahllose Kuriositäten auf dem Brett. Vergangenen Samstag feierte er ebenso wie Legende Garri Kasparow runden Geburtstag. Während der Ex-Weltmeister „erst“ 50 wurde (wir berichteten), beging Krabbé sein 70. Wiegenfest.
Besonders widmete sich der Jubilar im ersten Band von „Schach-Besonderheiten“, der 1987 im Econ-Verlag erschien, der Rochade. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte der Holländer, dass selbst berühmte Großmeister bei ihrer Ausführung nicht sattelfest waren. So erkundigte sich Viktor Kortschnoi sogar beim WM-Kandidatenfinale 1974 gegen Anatoli Karpow, ob er rochieren dürfe, wenn sein Turm auf dem Feld h1 angegriffen ist. Er durfte ebenso wie ein Gegner von Endspiel-Legende Juri Awerbach, der empört reklamierte! Grund: Nur der König darf nicht über ein bedrohtes Feld bei seinem einzigen Doppelschritt in der Partie ziehen!
Der größte Schachspieler aller Zeiten wird heute 50 / Garri bereut wohl frühen Abschied vom Brett
Von Hartmut Metz
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Garri Kasparow ist am Schachbrett und daneben immer aggressiv zu Werke gegangen. Laue Kompromisse kennt der Russe nicht, der heute seinen 50. Geburtstag feiert. Entsprechend agiert der Jubilar auch in der Politik. Mit Aussagen wie „Putin wird vor Gericht kommen – und deswegen kämpft er wie eine Ratte, die in die Ecke gedrängt wurde!“, verschafft man sich zwar im Ausland Gehör – doch im Riesenreich selbst haben harsche Töne, die den Kreml-Chef in die Nähe der Mafia rücken, lediglich Repressionen zur Folge. Wenig überraschend, dass Kasparow deshalb zweimal bei Demonstrationen festgenommen wurde. Einmal steckten ihn Handlanger Putins fünf Tage in Haft und kam erst nach Intervention von Amnesty International frei, im Vorjahr wurde der ehemalige Weltmeister von Polizisten weggetragen und nach eigener Aussage verletzt.
Der Oppositionspolitiker schien zuletzt müde zu werden mangels Erfolgen. Außer dass Kasparow diese Woche seinen Abschied als Chef der Oppositionsvereinigung Solidarnost ankündigte, wurden auch Spekulationen bekannt, laut denen der Jubilar emigrieren wolle. Putin wird kaum traurig darüber sein, weil der 13. Weltmeister der Schach-Geschichte zumindest im Westen häufig Gehör findet. Das „Time Magazin“ zählte Kasparow deshalb 2007 zu den „100 einflussreichsten Menschen der Welt“.
Kurz vor seinem runden Geburtstag erhielt er die Nachricht, dass ihm die Menschenrechtsorganisation UN Watch eine Auszeichnung für sein politisches Engagement verleiht. Ihm Juni wird dem Großmeister diese für seinen „langen und gewaltfreien Kampf für die Menschenrechte in Russland“ überreicht.
Norweger sieht sich als „verdienter Sieger“ des Kandidatenturniers
Von Hartmut Metz
Magnus Carlsen streckt die Hand nach dem WM-Titel aus. In dem dramatischen Kandidatenturnier in London qualifizierte sich der 22-Jährige für das Match mit Weltmeister Viswanathan Anand. Der Weltranglistenerste wollte keine Prognose für November abgeben, hob jedoch einen Unterschied zum im Ranking nur noch auf Platz sechs geführten Inder hervor: „Anand verfolgt eine andere Philosophie. Ich gewinne Turniere und er konzentriert sich darauf, seinen WM-Titel zu verteidigen“, meint der Herausforderer und schiebt nach, „ich bin sicher, dass er stark spielen wird – aber wenn ich Druck auf ihn ausübe, kann ich ihn schlagen!“
Seinen Turniersieg bei dem mit 510000 Euro dotierten Wettbewerb hielt Carlsen für „verdient. Bevor ich mich am Schluss selbst enttäuschte und lächerlich spielte, war ich hier bis zur elften Runde am besten“, strotzte der Osloer Vorstädter nach seiner Schlussrunden-Niederlage gegen Peter Swidler wieder vor Selbstvertrauen. Die Schlappe erklärte sich der 22-Jährige wie sein Bezwinger und auch Kramnik mit der unklaren Ausgangslage: Die beiden Führenden hatten sich gegenseitig im Auge und wussten nicht, ob ein Remis reicht oder doch ein Sieg für den ersten Platz her muss. Entsprechend riskierte Kramnik gegen Wassili Iwantschuk auch zu viel und kassierte ausgerechnet in der 14. Runde seine erste Niederlage – mit ebenfalls 8,5:5,5 Punkten blieb dem Ex-Weltmeister aus Russland so nur der zweite Rang.
Magnus Carlsen reicht als Sensation beim Kandidaten-Finale in London nicht: Das innovative „Chess Casting“ soll das königliche Spiel popularisieren
Von Hartmut Metz.png)
Optimismus ist gut und sorgt zuweilen für neue Höchstleistungen. Im Falle des Kandidaten-Finales in London muss aber beim Schach wieder einmal eher ein „Zweck“ pessimistisch davorgestellt werden. Zwar verfolgen Millionen rund um den Globus fasziniert den Siegeslauf des Weltranglistenersten Magnus Carlsen, aber der Optimismus, den die Organisatoren des aufregenden Turniers zur Schau tragen, dürfte übertrieben sein. Auch diesmal wird der Denksport nicht viel populärer werden. Außer in Norwegen natürlich: Carlsens Heimatland würde bei einem Turniererfolg dem WM-Match im November gegen den indischen Titelverteidiger Viswanathan Anand entgegenfiebern.
Andrew Paulson vom neuen Vermarkter Agon will „versuchen, das Image des Schachs zu wandeln. Bisher war es ein Spiel für zwei Leute. Wir wollen erreichen, dass es zur Unterhaltung für alle wird, zum Zuschauersport“, verkündet der Brite in einer BBC-Talkshow und verweist auf eine Agon-Untersuchung laut der weltweit „70 Prozent schon mal Schach spielten“. Nun sei es an der Zeit, das königliche Spiel besser zu präsentieren und attraktiver für Sponsoren zu machen.
Carlsen und Aronjan setzen sich beim WM-Kandidatenturnier ab
Magnus Carlsen (Foto) kommt richtig in Schwung. Begann der Weltranglistenerste beim WM-Kandidatenturnier mit zwei Remis verhalten, ist der Norwegen-Express kurz vor der heutigen Halbzeit des Turniers kaum mehr zu stoppen. Der 22-Jährige konnte beim mit 510 000 Euro dotierten Wettbewerb in London den dritten Sieg in vier Partien feiern. Carlsen brachte den bis dahin drittplatzierten Russen Peter Swidler, der wie er bei der OSG Baden-Baden gemeldet ist, auf Distanz. Mit 4,5:1,5 Punkten hat sich Carlsen bereits vom Mitfavoriten Wladimir Kramnik deutlich abgesetzt. Der Russe remisierte alle bisherigen sechs Duelle der Vorrunde.
Einzig Lewon Aronjan hält noch Schritt im Kampf um den Platz als Herausforderer seines weiteren OSG-Vereinskameraden, Weltmeister Viswanathan Anand. Der in Berlin lebende Armenier war mit zwei frühen Siegen gestartet und legte am Donnerstag gegen Teimour Radjabow nach. Angesichts der 1,5 Punkte Vorsprung vor Kramnik und Swidler dürfte die Entscheidung nur zwischen Aronjan und Carlsen fallen.
Ukraine siegt bei Mannschafts-Weltmeisterschaft vor China
Von Hartmut Metz
Weltmeisterin ist Anna Uschenina bereits. In Kasachstan ließ die Ukrainerin nach ihrem überraschenden Einzel-Erfolg den nächsten in der Mannschaft folgen: In Astana gewann die Weltranglisten-23. auch mit ihrer Landesauswahl den WM-Titel – erneut hatte China das Nachsehen. Mit 16:2 Punkten ließ die ungeschlagene Ukraine den Mitfavoriten (15:3) dank des Sieges im direkten Duell hinter sich. Russland (13:5) unternahm in der letzten Runde gar nicht mehr den Versuch, den Chinesinnen Schützenhilfe zu geben. Lieber einigten sie sich rasch mit dem neuen Weltmeister auf ein 2:2, um selbst die Bronzemedaille vor Georgien (12:6) abzusichern.
Der Tabellendritte litt unter der Absage seiner beiden Topspielerinnen: Die Schwestern Nadeschda und Tatjana Kosintsewa wollen künftig nicht mehr unter Mannschaftskapitän Sergej Rublewski antreten. Angeblich gab es laut der Webseite Chessbase.de bei der Schach-Olympiade hinter den Kulissen Streit zwischen den beiden Parteien. Bei China wurde vor allem die Weltranglistenzweite und Ex-Weltmeisterin Hou Yifan schmerzlich am ersten Brett vermisst. So führte Spitzenspielerin Katerina Lagno ihr Team mit Uschenina, die für die OSG Baden-Baden spielende Maria Musitschuk, Natalja Schukowa und Ersatzspielerin Inna Janowska-Gaponenko zu Gold.
Biografie über Hitzkopf Nakamura: Krawallmacher auf dem Brett
Von Hartmut Metz
Magnus Carlsen, Wladimir Kramnik, Lewon Aronjan und fünf weitere Großmeister hinter den drei Weltranglistenersten suchen ab nächsten Samstag in London den Herausforderer von Weltmeister Viswanathan Anand. Am meisten vermissen werden die Fans Hikaru Nakamura. Der US-Amerikaner ist ein Krawallmacher – vor allem auf dem Brett! Angesichts seiner japanischen Wurzeln könnte man ihn wegen seines Stils und seines Geburtsorts Hirakata auch durchaus als Harakiri-Hikaru bezeichnen. Wo andere Großmeister ein langweiliges Remis vorziehen, zündelt Nakamura lieber weiter gefährlich. Manchmal geht der Schuss nach hinten los – aber oft zeitigt die Zockerei auch Erfolge. Der 25-Jährige gilt nicht nur als Internet-Ikone, weil er in sogenannten „Bullet“-Partien – bei nur einer Minute Bedenkzeit geht es vor allem ums schnelle Ziehen, ohne grobe Fehler zu machen – auf Webseiten kaum zu schlagen ist.
Nakamura agiert inzwischen aber auch im Nahschach halbwegs solide. Das belegt das spannende Buch „Kämpfen und Siegen mit Hikaru Nakamura“. In dem 232 Seiten starken Werk von Edition Olms (19,95 Euro) drapieren Großmeister Karsten Müller und Raymund Stolze interessante Geschichten und Partien um den größten Erfolg des Weltranglistenachten: Nakamura
Erich Eliskases (Foto links) gelangen Siege über Capablanca und Fischer
Von Hartmut Metz
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liskases hat einige Turniererfolge vor und nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert. Die im holländischen Nordwijk vor Paul Keres und Ex-Weltmeister Max Euwe sowie 1948 in Mar del Plata (Argentinien) zählen dazu. Zu den Großen des Schachsports avancierte der gebürtige Österreicher, der am 15. Februar 100 Jahren geworden wäre, durch eine weitere Besonderheit: Nur vier Spielern gelang es in ihrer Karriere, sowohl José Raúl Capablanca (Weltmeister 1921-1927) als auch Bobby Fischer (Weltmeister 1972-1975) in Turnierpartien zu bezwingen! Das konnten ansonsten nur Paul Keres, Samuel Reshevsky und Max Euwe von sich behaupten. Das Besondere bei Eliskases war, dass er die beiden „Schachmaschinen“ aus Kuba und den USA in Endspielen ausmanövrierte. Der Kubaner wie der Amerikaner galten dabei als fast unschlagbare Titanen.
1939 weilte Eliskases mit dem großdeutschen Nationalteam in Argentinien bei der Schach-Olympiade und holte die Goldmedaille. Die Schach-Helden blieben nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lieber jenseits des Atlantiks und siedelten sich in Südamerika an. Eliskases spielte später bei Schach-Olympiaden noch viermal für Argentinien. Am 2. Februar 1997 starb der 83-Jährige.
Von Hartmut Metz
Für den Präsidenten des Deutschen Schachbundes (DSB) steht fest: „Das ist die Partie d
es Jahres!“, urteilt Herbert Bastian. Lediglich der fast komplett daheim vorbereitete Sieg von Viswanathan Anand gegen Lewon Aronjan in Wijk aan Zee sei ähnlich spektakulär. Der Saarländer, der selbst schon in Baden-Baden Koryphäen wie Vizeweltmeister Viktor Kortschnoi schlug, zeigte sich angetan von der Leistung des deutschen Spitzenspielers: Mit einem grandiosen Springeropfer aus dem Nichts setzte Arkadij Naiditsch seinen Nationalmannschaftskollegen Daniel Fridman enorm unter Druck. „Ich denke, dass mein Gegner etwas zu passiv gespielt hat. Nach dem Opfer habe ich sehr starken Angriff, der kaum abzuwehren ist“, meinte Naiditsch bei der Analyse der sechsten Runde bei den Grenke Chess Classic.
Am Schluss brach der Weltranglisten-29. aus Sandweier jedoch ein, weil er in der achten Runde gegen den Italiener Fabiano Caruana eine Gewinnstellung ausließ. Durch drei Niederlagen fiel Naiditsch von Rang zwei auf Platz fünf mit lediglich vier Punkten zurück (wir berichteten). Das Turnier in Baden-Baden gewann so Weltmeister Viswanathan Anand (6,5:3,5 Zähler) vor Caruana (6:4), Georg Meier und Michael Adams (beide 5:5). Den letzten Platz belegte Fridman (3,5:6,5). „Ich kann jetzt kein Brett mehr sehen“, bekannte Naiditsch nach der deprimierenden Serie am Schluss. Immerhin empfahl sich der 27-Jährige mit seinem unbändigen Kampfgeist für weitere Einladungen zu großen Turnieren: Nur zwei seiner zehn Begegnungen endeten mit einem Remis!
Die
„reizende Stadt im Lebkuchenhaus-Stil“ hat in der Schach-Historie einen besonderen Platz: Legendäre Turniere von 1870 und 1925
Von Hartmut Metz
Für Georg Meier geht derzeit ein „Traum in Erfüllung“. Der 25-jährige Trierer ist einer von sechs Teilnehmern beim Weltklasse-Schachturnier in Baden-Baden. Damit wandelt der deutsche Mannschafts-Europameister auf den Spuren seiner großen Idole: Als Kind begeisterte sich der Großmeister für viele aufregende Partien, die bei den Turnieren 1870 und 1925 in der Kurstadt gespielt wurden!
Die Wettbewerbe vor 143 und 88 Jahren sind bis heute legendär. Kein Schach-Lexikon, egal ob deutsch- oder englischsprachig, kommt ohne Abhandlung über die beiden Klassiker aus, ja die „Chess Encyclopedia“ preist den Ort in der Einleitung als „a charming gingerbread-like city in Germany“, eine „reizende deutsche Stadt im Lebkuchenhaus-Stil“ an. Selbst ganze Turnierbücher gibt es darüber, etwa ein 382 Seiten starkes aus den USA, das Jimmy Adams 1991 über die Veranstaltung von 1925 verfasste … mehr
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Zäher Naiditsch zeigt es den „Helden mit Computern“: Aufstieg aus dem B-Turnier in Wijk aan Zee
Von Hartmut Metz.png)
Die Festgesellschaft wartete nebenan schon seit einer halben Stunde auf die Siegerehrung, die auf 18 Uhr angesetzt war. Und die Zuschauer auf dem Live-Portal unkten auch bereits seit geraumer Zeit, was denn dieser Naiditsch noch wolle. Die Schachprogramme zeigten seit zwei Stunden an, dass die Stellung hoffnungslos Remis sei. Doch Arkadij Naiditsch wollte es nicht nur „diesen Helden mit Computern im Internet“ zeigen! Der Sandweierer vertrieb den scheußlichen Gedanken, erneut undankbarer Zweiter beim Großmeister-B-Turnier in Wijk aan Zee zu werden. Der 27-Jährige musste in den Vorjahren den Jungstars Magnus Carlsen und Anish Giri den Vortritt lassen, erinnerte sich Naiditsch und mochte sich partout nicht mit dem Gedanken anfreunden, erneut den Aufstieg ins prestigeträchtige A-Turnier 2014 hauchdünn zu verpassen.
Weltranglistenerster deklassiert die Konkurrenten in Wijk aan Zee
Von Hartmut Metz
Die Rekordjagd von Magnus Carlsen geht weiter. Der Norweger stand bereits eine Runde vor Schluss als Sieger beim Topturnier in Wijk aan Zee fest. In der letzten Runde musste der 22-Jährige zwar gegen den Niederländer Anish Giri ums Remis zittern, doch der einheimische Jungstar konnte Carlsen auch keine Niederlage beibringen. So belegte der Weltranglistenerste im Schach mit 10:3 Punkten weit vor den Verfolgern Platz eins.
Zwei Mannschaftskameraden von der OSG Baden-Baden folgten in dem 14er-Feld: Der Armenier Lewon Aronjan wies 1,5 Zähler Rückstand auf, Viswanathan Anand lag zusammen mit dem Russen Sergej Karjakin gar zwei Punkte zurück – das sind Welten im Schach! Der indische Champion kassierte ausgerechnet in der Schlussrunde gegen den Chinesen Wang Hao seine einzige Niederlage.
Selbst Weltmeister Anand begreift die Siege des Norwegers nicht
Von Hartmut Metz
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Die Taktik scheint harmlos. Überträgt man diese vom Schachbrett aufs Rasenschach, Fußball, sieht sie ungefähr so aus: Gemächlich wird der Ball hin- und hergeschoben, nichts scheint zu passieren, außer dass sich die eine Mannschaft langsam dem gegnerischen Tor annähert. Pure Langeweile! Kurz vor dem Einnicken der Fans geht es plötzlich ganz schnell, und der Ball zappelt im Netz!
Was manche Spitzenteams im Fußball auszeichnet, scheint Fußball-Fan Magnus Carlsen auf den 64 Feldern perfekt umzusetzen. Der Norweger avanciert immer mehr zum Lionel Messi seines Denksports. Wie der Torjäger von Barcelona garantiert er Punkte en masse. Beim Topturnier in Wijk aan Zee liegt der 22-Jährige nach zehn der 13 Runden meilenweit vor der Konkurrenz. 8:2 Zähler sammelte der bisher ungeschlagen gebliebene Carlsen und hält den Rekord von Garri Kasparow mit 10:3 Punkten an der holländischen Küste, durchaus für „machbar“. Es wäre nicht die erste Kasparow-Bestmarke, die der junge Weltranglistenerste bräche.








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