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Zum bevorstehenden Föderationswechsel von Sebastian Bogner in die Schweiz äußert sich sein Vater exklusiv gegenüber dem Schach-Ticker

In der offiziellen Mitteilung über die Tagung der Kommission Leistungssport des Deutschen Schachbundes, die am vergangenen Wochenende in Bad Homburg stattfand und in deren Mittelpunkt die Nominierung der DSB-Kader für 2013 stand, gab es auch den folgenden Hinweis: „Gestrichen wurde Sebastian Bogner wegen bevorstehendem Föderationswechsel.“

Auf Nachfrage erhielt der Schach-Ticker dazu von Norbert Bogner, dem Vater des ehemaligen B-Kaderspielers, exklusiv nachfolgende Stellungnahme:

 

Hallo Herr Stolze,

ja, es war eine sehr, sehr schwierige Entscheidung für Sebastian.

Mein Sohn verlegt seinen Lebensmittelpunkt aufgrund beruflicher und schachlicher Möglichkeiten in die Schweiz und wird für diese in ca. zwei Jahren spielberechtigt sein. Der Wechsel der Föderation in der Eloliste wird vermutlich bis Ende März 2013 vollzogen sein. Er spielt natürlich weiter in der Bundesliga für Wattenscheid.

Derzeit ist in Deutschland die Situation die, dass  die Förderung im Bereich Jugend sich in Grenzen hält, aber über Gruppentraining noch eingeschränkt zu Teilerfolgen führt ( siehe JOM/zur Schacholympiade in Dresden – jetzt Prinzen-Gruppe). Diese Konzepte sind gut aber eine Folgeförderung zur Heranführung in Bereiche jenseits von Elo 2700 kann vom DSB mit der gegenwärtigen Finanzausstattung objektiv nicht geleistet werden. Mäzene stürzen sich derzeit lieber auf  internationale Stars oder internationale Nachwuchsspieler, weil  teilweise (oder überwiegend) die Kontakte des DSB zu diesen Sponsoren angespannt sind. 

Leider verbleibt faktisch nur einer der Spieler der ehemaligen Jugend-Olympia-Mannschaft (JOM) Georg Meier  im Nationalkader. Arik Braun, der den Schwerpunkt auf Studium und Beruf legt, kann im Moment nicht ernsthaft dazu zählen. 

Sebastian möchte seine Leistungsgrenze gerne noch ausloten und hat jetzt die Möglichkeit, neben seiner beruflichen Tätigkeit dies zu tun, ohne komplett auf dem Risiko sitzen zu bleiben, neben dem Lebensunterhalt auch noch Trainerkosten finanzieren zu müssen.

Seitens des DSB gab es keinen Kontakt bezüglich eines Wechsels und auch keine Rückfrage von Sebastian beim DSB. Sebastian hat den DSB durch mich darüber informieren lassen. Der DSB hätte aufgrund der finanziellen Ausstattung des Leistungssportbereichs auch keine Möglichkeit gehabt, in diesem Fall tätig zu werden. Möglichkeiten für Beschäftigung außerhalb der Bundeswehr wie unten beschrieben hat der DSB leider nicht.

Kontakte zwischen Bundestrainer und Sebastian  gab es seit der Schacholympiade in Chanty Mansijsk keine mehr. Fördermaßnahmen gab es kurz vor  der Teilnahme zu dieser Veranstaltung in Russland 2010, ansonsten  während der B-Kader Zugehörigkeit keine. Aktive Versuche Sebastian, die Sportfördergruppe der Bundeswehr als mögliche Option zur Weiterentwicklung schmackhaft zu machen, gab es leider auch nicht.  

Im Leistungssportbereich des DSB sind gute Konzepte vorhanden. Das Problem ist jedoch, dass es nicht möglich ist dieses aufgrund fehlender Mittel umzusetzen. Der Förderetat von Magnus Carlsen im Alter von 13 bis 15 war für ihn allein in der Summe größer als der gesamte Leistungssportetat Erwachsen- und Jugendbereich mit Kosten für   Bundes- sowie Bundesnachwuchstrainer des DSB im gleichen Zeitraum. Wir hatten damals das Vergnügen, uns mit seiner Familie während zweier Turnierteilnahmen in Gausdal/Norwegen intensiv auszutauschen. Dies soll nicht heißen, dass der DSB derartige Summen zur Verfügung stellen müsste um eine Leistungsentwicklung einiger Spieler in den Bereich über 2700 erreichen zu können, sondern es soll nur zeigen wie klein der Etat in diesem Bereich einfach ist.

Der zur Verfügung stehende finanzielle Etat des DSB wird nach wie vor durch die Landesverbände mitbestimmt und fällt  in der Regel dem scheinbaren Widerspruch zwischen Leistungs- und Breitensport sowie den vielfältigen Aufgaben zum Opfer. Leider ist der Aufschrei bereits groß, wenn der Beitrag des DSB  um einen oder zwei Euro auf neun oder gar zehn Euro angehoben werden soll. Dabei fehlt es an weitreichenden Konzepten wie wir die Jugendlichen und Kinder, die zu Hauff in Schulschachgruppen sind, in unsere Vereinslandschaften integrieren. Hier müsste von Seiten der Landesverbände und vom DSB viel mehr gemacht werden – notfalls auf hauptamtlicher Basis. Das dafür unter Umständen auch deutlich höhere Beiträge an den Verband nötig sind ist klar und wäre im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn eher normal denn überzogen.

Eine Laufbahn als Profi oder Profi auf Zeit  lässt sich, wie in vielen anderen Sportarten auch,  nur über die Möglichkeit von Beschäftigung und Teilfreistellungen wie über Bundeswehr, Bundesgrenzschutz oder Zoll erreichen. Diese Konzepte sind im  Schach nur bei der Bundeswehr und in einem engen zeitlichen Rahmen gegeben. Das müsste im zeitlichen Rahmen erweiterbar sein. Eine zweijähriger Zeitraum oder als absolutes Maximum vier Jahre sind da perspektivisch oft zu kurz. Dies ist jedoch grundlegend erforderlich, um den  Spielern nicht einen zu großen Rucksack für das restliche Leben mitzugeben. Zudem benötigen sie Zeit, neben Turnieren ihre schachlichen Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Hier versucht die Kommission Leistungssport entsprechende Konzepte aufzuzeigen deren Umsetzung derzeit ebenfalls an der Finanzierung scheitern.

 

Wir bedanken uns ausdrücklich bei Norbert Bogner, der seinen Sohn einst auch trainiert hat, für diesen konstruktiven Beitrag zu einem Problem von fraglos öffentlichem Interesse. Ein Wechsel vom deutschen Schachbund in eine andere nationale Föderation ist mir aus jüngster Zeit jedenfalls nicht bekannt.

 

SEBASTIAN BOGNER [Jahrgang 1991] machte bereits im Nachwuchsbereich nachdrücklich auf sein Talent aufmerksam. So wurde er 2001 in Willingen deutsche Meister U10, 2005 belegte er in der U14 hinter Niclas Huschenbeth Platz 2 und zwei Jahre später gewann er den nationalen U16-Titel. Mit 18 Jahren erhielt er von der FIDE im Oktober 2009 den Großmeistertitel verliehen. Sebastian (beste Elo 2569 im Mai 2012) war zuletzt Mitglied des B-Kaders der deutschen Nationalmannschaft. Seit der Saison 2010/11 spielt er in der Schach-Bundesliga für den SV Wattenscheid.

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