Das Phänomen Bronstein – Von JULIA KIRST, die im kommenden Jahr als Autorin eine monatlich erscheinende Serie zum zehnten Todestag der Schachlegende veröffentlichen wird

 

Zauberlehrling Bronstein

Zauberlehrling Bronstein

Im Jahre 2016 jährt sich der Todestag von David Ionowitsch Bronstein [19. Februar 1924 bis 5. Dezember 2006] zum zehnten Mal. Der aus Bila Zerkwa im Oblast Kiew stammende einzige Sohn eines Mühlenverwalters und einer Ärztin zählte lange zur Weltspitze des Schachs und begeisterte die Schachwelt sowohl mit unkonventionellen Eröffnungsideen als auch mutigen Opfern. So sorgte er beispielsweise dafür, dass die Königsindische Verteidigung populär wurde, und im Königsgambit spielte Bronstein als Weißer hochinteressante Angriffspartien. Seine Intuition wies ihm auch in schwierigen und verwickelten Positionen meist den richtigen Weg. Er machte oft Züge, die sehr verwegen und bisweilen sogar falsch aussahen, aber letztendlich doch richtig waren. Für Bronstein war das Schachspiel eine Kunst, die die Leute begeistern soll. Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Michail Botwinnik war David Bronstein gegen die Verwissenschaftlichung des Schachs.

 

Obwohl David Bronstein jahrelang einer der besten Schachspieler war und bis ins hohe Alter sehr stark spielte, konnte er nie Weltmeister werden. Dieser Makel haftet ihm auch nach seinem Tode noch an, er gilt als einer der „Ewigen Zweiten“.

 

Einmal konnte er um höchste Weihen kämpfen. Im Jahre 1951 duellierte er sich in Moskau mit Michail Botwinnik um die WM-Krone, beide spielten 24 Partien gegeneinander. Es war ein Zweikampf der Gegensätze: Künstler gegen Wissenschaftler, Romantiker gegen Realist und verworrenes, mutiges Spiel gegen klares, pragmatisches Spiel. Welche Schachauffassung würde die bessere sein?

 

Botwinnik vs Bronstein

 

David Bronstein galt als stark in der Eröffnung und im Mittelspiel, hatte aber im Endspiel kleine Schwächen. Genau dies zeigte sich in der sechsten Partie. Bronstein musste mit seinem Springer Botwinniks Bauern aufhalten, der sonst zur Dame werden würde. Es gab einen relativ einfachen Springerzug, nach dem die Partie remis ausgegangen wäre. Jedoch machte Bronstein mit seinem Springer den falschen Zug und verlor die Partie. Trotzdem sah er zwei Partien vor Schluss wie der sichere Sieger aus, denn der Ukrainer führte mit einem Punkt Vorsprung. In der 23. Partie konnte Botwinnik ein Endspiel überraschend gewinnen und glich damit aus. Da bei Gleichstand der Titelverteidiger die WM-Krone behalten durfte [so waren damals die Regeln], musste also der Herausforderer die letzte Partie auf Biegen und Brechen gewinnen. Dies gelang ihm nicht. Als Botwinnik besser stand und zudem einen Bauern mehr hatte, bot er Bronstein remis, welches dieser akzeptierte. Damit war der Kampf verloren.

 

Obwohl David Bronstein den WM-Titel nicht gewinnen konnte, hatten viele seiner Gegner einen großen Respekt vor seinem Können, denn sie wussten: Bronstein kann sie immer schlagen. Er war in vielen Großmeisterturnieren erfolgreich und belegte meist vordere Plätze. Für die Sowjetunion nahm David Bronstein viermal [1952, 1954, 1956, 1958] an Schacholympiaden teil und gewann stets die Goldmedaille. Seine individuelle Bilanz aus 49 Partien ist mit 79,64 Prozent [+30 =19 – 1] bei nur einer einzigen Niederlage beeindruckend.

 

Bronstein war aber nicht nur ein herausragender Schachspieler, sondern brachte auch vielen Kindern und Jugendlichen das Schachspielen bei. Als Schachbuchautor hat sich ebenso einen Namen gemacht. Seine Werke wie beispielsweise „Bronsteins Schachlehre“, das Turnierbuch „Zürich 1953“ oder „Der Zauberlehrling“ gelten als Klassiker.

 

Das Vermächtnis des Phänomens Bronstein ist groß. Auch die heutige [Computer-]Generation orientiert sich an seinen Lehren, liebt seine Partien und liest seine Bücher.

 

Da Serien bei Ihnen, lieber Leser, sehr populär sind, möchten wir jeden Monat eine Partie David Bronsteins vorstellen, um sein schachliches Vermächtnis zu ehren. Wir hoffen, dass dieses Angebot gut bei Ihnen ankommt und wünschen viel Spaß beim Durchspielen und Analysieren!

 

Freuen Sie sich also auf den Januar 2016 und Folge 1 „Bronsteins Unsterbliche“.

 

 

 

 

Bildnachweise

  • Bronstein: https://chessprogramming.wikispaces.com/David+Bronstein
  • Botwinnik-Bronstein: http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1032224
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