Premiere für SCHACH-PROBLEM – Die rätselhaften Seiten von Fritz – Überlegungen zu einer neuen Zeitschrift aus dem Hause ChessBase – von RAYMUND STOLZE

 

Ausgelesen_CB_Rätselheft1_2016_1Ich kann mich noch gut an jene Jahre erinnern, als ich für das Schachbuch-Programm der Edition Olms verantwortlich gewesen bin und stets auf der Suche nach neuen Ideen war. Sehr genau habe ich deshalb die Entwicklung der Produkte bei ChessBase verfolgt und mich stets gefragt, wo denn die größte Schnittmenge zwischen den innovativen Angeboten aus Hamburg und unserem Verlag sein könnte. Einige Male ist es zu sinnvollen Kooperationen für beide Seiten gekommen, beispielsweise bei den zwei Titeln „222 Eröffnungsfallen nach 1.e4 und 1.d4“ [Autoren: Karsten Müller & Rainer Knaak].

 

Natürlich ist der Fundus an „verwertbarem“ Material für die gedruckte Form bei ChessBase riesig. Eigentlich kommt es nur darauf an, die Schätze zum richtigen Zeitpunkt zu heben. Mit der neuen Zeitschrift SCHACH-PROBLEM – Die rätselhaften Seiten von Fritz könnte da durchaus ein Coup gelungen sein. Printausgaben – das zeigt ja das Ende der 1980er-Jahre erschiene ChessBase Magazin – es gab seinerzeit sechs Ausgaben jährlich u.a. mit der berühmten „Abfall-Reihe“ von Robert Hübner – können die Hamburger nämlich auch.

 

Was den Inhalt der dreimal jährlich erscheinenden Zeitung angeht, so wird das Thema Taktik in all seinen Facetten groß geschrieben. Ich habe Geschäftsführer Rainer Woisin gebeten, uns das Konzept näher zu erläutern.

 


„Ursprünglich konzipiert ist das Heft für den Gelegenheitsspieler, der am Bahnhof unterhaltsame Reiselektüre sucht. Die Diagramme sind lesefreundlich groß [zwei auf einer DIN A5 Seite, gibt es Literatur mit noch größeren Schachdiagrammen?], und die ersten 50 von 100 Taktikaufgaben sind deshalb sehr leicht und das schnelle Lösen macht viel Spaß. Der Schwierigkeitsgrad steigt dann stark an und endet etwa auf Bundesliganiveau.

 

Zentralbild/Kohls/Leske<br /> 1.11.1960<br /> XIV. Schacholympiade 1960 in Leipzig<br /> Im Ringmessehaus in Leipzig wird vom 16.10. bis 9.11.1960 die XIV. Schacholympiade ausgetragen. Am 28.10.1960 begannen die Kämpfe der Finalrunde.<br /> UBz: UdSSR - USA: .Weltmeister Tal - Internationaler Großmeister Fischer

Die Aufgaben stammen aus der großen Chessbase Taktikdatenbank http://training.chessbase.com mit über 50.000 Aufgaben. Weil viele tausend Spieler diese Aufgaben online lösen, wissen wir, wie schwer eine Aufgabe ist und welche Spielstärke man zum Lösen braucht. So konnten alle Aufgaben mit einer „ELO“ geeicht und im Heft sortiert von einfach bis schwer angeboten werden.

 

Außerdem gibt es drei Zusatzbeiträge. So trifft man im Kapitel über den Weltmeister Bobby Fischer „alte Freunde“ wieder und kann kombinieren wie ein Großmeister.

 

Im Kapitel über das Grundreihenmatt werden Basics wiederholt.

 

Und dann gibt es noch das abschließende Kapitel „Ernstfall am Brett“: Sie erfahren nur, wer in diesen abschließenden Stellungen am Zug ist. Wie in der Partie, ist es nicht sicher, ob etwas geht oder nicht geht – oder Sie gar die Notbremse ziehen und sich verteidigen müssen.

 

Zu unserer Überraschung ist das Premieren-Heft auch unter Vereinsspielern mit großer Freude aufgenommen worden. Langweilen die ersten 50 Aufgaben die guten Vereinsspieler? Offenbar nicht: schnelles Lösen macht Spaß. Und genau diese Erfahrung hat auch ein ehemaliger Schach-Weltmeister gemacht, der in den letzten Wochen in der Chessbase Taktik Web-App über 22.000 Aufgaben gelöst hat [natürlich sind 99% unter Weltmeisterniveau].“

 

Übrigens hat Großmeister Karsten Müller, mit dem ich gemeinsam „Zaubern wie Schachweltmeister Michail Tal …“ – der Titel war in England auf der Shortliste zum Schachbuch des Jahres 2013 – und „Kämpfen und Siegen mit Hikaru Nakamura“ geschrieben habe, das Premieren-Heft mit seinen Schützlingen getestet. Hier sein Urteil:

 

„Die Schüler, die ich trainiere, sind durchweg schon bessere Schachspieler und ambitioniert. Ich habe Ihnen das Heft gegeben und vorgeschlagen, von hinten anzufangen. Diese Aufgaben haben sie etwas gefordert, aber auch die ‚leichten’ Aufgaben am Anfang wurden nicht verschmäht, sondern gerne gelöst. Erfolgserlebnisse mache Spaß […]. Ich denke, das Heft trifft genau in eine Lücke zwischen klassischen Taktikbüchern und ernsthaften und anspruchsvollen Trainingswerken. Gerade wegen der guten Mischung und weil es erst später wirklich schwierig wird.“

 

Meine kritischen Anmerkungen halten sich in Grenzen. So habe ich den verantwortlichen ChessBase-Redakteur Martin Fischer darauf hingewiesen, dass bei den großen Diagrammen das Buchstaben- und Zahlen-Koordinatensystem schon lesbar sein sollte – die aktuelle Qualität ist in jedem Fall nicht ausreichend. Den zweispaltigen Textblöcken dürfte ein Block- statt des Flattersatzes gut tun und bei einer etwas größeren Schrift sicherlich leserfreundlicher sein.

 


 

 

Was das Kapitel „Der Ernstfall am Brett“ angeht, so habe ich seinerzeit im Sportverlag mit Fernschachweltmeister Fritz Baumbach und Wolfgang Thormann den Titel „Die Schachuhr läuft – Ihr Zug bitte! – 240 x kombinieren“ herausgebracht. Das waren 30 Themen mit jeweils acht Aufgaben. Wichtig war uns, dass die realen Turnierbedingungen tatsächlich simuliert werden. So wurden die Stellungen so ausgewählt, dass ein Spieler von Meisterstärke in 30 Minuten sämtliche Lösungen eines Achterpakets am Brett finden kann. Die Leser wurden also aufgefordert, sich eine Schachuhr [auch ein Wecker tut es!] auf eine halbe Stunde zu stellen und dann mit dem Lösen der Aufgaben eines Themas zu beginnen. Ich denke, dass so der „Ernstfall am Brett“ am besten zu trainieren ist.

 

Bundesarchiv_Bild_102-00457,_Emanuel_LaskerZu Heft 2/2016, das Mitte Februar erscheint und in allen Bahnhofsbuchhandlungen, aber auch im Schach-Fachhandel sowie in gut sortierten Buchhandlungen und natürlich direkt bei ChessBase zum Preis von 7,90 € erhältlich sein wird, hat mir Martin Fischer schon einmal zwei Themen verraten:

 

Das Extra Taktikmotiv ist den „Katastrophen in der h-Linie“ gewidmet. In der Rubrik Weltmeister-Taktik erwarten Sie die schönsten Kombinationen von Emanuel Lasker.

 

Doch nun gibt es für Sie noch eine Weihnachtsüberraschung, denn aus Heft 1/2016 präsentieren wir Ihnen die folgenden vier Aufgaben. Und selbstverständlich geht es dabei – Sie ahnen es schon – um den „Ernstfall am Brett“. Allerdings erhalten Sie nicht die konkreten Daten zur Partie, sondern es gibt von mir nur einen Wink!

 

Ausgelesen_23_Dia_1

Weiß am Zuge!

 

[1] In der ersten Aufgabe gelingt Weiß ein wirklich nicht alltäglicher Damenfang!


 

 

Ausgelesen_23_Dia_2

Weiß am Zuge!

 

[2] Na dann versuchen Sie sich einfach einmal im Matt setzen!


 

 

Ausgelesen_23_Dia_3Schwarz am Zuge!

 

[3] Nun ist es Schwarz, der durch eine Mattdrohung gewinnt!


 

 

 

Ausgelesen_23_Dia_4

Schwarz am Zuge!

 

[4] Und nun zum Abschluss noch eine Verteidigungsaufgabe. Weiß droht Dg5, und falls dann g6, so folgt Dh6-g7 mit Matt. Aber es gibt einen einzigen Verteidigungszug, der den Nachziehenden rettet, und den müssen Sie finden!


 

 

„Die ersten drei Aufgaben sind „klassische“ Kombinationen. Der am Zug befindliche Spieler hat einen deutlich besten Zug und gewinnt durch diesen, bzw. durch eine bestimmte Zugfolge. Die vierte Aufgabe ist eine Verteidigungsaufgabe. Es gilt den einzigen Verteidigungszug zu finden“, so Martin Fischer.

 

Was nun die von mir angedeutete Weihnachtsüberraschung angeht, so werden unter allen Einsendern der richtigen vier Lösungen insgesamt fünf Exemplare vom SCHACH-PROBLEM Heft 1/2016 so zusagen als Motivationspreis ausgelobt. Bei mehr als fünf richtigen Einsendungen – das heißt jeweils vier von vier! – entscheidet unter Ausschluss des Rechtsweges das Los!

 

Ihre Lösungen schicken Sie bitte nur per E-Mail bis einschließlich 24. Dezember 2015 an raymund.stolze@t-online.de. Jetzt aber sind Sie am Zuge und haben hoffentlich ebenfalls viel Spaß!

 

______
Redaktion Martin Fischer: SCHACH PROBLEM – Die rätselhaften Seiten von Fritz, Heft 01/2016, 86 Seiten Format A5, Softcover, 7,90 €, Herausgeber ChessBase Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg

 

 

Eine Bestellung des Titels ist problemlos entweder bei unserem Partner CHESSWARE via Internet [http://www.chessware.de/] oder direkt bei ChessBase unter www.chessbase.com möglich – hier bitte den Link Shop wählen.

 

 

 

Bildnachweise:

  • Fischer: „Bobby Fischer 1960 in Leipzig“ von Karpouzi. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bobby_Fischer_1960_in_Leipzig.jpg#/media/File:Bobby_Fischer_1960_in_Leipzig.jpg
  • Lasker: Bundesarchiv, Bild 102-00457 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

 

 

Online spielen
Forum

Bundesliga-Statistik

de.wikipedia.org

Elo
DWZ/Spielersuche
RSS-FEED
Archive
Kategorien