Und andere Weihnachtsturniere eher Kurz & Knapp

 

In DeutscSieger 2014hland gibt es dieses Jahr wohl keine weisse Weihnacht, aber diverse Schachspieler aus Deutschland und vielen anderen Ländern zieht es dennoch ins warme Katar am Persischen Golf. Da wird Schach gespielt, da stimmen die Konditionen – neben Geld wird auch noch Luxus geboten. Nicht eingeplant ist wohl, dass es nach aktueller Wettervorhersage auch da regnet, ausgerechnet am liveRuhetag im Turnier (25.12.); aber bei Temperaturen um 20 Grad kann man das verkraften. Da ich generell keine Vorschusslorbeeren verteile, die nichts mit diesem Turnier zu tun haben, zeigt das Titelbild (Quelle Turnierseite) die Sieger des letzten Jahres: Yu Yangyi gewann vor Giri und Kramnik, Bela Khotenashvili (links) gewann den recht grosszügigen Damenpreis, die anderen auf dem Foto betrachten sich wohl auch als Sieger – schliesslich setzte das Turnier aus dem Nichts heraus ein kräftiges Ausrufezeichen.

 

Kramnik hatte in einem Interview gesagt „ein Open spiele ich vielleicht mal, wenn ich kein top10 Spieler mehr bin“ – Ende 2014 war er vorübergehend Nummer 11, prompt spielte er in Katar. Dieses Jahr bekommen er (live-aktuell wieder Nummer 2), Giri (Nummer 3) und andere Konkurrenz von einem Spieler, der noch einiges anstellen müsste um sich aus der top10 zu verabschieden. Bei der Startliste erwähne ich (zunächst) nur oder immerhin die 20 besten von 145 Teilnehmern: Carlsen, Kramnik, Giri, So, Karjakin, Li Chao, Mamedyarov, Tomashevsky, Harikrishna, Jakovenko, Yu Yangyi, Wei Yi, Radjabov, Vitiugov, Wojtaszek, Korobov, Ivanchuk, Ponomariov, Ni Hua, Moiseenko.

 

Darunter immerhin vier Chinesen, und eine oder einige fehlen da noch. Prompt haben die Veranstalter beschlossen, dass es die Turnierseite auf Englisch, Russisch und Chinesisch gibt – Letzteres macht vielleicht Zhu Chen, Ehefrau des an der Organisation beteiligten Mohamad Al-Modiakhi. Arabisch ist offenbar nicht nötig.

 

Carlsen spielt also auch mit – er machte schon mehrfach Luxus-Urlaub, offiziell hiess das Trainingslager, in sonnigen Ländern. Er und andere bekommen in den ersten Runden, so ist es im Schweizer System, nominell viel schwächere aber potentiell unangenehme Gegner. Bei Mannschaftswettbewerben tat sich Carlsen da meistens schwer. Da haben viele Länder an Brett 1 einen relativ etablierten Grossmeister – in offenen Turnieren ist der Gegner vielleicht auch relativ unbekannt, jung und eventuell Elo-unterbewertet. Dennoch sind die ersten Runden auf dem Papier „zum Aufwärmen“, wobei man eventuell ‚verlorene‘ halbe Punkte später noch kompensieren kann: Kramnik begann 2014 mit zwei Remisen und konnte dann doch in den Kampf um den Turniersieg eingreifen.

 

In offenen Turnieren gewinnt nicht immer der (oder einer der) Favorit(en). Letztes Jahr dominierte zuerst Giri, dann Kramnik, und am Ende gewann Yu Yangyi (der beide im direkten Duell besiegte). Ebenfalls positiv überraschte Salem Saleh aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – an 62 gesetzt wurde er am Ende Siebter (bzw. 7.-24., aber er hatte zu Recht die beste Wertung von vielen Spielern mit 6/9). Natürlich haben dann auch Spieler negativ überrascht, z.B. der an 3 gesetzte Mamedyarov mit nur 5,5/9 (und ein anderer Name kommt gegen Ende dieses Berichtes).

 

Es lohnt sich also durchaus, die Setzliste etwas mehr zu durchforsten, z.B. findet man auch auf Platz 41 und 53 Sieger: Nils Grandelius gewann vor einigen Monaten ein Open in Abu Dhabi, und Benjamin Bok gewann gerade das Open in London (da hatten Weltklassespieler eine gute Ausrede, warum sie gegen Fussvolk keine Elopunkte riskierten). Noch etwas weiter hinten die deutschen Teilnehmer: Matthias Bluebaum (54), Rasmus Svane (62), Stefan Bromberger (64), Jan-Christian Schroeder (69), Roven Vogel (100) und Alexander Seyb (110). Alle können starke Gegner bekommen, und wer noch GM-Normen braucht (Svane, Vogel und Seyb), vielleicht klappt es … . Ein bisschen überall in der Setzliste die Damen, die wie bereits erwähnt auch dann ordentlich Geld verdienen können, wenn sie geschlechtsneutral unter ferner liefen landen. Da will ich nicht alle erwähnen, Titelverteidigerin Khotenashvili hat Konkurrenz von u.a. mehreren Ex-Weltmeisterinnen (Hou Yifan, Kosteniuk, Stefanova, Ushenina).

 

Gespielt wird vom 20.-29.12. mit Ruhetag am 25. – täglich ab 15:00 Ortszeit (13:00 in Mitteleuropa) – nur die letzte Runde beginnt drei Stunden früher. Schliesslich gibt es eventuell noch Blitz-Tiebreaks um Platz eins. Wenn drei Spieler Platz eins teilen, gilt das „Londoner System“: der Spieler mit der besten Wertung darf sich zunächst ausruhen und spielt nur das Finale. Preisgeld ist, wie bereits angedeutet, üppig: 27,000/16,000/12,000$ für die ersten drei (insgesamt 20 Geldpreise), 8,000/4,000/2,500$ usw. für die besten Damen, ausserdem Preise für die besten arabischen Spieler, die besten Spieler U18 und einige Ratingpreise. Die übliche Berichterstattung hier zum Ruhetag entfällt wegen Weihnachtsurlaub, der Abschlussbericht kommt wohl etwas verspätet – 29.12. ist für mich Reisetag, abends muss ich dann erst rekonstruieren was in Katar so los war.

 

Einige andere Spieler bleiben über Weihnachten in Europa und sitzen z.T. erst direkt danach am Brett. Die Vorschau zu anderen Weihnachtsturnieren ist sicher unvollständig, einige sind etwas schwächer besetzt (Konkurrenz aus Katar?) als die letzten Jahre üblich. In Groningen – dieses Jahr mit neuer Organisation und daher neuer Webseite – wird ebenfalls über Weihnachten gespielt (21.-30.12.), ebenfalls mit Ruhetag am 25.12.  Oft machten da Jungstars Furore, z.B. gewann 2014 Alexander Donchenko, und 2009 der damals 13-jährige Illya Nyzhnyk (dessen Karriere inzwischen offenbar stagniert). Spezielle Zielgruppe sind allerdings, da Groningen Universitätsstadt ist, etwas ältere Spieler. Den an eins gesetzten indischen GM Babu Lalith habe ich hiermit erwähnt, interessanter ist (ich bin da voreingenommen) der an zwei gesetzte Jorden Van Foreest – laut Teilnehmerliste noch IM, aber er hat bereits alle GM-Normen und wartet nur noch auf den nächsten FIDE-Kongress. Zu/von/mit ihm ein leicht kurioses Interview in der neuesten Ausgabe des Magazins des niederländischen Schachbunds – Titel „Ich will in die Weltklasse vorstossen“. Das sagte er tatsächlich, hat es dann aber relativiert bzw. genauer definiert. Auf die Frage „genauso weit oben wie Anish Giri?“ sagte er lachend „Der ist doch ein bisschen besser als ich. So gut wie Giri werde ich nie, aber … top30 ist mit harter Arbeit wohl drin.“ Eine originelle Mischung aus Selbstbewusstsein und Bescheidenheit – hierzulande sagt man „Groninger Mentalität“ und er ist Groninger. Vor anderthalb Jahren fragte ich ihn beim Limburg Open, ob er Schachprofi werden will – Antwort damals „abwarten, was ich in zwei drei Jahren erreicht habe“. Aktueller Stand: „Ich denke schon, aber bin mir noch nicht sicher. … Ungefähr mit 18 werde ich mich wohl entscheiden.“ Da hat er (* 30.4.1999) noch etwas Zeit.

 

Das Zürcher Weihnachtsopen ist vom 26.12. (mittags) bis 30.12., mit Doppelrunden am 27. und 29.  Die Startliste wird angeführt von, so steht es da, GM Arkadij Naiditsch aus Dortmund, Aserbaidschan. Naiditsch verteidigt also seinen Titel in Zürich und verzichtet demnach auf das Katar Open, wo er letztes Jahr 4,5/9 erzielt hatte und 29 Elopunkte im Wüstensand oder im Persischen Golf versenkte. In Zürich ist Deutschland (teilweise mit Migrationshintergrund) ausserdem/weiterhin u.a. durch Falko Bindrich, Vitaly Kunin und Leonid Milov vertreten; Sebastian Bogner ist ja mittlerweile Schweizer. Dabei sind auch noch u.a. Kiril Georgiev, Christian Bauer und Yannick Pelletier.

 

Nach dem Motto „das gibt es auch“ und „ich schreibe für ein deutsches Publikum“ erwähne ich noch das Erfurter Schachfestival. Da können Teilnehmer, jedenfalls diejenigen mit nicht allzu weiter Anreise, am zweiten Weihnachtsfeiertag noch mittags zu Hause ihre Gans verspeisen, bevor um 18:30 Anpfiff zur ersten Runde ist. Nichts gibt es umsonst, dafür werden an den nächsten drei Tagen Doppelrunden gespielt und dann noch eine am 30.12.  Das Teilnehmerfeld ist vor allem deutsch, auch wenn der an eins gesetzte einzige GM Chatalbashev Bulgare ist. Diverse IMs (u.a. Nikolas Lubbe, Jonas Lampert und Georgios Souleidis) können eventuell Preisgeld gewinnen, allerdings keine GM-Normen erzielen.

 

Wird sonst noch irgendwo Schach gespielt? Ja natürlich, in Moskau werden Nüsse geknackt. Allerdings kann ich zum „Nutcracker Team Match“ kaum Informationen im Internet finden – da ein Ungar mitspielt, findet Google immerhin diese ungarische Quelle: Vier erfahrene Spieler – Gelfand, Leko, Morozevich und Najer – spielen gegen vier russische Jungtalente – Artemiev, Bukavshin, Antipov und Oparin. Gleich dreimal, einmal mit klassischer Bedenkzeit und zweimal im Schnellschach, das Ganze vom 20.-23.12.  Offizielle Turnierseite ist ruchess.ru, da finde ich allerdings (jedenfalls auf Englisch) bisher gar nichts zum Turnier, und meine erste Quelle 2700chess.com nennt nur Gelfand und Leko.

 

Diese Kombi-Vorschau ist sicher unvollständig. Eventuell schreibe ich noch was zur EM im Blitz- und Schnellschach, bevor ich mich in den Weihnachtsurlaub verabschiede. Falls dem nicht so ist, wünsche ich den Lesern schon heute Frohe Weihnachten.

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