Schauen Sie doch mal kurz rein!


Gedanken des Dresdner Fotografen KARSTEN WIELAND über seine außergewöhnliche Bildserie bei der 2. Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung

 

„Die Bilder wirken auf mich schon erschütternd…

Wer trotz Schwerbehinderung so motiviert ist,

durch die halbe Welt zu reisen und Schach zu spielen

 der ist unbesiegbar – egal, wie seine Spielstärke ist.“

 

Tanja Selikson
(in einer Email an den Fotografen Karsten Wieland)

 

Snehit Saraf- Viktor Kononow

 

Über die 2. Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung [18.-24. Oktober], für die das engagierte Dresdner Organisationsteam um Dr. Dirk Jordan eine nahezu „1 zu 1 Betreuung“ anbot, d.h. jeder Spieler wurde von einem Schiedsrichter, Dolmetscher, Kraftfahrer etc. betreut, haben wir natürlich auf dem Schach-Ticker berichtet. Wer von ihnen aber noch einmal einen umfassenderen Rückblick wünscht, hat dazu Gelegenheit auf der Webseite des Veranstalters [http://www.worldchess-disabled.com/de/].

 

DSC_4642a Familie von Snehit Saraf, Yvonne Ledfuß, Karsten Wieland

Familie Saraf, Yvonne Ledfuß, Karsten Wieland

Ich würde übrigens kürzlich an dieses außergewöhnliche Ereignis durch ein bewegendes Bildmotiv in der Zeitschrift SCHACH Heft 12/2015 erinnert. Was lag deshalb nahe, den Fotografen KARSTEN WIELAND zu bitten, seine Gedanken zu diesem Schachfoto des Jahres 2015 aufzuschreiben? Wie sie sehen werden, ist es sogar eine ganze Serie!

 

Lesen Sie also seinen beeindruckenden Beitrag, der nachdrücklich die Aussage von Großmeister Thomas Luther beweist, der selbst versehrt und Vorsitzender der FIDE-Kommission für Menschen mit Behinderung ist:

 

„Schach ist aus meiner Sicht die einzige Inklusions-Sportart.“

 


 

Viktor Strekalovski, Snehit Saraf, Stanislav Mikheev

Viktor Strekalovski, Snehit Saraf, Stanislav Mikheev

Gerne komme ich Ihrem Wunsch nach und sende ihnen Bilder von Snehit Saraf. Er ist jetzt 26 Jahre alt und hatte im Kindesalter einen Tumor an der Wirbelsäule. Der konnte entfernt werden, allerdings ist er seitdem gelähmt. Seine Beine sind mangels Muskelmasse die eines Kleinkindes. Er kann sie nicht gebrauchen. Seine Eltern und die Schwester begleiten ihn. Zu Hause spielt er nur am Computer. In Dresden hat er soziale Kontakte. Wenn es seine Gesundheit zulässt, möchte er 2017 wiederkommen.

 

Das Bild von der Partie zwischen Snehit Saraf und dem hörgeschädigten Russen Viktor Kononow ist eher ein Schnappschuß der 1. Runde, der dokumentiert: Es geht doch! Snehit spielt an seinem kleinen Extratisch. Dafür habe ich mich eingesetzt. Ich kannte Snehit und seine Familie schon von der 1. WM 2013. Auch diesmal habe ich ihn wieder vom Flughafen abgeholt und war mit der Familie in Moritzburg.

 

Gleich am Flughafen wurde der Wunsch geäußert, für Snehit bessere Bedingungen als vor zwei Jahren zu schaffen. Damals saß er in seinem Rollstuhl. Um die richtige Höhe zu bekommen, wurden Decken und Kissen verwendet. Das war nicht optimal, denn er rutschte während der Partie. Als erste Idee sollte ein Podest gebaut werden, das wurde aber aus versicherungstechnischen Gründen verworfen. Zusammen mit seinen Eltern fanden wir den Stuhl mit dem kleinen Tisch. Das war für ihn gut. Ich habe mich dann dafür eingesetzt, dass er mit dieser Lösung spielen kann.

Snehit Saraf

An seinem Tisch war immer ein Schiedsrichter, der dafür gesorgt hat, dass auf allen Brettern identische Stellungen waren und die Uhr gedrückt sowie mitgeschrieben wurde. Während der WM war ich auch immer Ansprechpartner für die indischen Spieler sowie auch vieler Osteuropäer.

 

Snehits Mutter hatte sich Bilder im Großformat auf Papier gewünscht, weil bei uns die Qualität besser ist. Auch das konnte ich noch einrichten. Bin da kurz vor Ladenschluss in einem Elektronikmarkt gewesen. Am darauf folgenden Morgen früh um 6 Uhr konnte ich der überraschten Familie die Bilder auf dem Flughafen übergeben.

 

DSC_3695 Familie von Snehit SarafWährend der WM bekam ich von meiner Schachbekannten Tanja Selikson – sie kommt ursprünglich aus Moskau, lebt aber seit gut 20 Jahren mit ihrer Familie im Ländle und spielt in Schwäbisch Hall beim Schachclub Lachender Turm – die passende Reaktion:

 

„Die Bilder wirken auf mich schon erschütternd… Wer trotz Schwerbehinderung so motiviert ist, durch die halbe Welt zu reisen und Schach zu spielen, der ist unbesiegbar – egal, wie seine Spielstärke ist.“

 

Ich hab ihren Text ins Englische und Russische übertragen lassen und ihn am Pressebrett ausgehängt. Ich finde, besser kann man emotional die Botschaft der Fotos nicht beschreiben!

 

Ich bereite mich immer ausgiebig auf meine Bilder vor. Ideal ist es, wenn ich mit den Schachsportlern vorher reden kann. So gewinnen wir gegenseitiges Vertrauen. Ich lerne dabei, wie ich den Spieler aufnehmen kann, es entstehen Bildideen. Kein Bild darf gestellt wirken, natürlich habe ich als Fotograf eine große Verantwortung. Aber das wäre genug Stoff für einen eigenen Beitrag zum Thema Schachfotos. Ich fotografiere mit einer digitalen Spiegelreflexkamera. Mobiltelefone und anderes Spielzeug sind tabu.

Snehit Saraf

 

Shah Sagar, der 2014 das ZMDI Open gewann, hat mit meinen Informationen und Bildern selbst einen schönen Artikel geschrieben [http://en.chessbase.com/post/alexey-smirnov-wins-world-disabled-2015].

 

Ich hoffe natürlich sehr, dass ich Snehit und seine Familie in zwei Jahren in Dresden wieder sehen werde!

 

 

[Redaktion Raymund Stolze]


 

P.S.: Am gestrigen Sonnabend hat Karsten Wieland den Schach-Ticker-Beitrag über das Schachfoto des Jahres 2015 an Snehits-Familie per E-Mail geschickt. Heute kam die Antwort, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten!

 

Gesendet: Sonntag, 20. Dezember 2015 um 17:18 Uhr
Von: „SARAF ###  “
An: „Karsten Wieland ### “
Betreff: Thanks from Snehit

 

Sir

Good morning / Guten morgen / Moken

 

There is no words to express our feelings with regard to your thoughts, views and photos expressed to Raymund Stolze, chess journalist

 

You have already expressed “I find better one can not describe the emotional message of the photos“

 

We have shown this article to Snehit, his face has become glory. Snehit and Minu are expressing their heartly gratitude for you Sir. 

 

Thank you so much. We never forget the sharings with you in our life. 

 

Happy Christmas and Happy New year 2016

 

With love and warm regards

Saraf family


 

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