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Eine Schach-Ticker-Chronik zur Erinnerung an die Verstorbenen des Jahres – Redaktion RAYMUND STOLZE

 

chess-king-1372062558ApoSeit einigen Jahren habe ich ein Wochenend-Kurzabo der Tageszeitung DER TAGESSPIEGEL. Der Grund ist eigentlich die Freitagausgabe, wo es eine ganze Seite NACHRUFE gibt. „Vorbei – ein dummes Wort“, das Goethe-Zitat aus dem „Faust“, ist das Leitmotiv, und erinnert wird in lesenswerten Kurzportraits an Berliner, die in jüngster Zeit verstorben sind.

 

Beim Schach-Ticker habe ich die Rubrik „In Memoriam“ eingeführt, um aktuell zu reagieren. Einmal im Jahr wollen wir jedoch chronologisch eine Liste jener Personen veröffentlichen und, wo wir es für angemessen halten, auch kurze Texte dazu stellen, die das nationale und internationale Schachleben besonders mitgeprägt haben. Grundlage für die Aufstellung ist dabei das Wikipedia-„Portal Schach/Nekrolog“ des jeweiligen Kalenderjahres [https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Schach/Nekrolog#2015].

 


 

 

10.01. Slobodan Martinović [*25. Juli 1945]. Der größte Erfolg des serbischen Großmeisters – er erhielt den Titel 1979, da war er immerhin schon 34 – war sicherlich der Gewinn des Mitropa-Cups 1981 mit Jugoslawien in Luxemburg. Da hatte man ihm das Spitzenbrett seines Teams anvertraut. In der höchsten deutschen Liga war er drei Spielzeiten für den SCA St. Ingbert aktiv – zuletzt in der Saison 2003/04.

 

06.02. Oleg Tschernikow [*15.10.1936]. Manche ernten erst im Alter die Früchte – so wie der Russe, der 1985 IM wird. Weitere 15 Jahre muss er auf den Großmeistertitel warten, den er dem Gewinn der Seniorenweltmeisterschaft 2000 verdankt. Da ist der dreifache russische Seniorenmeister [1997, 2000, 2010] bereits 64.

 

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07.02. Harald Lieb [*25.12.1934]. „Titelhamster sind auch im Schach nicht ungewöhnlich. Was den Schachspieler Harald Lieb weltweit einzigartig macht, ist seine Vielseitigkeit. Er ist der Zehnkämpfer unter den Schachspielern. Und das meine ich wörtlich! Denn welcher Schachmeister hat schon beim Stabhochsprung mit einem Eisenstab die Latte bei 3,40 Meter Höhe überquert?“, so beginnt Michael Dombrowsky sein Portrait über Harald Lieb in seinem empfehlenswerten Buch Berliner Sachlegenden – Erinnerungen und Portraits aus der Zeit vor und nach dem Mauerbau [Edition Marco /Verlag Arno Nickel 2013]. Was das Schachliche angeht, so gewann FIDE-Meister Lieb zwischen 1963 und 1981 sieben Berliner Meistertitel im Westteil der geteilten Stadt, in der er den Schuldienst als Studiendirektor des Rückert-Gymnasiums beendete. Seinen größter Erfolg in seiner Schachkarriere war 1979 in München. Da spielte er die Internationale Deutsche Meisterschaft gemeinsam mit Weltmeister Anatoli Karpow, WM-Kandidat Robert Hübner und Exweltmeister Boris Spasski, den er in Runde 9 sensationell bezwingen konnte. Eine solche Sternstunde hat nicht jeder „Amateur“…

Ein ausführlicher Nachruf von Candida Splett (erschienen in DER TAGESSPIEGEL) ist am 28.April 2015 auch bei uns veröfentlicht worden.

 

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16.04. Colin Crouch [*14.10.1956]. Englischer IM und Schachbuch-Autor. Höchste FIDE-Elo 2430. Wir zeigen das Titelbild eines der zahlreichen von ihm verfassten Bücher mit dem interessanten Thema „Why we loose at chess?“

 

21.05. César Bouttevielle [*24. Juni 1917]. Er war Sohn eines Franzosen und einer Vietnamesin und wurde in einem Vorort von Hanoi geboren. Erst während des zweiten Weltkrieges beschäftigte er sich intensiv mit Schach. Und das ziemlich erfolgreich, denn er gewann zwischen 1945 und 1967 sechsmal den Landesmeistertitel. Damit hält er gemeinsam mit Maurice Raizman und Étienne Bacrot den französischen Rekord. Im Zeitraum von 1956 bis 1968 nahm Bouttevielle an sieben Olympiaden teil und erzielte er an den Brettern 1 und 2 ein Gesamtergebnis von 41½ Punkten aus 102 Partien [+29, =25, −48].

 

21.05. Joaquim Manuel Leal Durão [*25.10.1930]. Mal ehrlich gefragt: Kennen Sie Schachspieler aus Portugal? Nun, dieser Joaquim Durão war einst der erste Spieler seines Landes, dem der IM-Titel verliehen wurde. Das war 1975, da hatte er an sieben Zonenturnieren teilgenommen, und durch Platz 1 im gleichen Jahr in Caorle sich wohl diese Auszeichnung verdient. Klar ist auch, dass er mit 13 Landesmeistertiteln natürlich portugiesischer Rekordhalter ist. Durão, der seine erste ernsthafte Turnierpartie mit 17 spielte, vertrat sein Land darüber hinaus zwischen 1958 und 1982 bei zehn Schacholympiaden, und seine Bilanz [78/151] kann sich durchaus sehen lassen. Und als einziger portugiesischer Schachspieler saß er bei dabei 1966 in Havanna sogar dem amerikanischen Großmeister Robert James Fischer gegenüber. Mehr über den Mann finden Sie unter dem Link https://de.wikipedia.org/wiki/Joaquim_Dur%C3%A3o .

 

Anatoli_Mazukewitsch

17.06. Anatoli Mazukewitsch [*? 1938]. Sehen Sie sich dieses Bild genau an. Ich habe diesen Mann, der klein und verwachsen war, persönlich kennen gelernt, weil er regelmäßig Gast des Sportverlages Berlin war. Und das als rastloser Autor. In Erinnerung sind mir immer seine Projekt-Mappen, die er mir vorlegte, um mich für seine Projekte wie z.B. einem Band über Sultan Khan zu begeistern. Im Team von Anatoli Karpow war er ganz sicher einer der fleißigsten Arbeiter. Beider Buch Stellungsbeurteilung und Plan ist längst ein Klassiker. Und er selbst hat mit Schach matt! 555 Reinfälle, Verflixte Fehler und Seltene Gambits seine verdienten Soloauftritte. Sein genaues Geburtsdatum konnte ich nicht finden – Fehlanzeige. In den 1990er-Jahren haben wir uns allerdings verloren, und so bleibt mir diese Lücke, was eigentlich unverzeihlich ist …

 


walter-browne-the-stress-of-chess-and-its-infinite-finesse-_024.06. Walter Browne [*10.01.1949]. In diesem Fall verweise ich gern auf mein Kalenderblatt anlässlich des 65. Geburtstages des US-amerikanischen Schachspielers – das war ein erfreulicher Anlass! – , das wir am 7. Januar 2014 veröffentlicht haben [http://www.chess-international.de/Archive/22220].  Seine Autobiographie The Stress of Chess zeigt auf dem Titelfoto Walter Browne in den 1970-er Jahren.

 

 

11.07. Herbert Ahues [*02.03.1922]. Er war ein wahrer Großmeister für Schachkompositionen, Spezialstrecke Zweizüger. Ich hatte das Vergnügen, im Frühjahr 2013 mit dem damals 91-Jährigen zu sprechen – allerdings nur per Telefon. Und es ging nicht um ihn, sondern seinen Vater Carl Ahues [26. Dezember 1883 bis 31. Dezember 1968]. Der gehörte 1930 zum legendären Olympia-Team mit Kurt Richter, das in Hamburg bei der Schacholympiade Bronze geholt hatte. Das war gleichzeitig das erste Edelmetall überhaupt für die deutschen Schachspieler bei diesem Treffen der Nationen. Leider fiel die Antwort negativ aus, denn das Grab war aufgelöst. Der Sohn, so klang das aus dem Gespräch heraus, hat wohl dem Vater nie verziehen, dass er die Mutter verlassen hatte, und so wurde von ihm die Erinnerungsstätte in Hamburg-Ohlsdorf nach Ablauf der Liegefrist nicht mehr verlängert und eingeebnet …

Ich habe aus Anlass des Todes von Herbert Ahues dann ein „In Memoriam“ geschrieben, das Sie unter dem Link http://www.chess-international.de/Archive/41441#more-41441 nachlesen können.

 

13.08. Abram Roisman [*? 1932?]. Wieder so eine Lücke in einer Biografie, die bleibt. Es ist wenig, was ich unter dem Link http://openchess.by/news/1137.html finden kann: „3 августа на 84 году ушел из жизни мастер спорта СССР, международный мастер по игре по переписке, международный арбитр, чемпион Беларуси 1966 года, автор многочисленных книг на шахматную тематику Ройзман Абрам Яковлевич. Помним, любим, скорбим!“ Und das noch in Russisch! Na ja, im Sportverlag haben wir seinerzeit zwei Sammelbände mit Kurzpartien von ihm veröffentlicht – einmal waren es 400, dann noch einmal 333, die sich gut verkauften. Dass er beispielsweise IM und internationaler Schiedsrichter war, dazu Landesmeister von Weißrussland, wusste ich jedenfalls nicht.

 

17.10. Emory Tate [*27.12.1958]. So kann es einem im Schach auch ergehen, kaum zu glauben, aber wahr: Der US-amerikanische IM verstarb am während eines Schachturniers in San Jose am Brett. Bekannt war Tate für seinen unternehmungslustigen, kreativen Angriffsstil, der ihm 80 Partiesiege gegen Großmeister einbrachte.

 

Seppelt_alfred_2004_tds221.10. Alfred Seppelt [*12.07.1929]. Sein größter schachlicher Erfolg war der Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft 1957 mit der BSG Eckbauer Berlin. Insgesamt nahm Seppelt, der 1939 mit seinen Eltern von seiner Geburtsstadt Magdeburg nach Berlin übersiedelte, 25-mal an West-Berliner Meisterschaften teil, die er 1960 einmal gewinnen konnte. Prägend war allerdings sein Einfluss als Schachfunktionär. Seit 1984 leitete er die Geschicke des Berliner Schachverbandes. Unter seiner Ägide entwickelten sich der Berliner Sommer mit Teilnehmerzahlen zwischen 480 und 550 zum einstmals größten Open der Welt, das 16 Auflagen bis zur letzten Auflage 1998 erlebte. Außerdem initiierte und organisierte er das Politiker-Schachturnier, das sich zu einem wichtigen Treffen der Volksvertreter abseits von Parteienzwang entwickelte. Einen besonderen Coup landete Seppelt unmittelbar nach der Schacholympiade 1960 in Leipzig. Ihm gelang es nämlich, die USA-Nationalmannschaft mit Bobby Fischer in den Westteil Berlins zu locken, wo es ein Match zwischen einer West-Berliner Auswahl und den US-Amerikanern stattfand, dass die Gastgeber 0,5:4,5 verloren. Drei Tage später tauschte der 17-jährige Bobby Fischer zum großen Simultan der sowjetischen Großmeister in der Ostberliner Dynamo-Sporthalle auf. Ach ja, Seppelts Sohn Hans-Joachim ist nicht die Fußstapfen des Vaters getreten, was das Schach angeht, sondern hat sich als Doping-Experte der ARD auch international einen Namen gemacht.

 

23.10. Krunoslaw Hulak [*25.05.1951]. Wer mit 25 Jahren im Jahre 1976 seinerzeit den Großmeistertitel verliehen bekommt, der muss Schach spielen können. Und seine beste Elo von 2570 aus dem Jahre 2002 bestätigt das. Kein Wunder, dass Hulak seine Heimatländer Jugoslawien und Kroatien insgesamt sechs Mal bei Schacholympiaden vertrat. In beiden Ländern wurde er Landesmeister – in Jugoslawien 1976 und in Kroatien 2002. Und in der deutschen Bundesliga hat er ebenfalls Spuren hinterlassen. So war Hulak in der Saison 1989/1990 beim SK Zehlendorf aktiv. Hinter Exweltmeister Michail Tal spielte er an Brett 2. Die Doppelspitze konnte freilich den Abstieg in Liga 2 nicht verhindern.

 

Isaak_Linder31.10. Isaak Linder [*20.11.1920]. Er war ein international geachteter Schachhistoriker und Autor. Davon konnte ich mich selbst überzeugen. Gemeinsam mit seinem Sohn Wladimir hat er im Sportverlag Berlin vier Bücher veröffentlicht: SCHACH – Das Lexikon [1996] und zuvor drei Bände in der Schachgenie-Reihe über José Raoul Capablanca, Emanuel Lasker [1991] und Alexander Aljechin [1992]. Den deutschen Weltmeister hat er bei den legendären Moskauer Internationalen Turnieren 1935 und 1936 beobachten können und mit ihm im Rahmen einer Simultanveranstaltung eine Partie gespielt. Und was Aljechin angeht, so fällt nun Linders Todestag genau auf dessen Geburtstag [*31.10.1892]. Was für ein Timing, könnte man anmerken. Ein Nachruf in Russisch finden die Schach-Freaks unter Ihnen unter dem Link http://ruchess.ru/news/all/ushel_iz_zhizni_isaak_linder/ .

 

03.12. Helmut Reefschläger [*8. April 1944] „Lebenskünstler“ titelte Martin Breutigam im TAGESSPIEGEL [Ausgabe vom 20. Dezember 2015] seine Schachkolumne zum Ableben den deutschen IM, und ich gebe hier gern eine Passage aus dem Text wieder: „Wenn ein Gesprächspartner den Konjunktiv II stets mit „würde“ bildete, konnte Helmut Reffschläger spöttisch lächeln. Er war eben nicht nur ein Internationaler Meister im Schach und ein promovierter Mathematiker, er verstand sich auch als Sprachästhet. Einige Jahre hatte er Wissenschaftskolumnen für die „Hörzu“ geschrieben, sein Doktortitel habe ihm die nötige Seriosität verliehen, verriet er im kleinen Kreis einmal selbstironisch. Eigentlich war Reefschläger eher ein Lebenskünstler. Und wie kaum ein anderer konnte der Gebildete die eigene Spielkunst reflektieren.“ Ich hätte den Mann gern persönlich kennen gelernt …

 

Sollten Sie Hinweise für Ergänzungen haben, melden Sie sich einfach bei uns, denn unsere Besucher haben natürlich das Wort – wenn auch nicht das letzte …

 

 

 


 

 

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