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Eine Schach-Ticker Serie zum zehnten Todestag der sowjetischen Schachlegende am 5. Dezember 2016 von JULIA KIRST

 

Julia Kirst

Julia Kirst

David Bronstein

David Bronstein (by Rochade Kuppenheim)

Im Kalenderblatt [28] „Das Phänomen Bronstein …“ [http://www.chess-international.de/Archive/48378#more-48378] hatten wir angekündigt, dass unsere Autorin JULIA KIRST in diesem Jahre eine monatlich erscheinende Serie zum zehnten Todestag der Schachlegende veröffentlichen wird. Lesen Sie heute Folge 1!

 

David Bronstein spielte viele interessante und spektakuläre Partien. Tiefgründige Kombinationen, riskante Opfer, spekulative Züge – genau deshalb lieben ihn zahlreiche Schachfans in aller Welt. Bei all diesen schönen Partien ist es schwer, die beste von ihnen zu küren. Dennoch gibt es eine Partie [oder besser gesagt ein Kunstwerk], welche herausragt und stark an „Die Unsterbliche Partie“ von Adolf Anderssen gegen Lionel Kieseritzky aus dem Jahre 1851 erinnert: David Bronstein gegen Ljubomir Ljubojevic, gespielt im Interzonenturnier 1973 in Petropolis [Brasilien].

 

Wie Anderssen opfert Bronstein beide Türme. Im weiteren Partieverlauf opfert er außerdem seinen Springer und führt den eigenen König weit aufs Feld hinaus. Ein tolles Spektakel, welches viele Schachfans begeisterte.

 

Zahlreiche Großmeister wie beispielsweise Garri Kasparow, Jan Timman und Jonathan Speelman, aber auch David Bronstein selbst analysierten diese Partie ausführlich. Man sollte aber nicht vergessen, dass beide Spieler während der Partie nicht unendlich viel Zeit hatten und sich am Brett im Variantenwirrwarr zurecht finden mussten.

 

Das war alles andere als einfach, denn sogar einige [sehr gründliche] Analysen der Großmeister stellten sich später als fehlerhaft heraus und wurden korrigiert. Genug der Vorrede, Vorhang auf für „Bronsteins Unsterbliche“!

 

David Bronstein – Ljubomir Ljubojevic

Interzonenturnier, Petropolis 1973, 11. Runde

Aljechin-Verteidigung [B03]

 

  1. e4 Sf6 2. e5 Sd5 3. d4 d6 4. c4 Sb6 5. f4 Der Vierbauernangriff in der Aljechin-Verteidigung. 4. Sf3 wäre die solidere Wahl und wird heutzutage auch bevorzugt. 5… dxe5 6. fxe5 c5 Ljubojevic weicht von der Hauptvariante ab. Meist geht es wie folgt weiter: 6… Sc6 7. Le3 Lf5 8. Sc3 e6. Ljubojevic hatte aber 6… c5 zuvor bereits in einigen Partien gespielt. Bronstein musste also davon ausgehen, dass sein Gegner wusste, was er tat [siehe Garri Kasparow, Meine berühmten Vorkämpfer, Band 3, Seite 95].
  2. d5 e6 8. Sc3 exd5 9. cxd5 c4 Falls Schwarz 9… Dh4+ spielt, antwortet Weiß 10. g3 Dd4 11. Lb5+ Ld7 12. De2 Sxd5 13. e6! [siehe David Bronstein und Tom Fürstenberg, The Sorcerers Apprentice, Seite 181] und hat starken Angriff gegen den schwarzen König. 10. Sf3 Lg4 11. Dd4 Lxf3 12. gxf3 Lb4 13. Lxc4 0-0 14. Tg1 g6 15. Lg5 Wie spannungsgeladen diese Stellung ist, zeigt folgende Variante: 15. Lh6? Sc6 16. De4 Sxe5! [siehe Steve Giddins, Bronstein – Move by Move, Seite 110], und Weiß geht an der unsicheren Königsstellung im Zentrum zugrunde. 15… Dc7

 

4
Stellung nach 15… Dc7

 

  1. Lb3! Der Kulminationspunkt der Partie, ab jetzt sind die Varianten hochkompliziert und am Brett kaum zu überblicken.

16… Lc5 17. Df4 Genau wie Anderssen opfert er den Turm auf g1. Das ist genial und intuitiv von David Bronstein! Erst später wird deutlich, wie stark der weiße Angriff wirklich ist, wenn Schwarz nicht die richtige Fortsetzung findet.

 

17… Lxg1 18. d6 Dc8? Ein Fehler in höchst komplizierter Stellung. Stärker ist 18… Dc5! 19. Se4 Dd4 20. Td1 Dxb2+ [siehe Garri Kasparow, Meine berühmten Vorkämpfer, Band 3, Seite 98]. Analysen der Großmeister zeigten, dass es in dieser Stellung keinen Gewinnweg für Weiß gibt. Später bestätigte der Computer diese Meinung, Bronstein hat maximal ein Unentschieden. Spielt er 21. e6, dann steht Schwarz leicht besser, denn der weiße Angriff reicht nicht aus. Der Anziehende kann aber das Unentschieden mit 21. Td2 forcieren, beispielsweise: 21… Da1+ 22. Td1 Db2 23. Td2 Dc1+ 24. Ke2 S8d7 25. Lf6 Sxf6 26. Sxf6+ Kg7 27. Sh5+ gxh5 28. Dg5+ Kh8 29. Df6+ und Dauerschach [siehe Steve Giddins, Bronstein – Move by Move, Seite 115].

 

  1. Ke2? Weiß revanchiert sich mit einem Fehler. Nach späteren Analysen stellte sich heraus, dass 19. 0-0-0! der richtige Zug ist, z. B. 19… Dc5 [laut Timman das stärkste für Schwarz] 20. e6 S8d7 21. exf7 Kg7 [siehe ebenda, Seite 115]. Nach 22. Kb1 ist der weiße Springer auf c3 entfesselt und kommt mit verheerender Wirkung nach e4.

 

5

Stellung nach 19. Ke2?

 

19… Lc5? An dieser Stelle hätte Schwarz nach 19… Dc5! eine gewonnene Stellung gehabt, z. B. 20. Se4 Db5+ [Jetzt bietet dieser Zug Schach, deshalb ist Ke2 falsch.] 21. Kd2 Sc4+ 22. Ke1 Le3] -+; es gewinnt auch 22… Se3 gewinnt [siehe ebenda, Seite 116].

 

  1. Se4! Sbd7 21. Tc1! Diese Fesselung auf der c-Linie ist entscheidend.

 

21… Dc6 22. Txc5!! Ein tolles Ablenkungsopfer! Der Springer auf d7 muss die Deckung des Punktes f6 aufgeben.

 

22… Sxc5 23. Sf6+ Kh8 24. Dh4 Db5+

 

6
Stellung nach 24… Db5+

 

  1. Ke3!! Für mich ist dieser Zug der genialste in der Partie. Bronstein spielte ihn in großer Zeitnot. Kaum zu glauben, dass 25. Ke3!! der einzige Gewinnzug ist, wie spätere Analysen zeigten. Wenn der König nach f2 geht, dann spielt Schwarz 25… Sd3+ 26. Kg1 Dc5+ 27. Kg2 h5 28. Sxh5 Df2+! [ebenda, Seite 119] und nach dem Damentausch ist es fraglich, ob Weiß genug Kompensation für das geopferte Material hat. Nach 25. Ke3!! hat Schwarz zwar einen Turm und die Qualität mehr, trotzdem ist seine Stellung verloren. Ihm gehen die Schachs aus und aufgrund des starken Angriffs von Weiß muss er viel Material zurückgeben, sodass der Anziehende am Ende mit einem siegreichen Vorteil verbleibt.

 

25… h5 Falls 25… Dd3+, dann 26. Kf2. Der Nachziehende hat irgendwann keine Schachs mehr [siehe die Anmerkung nach dem 26. Zug von Schwarz].

  1. Sxh5! Na klar, das Springeropfer geht auch noch.

 

26…Dxb3 Ljubojevic gibt die Dame, aber die Stellung ist für Schwarz verloren, denn der weiße König entkommt den Schachs. Auf 26… Dd3+ spielt Weiß 27. Kf2 Se4+ [27… gxh5 28. Lf6+ nebst Matt] 28. fxe4 Dd4 29. Kf1 Dd3+ 30. Ke1 Db1+ 31. Ld1 ]ebenda].

  1. axb3 Sd5+ 28. Kd4! Der weiße König setzt seinen triumphalen Marsch fort. Die Stellung ist für Weiß gewonnen, aber Ljubojevic spielt weiter, denn Bronstein befindet sich in arger Zeitnot.

 

28… Se6+ 29. Kxd5! Sxg5 30. Sf6+ Kg7 31. Dxg5 Tfd8 32. e6 fxe6+ 33. Kxe6 Tf8 34. d7 a5 35. Sg4 Ta6+ 36. Ke5 Tf5+ 37. Dxf5 gxf5 38. d8D fxg4 39. Dd7+ Kh6 40. Dxb7 Tg6 41. f4 Nachdem Bronstein die verbliebenen Züge in der vorgegebenen Zeit ausführen konnte, gab Ljubojevic auf. [1-0]

 

Eine Partie mit unglaublich vielen taktischen Möglichkeiten. Kein Wunder, dass David Bronstein für diese Partie den Schönheitspreis bekam. [ siehe Garri Kasparow, Meine berühmten Vorkämpfer, Band 3, Seite 99].

 

In der Schachliteratur ist diese Partie nicht als „Bronsteins Unsterbliche“ bekannt [vielleicht ändert sich das irgendwann], aber sie hat alles, was eine ästhetisch hochwertige Partie ausmacht: Begeisternde Kombinationen [doppeltes Turmopfer + Springeropfer], mutige Partieanlage (Vierbauernangriff in der Aljechin-Verteidigung) und überraschende Pointen [16. Lb3, 25. Ke3].

 

Eine Partie mit unglaublich vielen taktischen Möglichkeiten. Kein Wunder, dass David Bronstein für diese Partie den Schönheitspreis bekam [siege Garri Kasparow.

 

In der Schachliteratur ist diese Partie nicht als „Bronsteins Unsterbliche“ bekannt [vielleicht ändert sich das irgendwann], aber sie hat alles, was eine ästhetisch hochwertige Partie ausmacht: Begeisternde Kombinationen (doppeltes Turmopfer + Springeropfer), mutige Partieanlage (Vierbauernangriff in der Aljechin-Verteidigung) und überraschende Pointen [16. Lb3, 25. Ke3].

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Lesen Sie im kommenden Monat Folge 2 „Zugzwang“! David Ionowitsch Bronstein wäre am 19. Februar 92 Jahre alt geworden. Er starb am 6. Dezember 2006 in Minsk.

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