Ein persönlicher Erlebnisbericht vom Paderborner Schachtürken-Cup 2015 von ULLA HIELSCHER

 

Weitere Fotos auf der Facebookseite von Ulla. Hier der Zuse Relaisrechner Z11 (1954) ubd Z23.

Weitere Fotos auf der Facebookseite von Ulla. Hier der Zuse Relaisrechner Z11 (1954) ubd Z23.

Zwischen Weihnachten und Neujahr gibt es sehr viele Schachopen. Da ich immer gerne Turniere an Orten spiele, an denen ich noch nicht war, entschloss ich mich, den Schachtürken-Cup in Paderborn mitzuspielen.

 

Das Turnier fand im Heinz Nixdorf Museum statt, dem größten Computermuseum der Welt. Ich spielte in der A Gruppe und war dort am Ende der Ratingrangliste angeordnet. So rechnete ich damit, dass ich viel Zeit für das Museum haben würde …

 

Die Spielbedingungen waren sehr gut, man hatte ausreichend Platz, und die ersten fünf Partien wurden im Auditorium des Museums gespielt und live übertragen. Um schnelle Remis zu vermeiden, gab es für einen Sieg 3 Punkte und für ein Remis 1 Punkt.

 

Turnierseite

Es nahmen in der A Gruppe 103 Teilnehmer teil, darunter drei GMs, drei IMs und vier FMs.

 

In der B Gruppe spielten 85 Spieler mit, hier durften nur Spieler mit einer DWZ unter 1800 teilnehmen.

 

In der ersten Runde verlor ich auch erwartungsgemäß, allerdings war es eine spannende Partie, in der ich nicht chancenlos war. Nach der Runde ging ich ins Museum, zu dem wir Schachspieler freien Eintritt hatten. Das Museum erstreckt sich über drei Stockwerke, im ersten Stockwerk wird die Geschichte der Schrift und des Rechnens ausgestellt. Außerdem stehen dort die einzelnen Modelle der Rechenmaschinen, die im Laufe der Zeit entstanden sind und ebenso sind dort die ersten Buchdruckmaschinen ausgestellt, die ersten Schreibmaschinen und viele andere interessante Dinge.

 

Keilschrift

Keilschrifttext (ca. 3100 vor Christus) mit Berechnungen zum rechtwinkligen Dreieck nach Pythagoras.

 

Napiers_Staebchen

John Napier, der Erfinder der Logarithmen, schuf 1617 ein weiteres Rechenhilfsmittel: Er schrieb das Einmaleins derart geschickt auf einen Satz von Stäbchen, dass man damit mehrstellige Multiplikationen durchführen konnte. Sie bildeten eine Vorstufe zur späteren Mechanisierung des Rechnens durch Rechenmaschinen.

 

Rechnen_AegyptenRechnen_Aegypten

Papyrus aus dem 18. Jahrhundert vor Christus. Er listet Einnahmen und Ausgaben von Bierkrügen und Broten auf.

 

In der zweiten Runde spielte ich gegen einen Gegner, der von der Zahl her etwas stärker war als ich. In der Eröffnung opferte er zwei Bauern und es entstand eine wilde Stellung. In einer für mich besserer Stellung lehnte ich ein Remisangebot ab, verschlechterte dann aber Zug für Zug meine Position, stellte auch noch eine Figur ein und hatte dann ein Endspiel mit Läufer und vier Bauern gegen Läufer, Springer und drei Bauern, das ich dann noch irgendwie Remis hielt.

 

Nun war Zeit den Namensgeber des Turniers zu besuchen:

 

Schachtuerke

1769 baute der Hofkammerrat von Kempelen den Schachtürken und präsentierte ihn der Kaiserin Maria Theresia. Die Maschine gewann eine Partie, und es folgten weitere Vorstellungen. Von Kempelen verlor aber bald das Interesse an weiteren Aufführungen. Kaiser Josef II reaktivierte 1781 den Schachtüren und schickte ihn mit von Kempelen auf Reisen. 1809 besiegte er Napoleon.

 

In der dritten Runde hatte ich wieder einen sehr viel stärkeren Gegner und konnte in einer typischen Französisch Partie, in der Weiß einen Bauern opferte und alles versuchte, mich zu besiegen, Remis erzielen.

 

Leider war das Museum an diesem Tag geschlossen, so dass ich mich ein wenig ausruhen konnte.

 

Die Ruhe tat mir gut, denn in der Nachmittagsrunde hatte ich wieder einen Mehrbauern und konnte dieses Mal endlich gegen einen Gegner mit einer höheren Elozahl gewinnen.

 

In der Vormittagsrunde am Dienstag bekam ich dann ein Eloschwergewicht und spielte meine schönste Partie des Turniers, die ich gewinnen konnte. Es war eine Partie, in der ich mit Schwarz die Französische Verteidigung wählte und starken Angriff bekam, der zu entscheidenden Materialgewinn führte und der Gegner dann die Segel strich.

 

Nach der Partie ging ich wieder in „mein“ geliebtes Museum und schaute mir die Sonderausstellung zu Ada Lovelace an. Ada wurde 1815 als Tochter des romantischen Dichters Lord Byron und der Aristokratin Anne Isabella Milbanke geboren. 1843 hat sie einen Algorithmus für die Analytica Engine geschrieben, eine von Charles Babbage erfundene Rechenmaschine, die allerdings nie gebaut wurde. Das Programm nahm wesentliche Aspekte späterer Programmiersprachen etwa das Unterprogramm oder die Verzweigung vorweg, deswegen kann Ada als erste Programmiererin der Welt bezeichnet werden. Und das in einer Zeit, in der Frauen kaum Zugang zur Bildung hatten.

 

Da ich bei diesem Museumsbesuch zu viele Informationen aufgenommen hatte, war ich vermutlich etwas erschöpft, denn die Nachmittagsrunde lief leider nicht so gut, und ich verlor sie.

 

Auch die letzte Runde endete mit einer „Null“ für mich, aber mit zwei Siegen, zwei Remis und drei Niederlagen und das gegen durchwegs stärkere Gegner habe ich trotzdem ein sehr gutes Turnier gespielt.

 

Das A-Turnier gewann GM Felix Levin nach Buchholz vor GM Henrik Teske, die beide 17 Punkte (5 Siege und 2 Remis) erreichten und nicht gegeneinander gespielt haben. In der B-Gruppe siegte Frank Klöpperpieper als Ranglisten 24. mit sechs Siegen und nur einem Remis!

 

Also wer zwischen Weihnachten und Neujahr ein schönes Turnier in einem ungewöhnlichen Ambiente spielen möchte und auch noch Technik interessiert ist, dem kann ich dieses Turnier nur wärmstens empfehlen. Mittags bot die Museums eigene Kantine wechselnde Mittagsgerichte zu moderaten Preisen an.

 

osborne

Osborne, der erste auf dem Markt erhältliche tragbare Computer kam 1983 auf dem Markt.

 

Data_General

1984 gab es einen handlicheren Computer, der nur 5,5 kg schwer und eine Akkulaufzeit von 8-10 Stunden hatte.

 

 

Epson

Und hier ein Epson Notebook mit eingebautem Kassettenteil und Minidrucker.

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P.S. Die Abschlusstabelle – unsere Berichterstatterin Ulla Hielscher, die in der Frauen-Bundesliga für Aufsteiger Doppelbauer Kiel aktiv ist, und das nicht nur als Mannschaftsführerin – finden Sie auf der Webseite des Veranstalters unter dem Link http://www.schachtuerken-cup.de/open/

 

Schachcomputer: Mensch gegen Maschine – Von Fabian Mauruschat

Die Geschichte des Schachspiels ist auch eine Geschichte der künstlichen Intelligenz. Schon Jahrhunderte vor der Erfindung des Computers war der Traum von der denkenden Maschine mit dem Spiel verknüpft. Dabei begann alles mit einer Täuschung.

 

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