Meine Spieler des Jahres 2015 – Ein persönliches Ranking der TOP 10 von IM STEFAN LÖFFLER, Wien

 

Wei Yi

Wei Yi

Ein spannendes Schachjahr hat begonnen: Mit Kandidatenturnier, Schacholympiade und WM-Kampf. Vielleicht auch mit einem neuen FIDE-Präsidenten. Nichts davon gab es 2015. Zwar wurde die Grand Chess Tour mit den Stationen Stavanger, St. Louis und London aus der Taufe gehoben. Doch Weltklasseschach wurde auch vorher schon geboten. Die immergleichen Begegnungen innerhalb der Tour nutzen sich ab. Grandiose Partien gab es kaum. Mehrere Spieler waren außer Form. Auch das Regelwerk lässt zu wünschen übrig. Obwohl Carlsen weniger Punkte holte als drei andere und zwanzig Elopunkte einbüßte, gewann er die Gesamtwertung.

 

Was war noch? China hat mit dem Gewinn der Mannschafts-WM den Olympiadesieg bestätigt. Erstmals seit einem Vierteljahrhundert traten armenische Großmeister in Aserbaidschan an – was auch ein Verdienst von FIDE-Präsident Iljumschinow ist. Doch nun steht dieser auf einer Sanktionsliste der USA. Wenn die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stimmen, muss er abtreten. Dass die Verbände es nicht offen aussprechen, zeigt, wie abhängig sich das organisierte Schach von seinem Geldbeschaffer aus Russland fühlt.

 

Im deutschen Schach war 2015 relativ viel los: Höhepunkt war das Grenke Masters in Baden-Baden, das dem Sparkassen-Chess-Meeting in Dortmund den Rang abgelaufen hat. Berlin kam unverhofft in den Genuss einer WM im Schnell- und Blitzschach. Um die Führung im Deutschen Schachbund tobte eine öffentliche Schlammschlacht. In diesem Kontext verkam zur Randnotiz, dass Spitzenspieler Arkadij Naiditsch zu Aserbaidschan wechselte. Der gerade einmal elf Jahre alte Vincent Keymer schürt mit Siegen gegen drei Großmeister Hoffnungen, dass es endlich mal wieder ein Deutscher ganz weit nach vorne bringt.

 

Die russische Zeitschrift 64 lässt nun wieder Schachjournalisten abstimmen, wer den Schach-Oscar für das vergangene Jahr erhält. Zur Stimmabgabe nominiert man seine zehn Besten. Ich mache meine Liste wie jedes Jahr öffentlich und erkläre meine Wahl.

 

  1. Wei Yi
video_gross video_gross
 Blitz: Wei Yi – Jaime Santos  Wei Yi – Bruzon

ist der bisher jüngste Spieler über 2700. Gegen Bruzon gewann er die wohl spektakulärste Partie des Jahres. Er führte China mit dem höchsten Score zum WM-Titel. Er wurde Chinesischer Meister und gewann in Léon und Wijk aan Zee – dort zwar nur das B-Turnier, doch obwohl er der bisher jüngste 2700-Spieler ist, wurde er zu keinem einzigen Topturnier eingeladen. Den vielleicht nächsten Weltmeister so links liegen zu lassen, wirft ein schlechtes Licht auf mehrere Veranstalter. An seinem unternehmungslustigen Spielstil kann es nicht liegen. Liegt es daran, dass er Chinese ist?

 

  1. Magnus Carlsen

 

hatte nach Jahren, in denen er schlechtestenfalls mal Dritter wurde, einige schlechtere Platzierungen. Doch er gewann auch sechs Turniere – mehr als alle seine Rivalen, und er hätte hier auch Platz eins verdient.

 

  1. Lewon Aronjan

 

gewann in St. Louis eines der bestbesetzten Turniere des Jahres und sorgte am Spitzenbrett dafür, dass Armenien bei der Mannschafts-WM und -EM auf den Medaillenplätzen landete. Mit seiner Bereitschaft, in Aserbaidschan anzutreten, zog er seine Landsleute mit und setzte ein Zeichen für Frieden zwischen den beiden Nationen.

 

  1. Anish Giri

 

blieb in der Grand Chess Tour als einziger ungeschlagen und holte eineinhalb Punkte mehr als jeder andere. In der Weltrangliste hat er sich weit nach vorne gearbeitet und ist nach jetzigem Stand Elofavorit im bevorstehenden Kandidatenturnier.

 

  1. Hikaru Nakamura

 

gewann in Gibraltar, Zürich und Las Vegas und sicherte sich mit einem geteilten ersten Platz beim Grand-Prix-Abschluss in Chanty-Mansijsk einen Platz im Kandidatenturnier. Zwischenzeitlich mit 2814 Elo geführt, lief es zum Jahresende schlechter.

 

  1. Maxime Vachier-Lagrave

 

hat sich endlich in die Top Ten hochgespielt. Bei der Grand Chess Tour bewies er, dass seine Nachnominierung [für Wesley So] in Ordnung ging. Und er gewann Biel.

 

  1. Peter Swidler

 

bewies im Weltcup die besten Nerven, qualifizierte sich damit fürs Kandidatenturnier und führte Russland zum EM-Titel. Hochklassige Einladungen hatte der Sankt Petersburger nicht. Dafür bewies er als Kommentator Weltklasse.

Nachbemerkung: der Nervenstärkste im Weltcup war natürlich Karjakin, der das Finale gegen Swidler nach 0:2 noch drehte, was ich völlig verdrängt hatte – danke für den Hinweis an Thomas Richter – auf meine Liste hätte es Karjakin trotzdem nicht geschafft.]

 

  1. Pawel Eljanow

 

gelang im Weltcup das herausragende Einzelresultat des Jahres.

 

  1. Wladimir Kramnik

 

führte Siberia Nowosibirsk zum Europacup und schloss das Jahr auf Platz zwei der Eloliste ab.

 

  1. Yannick Pelletier

 

hat gezeigt, dass auch die Nummer 357 der Welt ganz Große schlagen kann: Innerhalb weniger Wochen besiegte der Schweizer sowohl den zu dem Zeitpunkt Weltranglistenzweiten Nakamura als auch Weltmeister Carlsen.

____

Und hier zum Vergleich das Ranking von Stefan Löffler für 2014: 1. Magnus Carlsen, 2. Fabiano Caruana, 3. Yu Yangyi, 4. Viswanathan Anand, 5. Wesley So, 6. Wei Yi, 8. Hou Yifan, 8. Alexander Grischuk, 9. Anish Giri. 10. Richard Rapport [http://www.chess-international.de/Archive/31573#more-31573]. Den Schach-Oscar gewann Weltmeister Magnus Carlsen zum sechsten Mal in Folge.

Online spielen
Forum

Bundesliga-Statistik

de.wikipedia.org

Elo
DWZ/Vereinssuche
DWZ/Spielersuche
RSS-FEED
Archive
Kategorien
  • Aufrufe heute: 73.380
  • Aufrufe gestern: 135.680