Schnellschach in Tallinn

 

Beginn 8.1.: 13 Uhr – Beginn 9. u. 10.1. 10 Uhr

Normalerweise beginnt das Schachjahr (für mich, d.h. offene Turniere in der ersten Januarwoche verfolge ich allenfalls ein bisschen) mit Wijk aan Zee. Dieses Jahr ist Wijk aan Zee eine Woche später, und damit lohnt sich am Tallinnzweiten Januar-Wochenende auch ein (Internet-)Blick nach Tallinn. In Wijk aan Zee sind die Bedingungen (draussen, natürlich nicht drinnen) mal winterlich, mal eher herbstlich. In Tallinn herrscht momentan der Winter – Wettervorhersage kommt später, aber das Titelbild ist auch aussagekräftig. Das habe ich auf Emil Sutovskys Facebook-Seite gefunden – das Turnier wird von ACP, estnischem Schachverband und Estonian Sports Association Kalev (zu Lebzeiten Keres‘ Verein) gemeinsam organisiert.

 

Wer spielt alles mit? Ich nenne zunächst die ersten fünfzehn der Setzliste – da Schnellschach gespielt wird, nach Rapid-Elo sortiert: Svidler, Kovalenko, Gelfand, Fridman, Matlakov, Berkes, Eljanov, Vitiugov, Motylev, Tiviakov, Howell, Ganguly, Georgiev, Sutovsky, Duda. Damenpreise gibt es auch, Kandidatinnen sind wohl vor allem Gunina, Kosteniuk und Cramling. Und da es ein Turnier nach Schweizer System ist, sind auch titellose Spieler dabei – im unteren Bereich der Setzliste (insgesamt haben sich 178 Spieler angemeldet) vor allem Esten, daneben die anderen baltischen Staaten, Finnland usw. . Daniel Fridman vertritt die deutschen Farben alleine – aus biographischen Gründen spielt er öfters mal im Baltikum.

 

Eine Turnierseite gibt es, bzw. eine Seite zum Thema „Paul Keres-100“. Momentan stehen da vor allem allgemeine Infos, während dem Turnier gibt es dann zumindest Live-Übertragung. Da Keres‘ runder Geburtstag Anlass dieses Turniers ist, wähle ich auch die Rubrik Kalenderblätter, aber speziell zu Paul Keres wird Kollege Hartmut Metz etwas schreiben.

 

Nun zuerst einige allgemeine Infos: Gespielt werden elf Runden, über drei Tage verteilt – Freitag 8.1. ab 14:00, Samstag und Sonntag ab 11:00 (jeweils Ortszeit, in Deutschland ist es eine Stunde früher). Preisgeld gibt es doppelt – einmal für alle, dann auch (damit zu kombinieren) für ACP-Premiummitglieder. Der Sieger kann maximal 3500 Euro verdienen (2000 + 1500), die Siegerin bis zu 650 Euro (400 + 250) – es sei denn, sie landet geschlechtsneutral unter den ersten sechs. Es ist möglich, um direkt vor dem Turnier schnell noch ACP-Premiummitglied zu werden. Sutovsky und das Regelwerk erwähnen auch, dass jedenfalls einige Grossmeister, und nicht nur die allerbekanntesten, Konditionen (Hotelübernachtung gratis) bekommen. Zum Wetter: Minustemperaturen im zweistelligen, Sonntag nur noch im einstelligen Bereich, aktuell knackige -19ºC.

 

Paul Keres 100Was kann ich noch schreiben? Für Paul (Keres) ist wie gesagt Hartmut (Metz) zuständig – links nur nochmals der Hinweis auf seinen runden Geburtstag. Vielleicht, mit Dank an Wikipedia, ein bisschen zur Geschichte des bzw. der Turniere. Ein Tallinn International mit klassischer Bedenkzeit gab es 1969-1989 alle zwei Jahre, ab 1977 hiess es Keres Memorial – zuvor noch nicht, da Keres 1975 verstarb. Sieger waren neben Keres selbst (zuletzt 1975) vor allem Mikhail Tal, einmal auch Tigran Petrosian. Ab 1991 wurde es jährlich als Schnellturnier ausgetragen – 2007 fiel es offenbar aus, 2008 fand es offenbar bisher letztmalig statt. Auch da mitunter recht bekannte Sieger, u.a. Kortschnoi, Ivanchuk, Timman, Morozevich, Schirov und Karpov. Hoppla, laut anderswo im Internet gab es auch in den Jahren danach noch Keres Memorials in Tallinn, Wikipedia weiss offenbar nicht alles? Ich werde da noch nachforschen, aber diesen Beitrag dennoch nun veröffentlichen.

 

Keres‘ letztes Turnier, und sein letzter Turniersieg, war 1975 in Vancouver – auf der Rückreise erlag er im Alter von 59 Jahren in Helsinki einem Herzinfarkt. Die Kanadier beschlossen daraufhin „Keres-Memorial, das machen wir auch!“. Ganz so stark besetzt war es offenbar nie – die prominentesten Sieger hiessen Kevin Spraggett, Lubomir Ftacnik und Vladimir Epishin. Zuletzt gewann regelmässig ein gewisser Georgi Orlov, aber der hat nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag. Der Schachticker hat nachgeforscht und Internet ist mehr als Wikipedia. Er – nicht zu verwechseln mit GM Andrey Orlov und es gibt noch zig Orlovs – ist ein amerikanischer IM. Seine persönliche Hommage an Keres besteht offenbar darin, dass er seit Jahren nur noch ein Turnier spielt – ja genau, das (andere) Keres Memorial.

 

Das Turnier in Tallinn werde ich wohl weitgehend verfolgen (das in Kanada eher ignorieren). Samstag habe ich dasselbe Problem wie Yochanan Afek, der es auf Facebook erwähnte: parallel spielen die niederländischen Ligen ihre Mannschaftskämpfe. So ist es eben – Schach ist mehr als die absolute Weltspitze, und auch mehr als (wenn man Weltspitze als top10 definiert) die Subtop an den vorderen Brettern des Keres Memorials.

7.1.2016  10:15 Uhr: Die neue 2 Euromünze zum Gedenken an Paul Keres in der Hand von GM Emil Sutovski.

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