Spitzenreiter Bad Königshofen marschiert, Meister Baden-Baden trotz Kantersieg nur auf Platz 5 – Ein Bericht vom 5. Bundesliga-Spieltag von RAYMUND STOLZE

 

GM Victoria Cmilyte

GM Victoria Cmilyte

In meiner Vorschau auf den Reisepartner-Spieltag am zweiten Sonntag des neuen Jahres [10. Januar] habe in der Schlagzeile die Frage gestellt: „Ist der Titelverteidiger schon aus dem Rennen?“ [http://www.chess-international.de/Archive/49794#more-49794].

 

Nun, Baden-Baden hat mit einem hohen 5,5:0,5-Auswärtserfolg beim Neuling SF Karlsruhe eine deutliche Antwort gegeben. Und das ohne die „große Kapelle“, denn es fehlten vom Stammaufgebot Anna Musitschuk, Weltmeisterin Maria Musitschuk, die beiden Exweltmeisterinnen Alexandra Kostenjuk und Antoaneta Stefanowa sowie Anna Zatonskih. Dafür war erstmals Viktorija Cmilyte dabei, die sich sofort standesgemäß mit einem Sieg am Spitzenbrett gegen Jessica Schmidt einführte.

 

Die Hoffnung allerdings, den Rückstand vor allem gegenüber Spitzenreiter SC Bad Königshofen zu verringern, ging nicht in Erfüllung. Der Deutsche Meister von 2014 hatte vor Ende der regulären Spielzeit eine 3,5:0,5-Führung erkämpft, wobei der Schwarzsieg von Josefine Heinemann gegen Filiz Osmandja doch erstaunlich ist. Dass dann Maria Schöne gegen Inna Agrest in der „Verlängerung“ verlor … ändert nichts an der Tatsache: 5. Runde, fünfter Sieg. Die 24,5 Brettpunke – hier hat Baden-Baden erst 20,5 vorzuweisen – sind zudem ein ziemlich starkes Polster. Auch die beiden unmittelbaren Verfolger Hamburger SK [6:0 gegen Aufsteiger Doppelbauer Kiel] und der SK Schwäbisch Hall [4:2 im vorgezogenen Treffen gegen die SF Deizisau] mit jeweils 8:2 Mannschaftspunkten können da mit 20 bzw. 19 Zählern nicht mithalten. Und da es bekanntlich keinen Stichkampf geben wird, sollten es bei den Mannschaftspunkten gleich stehen, sieht alles nach dem zweiten Meistertitel für Bad Königshofen aus.

 

Ergebnisse/Mannschaftsaufstellungen

Wie Hamburg [noch ungeschlagen!] und Schwäbisch Hall haben auch die Rodewischer Schachmiezen 8:2 Mannschafts- bei 18,0 Brettpunkten. Freilich war das 4:2 gegen den dritten Neuling Grün-Weiß Niederwiesa alles andere als souverän. Aber die „Miezen“ hatten eben auch nur die „Zweite Mannschaft“ in Einsatz. Da ist abzuwarten, wozu sie in Bestbesetzung in der Lage sind. In jedem Fall hat Niederwiesa aber fast genau so viel Brettpunkte geholt wie zuvor in vier Begegnungen – da waren es lediglich 2,5.

 

Der eigentliche Gewinner dieses fünften Durchgangs dürfte der SK Großlehna gewesen sein. 5,5:0,5 gegen den SK Lehrte bedeutet bei 5:5 Zählern einen Sprung auf Rang 7 und drei Punkte Vorsprung auf die drei Abstiegsplätze. Die behaupten gegenwärtig Niederwiesa [0:10/4,5], Kiel [0:10/5,0] und Lehrte [2:8/8,0], wobei auch Karlsruhe als Tabellenneunter bei 2:8/9,4 stark gefährdet ist.

 

So langsam bringen sich auch die Kandidatinnen für die Auszeichnung „Bundesliga-Spielerin des Jahres“ in Position, die der Schach-Ticker am Saisonende zum dritten Mal in zwei Kategorien vergeben wird.

 

Gut im Rennen als „Nachwuchsspielerin der Saison“ geehrt zu werden – hier ist die Altersgrenze unter 23 Jahre bei Start in die Spielzeit – liegen nach fünf Runden Josefine Heinemann [7. Januar 1998] vom SC Bad Königshofen mit 4/5 und Dina Belenkaja [22. Dezember 1993] von den SF Friedberg mit 3,5/4, die diesmal nicht zum Einsatz kam. Mal sehen wer die Nachfolge der Königshofenerin Anastasija Sawina antritt, die altersbedingt in die Königsklasse „Bundesliga-Spielerin des Jahres“ aufgerückt ist und dort mit 4,5/5 gestartet ist. Ihre Mannschaftskollegin Walentina Gunina – auch sie pausierte – hat sogar 4/4 zu bieten. Mit 4/5 liegt auch Judith Fuchs vom Hamburger SK gut im Rennen. Und das gilt auch für Iamze Tammert von der OSG Baden-Baden mit 3/3.

 

Was den Modus anbetrifft, so ist die wichtigste Grundbedingung, dass mindestens acht von elf möglichen Partien gespielt werden müssen. Die Wertung ist höchst einfach: Gewinner sind jene beiden Frauen, die prozentual das beste Ergebnis erzielt haben. Bei Gleichstand entscheidet der Elo-Durchschnitt der Gegnerinnen.

 

Den beiden Siegerinnen winken neben einem ChessBase-Präsent wiederum Kunstwerke. Und die hat diesmal die Hamburger Malerin und Buchkünstlerin Elke Rehder gespendet, die zwei handsignierte Holzschnitte auswählte. Unseren Besuchern empfehle ich unbedingt einen Besuch auf ihrer Webseite http://www.elke-rehder.de/ .

 

Zurück zum Bundesliga-Alltag. Die nächste Doppelrunde steht bereits in zwei Wochen [23./24. Januar] an. Auf Bad Königshofen wartet dann in Friedberg in Runde 6 der Hamburger SK, der tags darauf gegen die Burgfräuleins aus Friedberg trifft. Baden-Baden kann zunächst einen weiteren Kantersieg gegen Niederwiesa anpeilen, um dann von den Schachmiezen ernsthaft gefordert zu werden. Und in jedem Fall müssen zwei Siege her, um den erhofften zehnten Titel nicht schon vorzeitig abschreiben zu müssen.

 

Übrigens wurde auch in den drei Staffeln der Liga 2 gespielt – und es gab sogar, was sicher ein Novum ist, eine Live-Übertragung der Begegnung Hamburger SK II gegen TuRa Harksheide! Das jüngste Zweitliga-Team der Staffel Ost aus dem Ortsteil von Norderstedt gewann 4,5:1,5, was sogar zu Platz 1 reichte, denn der bisherige Tabellenerste SG Leipzig wurde im Lokalderby von Allianz Leipzig mal eben 5:1 „geputzt“. Nun haben die Harksheider Mädels einen Punkt Vorsprung auf Allianz und sogar zwei auf die SG aus der Messestadt. Am 27/28. Februar kommt es in HSK-Schachzentrum zum Showdown, denn genau gegen diese beiden Teams aus Sachsen geht es dann.

 

In der Gruppe Süd fand das Spitzenspiel an diesem Sonntag statt, und der FC Bayern München bezwang dabei die SG Augsburg knapp mit 3,5:2,5. Bei fünf Remisen war der Sieg von Milka Ankerst an Brett 5 gegen Maria Specht entscheidend. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass wir die Bayern in der kommenden Saison in Liga 1 erleben – es sei denn, sie würden bei einem Staffelsieg verzichten. Mit dem SC Zeulenroda [Rang 5] und dem Chemnitzer SC Aufbau 95 [Tabellenletzter] erscheinen die beiden restlichen Aufgabe jedenfalls mehr als lösbar …

 

Bleibt noch die Gruppe West, wo der SV Medizin Erfurt [9:1/20,5] vor der finalen Doppelrunde die Nase knapp vorn hat. Am letzten Spieltag gibt es die Spitzenpaarung mit dem Tabellenzweiten SV Mülheim Nord [8:2/18,0]. Auch hier ist es sportlich gesehen durchaus denkbar, dass endlich wieder ein Team aus Thüringen in der Beletage des deutschen Frauenschachs dabei ist. Aber der Verein muss natürlich wollen bzw. können, denn auch die Frauen-Bundesliga ist ohne eine gesunde finanzielle Basis nicht zu stemmen!

 

Wer mehr wissen will über die Frauen-Bundesliga, dem empfehle ich die Webseite http://nsv-online.de/ligen/fbl-1516/ ,die von Michael Gründer und Marcel Jünnemann bestens bearbeitet wird. So sind u.a. auch sämtliche 36 Teams der 1. und 2. Liga zu finden. Selbst über die sechs Regionalliga-Staffeln kann man sich per Link informieren. Das Portal wird übrigens im Auftrag der Frauenkommission des Deutschen Schachbundes geführt. Ich kann mich nur wiederholen: weiter so!!!

 

Karlsruhe gegen Baden-Baden – Ein Dank geht an Thilo Gubler für die Genehmigung seine Fotos zu verwenden. Partien aus Karlsruhe

 

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