Die Deutsche Schach-Pokal-Meisterschaft 2015/16 ruft und die Mehrzahl der Bundesliga-Vereine verweigert sich – Von RAYMUND STOLZE

 

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Ein Traum ist unerlässlich, wenn

man die Zukunft gestalten will.

Victor Hugo, französischer

Schriftsteller [1802-1885]

 

Also, Weihnachten haben wir gerade hinter uns gelassen. Meine Schlagzeile ist zwar ein sehr schönes Lied zum Fest, aber eben in unserem konkreten Fall verbreitet es keinen Glanz. Alle Jahre wieder findet die Deutsche Pokal-Meisterschaft statt – und die Aufstellung seit 1991 im wieder vereinten Deutschland zeigt, dass Baden-Baden und die SG Porz mit je acht Siegen am erfolgreichsten sind. Die weiteren Pokalsieger sind der FC Bayern München [1991,1992, 1993 und 1994] sowie die SG 1868 Aljechin Solingen und der Lübecker SV jeweils zweimal [Übersicht mit teilweise Teamaufstellungen siehe auf der Webseite beim Deutschen Schachbund unter http://www.schachbund.de/dpmm.html].

 

Eine wenig erfreuliche Tendenz ist freilich, dass sich die meisten der 16 Erstliga- Vereine diesem Wettbewerb seit Jahren verweigern – die löblichen Ausnahme in der höchsten deutschen Spielklasse ist fraglos die OSG Baden-Baden, der als Pokalverteidiger natürlich wieder dabei ist. Im Vorjahr holten in Magdeburg Liviu Dieter Nisipeanu, Arkadij Naiditsch, Rustem Dautov und Fabian Döttling den Pott in die weltbekannte Kurstadt.

 

Ein Blick auf die Meldeliste der Vorrunde offenbart, dass neben Baden-Baden [hier gehören neben den Pokalhelden Nisipeanu, Naiditsch und Döttling auch Etienne Bacrot, Georg Meier, Jan Gustafsson und Rustam Kasimdshanow zum Aufgebot] nur noch ein Quartett mit dem Hamburger SK, den SK Norderstedt, dem USV TU Dresden und den Schachfreunden Berlin dabei ist [Link für alle Aufstellungen: [http://www.schachbund.de/dpmm2016/articles/dpmm2016-aufstellungen.html]. Der Pokalverteidiger greift allerdings erst in der Zwischenrunde ins Geschehen ein. Er hat ebenso wie die übrigen Viertelfinalteilnehmer des Vorjahres SC Kreuzberg Berlin, SC Rotation Pankow Berlin, SG AE Magdeburg, SG 1871 Löberitz, SG Porz, SV Röhrnbach und SC Caissa Schwarzenbach ein Freilos für die Vorrunde erhalten. Und die findet für den laufenden Wettbewerb am 23./24. Januar an acht Orten statt. Ausrichter der Vorrundengruppen mit jeweils vier Vereinen sind die BG Buchen, DBSB [Deutscher Blinden- und Sehbehinderten- Schachbund)], SC Diogenes Hamburg, SV Kamen, SC Oranienburg, SK Schmiden/Cannstatt, SK Weida und SV Caissa Wolfenbüttel. Gespielt wird am kommenden Sonnabend und Sonntag jeweils im K.o.-Modus. Die dann 16 übrig gebliebenen Teams ermitteln in vier Vierergruppen am 5./6. März das Endrunden-Quartett [Link mit weiteren Infos einschließlich der Ausschreibung: http://www.schachbund.de/dpmm2016/articles/dpmm2016.html ].

 

Und hier sind die Vorrundengruppen [Spielbeginn der 1. Runde ist am Sonnabend um 14 Uhr und am Sonntag um 10 Uhr] im Überblick:

 

Gruppe 1 in Oranienburg

  • SC Oranienburg
  • SF Berlin 1903
  • SG Grün-Weiß Dresden
  • Greifswalder SV

Gruppe 2 in Hamburg

  • SC Diogenes
  • TuS Makkabi Berlin
  • Bremer SG
  • SK Norderstedt

Gruppe 3 in Knüllwald [Hessen]

  • DBSB-Auswahl
  • SV Jenapharm Jena
  • SF Lieme
  • SV Sangerhausen

Gruppe 4 in Wolfenbüttel

  • SV Caissa Wolfenbüttel
  • SG Lok Brandenburg
  • Hamburger SK
  • Lübecker SV

Gruppe 5 in Kamen

  • SV Kamen
  • SV 03/25 Koblenz
  • SK Nordhorn-Blanke
  • SF Neuberg

Gruppe 6 in Buchen [Baden]

  • BG Buchen
  • SF Deizisau
  • SK König Nied
  • SVG Saarbrücken

Gruppe 7 in Schmiden/Cannstatt

  • SK Schmiden/Cannstatt
  • SC Emmendingen
  • SC Gröbenzell
  • SK Landau

Gruppe 8 in Weida

  • SK Weida
  • SK Dessau 93
  • USV TU Dresden
  • SC Erlangen 48/88

 

Natürlich frage ich mich zum wiederholten Male: Warum ist der Bundesliga e.V. so ignorant gegenüber dieser „Meisterschaft“? Das trifft im Wesentlichen auch auf die zweite Liga zu, denn von insgesamt 35 Vereinen – ich lasse hier bewusst die Zweiten Mannschaften vom HSK, Werder Bremen, Solingen, Mülheim Nord und Baden-Baden außen vor – ist 2016 mit Kreuzberg, Pankow [Nord], AE Magdeburg, SF Neuberg [Ost], SK Landau [Süd] und Porz [West] lediglich ein Sextett am Start.

 

Für das Hilgert-Team, das sich bekanntlich nach der Saison 2006/07 aus der Bundesliga zurück gezogen hat und seitdem die Gruppe West der Zweiten Liga dominiert, ohne jemals das Aufstiegsrecht wieder wahrgenommen zu haben, ist der Pokal-Wettbewerb die große Chance, es allen öffentlich zu zeigen, über welches Potenzial man verfügt – und das ist in der Tat absolut bundesligatauglich wie man 2011 und zuletzt 2013 [mit Loek van Wely, Wladimir Baklan, Jan Timman und Christopher Lutz] sehen konnte, wo der Sieger jeweils Porz hieß.

 

Die Veranstaltung bringt das nicht weiter, und ich bin mir ziemlich sicher, wenn es keine Deutsche Schach-Pokal-Meisterschaft mehr gibt, wird sie kaum jemand vermissen – zumindest nicht in ihrer gegenwärtigen Bedeutungslosigkeit. So wie bisher kann es jedenfalls nicht weiter gehen.

 

Ob auf der Mitgliederversammlung des Schachbundesliga e.V. am vergangenen Sonnabend [16. Januar] in Kassel der Pokal-Wettbewerb ein Punkt auf der umfangreichen Tagesordnung gewesen ist, wage ich zu bezweifeln. Als Mitglied neben den 16 Vereinen der ersten Bundesliga hätte freilich der Deutsche Schachbund durchaus das Thema in der Versammlung ansprechen können.

 

Wie Frank Neumann, DSB-Referent für Öffentlichkeitsarbeit, in seinem Bericht mitteilte [http://www.schachbund.de/news/schachbundesliga-ev-gut-aufgestellt.html] können die Fans der deutschen Schachszene 2017 „ein besonderes, bislang einmaliges Highlight erwarten.“ Die Liga plant eine zentrale Endrunde sowohl für Frauen als auch Herren. Veranstaltungsort ist voraussichtlich das Maritim-Hotel in Berlin. Zwar sind die letzten Planungen im Detail noch nicht erfolgt, dennoch sollten sich alle die Tage vom 29. April. bis 01.Mai 2017 schon einmal im Kalender fest notieren.“ Ein Traum ist eben doch unerlässlich, wenn man die Zukunft gestalten will – und das gilt wohl auch für den Schachsport!

 

Eine Antwort auf Alle Jahre wieder …

  • Talarski sagt:

    zunächst einmal muss der Artikel des Raymund Stolze ausdrücklich gelobt werden. Seine Berichte insgesamt – nicht nur dieser – sind hoch aktuell, informativ, plakativ und in keiner Weise zu kopieren. Als langjähriger User des Schach-Tickers begrüße ich es ausdrücklich, dass der Spiritus Rektor und Primus Interparis, Franz Jittenmeier, die Kommentarfunktion wieder ins Leben gerufen hat. Austausch von Lob und Tadel geben dem Projekt „Schach-Ticker“ den letzten Pfiff und zeugen von gelebter Demokratie.
    Eine kleine Anmerkung aber kann ich mir in diesem Zusammenhang nicht verkneifen: Um einen Kommentar auf dem Schach-Ticker „abzusondern“, braucht man fast das Abitur und flinke Finger noch dazu!!

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