Schauen Sie doch mal kurz rein!


Von der dritten Doppelrunde der Frauen-Bundesliga in Lehrte berichtet DR. THOMAS MARSCHNER, Schwäbisch Hall

 

Arlette van Weersel in typischer Pose vor Ausführung eines Zugs, im Hintergrund diskutiert Jana Zpevakova ihre Partie nach Remisschluss mit der Gegnerin

Arlette van Weersel in typischer Pose vor Ausführung eines Zugs, im Hintergrund diskutiert Jana Zpevakova ihre Partie nach Remisschluss mit der Gegnerin

In Lehrte traten am vergangenen Wochenende [23./24. Januar] Schwäbisch Hall und Reisepartner Deizisau gegen die Gastgeberinnen und Großlehna an. Trotz der Wetterkapriolen in weiten Teilen Deutschlands in der Nacht zum Samstag waren Spielerinnen, Betreuer und Schiedsrichter pünktlich am Start. Dies lag sicher auch daran, dass z.B. die Schwäbisch Hallerinnen bereits Freitag angereist waren und sich das Glatteis auch im Laufe des Vormittags schnell verzogen hatte, sodass auch ich es am Samstag rechtzeitig zum Spielbeginn ins Lehrter Haus der Vereine schaffte, ich hatte Freitag noch einen Zwischenstopp im heimischen Taunus eingelegt.

 

In allen Begegnungen des Wochenendes waren die Gäste klar favorisiert und wurden ihrer Favoritenrolle auch gerecht, da insbesondere Großlehna nicht in Bestbesetzung antrat [es fehlten vom gemeldeten Stammsechser mit Iweta Rajlich, Elena-Luminita Cosma, Szidónina Vajda und Carmen Voicu-Jagodzinsky die Bretter1, 2, 3 und 5].

 

Schwäbisch Hall und Deizisau waren dagegen sehr stark aufgestellt, dazu kam noch, dass die beiden Haller Spitzenbretter Irina Bulmaga und Ekaterina Atalik sich aktuell in absoluter Topform befinden, dasselbe gilt für Petra Papp, die an Brett 4 spielte. Ekaterina hat kürzlich das Prager Open souverän gewonnen [der Schach-Ticker berichtete darüber im Beitrag „Eine Frau mischt die Männer auf …“ – Link http://www.chess-international.de/Archive/50217#more-50217 ]. Petra gewann bei der Mannschafts-Europameisterschaft in Reykjavik im November vergangenen Jahres einen Brettpreis und sorgte unter anderem für den ungarischen Siegpunkt gegen Deutschland, als sie Josefine Heinemann schlug.

 

Nur bei der samstäglichen Begegnung zwischen Großlehna und Deizisau kam etwas Spannung auf, am Ende gab es ein 3,5:2,5, das aber deutlicher war, als es aussieht: In den beiden letzten Partien schafften es Yuliya Naiditsch und Hanna Marie Klek nicht, ihre besser stehenden Partien zu gewinnen, in Verlustgefahr waren sie nie.

 


Ekaterina Atalik gut gelaunt vor ihrer Partie …

 


… und Irina Bulmaga hoch konzentriert …

 

Die Hallerinnen traten gegen Lehrte äußerst souverän auf. Insbesondere Ekaterina Atalik stand an Brett 2 schon nach gerade einmal zwölf Zügen auf Gewinn. Nur Arlette van Weersel sprengte den Zeitplan und ließ ihre Gegnerin Dorothee Schulze nach fünf Stunden doch noch ins Remis entkommen, nachdem sie vorher den Gewinn mit Mehrfigur gegen zwei Bauern ausließ. So schafften wir es gerade noch rechtzeitig zur reservierten Zeit zum Abendessen zu einem Griechen in der Nähe.

 

Ausführliche Infos zum Spielverlauf gibt es in meinem Live-Blog http://www.thomas-marschner.de/liveblog-aus-lehrte/ , dort können auch die Schwäbisch Haller Partien nachgespielt werden.

 

Am Sonntag spielte Schwäbisch Hall dann gegen Großlehna und war gewarnt: im Vorjahr hatte es einen äußerst knappen und glücklichen 3,5:2,5-Sieg gegeben. So spannend wurde es diesmal nicht. Am Ende gab es ein glattes 5:1, herausragend wieder die Spitzenbretter Irina Bulmaga und Ekaterina Atalik, aber auch Petra Papp an Brett 4, die geduldig gegen Karolina Olzarovas Berliner Verteidigung spielte und am Ende im Turmendspiel gewann. Im Auto auf der morgendlichen Fahrt vom Hotel zum Turniersaal hatte sie noch gefragt, ob denn jemand etwas Neues gegen die „Berliner Mauer“ kennen würde, sie wusste also, was sie erwartete. Leider konnte ihr keine der Mitfahrerinnen helfen.

 


Blick in den Spielsaal am Sonntag: Bretter 4 bis 6 bei Schwäbisch Hall-Großlehna, von rechts: Petra Papp-Karolina Olzarova, Arlette van Weersel-Verena Nagel und Jana Zpevakova-Christina Lehmann.

 

Arlette van Weersel schaffte es diesmal, ihr besser stehendes Endspiel gegen Verena Nagel auch zu gewinnen. Remis endeten die Partien Jana ZpevakovaChristina Lehmann und Karina Ambartsumova-Tereza Rodshtein, frisch verheiratet mit dem seit dieser Saison für die Schwäbisch Haller Männer spielendem Maxim Rodshtein.

 

Lehrte wehrte sich lange gegen Deizisau, in den ersten zweieinhalb Stunden konnte die junge Mannschaft fast alle Partien im Gleichgewicht halten. Allerdings erreichte dann nur Jana Böhm gegen Natalia Straub ein Remis. Zufällig war ich am Vortag dabei, als Jana sich im Nebenraum auf die Partie vorbereitete, und die von ihr erwartete Variante im Wolga-Gambit kam auch genauso aufs Brett. Das half ihr sicher. Die anderen Partien kippten nach und nach in Deizisauer Richtung. Lehrte muss jetzt auf die Spiele gegen Niederwiesa und Karlsruhe hoffen, um das rettende Ufer noch zu erreichen. Deizisau hat sein Saisonziel schon erreicht: man steht sehr komfortabel im Mittelfeld der Tabelle.

 

Auch vom Sonntag gibt es einen Live-Blog, auch hier mit den Schwäbisch Haller Partien: http://www.thomas-marschner.de/lehrte2/ .

 

Nach dem Ausrutscher von Bad Königshofen in Friedberg gegen den Hamburger SK [2:4-Niederlage] ist die Frauen-Bundesliga jetzt spannend wie nie. Um die Meisterschaft ist ein Vierkampf zwischen Bad Königshofen, Schwäbisch Hall, Hamburg – als einzige Mannschaft noch ungeschlagen – und Baden Baden entbrannt, selbst Rodewisch hat noch theoretische Chancen. Vorentscheidend kann die vorletzte Doppelrunde am 27./28. Februar werden, wenn Schwäbisch Hall in Deizisau auf Friedberg und Bad Königshofen trifft.

 

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P.S.: Als „Redakteur vom Dienst“, bei dem die Berichte von den jeweiligen Spielorten eintreffen, suche ich nach einem ersten Lesen nach einer aussagefähigen Schlagzeile. Und in diesem Fall ist es die Frage: Kennt jemand etwas Neues gegen die „Berliner Mauer“? Also, wer helfen kann, einfach den Haller Mannschaftsführer Gregor Krenedics per E-Mail informieren [ gkrenedics@t-online.de ]. Der wird die News dann schnell an Petra Papp weiter geben!

 

Übrigens hat der Schachklub Schwäbisch Hall ein sehr schönes Magazin zur Saison 2015/16 herausgegeben. Darin wird auch Bundesliga-Frauen-Mannschaft vorgestellt. Und das ist ziemlich originell, denn alle Damen beantworten die folgenden fünf Fragen:

 

Was ist dein Lieblingsgericht?

 

Was sind dein Lieblingsfilm und den Lieblingsbuch?

 

Welche Künstler oder Schauspieler beeindrucken dich besonders?

 

Was rettest du aus deinem brennenden Haus?

 

Was wärst du gerne, wenn du keine Schachspielerin wärst?

 

Hier die Antwort auf die letzte Frage von Ekaterina Atalik: „Wenn ich keine Schachspielerin wäre, wäre ich gern Anwältin, da ich da Logik und Einfallsreichtum brauchen kann. Allgemein ist eigentlich jeder Beruf in Ordnung außer Hausfrau.“

 

[Redaktion Raymund Stolze]

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