Züge und Züge in Utrecht

 

Gruppenfoto Utrecht
Schwerpunkt dieses Berichts ist der Ausflug ins Utrechter Eisenbahnmuseum (siehe Titelfoto und später noch einige). Fotos stammen wieder vor allem von Tata Steel via Facebook, fotografiert hat wieder vor allem Alina l’Ami – aber diesmal nicht nur, andere Quellen werde ich, wenn es soweit ist, erwähnen. Da ich zwei Runden bespreche und auch die B-Gruppe nicht ignoriere, wird wiederum auch Wijk aan Zee einfliessen – was die Partien betrifft zu 75%, da nur die A-Gruppe für (noch) liveeinen Tag auf Tour ging.

 

Zunächst der aktuelle Stand in beiden Gruppen: Masters Carlsen 7/10, Caruana 6.5, So, Giri, Ding Liren, Eljanov 5.5, Wei Yi, Mamedyarov 5, Navara, Karjakin 4.5, Hou Yifan, Tomashevsky, van Wely 4, Adams 3.5. Inzwischen hat jede(r) mindestens eine Partie gewonnen, und nur Carlsen und So sind weiterhin ungeschlagen. Da So nur ein volles Erfolgserlebnis hatte (Runde 1 gegen Giri, seither remisiert er konsequent), können nach menschlichem Ermessen nur noch zwei andere Spieler das Turnier gewinnen.

 

Challengers Adhiban 7.5, Dreev 7, Safarli 6.5, Van Foreest, Sevian 6, Nisipeanu, Antipov, Abasov 5, Bok, l’Ami 4.5, Batsiashvili, Ju Wenjun 4, Admiraal 3, Haast 2. Da gab es einige schachliche Erdbeben und quasi täglich eine neue Spitzentabelle. Alle haben mindestens einmal gewonnen und mindestens einmal verloren, Remiskönig ist – wer hätte das erwartet – Nisipeanu. Jorden van Foreest hat endlich meinen Vorbericht gelesen, in dem ich ihm mehr als Platz 11 (der ihm laut Setzliste „gehört“) zutraute.

 

Vor Runde 10 (teilweise in Utrecht) kam Runde 9, mit in der A-Gruppe zwei Entscheidungen. Carlsen-Adams 1-0 aus der Rubrik „Carlsen gewinnt eben fast immer gegen Adams“. Eröffnungsvorteil braucht er dafür nicht, gespielt wurde mal wieder das italienische Giuco Piano (der neueste Anti-Berliner? in diesem Turnier erstaunlich populär). Irgendwann brach Adams zusammen, dann unterschätzte Carlsen womöglich das verzweifelt-kreative schwarze Gegenspiel am Königsflügel, und es wurde nochmals ein bisschen spannend: ob das Endspiel Turm und fünf Bauern gegen Turm, Springer und zwei Bauern „objektiv“ für Weiss gewonnen war ist nicht ganz klar, aber Carlsen gewann.

 

Carlsen hat mehrere Lieblingsgegner: Nakamura aus der Rubrik „grosse Klappe (‚Ich bin der Einzige, der Sauron gefährden kann‘) und nichts dahinter“, womöglich inzwischen Psychologie bis Hexerei. Mamedyarov, der mit seinem kreativ-spekulativen Spiel gegen Carlsen relativ chancenlos ist. Adams dagegen (so sehe ich das) weil er stilistisch ähnlich spielt wie Carlsen, aber Carlsen ist eben besser. Adams durfte ihm immerhin im WM-Match sekundieren – neben schachlich ähnlichen Ansätzen spielte wohl eine Rolle, dass der Engländer Anand sehr gut kennt.

 

Wei Yi - Navara

 

Wei Yi – Navara 1-0 aus der Rubrik „es geht doch!“ für den Chinesen und „in beiden Richtungen für eine Überraschung gut“ für den Tschechen. Das war ein echter Anti-Berliner (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3), in dem Weiss dann mit 10.h4, 11.h5 und 12.0-0-0 aggressiv vorging. Navara konnte das nicht abfedern – Wei Yi opferte eine Figur, die er dann mit Zinsen zurück bekam. Die Remispartien bespreche ich nur kurz: So spielt eben remis, dann spielt auch van Wely (gegen So) remis. Mamedyarov – Ding Liren: gute schwarze Vorbereitung, remis. In den anderen Partien hatten Giri mit Schwarz gegen Eljanov, sowie Caruana und Tomashevsky mit Weiss gegen Karjakin bzw. Hou Yifan gewisse Vorteile, die am Ende nicht ausreichten. Caruana hatte zuvor denselben anti-Berliner Plan gespielt wie Wei Yi, aber Karjakin konnte das abfedern und landete „nur“ in einem etwas schlechteren Endspiel. Ob Caruana einen studienartigen Sieg verpasst hat (46.Sxf6 gxf6 47.Lxh6 Kd7 48.Lg7 Ke7 49.h6 Kf7 50.Lh8!! usw.) müsste man näher untersuchen.

 

In der B-Gruppe wie üblich diverse Entscheidungen – zu viele um alles zu besprechen, ich konzentriere mich auf die drei Musketiere mit Chancen auf den Turniersieg (Adhiban, Safarli und Dreev) und ihre Gegner. Safarli machte eher geräuschlos remis gegen Erwin l’Ami.

 

Nisipeanu-Dreev2

 

Nisipeanu-Dreev 1/2 war dagegen ein munterer Schlagabtausch. Am Ende wollte Weiss Dauerschach geben, Schwarz hatte etwas dagegen, opferte einen Turm und gab dann Dauerschach.

 

Adhiban - Van Foreest

 

Adhiban – Van Foreest 0-1! war aus weisser Sicht ein Offday. Quasi aus der Eröffnung heraus übersah er wohl eine taktische Wendung, die einen Bauern kostete. Damit war er nicht einverstanden und opferte eine Figur, aber Kompensation dafür hatte er objektiv nicht.

 

Van Foreest

 

Dennoch hat Jorden Van Foreest noch ein Foto verdient. Im anschliessenden Kurzinterview erschien er mir überraschend zurückhaltend bis schüchtern – jedenfalls bei anderen Gelegenheiten (Limburg Open 2014 in Maastricht und Batavia-Turnier in Amsterdam) wirkte er auf mich witzig oder schlagfertig. Musste er das Geschehene noch verdauen, oder ist er auf English etwas unsicher (für einen 16-jährigen nachvollziehbar)? Wenn sich die Gelegenheit noch ergibt, werde ich (auf Holländisch) nachfragen – zu meinem früheren Interview mit Dreev fehlt ja auch noch die andere Hälfte.

 

Runde 9 war, was diesen Bericht betrifft, die Vorspeise zu Runde 10, nun der Reisebericht aus Utrecht und danach wieder die B-Gruppe. Die Anreise nach Utrecht zunächst per Zug, dann ab dem Bahnhof im (vollen) Bus durch das Stadtzentrum. Als ich beim Eisenbahnmuseum bin, kommen gerade drei Autos an mit Tata Steel Logos – allerdings nur Chauffeure im Anzug, keine Spieler („die sind bereits hier“). Drinnen weitere Vertreter von Tata Steel – auf meine Frage „wo geht es zum Turnier für Presse?“ „geradeaus, dann rechts …“. Dann sah ich bekannte Gesichter (u.a. Yasser Seirawan) die offenbar ebenfalls warteten, dass etwas passiert. Die Zeit bis dahin und die Chance, die sich ergab, nutzte ich für ein Interview mit Tukmakov. Komplett werde ich es erst Anfang März veröffentlichen – warum siehe hier – für heute nur ein Fragment mit Bezug zum Turnier und vielleicht zur heutigen Runde: TR „Haben Sie den Inhalt Ihres neuesten Buchs (Risk & Bluff in Chess. The Art of Taking Calculated Risks) mit Giri besprochen? Manche sagen, er sollte mehr riskieren … .“ Tukmakov „Natürlich besprechen wir Dinge wie seinen Stil. Womöglich sollte er mehr riskieren – nicht unbedingt Bluff, aber Risiko. Aber ich habe das Buch nicht für oder über ihn geschrieben, sondern weil mich das Thema generell interessiert.“

 

Hinzu kam ein bei Tata Steel Chess relativ neues, aber ansonsten bekanntes Gesicht bzw. eine bekannte Frisur: Fiona Steil-Antoni, die seit Anfang Januar für chess24 arbeitet und dafür nun einige Tage in NL ist. In einer kleinen Gruppe gehen wir in die angegebene Richtung, bzw. Robert Ris wusste bereits, wo sich der Presseraum befindet. Aus der anderen Richtung kommt eine grössere Gruppe: die Spieler und noch einige andere. Den Fototermin und was sonst die nächsten Minuten passierte habe ich verpasst (aber das steht ja später im Internet), da ich schnell und frisch mein Interview mit Tukmakov notieren wollte. Im Presseraum kleine Tische, fast alle bereits reserviert. Das Internet funktioniert zu diesem Zeitpunkt noch nicht – „wir arbeiten daran“ (Tata on Tour = Improvisation). Dann Richtung Spielsaal, durch den normalen Museumsbetrieb – Schach ist da sehr nahe dran! Unterwegs sagt ein Tata Steel Vertreter „Presse, diese Richtung!“ – erkennt man einen Reporter am suchend-forschenden Blick, an der Kleidung, … ? Ich zeige noch meine Badge, die zuvor verdeckt war …. .

 

Drinnen die Spieler, Offizielle, Presse … und vor der anderen Tür eine lange Reihe Wartende – Publikum musste zu diesem Zeitpunkt noch draussen bleiben. Dann wurde es voll, da auch das Publikum nun den Saal betreten durfte:

 

Publikum Utrecht

 

Gut, das Foto entstand etwas später, nach Beginn der Runde, aber ich will die Fotos etwa gleichmässig verteilen. Einige Zuschauer blicken nach rechts, da befand sich eine Leinwand mit den jeweils aktuellen Stellungen. Vor Rundenbeginn zunächst Turnierdirektor Jeroen van den Berg zu den Hausregeln: Handys ausschalten, Fotografieren (bis auf die ersten sieben Minuten) nur ohne Blitzlicht. Auch er war angenehm überrascht, wie gross das Interesse in Utrecht ist. Dann eine kurze Rede des Utrechter Bürgermeisters Jan Van Zanen: Für Utrecht ist „Tata Steel on Tour“ in kurzer Zeit der dritte sportliche Höhepunkt nach dem Start der Tour de France und dem Heldenempfang für Dafne Schippers („in Utrecht geboren und aufgewachsen“). Er erwähnt die Utrechter Schachszene (dazu später mehr) und dass Vize-Bürgermeister und Sportdezernent Paulus Jansen „alles mögliche ist und auch begeisterter Schachspieler“. Max Euwe – „geboren in Utrecht“ – wird auch erwähnt. In Amsterdam war Euwe Amsterdamer – naja, z.B. Beethoven ist auch Deutscher und Österreicher … . Laut Van Zanen würde es das Eisenbahnmuseum ohne Eisen und Stahl nicht geben, das stimmt sicher. Dann der Gong zum Rundenbeginn:

 

Bürgermeister-Gong

 

Dieses Foto hat die Gemeinde Utrecht auf Twitter veröffentlicht. Natürlich gab es auf der „Bühne“ auch den üblichen Wettbewerb um das beste, oder jedenfalls ein eigenes Foto:

 

Giri Carlsen Fotografen

 

Im Mittelpunkt des Interesses standen Carlsen und Giri, die – wie es der Zufall der Auslosung wollte – heute gegeneinander spielten. Ob Carlsen sich dafür schämt, dass er wieder unrasiert erschien?!

 

Beim Livekommentar war es später auch voll – Seirawan hatte heute Pause aber (bereits erwähnt) war trotzdem vor Ort, zuständig waren good ol‘ Jan Timman und NewinChess-Herausgeber Dirk Jan ten Geuzendam. Später mit Gästen, daher bringe ich diese Fotos noch nicht. Die beiden konnte man zwar hören, aber jedenfalls ich konnte (trotz Brille und zumindest von hinten im Saal) die jeweils besprochene Stellung auf dem Monitor nicht sehen. Auch im Spielsaal sah man eigentlich nicht allzu viel, dennoch enormes Interesse. Wie viele waren vor Ort? Einige Quellen sagen 3000, andere 5000 oder gar „über 5000“. Im Laufe des Mittags wurde es etwas weniger – viele wollten wohl die Atmosphäre erleben und haben dann Partien und Livekommentar doch im Internet verfolgt!? Für das massive Interesse gab es wohl diverse Gründe: Utrecht liegt, auch das erwähnte Bürgermeister Van Zanen, „mitten in den Niederlanden“ und damit zentraler als das ziemlich periphere Wijk aan Zee, bei dem sich Tagesgäste auch über insgesamt elf Runden verteilen. Einige nutzten vielleicht auch die Gelegenheit, dass im Eisenbahnmuseum heute kein Eintritt verlangt wurde, und schauten nur ein bisschen beim Schach vorbei.

 

Dieser Tag war sicher der Höhepunkt, aber insgesamt nur Teil einer „Schachwoche“ in Utrecht. Heute war das Eisenbahnmuseum auch Austragungsort der Mannschaftsmeisterschaft für Grundschulen – die Kids, zum Teil mit Team T-Shirts, spielten wirklich mitten im Museum:

 

Grundschüler

 

Dieses Foto von Alina l’Ami ist nur eines von vielen im Internet, viele andere findet der Leser hier. Ich habe da ein bisschen zugeschaut: Kreativität in der Eröffnung gehört dazu, z.B. 1.e4 d6 2.Dh5!? (das gibt es noch fünfmal in der Datenbank, fast alles U11 oder U08) 2.-Ld7!? 3.Lb5!?. 1.e4 e5 2.Lc4 Lc5 3.Dh5 Df6!! (Schwarz hat aufgepasst) gab es wohl schon des öfteren. Einige Minuten später gab es auch ungewöhnliche Materialverhältnisse, d.h. ein Spieler hat noch Turm, Läufer und Springer, der andere noch alle Figuren. Aber „dabei sein ist alles“, wobei gewinnen durchaus schön ist … .

 

Damesteam Utrecht

 

Bei einer anderen Gelegenheit und anderswo in Utrecht – Einkaufszentrum Hoog Catherine direkt am Hauptbahnhof – spielten die „Chess Queens“ (NL-Damenteam, auf dem Foto Tea Lanchava) simultan gegen vermutlich relativ fortgeschrittene Jugendliche [ich weiss leider nicht mehr, wo im Internet ich dieses Foto gefunden habe]. Ausserdem Tag der offenen Tür in diversen Schachvereinen, offene Utrechter Meisterschaft im Schnellschach, usw. . Hinter dem Ganzen steckt Stibus („Stichting voor Bevordering van de Utrechtse Schaaksport“). Andere einschlägige Quellen haben auch Fotos von den Grundschulkids, ich habe noch ein bisschen recherchiert: Diese Stiftung wurde 2007 von den Utrechter Schachvereinen gegründet, mit dem Ziel Aktivitäten miteinander zu koordinieren, bei vereinsinternen Turnieren sind Mitglieder anderer Utrechter Vereine willkommen, gemeinsam wurde u.a. ein Folder produziert um Reklame für Schach zu betreiben. Zielgruppe ist die Region Utrecht, dabei neben Vereinsmitgliedern auch was man hierzulande „huisschakers“ nennt – Hobbyspieler die (noch) nicht Mitglied eines Schachvereins sind. „Die letzten Monate hat Stibus intensiv mit der Gemeinde Utrecht und Tata zusammengearbeitet, um das Programm des Tata-Tages und der gesamten Schachwoche zustande zu bringen.“ Soweit Sekretaris Ed van Eeden, da ich vor Tata Steel vom Keres Memorial in Tallinn berichtet hatte war ich noch neugierig warum einer der grössten Utrechter Vereine „Paul Keres“ heisst. Dazu Stibus-Vorsitzender Jan Jaap Janse, selbst Mitglied dieses Vereins: „Keres starb 1975, gerade als der Verein – ursprünglich eine Fusion diverser Utrechter Studentenvereine – auch Nicht-Studenten akzeptierte. Wir haben dann seinen Namen angenommen. Keres war stark und beliebt, daneben die ewige Nummer 2 (wie [der Radsportler] Joop Zoetemelk). Bei uns zählte/zählt nicht nur das Resultat.“

 

Neben kurzen Fragmenten von den Grundschülern sollte ich vielleicht auch die GM-Partien besprechen. Bei Giri-Carlsen fasse ich mich kurz: es wurde remis. Auch So-Tomashevsky endete relativ geräuschlos remis, Navara-Mamedyarov hatte immerhin kleine taktische Motive, ohne dass das Gleichgewicht jemals gestört war. Caruana – Wei Yi 1-0 wurde vom Sieger hinterher so zusammengefasst: „Ich habe ihn mit dem seltenen 10.Lc2 (im offenen Spanier) wohl überrascht, später war 17.-c6 (kostete letztendlich einen Bauern) bereits der entscheidende Fehler, der Rest war Technik.“ Karjakin-Adams 0-1! (das Ausrufezeichen da Adams zuvor viermal verloren und nullmal gewonnen hatte): Weiss rochierte im London-System lang und bereute das später, da der schwarze Angriff bei heterogenen Rochaden viel schneller war. Hou Yifan-Eljanov 0-1: Weiss verlor irgendwann den Faden.

 

Dass Carlsen und Giri früh fertig waren, hatte immerhin einen Vorteil: Beide waren lange zu Gast beim Livekommentar. Ich habe nur einige wenige Fragmente mitbekommen – vor Ort pendelte ich ständig zwischen Presseraum, Spielsaal, Livekommentar und noch anderen Schauplätzen. Daher nur zwei Fotos:

Publikum Kommentar Utrecht

 

Carlsen und ten Geuzendam (DJtG) erkenne ich auch von hinten, im Publikum erkenne ich niemand – aber voll war es.

DJtG-Timman-Giri

 

Zwei bis drei Generationen der NL-Schachszene: DJtG, Jan Timman und Anish Giri

 

War da noch was? Ja, zu Ding Liren – van Wely 1/2 könnte ich Romane schreiben, wenn ja wenn ich die Partie verstehen würde – ich spiele selbst Grünfeld, aber als Amateur und nicht diese Variante. Auch Experten waren sich nicht sicher: Carlsen sagte zur Stellung nach 17.Tfd1 „Weiss steht besser“, Computer – die auch Ahnung vom Schach haben, jedenfalls in derlei komplizierten Stellungen – kritisierten 17.Tfd1 und sagen „Schwarz steht klar besser“. Später stand Schwarz offensichtlich besser bis gewonnen, dann wieder nicht mehr. Schwarze Zeitnot kam hinzu, und zur Stellung kurz nach der Zeitkontrolle sagte Ian Rogers im Presseraum „van Wely hatte in Zeitnot Pech, dass Ding Lirens defensives Damenopfer nicht nur remis hält, sondern gewinnt“. Danach hatte Weiss Turm, Läufer und Springer, Schwarz (im Gegensatz zu einem der Grundschüler) nur noch seine Dame – Rogers und (wenn ich es richtig in Erinnerung habe) Seirawan waren sich sicher, dass die drei weissen Figuren sich auf Dauer durchsetzen würden. Dann wurde es doch remis – fragt mich nicht, ob Rogers und Seirawan mit ihrem Urteil falsch lagen oder ob/wann Weiss suboptimal fortsetzte (das Ende der Partie habe ich nicht mehr vor Ort mitbekommen).

 

Das Ehepaar Rogers ist mal wieder auf Europareise, später – neben anderen schachlichen und privaten Schauplätzen – auch in Lviv. „Warum das denn?“ fragte jemand im Presseraum. „Das ist Austragungsort der Damen-WM!“. Nebenbei verfolgte Rogers auch die Liveübertragung aus Gibraltar, und da vor allem die australischen Spieler. (Gibraltar ignoriere ich vorläufig, auch wenn da schon einiges unerwartetes passiert ist, aber Tata Steel hat bis einschliesslich Sonntag Priorität).

 

Als ich gehen wollte bzw. musste, wurden im Museum wieder Schachbretter aufgebaut – für ein Simultan von NL-Urgestein Hans Böhm, später entstand dieses Foto:

Simultan Böhm (by Paulus Jansen)

 

Es stammt, via Twitter, vom bereits erwähnten Paulus Jansen, der auch in Wijk aan Zee beim Turnier für Alt-Parlamentarier mitspielte und mit 3,5/5 geteilt Erster wurde.

 

War da noch was? Ja, die B-Gruppe in Wijk aan Zee. Wieder jede Menge Entscheidungen, nur l’Ami-Nisipeanu wurde remis. Van Foreest gewann schon wieder, heute gegen Landsmann Benjamin Bok nach „eigentlich“ inkorrektem sizilianischem Figurenopfer. Wenn er dieses Tempo (3,5/4 aus den letzten vier Runden) durchhält und andere schwächeln sollten, kann er eventuell noch in den Kampf um den Turniersieg eingreifen. Dreev zerlegte Batsiashvili, und Adhiban zeigte sich gut erholt von der Niederlage tags zuvor und besiegte im Spitzenduell Safarli – der mit Minusqualität im Endspiel zwei plötzliche Remischancen verpasste. Für die Spannung im Turnier wäre remis vielleicht das „beste“ Ergebnis – dann lägen beide zusammen mit Dreev punktgleich (alle 7/10) vorne – aber es kam anders.

 

Ganz kurz noch zum Toptienkamp der Amateure: Nach Runde 1 sagte GM Dobrov „Sieg und damit Qualifikation für die Challenger-Gruppe 2017 wäre schön, aber das wird nicht einfach“. Nach sechs Runden steht es so: Dobrov 5.5/6, Guramishvili und Hendriks 3.5/6, usw. – hoffentlich bekomme ich noch ein Interview mit Dobrov, aber da muss nochmals der Zufall mithelfen.

 

Zu den verbleibenden Runden: In der A-Gruppe hat Carlsen (Hou Yifan, So und Ding Liren) gegenüber Caruana (Mamedyarov, van Wely und Tomashevsky) das – vermeintlich – schwerere Restprogramm. Allerdings hat Carlsen noch zweimal Weiss, und Caruana noch zweimal Schwarz. In der B-Gruppe spielt Adhiban noch gegen Nisipeanu, Batsiashvili und Sevian (zweimal hat er Schwarz), Dreev gegen Sevian, Abasov und Admiraal (auch zweimal Schwarz) und Safarli gegen Van Foreest, Nisipeanu und Batsiashvili (zweimal Weiss). Nisipeanu kann also immerhin noch indirekt in den Kampf um den Turniersieg eingreifen. Im Toptienkamp lege ich mich bereits zu 90% fest: der Sieger am Ende heisst Vladimir Dobrov.

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