Schauen Sie doch mal kurz rein!

Vom 12. Moskau Open berichtet exklusiv für den Schach-Ticker JÜRGEN MÜLLER. Internationaler FIDE-Schiedsrichter

 

Eteri Kublaschwilis

Eteri Kublaschwilis

Am heutigen Freitag [5. Februar] ist Eteri Kublaschwilis Geburtstag, deshalb übe ich brav ,„Alles Gute zum Geburtstag“ auch auf russisch hinzubekommen. Letztes Jahr bin ich mit meinem Versuch: „с Днем рождения“ [s Dnem roschdenija] zu sagen, kläglich nach dem „s äh wie war das noch“ gescheitert.

 

Eteri ist die zweite Fotografin, aber hauptsächlich macht sie die englische Webseite. Sie beherrscht prima diese Sprache, macht Interviews mit allen möglichen Leuten. Alles was auf der offiziellen Seite in Englisch ist, ist Eteris Werk.

Also rein ins Pressebüro, wie soll es sein, Eteri nicht da, kommt gleich wieder. Mensch, hoffentlich vergesse ich den Glückwunsch nicht wieder. Doch gerade als ich gehen will kommt Eteri, ich bringe mein „с Днем рождения“ prima raus, Eteri versteht sogar was ich gesagt habe und lacht, wir wissen beide, dass sie auf letztes Jahr anspielt. Torte wird mir angeboten, muss ich leider ablehnen, denn wenn man sich erst mal setzt, dann kommt man nicht mehr weg.

 

Auf ins Schiedsrichterbüro. Unglaublich: Alles da, Formulare, Tischkarten, Paarungslisten, sogar alles in einer Hülle. Auch für die 7 Bretter im B-Turnier [Frauen-Pokal]. Also los rüber in den Theatersaal.

Eteri und Galina Popowa

Eteri und Galina Popowa

Immer durch die Sicherheitskontrolle, Tüte auf machen, Hosentaschen leeren, Handys raus, [hab’ ja ein russisches und ein deutsches], dem Offizier geben, durch den Scanner, und alles wieder einpacken. Dazu später mehr beim Gespräch mit Jörg Schulz, dem Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend. Wadim bat mich, ein Foto von ihm zu machen. Tat ihm natürlich den Gefallen. Der Mann ist echt phänomenal, was Partienerfassung betrifft. Der bekommt jede Partie ins System, egal wie geschrieben wurde. Unglaublich!

 

Saal herrichten, heute sind zwei Volunteers da, doch die haben leider keine Ahnung vom Schach. Sind Studenten von der RGSU, aber nicht alle studieren Schach hier. Dimitri studiert Psychologie und Kinderentwicklung. Kann aber nicht Schach spielen. Demnach kann er mir beim Uhren stellen nicht helfen. Die Tischkarten legt er bereitwillig sehr akkurat auf die Tische. Doch leider alle falsch herum, wie ich später bei der Kontrolle feststelle. Weiß bei schwarz und umgedreht. Egal. 15:40 Uhr ist der Saal O.k., die 25 Online-Bretter melden auch alles in Ordnung. Dann kann’s los gehen.

 

Die ersten beiden Bretter im A-Turnier [Männer] haben es heute in sich. An Brett 1 die beiden führenden Timofejew –und an 2 die beiden Setzranglistenersten Korobow – P1410434Inarkijew. Im B-Turnier [Frauen] darf man auf Baira Kowanowa gegen Anastasia Bodnaruk gespannt sein. Die beiden guten Freundinnen werden sich nix schenken, es geht um Platz 1.

 

Außerdem blicke ich gespannt auf meine Turnierüberraschung Alexandra Obolentsewa, wie sie die Ernüchterung der Niederlage von gestern verdaut hat [gegen die Inderin Soumaya Swaminathan wird es ein Remis geben …]

 

Jörg Schulz schaut vorbei, und wir führen außerhalb des Saals ein längeres Gespräch zwecks deutsch-russischem Jugendaustausch, ein bisschen Bilanz ziehen so zusagen. Die Russen würden gerne einen Vertrag bis 2020 abschließen. Die DSJ hat hier mit den Russen ein Pilotprojekt gestartet und die Resonanz bei den deutschen Jugendlichen ist ausschließlich positiv, vielleicht sogar ein wenig enthusiastisch. Jetzt ist die DSJ am Zuge, einen Gegenbesuch in Deutschland zu organisieren. Jörg fragte, ob man den bei uns in Bad Königshofen machen könnte. Es gäbe dort ja eine Karpow-Schachschule und das wäre ja ein gute Aufhänger, auch die ehemalige Zonenrandlage eignet sich bestens für einen Ost-West-Jugendaustausch. Eine entsprechende Bewerbung gäbe es auch, also warum nicht?!

 

Jürgen Müller

Jürgen Müller

Auf die Frage, was denn nicht so toll hier gewesen wäre, kommt sofort: Überall diese Sicherheitskontrollen. Ob du ins Hotel gehst, ins Museum, in eine Bank, hier zum Turnierareal oder in die U-Bahn, überall ist Miliz oder Polizei. Ansonsten fiel ihm nur noch das fehlende Englisch ein. Das vermisst er zumindest auf den Aushängen. Ansonsten scheinen die Russen hier bei der DSJ-Delegation einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.

 

Bei mir sowieso, sonst wäre ich nicht seit sechs Jahren beim Moskau Open. An den guten Stühlen kann es auch nicht liegen: Schlichtes Design ist hier seit 30 Jahren modern.

 

 Das sind die normalen Stühle in den Vorlesungssälen, und somit auch die Sitzgelegenheit der Turnierteilnehmer, einmal abgesehen von den Brettern 1-33 [A-Turnier] und 1-7 bei den Frauen [B-Turnier].

 

Mein Schiedsrichter Kollege IA Alexander Iwanow wollte unbedingt ein Foto mit dem Geschäftsführer der DSJ (Direktor der Deutschen Delegation, Direktor Nemjetzki Delegatzia) Immerhin hat Jörg Schulz eine Turnierkarte mit „VIP“. Diese trägen auch Anatoli Jewgenjewitsch Karpow oder Walentina Gunina wenn Sie hier durch die Hallen wallen.

 

Zurück im Saal, es hat sich Einiges getan Alexandra hat wieder auf Angriff gesetzt und alles nach vorne geworfen inklusive eines für sie wohl überflüssigen Springers. Am Ende schlägt ihre Attacke leider nicht durch und sie muss sich mit einem Remis begnügen. Aber sehenswert ist die Partie allemal. Hätte sie gestern nur auch so viel Mut zum Risiko gehabt.

 

Baira und Nastya haben hart gefightet aber die kleine Qualität [Springer und Läufer gegen Turm] konnte Baira nicht zum Sieg ummünzen, also einigen sich beide nach 56 Zügen auf remis [http://www.chessbomb.com/arena/2016-moscowopen/07-Kovanova_Baira-Bodnaruk_Anastasia].

 

An Brett 1 bei den Männern tut sich inzwischen Sehenswertes. Damenpower oder Gruppenbild mit Dame[n]. Vier Damen am Brett und das nicht nur kurzzeitig. Das kommt auch nicht alle Tage vor bestätigte auch Michael Kopylov, der mit zwei Jugendlichen zu den Endspielen in den Theatersaal kam. Am Ende entschied Artyom Timofejew mit Weiß den Kampf der Giganten gegen den mit bisher sechs Siegen dominierenden Urii Elisejew für sich [hier der Link, um die Partie in Ruhe nachzuspielen: http://www.chessbomb.com/arena/2016-moscowopen/07-Timofeev_Artyom-Eliseev_Urii ]. Der letzte Fehler [47…Tg6] entscheidet den Tag. Die beiden Spitzenpaarungen am Sonnabend wird erneut das Quartett aus Runde 7 bestreiten. Diesmal spielen an 1 Inarijew [6/7] – Timofejew [6,5/7] und an 2 Elisejew – Korobow [beide 6/7]. Bei den Frauen könnte die Entscheidung um den Turniersieg in der Begegnung zwischen Anastasia Bodnaruk [Rodewischer Schachmiezen] und Veronika Schneider [Hamburger SK[ fallen, denn sie sind die einzigen Spielerinnen, die 6/7 vorweisen können. Ein Remis wäre allerdings für keine von beiden erstrebenswert, denn hinter dem Duo wartet eine Verfolgergruppe von neun Mädels mit jeweils 5,5/7, darunter ist auch die 14-jährige Alexandra Obolentsewa …

 

P.S.: Heute waren an meinen 40 Brettern übrigens: 28 GM, 24 IM, 12 FM, 4 WGM. 2 WIM, 2 WFM. Nur acht hatten keinen internationalen Titel, allerdings hatte davon einer eine Elo von 2511 und ein weiterer Elo 2471 – was für ein wahrhaft erlesenes Feld!

 

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