Die 5. und 6. Runde der Bundesliga – Ein Bericht von GEORGIOS SOULEIDIS

 

6. Runde

Die 5. Runde der SBL brachte einige überraschende Resultate hervor und in Berlin lag sogar eine Sensation in der Luft, denn die Schachfreunde waren drauf und dran gegen Baden-Baden einen Punkt zu ergattern. Solingen übernahm nach dem Kantersieg gegen Norderstedt die Tabellenführung, während das Spitzenspiel zwischen Bremen und Hockenheim eine einseitige Angelegenheit zugunsten der Rennstädter war. Eine Zusammenfassung der Ereignisse in Erfurt, Berlin, Trier und Bremen.

 

Erfurt schlägt Mülheim!

 

Dem Erfurter SK gelangpartien die Überraschung des Tages. Die Thüringer besiegten den SV Mülheim Nord mit 4,5:3,5. Während es für Erfurt der erste Saisonsieg war, war es für Mülheim die erste Saisonniederlage. Es begann mit einem schnellen Sieg an Brett acht. Bernd Vökler zeigte sich gegen die Caro-Kann-Verteidigung seines Gegners gut vorbereitet und zerstörte die schwarze Königsstellung durch ein Springeropfer.

 

Voekler,Bernd (2352) – Saltaev,Mihail (2495)
SBL, Erfurter SK – SV Mülheim Nord, 06.02.2016

Stellung nach 15..0-0?:

 

voekler-saltaev

 

16.Sf5! Tfe8? 17.Sxh6+! Das oben erwähnte Springeropfer. 17…gxh6 18.Sxf7! Sf8 18…Kxf7? scheitert an 19.Dg6+ Kf8 20.Lxh6# 19.Sxh6+ Kh8 Weiß hat drei Bauern für die Figur und weiterhin Angriff. Der Bundesnachwuchstrainer verwertete den riesigen Vorteil ohne Probleme. 20.Te5 20.Dg3 Kh7 21.Sf7+- 20…Dc7 21.Df3 Ld8 22.g4 S8d7 23.Te2 Sh7 24.Sf7+ Kg8 25.g5 Sb6 26.g6 Sf6 27.Lf4 De7 28.Lg5 Tf8 29.Sh6+ Kg7 30.Sf5+ exf5 31.Txe7+ Lxe7 32.De3 Tfe8 33.De6 1-0

 

Bernd Vökler (Foto: Klaus Steffan)

 

Mülheim war in der Folge nicht in der Lage die nominellen Vorteile zu nutzen, um dem Kampf umzubiegen. Nur Daniel Fridman gelang ein Sieg gegen Oliver Mihok. Auf Erfurter Seite punktete im Verlauf des Kampfes Franz Braeuer gegen Quinten Ducarmon. Am Ende war Peter Enders der Erfurter Held, da er ein schwieriges Endspiel gegen Michael Feygin remis hielt und den knappen Sieg für seine Mannschaft sicherte. Erfurt katapultierte sich dank dieses unerwarteten Erfolges auf einen einstelligen Tabellenplatz, während Mülheim nach dem erfolgreichen Saisonauftakt mit vier Siegen wieder den Boden der Tatsachen spürt.

 

Im parallel ausgetragenen Kampf besiegte der SK Schwäbisch Hall den SC Hansa Dortmund mit 5:3. Schnell gingen die Haller durch Siege von Jinshi Bai und Alexander Raykhman in Führung, die sie nicht mehr hergaben und mit sechs weiteren Remis abischerten. Bedenkt man die klare nominelle Unterlegenheit, ist die „knappe“ Niederlage für Dortmund fast als Erfolg zu werten. Hervorzuheben sind die jungen Spieler an den ersten Brettern – Donchenko, Mons und Zelbel, die gegen durchweg deutlich stärkere Gegner das Remis hielten.

 

Klaus Steffan war in Erfurt dabei und hat zahlreiche Bilder und Videos ins Netz gestellt.

 

Solingen souverän und Hamburg knapp

 

Die SG Solingen spielt sich warm für das Duell gegen den Giganten. Die Klingenstädter hatten gegen Norderstedt keine Mühe und siegten 7:1. Beim Schlusslicht der Liga durften sich immerhin Simon Bekker-Jensen und Benedict Krause über ein halbes Pünktchen freuen. Deutlich spannender ging es zwischen Trier und Hamburg zu. Sipke Ernst und Dmitrij Kollars brachten den HSK in Führung. Kollars durchbrach die Verteidigung seines Gegners in einem Doppelturmendspiel, in dem sein Gegner Pawel Jaracz in der folgenden Stellung den Remisweg verpasste.

 

Kollars,Dmitrij (2443) – Jaracz,Pawel (2503)
SBL, SG Trier – Hamburger SK, 06.02.2016

 

Stellung nach 29.Tc1:

 

kollars-jaracz

 

29…Tf8? Danach setzt Weiß seine Bauernmehrheit am Damenflügel gewinnbringend ein. 29…e5!! scheint zu remisieren. Die Varianten sind am Brett sehr schwierig zu berechnen. 30.Ta2 [30.Tc7 Tb1+! 31.Kg2 Tb2! 32.Kh3 (32.Txb7 Tbxf2+ 33.Kh3 d4! und Weiß kann das Dauerschach nicht verhindern) 32…Tbxf2! 33.Tg4 Tf7! 34.Tg5 Txc7 35.bxc7 Tc2 36.Txe5 Txc7 37.Txd5=] 30…d4! 31.Tc7 Td6 32.Txb7 d3 33.Td2 Txa5 34.Tc7 Txb6 35.Txd3 h6 36.Tdd7 Tg6= 30.Tc7! Tf7 31.a6! Der entscheidende Durchbruch. Der b-Bauer ist nicht aufzuhalten. 31…bxa6 32.Txa6 Tf8 33.b7 1-0

 

Dmitrij Kollars

 

In der Folge konnte Miklos Galyas durch einen Sieg gegen Thies Heinemann verkürzen, doch der Rest der Partien endete remis. Hamburg rangiert nach dem 4,5:3,5 auf einem sicheren MIttelfeldplatz, während Trier sich mitten im Abstiegskampf befindet.

 

Berlin verpasst Sensation

 

Die Schachfreunde Berlin verpassten nur knapp ein 4:4 gegen die OSG Baden-Baden. Nach Siegen von Francisco Vallejo Pons und Georg Meier schien für den deutschen Meister alles seinen gewohnten Gang zu nehmen, doch beim Stand von 4:2 erkämpfte Martin Krämer einen vollen Punkt gegen Etienne Bacrot und Danyyil Dvirnyy besaß gegen Sergei Movsesian im Endspiel einen Mehrbauern. Es lag ein 4:4 in der Luft, doch Movsesian brachte all sein Können auf, um das Remis und den knappen Sieg für Baden-Baden zu sichern.

 

Die Stimmung vor dem Kampf gegen Baden-Baden war bei den Berlinern prächtig

 

Berlin liegt mit nur einem Punkt am Tabellenende und muss am Sonntag gegen München den ersten Sieg einfahren, um sich Luft für die kommenden Aufgaben zu verschaffen. Das wird allerdings kein Selbstläufer, denn Bayern München präsentierte sich im Kampf gegen Dresden in sehr guter Verfassung. Gegen die hochfavorisierten Sachsen gelang ein 4:4. Eigentlich hätte sogar ein Sieg rausspringen müssen, denn beim Stand von 3,5:2,5 verpatzte Peter Meister seine Gewinnstellung gegen Maximilian Neef und Andreas Schenk gab in Remisstellung auf!

 

Schenk,Andreas (2483) – Bartel,Mateusz (2623)
SBL, USV TU Dresden – Bayern München, 06.02.2016

Stellung nach 48…Sg4+:

 

schenk-bartel

 

Weiß gab auf. Königszüge führen zu Matt oder Turmverlust, aber es ging noch 49.Le2! Txe2+ 50.Kf1! und Weiß erhält seine Figur zurück. Das Turmendspiel nach 50…Te4 51.hxg4 Txg4 52.Kf2 ist remis genauso wie ein Bauernendspiel, wenn Schwarz die Türme tauscht. 0-1

 

Bitter für München, die sich mit einem Sieg auf Platz neun verbessert hätten. Für Dresden läuft die Saison erstaunlich holprig und mit drei Punkten reicht es bislang nur zu Platz zwölf.

 

Hockenheim setzt Ausrufezeichen

 

Der Spitzenkampf zwischen Werder Bremen und SV Hockenheim war eine einseitige Angelegenheit. Die Rennstädter gingen leicht favorisiert ins Rennen und führten nach der Zeitkontrolle durch Siege von Arik Braun und Hannes Rau mit 4:2. Rau sicherte sich an Brett acht folgendermaßen Materialvorteil:

 

Meins,Gerlef (2430) – Rau,Hannes (2468)
SBL, Werder Bremen – SV Hockenheim, 06.02.2016

Stellung nach 26.Tb3?:

 

meins-rau

 

26…Dxf1+! 27.Kxf1 Tc1+ 28.Ke2 Sf4+ 29.Ke3 Sxd5+ Schwarz hat Material gewonnen und behält es auch nach 30.Kd4 Sc4! Weiß gab auf wegen 31.Kxd5 Sxd2 0-1

 

Hannes Rau

 

Den Schlusspunkt zum 5,5:2,5 setzte im Duell der Nationalspieler Rainer Buhmann gegen Matthias Bluebaum. Dank des Sieges überholte Hockenheim die Bremer in der Tabelle und ist wieder voll im Rennen um den dritten Platz.

Der SK Turm Emsdetten besiegte im zweiten Duell an der Weser den SV Griesheim mit 5:3. Griesheim trat mit der zweiten Garde an und hatte dementsprechend kaum eine Chance auf einen Punktgewinn. Für Emsdetten punkteten Ruud Janssen, Thomas Fiebig und Martin Zumsande, während Ronald Koehler für Griesheim gewann.

 

Alle Ergebnisse der 5. Runde
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Am Sonntag den 7. Februar geht es weiter mit der 6. Runde der SBL. Den Spitzenkampf bestreiten SV Mülheim Nord und SK Schwäbisch Hall in Erfurt. Außerdem stehen einige interessante Duelle im Kampf gegen den Abstieg auf dem Programm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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