Draußen Sturm, drinnen Jubel – Gibt es Schöneres als Schach? Vom 5. DSMA-Qualifikationsturnier in Brühl-Köln berichtet RALF MULDE

 

Rene Kellner

Rene Kellner

Um gleich die Frage in der Unterzeile aufzulösen: Jedenfalls nicht der Karneval, würden die Spieler wohl antworten, denn die waren drinnen und die Kamellenschmeißer draußen. Obwohl, wie es unsere Bilder zeigen, war man doch keineswegs vollkommen isoliert – warum auch? Das bunteste Turnier der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft [DSAM] zieht ja einen Teil seines Reizes gerade aus dieser Parallele zwischen Feier und Rochade. Witzig ist das immer, auch für das Turnierpersonal und den Hotelservice [Die hübsche Turnierbeguck-Seite: http://www.ramada-cup.de/bruehl/].

 

„Ich kann mich nicht erinnern, dass es schon einmal drei Spielern in einem Turnier gelungen ist, mit 100% zu punkten“, verbeugte sich Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan vor der tollen Leistung von Manfred Berner[Kelkheim, C-Gruppe], Rene Kellner [Briesen, D-Gruppe] und Jean-Pierre Fuß [St.Augustin, E-Gruppe], die in ihrer jeweiligen Leistungsklasse diesen ungewöhnlichen Erfolg hervorzauberten.

 

In der sozusagen Königsdisziplin, der A-Gruppe, gelang dem für den SK Münster 32 spielenden Martin Molinaroli mit 4,5 Punkten der große Wurf, immerhin distanzierte er den Zweiten, nämlich Axel Stephan von Diogenes Hamburg um einen ganzen Punkt. „Ein voller Zähler Vorsprung auf die Verfolger sind im Schach Welten“, wie es hier auf dem Schach-Ticker der große Schachjournalist Hartmut Metz gerade treffend bemerkte, allerdings über Weltmeister Magnus Carlsen.

 

Aber so ganz „amateurig“ sind die Amateure in der besten Leistungsklasse vielleicht auch gar nicht, natürlich ohne jeden Bezug zur Klasse der Weltelite, aber eben doch Oberliga, Zweite Bundesliga – da ist „oben“ zumeist das Niveau im Ratingbereich 2300 – 2101. Im gar nicht so fernen DSAM-Finale in Halle / Saale [vom 26.-28.Mai, vorher steigt die letzte Quali-Party aber noch in Kassel vom 15.-17. April] wird man wieder mit den dähnischen … mit den Dähne-Pokal-Finalisten in einem Saal spielen – und die Rating-Unterschiede beider Finals werden wie immer nicht sehr groß sein. Im Matt sind wir alle gleich. Das erkannte auch Klaus Deventer, Vize-Präsident und Leistungsschach-Referent des DSB, der war bei der Ehrung der Sieger im Brühler RAMADA-Hotel tätig, was von allen dankbar wahrgenommen wurde.

 

Martin Molinaroli

Martin Molinaroli

Dass die „Traubensaftflaschen“ hier recht hoch hängen können, musste auch der Setzranglistenerste FM Georgi Tomov aus Bulgarien zur Kenntnis nehmen; es bedurfte für ihn schon eines konzentrierten Schluss-Spurts, um am Ende gerade noch Sechster zu werden. Diese kurzen Turniere mit ihrer eigenartigen Atmosphäre und Gegnern, die man nicht immer gut einschätzen kann [spielen ja auch manchmal irgendwie komisch], machen es eben manchmal auch erfahrenen Spielern schwer, das gewohnte Niveau zu erreichen.

 

Bei der DSAM gibt es eigentlich nicht nur die olympischen drei „Medaillenränge“, sondern gleich sechs, denn genau das sind die Platzierungen, mit denen die Qualifikation für das Finale verbunden sind. Betrachtet man nur diese, könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Damen diesmal nicht sehr erfolgreich waren, aber gerade das ist nicht ganz richtig. Man sieht, wir sind bei der „Frauenfrage“ angekommen, die eben für das deutsche Schach eine existenzielle ist. In der ersten, der A-Gruppe, hatte WGM einen solitären Platz, es wagte sich einfach keine andere Dame nach vorn.

 

Danya Yvonne ter Stal

Danja Yvonne ter Stal

Das ist niemandes Schuld; man muss sich nur die Elo-Liste der deutschen Damen vornehmen und schauen, wie viele davon maximal in der A-Gruppe [2001 bis 2300] startberechtigt wären. Die Zahl ist eng begrenzt, folglich sind auch nur wenige dabei. In der B-Gruppe [Rating 2100 bis 1901], waren es einige mögliche Starterinnen mehr, aber noch muss leider kein Turnierdirektor befürchten, von den Damen überrannt zu werden [gerade steigen hier Bilder türstürmender Damen im Schlussverkauf der sechsziger Jahre auf]. Die Freiburgerin Sarah Hund und die noch nicht so bekannte Sandra Lobe aus Leipzig sind hoch talentiert, nur diesmal hat’s in der B-Gruppe eben einmal nicht so riesig geklappt. Die DSAM insgesamt setzt ja gerade darauf, dass sich auch im deutschen Frauenschach die bereits vorhandene allgemeine Leistungssteigerung verstetigen und natürlich die Zahl der Schachspielerinnen in den Clubs ansteigen wird; im Tennis könnte sich gerade so etwas abzeichnen, warum also nicht auch bei uns?

 

Einerlei, in der F-Gruppe spielte Anja Noever, Rheydt, ein tolles Turnier und holte Silber. Fast hätten die noch recht junge Victoria Wagner aus Erfurt, oder auch Anja Braun aus Briesen, einen Platz an der „6er Sonne“ erobert und neben Gudrun Jakob, Antje-Christine Krüger und Margarethe Wagner [noch eine Erfurterin! Ob sie die Victoria kennen könnte …?] fiel uns besonders Danja Yvonne ter Stal auf – positiv, wohlgemerkt. In der D-Gruppe schlitterte ihre Mutter, Esther ter Stal, auch Nordhorn-Blanke, in ihren Partien wohl einige Male nur knapp am vollen Punkt vorbei; Annika Denz und vor allem Rebecca Browning kriegten es diesmal als Dritte / Vierte besser hin.

 

Nur in der C- und E-Gruppe waren die Damen an diesem Wochenende eher spärlich vertreten. Es gibt also noch viel zu tun! Nun, dann packen wir’s doch einfach an! Eine Möglichkeit dazu bietet auch der vom selben Team organisierte Deutschland-Cup [30. September bis 5. Oktober 2016 im HKK Hotel Wernigerode], der gerade ausgeschrieben wurde: http://deutschlandcup.org/. Also, einfach anmelden – und mitspielen!!!

 

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