Die Inderin ist beim zweiten Turnier der FIDE-Grand-Prix-Serie 2015/16 der Frauen in Teheran Favoritin – Eine Vorschau von RAYMUND STOLZE

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Ab Donnerstag 12:30 h

Wer unersetzbar sein will,

muss vor allem ‚anders‘ sein.

Coco Chanel

 

Nicht Wenige von Ihnen werden sich jetzt ernsthaft fragen: Was will der Autor uns mit diesem Zitat der weltbekannten französischen Modedesignerin sagen – hat die denn auch Schach gespielt?

 

Letzteres ist mir nicht bekannt, aber die Dame war verdammt erfolgreich, und das will der Weltschachbund FIDE natürlich auch. Frauen-Schach könnte da eine willkommene Öffentlichkeitsoffensive sein, zumal die Akteure im Grunde alle attraktiv sind. Dazu suche man noch einen würdigen Austragungsort, der für Schlagzeilen sorgen kann, und für zwei Wochen wird ein solches Event nicht nur die Aufmerksamkeit der Schachwelt finden.

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Willkommen Mädels also in Teheran!  Dort wird nach dem Auftakt in Monte Carlo [3.-15. Oktober 2015] das zweite Turnier der inzwischen vierten FIDE-Grand-Prix-Serie stattfinden. Die iranische Hauptstadt ist vom 11. bis 23. Februar Gastgeber dieser attraktiven Veranstaltung, die ganz sicherlich auch in das entspannte politische Klima nach Aufhebung des westlichen Embargos gegen die islamische Republik passt.

 

Es sei daran erinnert, dass das an sich harmlose „Königliche Spiel“ jahrhundertelang den jeweiligen Sachwaltern des Göttlichen auf Erden im Iran missfiel. Wie mein Kollege Johannes Fischer in seinem Blog für die Wochenzeitung DIE ZEIT schreibt, ließ zuletzt der iranische Geistliche Ayatollah Khomeini nach der Islamischen Revolution im Iran 1981 Schach verbieten [ http://blog.zeit.de/schach/religion-islam-christentum-judentum/ ]. Sieben Jahre später, durfte aber wieder offiziell gespielt werden und erfreut sich seitdem einer ungeahnten Popularität. Erinnert sei nur, dass im Dezember 2000 das Finale der FIDE-K.o.-Weltmeisterschaft eben in Teheran ausgetragen wurde und Viswanathan Anand damals Alexei Schirow vorzeitig souverän mit 3,5:0,5 bezwang.

 

„Wer allerdings die Frage „Darf man im Islam Schach spielen?“ googelt, stößt schnell auf Beiträge islamischer Religionsexperten, die das bezweifeln“, so Fischer.

 

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Hou Yifan

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Maria Musitschuk

Nun, sei es drum, jedenfalls hat es der Schachverband des Landes geschafft, Gastgeber der zweiten Etappe dieses hochkarätigen Wettbewerbs zu sein. Immerhin winkt der Gesamtsiegerin – drei Turniere kommen in die Gesamtwertung – im Jahr 2017 ein Match über zehn Partien gegen die amtierende Weltmeisterin. So ist es kein Wunder, dass von den aktuellen TOP 15 – das sind jene Spielerinnen mit einer Elo über 2500 – elf für dieses Veranstaltung gesetzt sind, darunter die Weltmeisterin Maria Musitschuk [*21.3.1992] und ihre Vorgängerin Hou Yifan [*27.2.1994]. Beide sind übrigens diesmal nicht dabei, nachdem sie zum Auftakt in Monaco die ersten beiden Plätze belegten – die Chinesin mit zwei Punkten Vorsprung und einem Sieg im direkten Duell Rang 1 vor der Ukrainerin. Der Grund ist allerdings plausibel: Beide werden ab 1. März in Lwiw um die Schachkrone spielen, wobei die knapp zwei Jahre jüngere Hou Yifan klare Favoritin ist. Sie hat übrigens alle drei bisherigen FIDE-Grand-Prix der Frauen gewonnen!

 

Was die Teilnehmerinnen in Teheran angeht, so sind mit Ju Wenjun, Zhao Xue [beide China], Harika Dronavalli [Indien], Walentina Gunina [Russland] und Nino Batsaschwili [Georgien] fünf Neue im Einsatz. Dazu kommen Humpy Koneru [Indien], Nana Dsagnidse [Georgien], Exweltmeisterin Antoaneta Stefanowa [Bulgarien], Natalia Schukowa [Ukraine], Natalja Pogonina [Russland] und die Iranerin Sarasadat Khademalsharieh, die mit Kopftuch spielt, so wie es ihre Religion vorschreibt.

 

Der Turnier-Modus sieht nach jeweils vier Runden einen „Free Day“ vor – der erste Ruhetag ist also am kommenden Montag [15. Februar].

 

Wie immer werden pro Turnier Grand-Prix-Punkte vergeben, die bei gleichem Endstand geteilt werden: Die Siegerin erhält 120 + 40 Bonuszähler, für Platz 2 gibt es 110 + 20, für Rang 3 100 + 10, danach ist die Staffelung 90, 80, 70, 60, 50, 40, 30, 20 und 10.

 

Der Preisfonds beträgt insgesamt 60.000 €, wobei hier die Verteilung wie folgt aussieht: 10.000, 8250, 6750, 5750, 5000, 4500, 4250, 4000, 3250, 3000, 2750 und 2500 €. Das mag für die Schachprofis der Frauen durchaus anständig sein, aber im Vergleich zur Beute-Tüte für Oscar-Nominierte natürlich nicht der Rede wert: Die enthält in diesem Jahr Geschenke im Wert von rund 200.000 Dollar – pro Person. Enthalten sind u.a. Reisen nach Israel und Japan, kostenloser Mietwagenservice und sechs Packungen exklusives Schweizer Klopapier [diepresse.com, telegraph.co.uk via mashable.com], wie der Newsletter heute2 vermeldet [die kann man kostenlos unter abo@turi2.de bestellen!].

 

Die Punkte-Rangliste nach Monte Carlo – da war die Grand-Prix-Location ein Spielcasino – sieht wie folgt aus:

 

1. Hou Yifan [CHN] 160,

2. Maria Musitschuk [UKR], Humpy Koneru [IND], beide 120,

4. Pia Cramling [SWE], Natalja Pogonina [RUS], beide 85,

6. Antoaneta Stefanowa [BUL], Alexandra Kostenjuk [RUS], beide 65,

8. Nana Dsagnidse [GEO] 50,

9. Almira Skriptschenko [FRA-Ausrichterplatz], Natalja Schukowa [UKR], Anna Musitschuk [UKR], je 30,

12. Sarasadat Khademalsharieh [IRA] 10.

 

Humpy Koneru (Foto: Seshudak, via https://commons.wikimedia.org)

Humpy Koneru

In Teheran könnte es durchaus eine „Sternstunde“ für die noch 28-jährige Humpy Koneru [*31. März 1987] geben – vorausgesetzt, die Weltranglistenzweite [Elo 2583] bleibt nervlich stabil. Gespannt bin ich aber vor allem auf das Abschneiden der „Grande Dame“ des Frauenschachs Pia Cramling [*23. April 1963]. Beim Tradewise Open in Gibraltar hatte die sympathische Schwedin, die seit mehr als drei Jahrzehnten zur absoluten Weltspitze gehört, zuletzt einen ziemlich herben Einbruch erleben müssen, der ihr nicht nur mehr als 20 Elo-Punkte kostete, sondern sie von Rang 10 auf 15 in der Weltrangliste abstürzen ließ.

 

Dass die Turnierwebseite http://46.224.3.126/en/ bereits freigeschaltet ist, sei auch angemerkt – wie immer werden Sie dort bestens mit allen wichtigen Infos sowie Bildmaterial etc. versorgt.

 

Was schließlich den Zyklus 3025/16 angeht, so hat sich dazu in SCHACH 11/2015 der bekannte Trainer Adrian Michaltschischin geäußert. So seien erst vier Turniere gesichert – laut FIDE-Turnierkalender [http://www.fide.com/calendar/fide-calendar.html] folgen noch Batumi/Georgien [19. April bis 3. Mai] und die chinesische Metropole Chengdu [1.-15. Juli], wo wohl das finale Turnier stattfinden dürfte. Turnierdirektor Geoffrey Borg hat zwar seinerzeit erklärt, dass ein fünfter Austragungsort „so gut wie sicher“ sei, aber die Nummer 6 noch in den Sternen stehe.

 

Freuen wir uns also erst einmal auf Teheran und das zu erwartende kämpferische Frauen-Schach, wo im Gegensatz zu den Männer-Turnieren selten Langeweile zu erwarten ist …

 

 

Bildnachweise

  • Teilnehmerinnen: Turnierwebseite http://46.224.3.126/en/
  • Hou Yifan: http://www.dailymail.co.uk/femail/article-2605502/Meet-Yifan-Hou-glamorous-Womens-World-Chess-Champion-changing-face-notoriously-nerdy-game.html
  • Humpy Koneru: Seshudak – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19750022

 

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