Schauen Sie doch mal kurz rein!


Im Juni noch mehr Schnell- und Blitzschach auf hohem Niveau

 

„Hohes NiHotel Savoyveau“ bezieht sich jeweils jedenfalls auf die Elozahlen – wie hochklassig die Partien bei wenig Bedenkzeit dann sind wird sich zeigen. Geplant und umgesetzt: ein Vorbericht zur Zürich Chess Challenge 2016. Spontan da „breaking news“ und zeitlich (im doppelten Sinne) passend: neues von der Chess Tour – so neu dass es auf der hier verlivelinkten Seite noch nicht erwähnt wird, aber einige haben ihren Informationsvorsprung auf Twitter weltweitwebkundig gemacht.

 

Aber zunächst zu Zürich: Die Schachgesellschaft Zürich und/oder Sponsor Oleg Skvortsov experimentieren gerne mal, diesmal mit der Bedenkzeit. Dazu gleich mehr, zunächst die Teilnehmer nach aktuellster Elo sortiert: Kramnik, Giri, Aronian, Nakamura, Anand, Shirov. Das ist durchaus ein attraktives und hochklassiges Feld – auch wenn Anand nach seinem Abenteuer Gibraltar zum ersten Mal seit ewig (zumindest in diesem Jahrtausend) live nicht mehr top10 ist und Carlsen nicht eingeladen wurde. Das hat er hier bestätigt, zum möglichen Hintergrund siehe hier. Shirov ist wohl dabei, da er beim Europacup für die Schachgesellschaft Zürich spielte – nachdem russische Teams ihn wohl wegen inzwischen zu wenig Elo aussortierten. Das ist noch nicht alles: im Rahmenprogramm noch ein kurzes Match (zwei Partien) zwischen Gelfand und Morozevich. Gelfand hat aktuell Elo 2735 (war mal mehr), Morozevich 2683 (war mal viel mehr), beide muss ich dem Publikum wohl nicht vorstellen, die sechs zuvor erwähnten (einschliesslich Shirov) auch nicht.

 

Eines bleibt in Zürich beim alten: der Austragungsort im historisch-schicken Savoy-Hotel mitten in der Stadt (Titelfoto Quelle Turnierseite).

 

Neu ist dagegen die Zeitkontrolle: 40 Minuten für die Partie mit 10 Sekunden Inkrement ab dem ersten Zug. Für Skvortsov sind Partien, die stundenlang, eventuell 6-7 Stunden dauern können, nicht medientauglich – Details und mehr in diesem Interview (russisches Original hier), wo auch er die Frage „Habt Ihr den Weltmeister eingeladen?“ kurz und knapp mit „nein“ beantwortet. Eigentlich wollte er den Spielern 60 Minuten plus Inkrement gönnen (das nennt er „neuklassisch“, die nun angewendete Zeitkontrolle auch), aber FIDE sagte „das geht nicht“ bzw. dann werden die Partien nicht Elo-ausgewertet. Nun schon, allerdings für die Schnellschach-Liste. Der Komplex Bedenkzeiten wurde schon vielfältig im Internet diskutiert und kommentiert, meine Meinung: „Warum nicht für dieses Turnier?“ – allerdings wollte ich das, offenbar im Gegensatz zu Skvortsov, nicht immer und überall. Interessant wird, wie die Spieler mit dieser neuen Bedenkzeit zurecht kommen und wie sie sich diese einteilen.

 

So passen 15 Partien in vier Tage: Freitag ein Blitzturnier zwecks Ermittlung der Startnummern (bei fünf Runden ist „einmal öfter Weiss“ sicher ein Vorteil!), Samstag und Sonntag je zwei Runden langsames Schnellschach, Montag noch eine Runde und dann noch ein Blitzturnier, das für die Gesamtwertung des Turniers zählt. Schnellschach zählt dabei doppelt, zwei Punkte für einen Sieg und ein Punkt pro Remis. Gelfand und Morozevich spielen Samstag neuklassisch, parallel zu den sechs anderen.

 

„Im Prinzip“ ist Zürich für Giri, Aronian, Nakamura und Anand die Generalprobe für das Kandidatenturnier. Dazu äusserte sich Carlsen im oben verlinkten Interview, dazu haben sich auch andere geäussert (ein GM in Wijk aan Zee „exklusiv für den Schachticker“), aber das kommt demnächst im (von mir) wohl nächsten Turnier-Vorbericht. Wie aussagekräftig es mit dieser Bedenkzeit ist, sei dahingestellt. Ausserdem kann eine Generalprobe (nicht nur in der Kunst, auch im Schach) durchaus schiefgehen: 2014 hatte Anand in Zürich ein mässiges Ergebnis (Vorletzter) – im Kandidatenturnier hatten ihm einige Experten und „Experten“ nicht einmal den vorletzten Platz zugetraut, aber dann gewann er souverän … . Eventuell sitzen Anand und/oder Aronian und/oder Svidler und/oder Giri am Wochenende danach noch einmal am Brett: Am 21.2. ist das Bundesliga-Spitzenspiel Solingen – Baden-Baden. Bisher haben Anand und Aronian (für Baden-Baden) sowie Giri (für Solingen) diese Saison noch gar nicht gespielt, aber ein Spitzenspiel ist vielleicht eine andere Kiste.

 

Zu Zürich nur noch die Rahmendaten: Freitag 18:00 Eröffnungszeremonie, anschliessend Blitz. Samstag und Sonntag 15:00 und 18:00 Schnellschach, Montag 15:00 Schnellschach und ab 18:00 Blitz. Es gibt Livekommentar im Internet, noch verraten die Veranstalter offenbar nicht wer kommentiert. Zuschauer vor Ort sind willkommen, Eintritt frei – allerdings steht auf der Turnierseite „die Veranstalter behalten das Recht, Zuschauern den Zugang zum Spielsaal ohne Begründung zu verweigern“. Ich nehme an, dass sich das vor allem darauf bezieht, dass es im Spielsaal (wie bei früheren Turnieren) eventuell zu voll wird.

 

Und dann noch die Chess Tour: In Wijk aan Zee sagte Malcolm Pein mir gegenüber „kurz nach Wijk aan Zee kommt ein announcement“ (Interview in diesem Beitrag ziemlich weit unten, eventuell ein Smiley suchen um es schnell zu finden). Heute war es soweit, Mark Crowther und chess24 haben es fast gleichzeitig auf Twitter erwähnt: Es gibt zwei Schnell- und Blitzturniere, vom 8.-14.6. in Paris und direkt danach (ist ja um die Ecke) vom 15.-21.6. in Brüssel und Leuven. Wie das genau ablaufen wird (jeweils sieben Tage für zehn Spieler) verraten sie noch nicht. Den Pressebericht habe ich auf Umwegen erhalten und nenne nur noch ein paar Stichworte: Neue Sponsoren sind in Frankreich Colliers International aus der Immobilienbranche, in Belgien das gemeinnützige (non-profit) Your Next MoveTM. Eine gemeinnützige Organisation spendiert 150.000$ für ein Schachturnier, na gut … . Die beiden Schnell/Blitzturniere sind preisgeldtechnisch zusammen genauso viel wert wie später Sinquefield Cup und London Classic – Preisgeld jeweils 300.000$, dann noch 150.000 (100.000 + 50.000) für die beiden Ersten der Gesamtwertung. Eingeladen wurden die ersten drei der letzten Chess Tour und die besten fünf nach durchschnittlicher Elo 2015, dazu pro Turnier eine lokale Wildcard (etwa tatsächlich ein Belgier?) und eine Chess Tour Wildcard – die Turniere sind also nur noch zu 80% identisch. Noch wissen sie offenbar nicht, wer die Einladungen annimmt, dazu gibt es später noch einen Pressebericht. Bereits in diesem Pressebericht steht ausserdem das übliche „wir sind sooooo toll“ (premier chess circuit, gold standard, usw.).

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