(M-)ein Erlebnisbericht vom Simultan mit Magnus Carlsen aus Anlass des 70-jährigen Jubiläums der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT – Von JANA SCHNEIDER

 

Video: Interview mit Felix Magath und Peer Steinbrück

Aller guten Dinge sind drei, und so kommt nach den beiden Beiträgen von Lara Schulze und Karol Lalla nun auch noch der angekündigte Erlebnisbericht von Jana Schneider. Die EU-Meisterin 2015 in der Altersklasse U14 hatte auf Initiative des Schach-Ticker einen der vier Plätze für geladene Gäste erhalten. Um die übrigen 66 Plätze für das Simultan mit Magnus Carlsen, dass am vergangenen Sonnabend [20. Februar] aus Anlass des 70-jährigen Jubiläums der Wochenzeitung DIE ZEIT stattfand, hatten sich innerhalb kürzester Zeit mehr als 1400 Schachfreunde beworben.

[Raymund Stolze]


 

70 Spieler sind gleichzeitig gegen den Weltmeister angetreten und ich durfte eine von ihnen sein. Daneben hat Helmut Pfleger für Zuschauer und Begleitpersonen Partien von Carlsen analysiert und erklärt. Um 14:00 Uhr wurden wir Spieler eingelassen.

 

 

Warten auf Magnus: Jana Schneider und Peer_Steinbrück Eine lange Warteschlange hatte sich schon vor dem ehemaligem Hauptzollamt, dem Veranstaltungsort, gebildet, doch glücklicherweise durften die Spieler vor den Zuschauern hinein und bekamen als Erkennungszeichen ein gelbes Band um den Arm. Also saßen wir um 14:15 Uhr alle auf unseren Plätzen und haben gewartet. Um 14:30 Uhr gab es eine Begrüßungsrede, in der noch einmal die vier Spieler erwähnt wurden, die einen Freiplatz für dieses Event erhalten hatten. Neben mir waren das zum Beispiel noch Felix Magath und Peer Steinbrück, neben dem ich gespielt habe.

 

 

Aber erst um 15:00 Uhr ging es wirklich los. Über eine Treppe kam Magnus Carlsen herunter und wurde erst einmal von Kameras umzingelt. Dann fing er an.

 

Magnus Carlsen

 

Jedem Spieler gab er die Hand und machte seinen ersten Zug. An allen Brettern hatte er Weiß, gegen mich spielte er 1. Sf3. Vorher hatte ich mir so viele Gedanken gemacht, in dem Moment habe ich aber einfach nur noch Schach gespielt. Er war nicht mehr der Weltmeister, der stärkste Spieler der Welt, sondern einfach nur noch mein Gegner. Nur ein starker Schachspieler. Und er hat wirklich sehr gut gespielt. Letztendlich wurde ich einfach überspielt. Ich habe keine wirklichen Fehler gemacht, nur ein paar etwas ungenaue Züge, aber ich hatte trotzdem keine Chance. Tröstlich, dass ich damit nicht die einzige war. Und hier ist meine Partie!

 

Jana_DIagramm_Carlsen

Magnus Carlsen – Jana Schneider: Nach 14. Se5 hat Schwarz eine unangenehme Stellung
Hier ist die Partie zum Nachspielen!

 

Nach der Partie hat der Weltmeister mir noch ein Autogramm auf das Brett gegeben, auf dem wir gespielt hatten und das ich mit nach Hause nehmen durfte. Da ich ja eigentlich nur Schach gespielt habe, konnte ich Magnus Carlsen nicht wirklich kennen lernen. Allerdings war das wohl auch nicht möglich, während er an 70 Brettern gleichzeitig spielen musste.

 

Leider konnte ich auch nicht bis zum Ende der letzten Partie warten, da ich am Sonntag schon wieder Verbandsliga gespielt habe und fünfeinhalb Stunden Fahrzeit von Hamburg nach Hause hatte.

 

Aber der Weltmeister hat auf mich sehr normal, menschlich gewirkt. Nicht überheblich oder göttlich wie man sich vielleicht einen Weltmeister vorstellt, sondern freundlich, nett und nicht unerreichbar.

 

Er hat mir das Gefühl vermittelt, dass ich es auch irgendwann schaffen könnte. Dass man nicht total besonders sein muss, um seine Träume verwirklichen zu können.

 

Es war eine schöne Veranstaltung, die ich jederzeit wieder besuchen wollen würde, und es war ein wirklich besonderes Erlebnis, das ich noch ganz lange in Erinnerung behalten werde.

 


P.S.: Und hier ist noch eine Ergänzung des Hamburger Schachbuch-Verlegers Jens-Erik Rudolph, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Jens-Erik Rudolph gelang es nämlich, Magnus Carlsen die einzige Niederlage beizubringen. Unten finden Sie auch die tolle Partie zum Nachspielen!
„Neben Ihrer Nachwuchshoffnung Jana Schneider hatte auch ich als weiterer Schach-Ticker Sympathisant das Glück einen der begehrten Plätze zu ergattern. Eigentlich wollte ich mich nur nicht blamieren, aber dann wurde es der größte Erfolg meiner ‚Schachkarriere’. Anbei meine Partienotation.“

 

ZEIT-Simultan: Partieformular Carlsen-Rudolph 0:1

 

Nun, Jan-Erik Rudolph hat gewissermaßen Schachgeschichte geschrieben, denn er konnte den einzigen Sieg – es gab noch zwei Remisen – verbuchen. Doch sehen Sie selbst!

 

Vor allem Freunde der königsindischen Verteidigung werden beim Nachspielen dieser 57-zügigen Kampfpartie auf ihre Kosten kommen!

 

 

Bildnachweis:

  • Alle Bilder: Ingo Schneider

3 Antworten auf Er war nicht mehr der Weltmeister, sondern nur mein Gegner

  • Franz Jittenmeier sagt:

    Kommentare auf Facebook von Marc Richters:
    Wenn man den Damenflügel im Königsinder irgendwie zusammenhält, ist der Angriff am Königsflügel ja oft gefährlich. Ich finds stark in einer egtl mit am meisten ausanalysierten Eröffnungen gegen Carlsen zu gewinnen ( es ist immer stark gegen ihn zu gewinnen, aber grade im Königsinder.) ich versuche mir zu merken, wie der Schwarze den Damenflügel relativ neutralisiert.

    Manfred Ganske: Hammer^^

  • Ja, ich war auch sehr froh, dass sich eine Stellung mit einer schönen Struktur und einem klaren Plan ergeben hat. Den typischen Damenflügel-Angriff des Weißen konnte ich zum Glück gut unterbinden (den im 19. Zug angebotenen Bauerngewinn habe ich deshalb abgelehnt). Aber so richtig durchschlagend wurde mein Königsangriff erst nach dem Nehmen des vergifteten Bauern c7 (42.+43.Zug). Es blieb aber trotzdem noch knifflig, da zum Ende nur noch 5 Partien liefen und der Weltmeister immer schneller zurück zu meinem Brett kam.

    Auf der Abbildung (mit dem Diagramm) haben sie übrigens zufällig auch mich erwischt. Gegenüberliegende Reihe ganz rechts. Wer hat denn das Bild gemacht? Es wäre sehr schön, wenn ich auch ein Exemplar des Originals bekommen könnte.

  • Franz Jittenmeier sagt:

    Eine gute Partie von Herrn Rudolph. Eigentlich so, wie Carlsen es gerne hat 🙂 😈

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