Wie ich Schachtrainerin im Eberswalder Johanniter-Kindergarten wurde – Ein Erlebnisbericht von JULIA MARIE MÄTZKOW

 

Eines schönen Tages kam ein kleines Mädchen, erst fünf Jahre alt, zum ESV Eberswalde 1949 e.V. zu der Abteilung: Schach. Das Mädchen ist ziemlich gut. Der Trainer erfreute sich an einem kleinen Talent.

 

Und dann kam der Vater der Kleinen. Er erklärte, dass das Anne, so heißt die Kleine, noch einen Zwillingsbruder Alexander habe, und dass der viel besser als seine Schwester spielen würde. Da war die Freude bei dem Trainer groß: Zwei gute Schachspieler auf einen Schlag. Das wertet das Team ganz schön auf. Der Herr Papa fragte weiter, ob der Verein Training im Kindergarten [seiner Kinder] anbieten wolle, denn er wünsche sich, dass seine Kinder gegen Gleichaltrige die Figuren über das Brett jagen lassen.

 

Nach vielem Hin und Her wurde ein Treffen mit der Kindergartenleitung, und diese stimmte zu „regelmäßige frühkindliche Förderung durch den Schachsport“ an ihrer Einrichtung zu veranstalten. So war das Kindertraining im Johanniter Kindergarten geboren.

 

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Schach im Eberswalder Johanniter-Kindergarten (Foto: Christian Mätzkow)

 

Ja, nun darf ich mich auch ausprobieren und das Training zusammen mit einem Übungsleiter leiten. Ich hätte echt nicht gedacht, dass sich mein Verein auf das Experiment einlässt.

 


Als wir das erste Mal in den Kindergarten gegangen sind, haben wir uns nicht viel davon versprochen und dachten, dass wir nur mit den Zwillingen die Figuren herumschubsen. Die Kinder sind doch bestimmt noch nicht so weit. Sie gehen ja schließlich noch nicht in die Schule. Und ich kann es durchaus verstehen, wenn ein Kind es spannender findet, lieber draußen zu spielen als sich still vor ein Brett zu setzten. Es sind schließlich nur Kinder.

 

Doch schnell gesellte sich eine Fünfjährige dazu. Metha holte auch ihren Bruder Edwin, der schon zur Schule geht, mit ans Brett. Man merkt dass der Junge etwas weiter ist als der Rest der Gruppe. Später wird er zugeben, dass er in der Schule schon vorher geübt hat, allerdings ohne Trainer. Die Vier waren perfekt, um gemeinsam zu üben, obwohl sich jeder auf einem anderen Level befindet. Es hat ihnen richtig Spaß gemacht.

 

Kinder sind in diesem Alter meist weiter als man denkt und sie werden zu oft unterschätzt. Die beiden Geschwister hatten solchen Spaß an dem Spiel mit dem König, dass sie fast ihren Klavierunterricht verpasst hätten. Die Mutter stand schon am Brett und hat den Finger auf die Uhr gezeigt. Doch Edwin sagte nur, dass er noch mal schnell gewinnen müsse, bevor er loskönne. Kurz bevor er doch noch zu spät zum Klavierunterricht gekommen wäre, hat er dann eine starke Kombination gefunden und seinen Gegner zu Boden gerungen. Nach dem Schachspiel wollten alle Kinder es unbedingt wiederholen.

 

Ich kenne die Kinder noch nicht lange, aber ich habe die Kleinen jetzt schon ins Herz geschlossen. Und natürlich ist klar, dass ich weiter mache. Und das schönste Dankeschön ist für mich nach jeder Übungsstunde ein Kinderlächeln …

 

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ZUR PERSON

 

Julia Marie Mätzkow [26. Mai 1998] begann im Alter von zwölf Jahren mit dem Schach. Nach Abschluss der 10. Klasse am Finower Gymnasium besuchte sie für ein Jahr die 12. Klasse in England an der Christ-the-King-School. Auf regionaler Ebene im Land Brandenburg ist Julia beim SV Motor Eberswalde aktiv und hat mehrmals an den Jugend-Landeseinzelmeisterschaften teilgenommen.

 

Bildnachweis

  • Schach im Eberswalder Johanniter-Kindergarten: Christian Mätzkow
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