liveLive-Übertragung Kurnosov Gedächtnisturnier
U. a. mit: 1 GM Grischuk Alexander RUS 2760; 2 GM Rublevsky Sergei RUS 2738; 3 GM Inarkiev Ernesto RUS 2729; 4 GM Ponkratov Pavel RUS 2712; 5 GM Movsesian Sergei ARM 2685; 6 GM Khismatullin Denis RUS 2676; 7 GM Riazantsev Alexander RUS 2675; 8 GM Lysyj Igor RUS 2665; 9 GM Bocharov Dmitry RUS 2659; 10 GM Zvjaginsev Vadim RUS 2628 ...

Moskau, Jurmala, Reykjavik, Ho-Ch-Minh-Stadt, Karlsruhe, (im April Bangkok)

 

live

Ab heute 13 Uhr: Aeroflot Open 2016 LIVE!

Mit „Moskau“ meine ich diesmal nicht das Kandidatenturnier – das in der zweiten Märzhälfte (11.-28.3.) sicher hier und anderswo doBoris_Gelfandminieren wird, aber dafür haben sich laut Regelwerk nur acht Spieler qualifiziert. Der Rest darf bzw. muss zuschauen (einige werden sicher auch sekundieren) oder anderswo Schach spielen. Thema dieses Artikels ist (Aeroflot und andere) offene Turniere – Schlag auf Schlag und teilweise parallel zueinander. Da treffen Amateure und Profis aufeinander, die Grenze ist etwas fliessend – es gibt auch „Halbprofis“. Profis kann man eventuell weiter in drei Gruppen unterteilen: 1) diejenigen, die (jedenfalls zeitweise) genug Einladungen zu hochkarätigen Rundenturnieren bekamen und daher allenfalls sporadisch in offenen Turnieren spiel(t)en, 2) die breite Masse, für die offene Turniere Routine und wichtige Einnahmequelle sind, 3) Personen, die ihren Lebensunterhalt weiterhin mit Schach verdienen, aber nur noch gelegentlich selbst am Brett sitzen.

 

Beim Titelbild zögerte ich, wem ich es geben soll, und habe mich bewusst für ein altes Foto entschieden (Quelle stefan64-Wikipedia). Es ist ziemlich genau zehn Jahre alt und stammt aus Wijk aan Zee 2006, damals hiess das Turnier noch Corus Chess. Leser und Leserinnen erkennen den Herrn vermutlich, da er sich äusserlich kaum verändert hat: Boris Gelfand. Im anderen Moskauer Turnier führt er die Setzliste an, da und später anderswo sind noch mehr Spieler dabei, die in WM-Zyklen schon einmal die Endphase erreichten: Kamsky (Aeroflot und Karlsruhe), Ivanchuk und Shirov (Jurmala), Mamedyarov (Reykjavik), Short (Bangkok). Aber nun der Reihe nach:

 

 

Jeweils nenne ich die ersten zehn der Setzliste, dann eventuell noch einige andere Namen und jedenfalls überall (Ausnahme Ho-Chi-Minh-Stadt) einige deutsche Teilnehmer. Den Anfang macht das Aeroflot-Open vom 1.-9. März – neun Runden jeweils um 15:00 Ortszeit, kein Ruhetag. Dabei sind – wie gesagt ich nenne zunächst zehn Spieler – Gelfand, Bu Xiangzhi, Korobov, Wei Yi, Nepomniachtchi, Matlakov, Inarkiev, Vallejo, Artemiev, Jobava. Einer aus diesem Kreis, oder eventuell ein anderer Spieler, qualifiziert sich wohl am Ende für Dortmund. Kamsky hat den Zenit seiner Karriere (auch seiner zweiten Karriere) wohl überschritten, ist aber immerhin noch Nummer 13 der Setzliste. Soll ich Nummer 29 noch erwähnen? Alexander Khalifman war immerhin auch mal Weltmeister bzw. „Weltmeister“. Die besten deutschen Teilnehmer haben (noch) Elo knapp unter 2600, da ist womöglich noch mehr drin – Matthias Bluebaum (2599) ist in diesem Feld Nummer 37, Dennis Wagner (2585) Nummer 40. Noch etwas weiter unten Vitaly Kunin und Falko Bindrich – untere Hälfte der Setzliste, damit bekommen sie schon in der ersten Runde „Brocken“ vorgesetzt. Zu (Stand heute) 77 Herren gesellen sich fünf Damen, nominell beste Aleksandra Goryachkina.

 

Bei Gelfand kann man dasselbe Spielchen betreiben wie zuvor bei Kramnik (Katar 2014), Carlsen (Katar 2015) und Anand (Gibraltar 2016): Wann hat er zuletzt ein Einzelturnier im Schweizer System gespielt? Der bereits genannte Wikipedia-Artikel erwähnt, dass er 1988 Vierter bei der Juniorenweltmeisterschaft in Adelaide wurde (hinter Lautier, Ivanchuk und Serper), danach noch irgendwann irgendwo?? Wer es weiss, darf es gerne im Kommentar erwähnen, ich kann doch nicht alles recherchieren … .

 

Ein kurzer Blick auf das B-Turnier: vorne in der Setzliste Ivan Rozum (mir unbekannt, aber immerhin GM mit Elo 2541), Andrei Deviatkin (traf ich in Wijk aan Zee als Journalist, ebenfalls GM), der junge russische IM Chigaev und der womöglich (ebenfalls) etwas Elo-unterbewertete chinesische IM Wang Chen. Ausserdem u.a. zwei IMs aus Österreich – Andreas Diermair und Peter Schreiner. Aber deshalb erwähne ich das B-Turnier nicht, sondern wegen der Nummer sechs der Setzliste: Dorian Rogozenco aus (laut Startliste) Rumänien. Der deutsche Bundestrainer ist tendenziell (siehe Einleitung) Profi-Gruppe 3: neben diversen Mannschaftskämpfen spielte er zuletzt pro Jahr ein Open – 2015 ein kleines in Rumänien, 2014 Bad Wiessee, 2013 hat er es übertrieben, neben Baku auch noch den Haspa-Schachpokal im schleswig-holsteinischen Bargteheide. Beim Aeroflot-Open kann er sich vielleicht nicht voll auf eigene Partien und eigene Vorbereitung konzentrieren? Das C-Turnier hat ein paar IMs und FMs und zwei titellose deutsche Spieler(innen): Teodora Rogozenco (hinter ihrem Namen steht „GER“) und Oswald Bindrich.

 

Weiter geht’s, noch bleibe ich in der ehemaligen Sowjetunion. Beim Petrov Memorial im lettischen Jurmala werden an zwei Tagen (5.+6. März) zwölf Runden gespielt, also Schnellschach. Bei Schnellturnieren mischen sich (ehemalige oder auch aktuelle) Weltklassespieler schon eher unter das Volk, u.a. jahrelang in Mainz. Letztes Jahr war Jurmala sehr stark besetzt, diesmal nicht ganz so stark: Ivanchuk, Kovalenko, Sergey Zhigalko, Malakhov, Shirov, Fridman, Naiditsch, Vitiugov, Alekseev, Stupak usw. – da Loek van Wely eine relativ niedrige Schnellschach-Elo hat, ist er nur Nummer 16 der Setzliste. Aus Deutschland neben Fridman noch Philipp Schlosser, Dmitry Kollars usw. – zu viele um alle zu erwähnen. Andere bekannte Namen sind die Altmeister Ehlvest und Sveshnikov, beste Damen Valentina Gunina und Pia Cramling. Und weiter geht’s:

 

Beim Reykjavik-Open werden vom 8.-16.3. zehn Runden gespielt, inklusiv Doppelrunde am 9. März. Dabei sind Mamedyarov, Andreikin, Rapport, Sargissian, Cheparinov, Movsesian, Melkumyan, Grandelius, Beliavksy, Jones usw. . Dagegen fehlt Vorjahressieger Erwin l’Ami, dazu kann man nun wunderbar spekulieren: Wird er etwa in Moskau gebraucht, als Sekundant von z.B. Giri? In Wijk aan Zee war mir noch nicht aufgefallen, dass er in Reykjavik fehlt, daher habe ich ihn dazu nicht befragt. Aber wenn er mir Näheres verraten hätte, dann wohl ohnehin nur vertraulich. Mit Blick auf das Kandidatenturnier eventuell auch auffällig, dass mit Sargissian, Movsesian und Melkumyan gleich drei Armenier in Reykjavik dabei (oder jedenfalls gemeldet) sind. Fester Aronian-Sekundant ist offenbar der relativ unbekannte und vergleichsweise Elo-schwache IM Ashot Nadanian; im englischen Wikipedia-Artikel (der deutsche ist eher kurz und knapp) steht, dass er vor dem Kandidatenturnier 2011 ein Team mit Wang Hao, Movsesian, Sargissian, Pashikian und Melkumyan koordinierte. Vier der genannten (Wang Hao s.u.) spielen nun parallel zum Kandidatenturnier selbst Schach – bzw. wenn die Armenier in Reykjavik absagen und nicht erscheinen sollten, kann man wieder munter (und plausibel) spekulieren.

 

Zurück nach Reykjavik: Bei den deutschen Teilnehmer(inne)n nenne ich nur diejenigen mit Schachtitel: GM Stefan Bromberger, IM Elisabeth Paehtz, IM Jonas Lampert, FM Thorben Koop [inzwischen IM – meine Quelle chess-results.com ist generell „Stand bei Anmeldung zum Turnier“], IM Christian Braun, FM Nikolas Pogan. Für den Damenpreis (im Vergleich zu Katar/Gibraltar bescheidene 350 Euro, der beste insgesamt bekommt 5000 Euro) hat Frau Paehtz Konkurrenz von u.a. Lela Javakishvili und Sarasadat Khademalsharieh – die zuletzt beim FIDE Grand Prix in Teheran überraschte und überzeugte aber bereits 2015 in Reykjavik recht erfolgreich spielte, u.a. 3,5/6 gegen GMs der Eloklasse 2500+.

 

Eines haben die drei bereits erwähnten Turniere gemeinsam: Temperaturen (jedenfalls aktuell) höchstens knapp über Null. Wem das nicht gefällt, der konnte auch das HD Bank International Open spielen – in Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam, zeigt das Thermometer momentan 25-35 Grad an. Dafür muss man dann als Europäer Jetlag einplanen und mehrere Doppelrunden akzeptieren, neun Runden vom 8.-13.3. . Da das Turnier insgesamt nicht ganz so stark besetzt ist, nenne ich nur die ersten vier der Setzliste: Wang Hao, Le Quang Liem, Ni Hua, Laznicka – der Tscheche ist einer von eher wenigen Europäern, deutsche Teilnehmer Fehlanzeige.

 

Beim nächsten Turnier auf meiner Liste ist Deutschland aus naheliegenden Gründen reichlich vertreten: Auf der Homepage des Neckar-Opens steht „Das größte Open in Deutschland, das Deizisauer Int. Neckar-Open zieht um und bekommt einen neuen Namen mit deutlich erhöhtem Preisfonds!“ Den Neckar kann man zwar nicht ohne weiteres verlegen, aber durchaus das Neckar-Open das gleichzeitig einen neuen Namen bekam – nun heisst es Grenke Chess Open, Austragungsort Karlsruhe. Preisgeld ist für ein „Open der zweiten Kategorie“ (erste Kategorie ist Katar und Gibraltar) wahrlich grosszügig: 10.000-7.000-5.000-3.000 Euro undsoweiter, auch bei den Damen immerhin 2.000-1.000-500 Euro. Ob Wolfgang Grenke dafür auf Antrittsgelder verzichtet, entzieht sich meiner Kenntnis. Doppelrunden gehören dazu – acht Runden an vier Tagen damit das Ganze in das Osterwochenende (25.-28.3.) passt. Unter anderem diese Grossmeister werden die Schlussphase des Kandidatenturniers allenfalls nebenbei mitbekommen: Vitiugov, Rapport, Naiditsch, Bacrot, Ni Hua, Vallejo, Moiseenko, Kamsky, Meier, Bauer – auch hier zunächst zehn Namen. Dahinter zum Beispiel Dreev und van Wely, aus Deutschland noch Buhmann, Bluebaum, Wagner, Graf, Kunin, Donchenko, Schlosser, Bindrich und viele andere mehr. Um die Damenpreise streiten sich voraussichtlich Elisabeth Paehtz, Ekaterina Atalik, Yuliya Naiditsch (Shvayger), Deimante Daulyte, Jovana Vojinovic, Cristina-Adela Foisor, Judith Fuchs usw. .

 

In Karlsruhe ist es momentan etwas weniger kalt als in Moskau, Jurmala und Reykjavik, und über Ostern womöglich frühlingshaft. Auch wenn es den Zeitraum März sprengt, erwähne ich noch ein offenes Turnier in warmen Gefilden: das Bangkok Chess Club Open vom 10.-17. April. Erster Geldpreis sind satte 100.000 – allerdings thailändische Baht, umgerechnet etwa 2500 Euro. Das allein ist wohl nicht der Grund, warum diverse Spieler anreisen, u.a. Short, Vallejo, Ganguly, van Wely, Gustafsson, Khairullin, Bok, Halkias – und dann wird es tendenziell unbekannt-asiatisch, auch wenn die Nummer 17 der Setzliste ein Deutscher ist: Gerhard Schebler, der seit einigen Jahren mit seiner thailändischen Frau in Thailand wohnt. Wer ist eigentlich Jan Gustafsson? Nummer 14 im Baden-Badener Bundesliga-Team, Nummer 1 bei chess24, tendenziell auch Profi Kategorie 3 (siehe Einleitung).

 

Worüber der Schachticker wenn es soweit ist berichtet, wird sich zeigen – Schwerpunkt wird sicher das Kandidatenturnier.

2 Antworten auf Schach für alle im März

  • Lieber Schachfreund Oppitz,
    Vielen Dank für den Hinweis! Schweizer System stimmt natürlich (hatte ich nicht parat), wobei es ansonsten kaum vergleichbar ist. Damals mussten Gelfand und andere quasi spielen, da Teil des WM-Zyklus, nun macht er es „freiwillig“ (oder mangels aktuell anderer Einladungen). 1990 in Manila war er zusammen mit Ko-Sieger Ivanchuk Elo-Favorit, aber andere die sich ebenfalls für die Kandidatenmatches qualifizierten sind oder waren auch engere Weltklasse (jedenfalls Short, Anand, Dreev, Kortschnoi und Hübner). 1993 in Biel war er offenbar nur Nummer sechs der Setzliste hinter Anand, Kramnik, Ivanchuk, Shirov und Salov.

  • Peter Oppitz sagt:

    Boris Gelfand gewann die beiden letzten durchgeführten FIDE-Interzonenturniere 1990 in Manila und 1993 in Biel, beide aufgrund der hohen Teilnehmerzahl in 13 Runden Schweizer System ausgetragen.

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