Tal-Memorial – Heute Abend wird in Moskau geblitzt – Live-Übertragung ab 18 Uhr

blitzBlitzen eignet sich besonders für eine Live-Übertragung. Mliveuss man doch nicht lange auf die nächsten Züge warten. Es ist spannend, zumal man im Livestream die Mimik und das Verhalten der Spieler beobachten kann. Besonders in der Zeitnotphase.
10 Spieler = 9 Runden. Die Bedenkzeit: 3 Minuten zuzüglich 2 Sek. pro Zug.

Runde 1 18:00; Runde 2 18:15; Runde 3 18:30; Runde 4; 18:45 Runde 5; 19:00 Runde 6 19:15; Runde 7 19:30; Runde 8 19:45; Runde 9 20:00


Hallerinnen gewinnen gegen Bad Königshofen und stürzen den Spitzenreiter – Von der vorletzten Doppelrunde der Frauen-Bundesliga berichtet Dr. THOMAS MARSCHNER

 

Blick in den sehr repräsentativen Sitzungssaal des Deizisauer Rathauses auf die Begegnung Deizisau-Bad Königshofen

Blick in den sehr repräsentativen Sitzungssaal des Deizisauer Rathauses auf die Begegnung Deizisau-Bad Königshofen

Der SK Schwäbisch Hall hat nach dem Unentschieden gegen Friedberg am Sonnabend [37. Februar] tags darauf im partienSpitzenspiel den SC Bad Königshofen 3,5:2,5 geschlagen. Damit herrscht vor der letzten Doppelrunde in der Frauen-Bundesliga [19./20. März weiter Hochspannung: Titelverteidiger PSG Baden-Baden, der Hamburg SK und Schwäbisch Hall stehen mit 15:3 punktgleich an der Tabellenspitze, einen Punkt dahinter folgt Bad Königshofen, und in der elften und letzten Runde gibt es ein echte Finale, denn dann trifft Baden Baden auf Bad Königshofen und Hamburg auf Schwäbisch Hall.

 

Das nackte Ergebnis spiegelt nur unzureichend das Drama wieder, das sich in Deizisau abspielte.

 

Nach vier Stunden liefen noch zwei Partien, und die Anhänger und Spielerinnen aus Schwäbisch Hall hofften trotz einer 2,5:1,5 Führung allerhöchstens noch auf ein Unentschieden. Zu schlecht waren die Stellungen von Sophie Milliet gegen Maria Schöne und von Irina Bulmaga gegen Anastasia Sawina. Bei Sophie war noch ein wenig Hoffnung, da es trotz Minusqualität noch einige taktische Möglichkeiten gab, aber diese verflüchtigten sich schnell: Maria spielte die Partie souverän nach Hause, nach Generalabtausch machte ihr Freibauer das Rennen. Somit stand es 2,5:2,5, und wie eine Duplizität der Ereignisse war es wieder Irina Bulmaga, deren Partie die

 

Entscheidung bringen musste, schon gegen Baden-Baden sorgte sie in einer dramatischen Partie gegen Ketino Kachiani-Gersinska für den Schwäbisch Haller Sieg. Doch hier sah es viel schlechter aus: nach einer missglückten Abwicklung im Mittelspiel hatte sie in einem Läufer-Springer-Endspiel zwei Bauern weniger, und trotz nicht vorhandener Computerunterstützung war allen Zuschauern klar, dass nur Sawina als Siegerin vom Brett gehen könnte.

 

Beide Spielerinnen hatten ihre Bedenkzeit völlig aufgebraucht und zehrten nur noch von den 30 Sekunden Inkrement pro Zug. Auf beiden Seiten wurden immer wieder Züge innerhalb der letzten drei Sekunden auf der Uhr ausgeführt, was auch nicht zur Nervenberuhigung der Zuschauer beitrug. Und die Stellung wurde komplizierter, der Läufer zeigte sich dem Springer überlegen, aber da waren ja noch die zwei Bauern … Doch plötzlich begann man in Schwäbisch Hall an die Möglichkeit eines Remis zu glauben, das wenigstens ein 3:3-Unentschieden bedeutet hätte [die später zu Rate gezogenen unparteiischen Computerengines gaben auch da immer noch klaren Vorteil für Sawina, der sich aber nach längerem Rechnen zu verflüchtigen begann].

 

Dramatik pur bei Irina Bulmaga [rechts] gegen Anastasia Sawina [links], im Hintergrund unter anderem Olga Girya

Dann wurde die Stellung dramatisch: Sawina bot ein Springeropfer an, das Bulmaga zunächst nicht annehmen konnte, die gegnerischen Freibauern hätten das Rennen gemacht. Aber plötzlich geschah das Unfassbare: Sawina bot noch einmal ein Springeropfer an, anstatt ihren Mehrbauern einfach zu decken, und diesmal hatte sie sich in der Kürze der Zeit verrechnet. Die Zuschauer berechneten fieberhaft die Stellung für sich: „Das ist doch jetzt gewonnen für Bulmaga, der Läufer kann beide Freibauern aufhalten, und am Ende macht der letzte verbleibende Randbauer das Rennen, sie hat ja sogar den richtigen Läufer.“

 

Und so kam es tatsächlich – wenige Züge später reichte Anastasia Irina die Hand zur Aufgabe, Schwäbisch Hall hatte 3,5:2,5 gewonnen, und das Meisterrennen in der Frauen-Bundesliga ist spannender denn je.

 

Viel glücklicher kann man kaum gewinnen oder viel unglücklicher kaum verlieren, aber eine Werbung für das Frauenschach war das Match allemal. Eine detaillierte Analyse des Endspiels wäre in jedem Fall interessant, eine erste kurze Analyse des Autors zeigte in jedem Fall mal, dass am Schluss die Stellung trotz zweier Mehrbauern nicht so einfach war, wie sie schien.

Was war vorher passiert? Schwäbisch Hall ersetzte am Sonntag Jana Zpevakova durch Alina Kaschlinskaja, die aus persönlichen Gründen erst am Samstagabend anreisen konnte, damit rutschten die Spielerinnen von Position 2 bis 5 alle ein Brett nach hinten. Alina brannte gegen Josefine Heinemann ein taktisches Feuerwerk ab, das zur ungewöhnlichen Figurenkonstellation Dame und zwei Läufer gegen zwei Türme, Springer und drei Bauern führte.

 


Deutsche Nationalmannschaft gegen Weltspitze: Josefine Heinemann [rechts] gegen Alina Kaschlinskaja

Zuvor hatte Josefine Heinemann einen doch ziemlich vergifteten Bauern genommen. Am Ende entschieden die Dame und die Läufer die Partie, 1-0 für Schwäbisch Hall. Den Ausgleich besorgte Irina Zakurdjajewa mit einem schönen Turmopfer ausgerechnet gegen „Chess24-Miss-Tactics“ Sopiko Guramishvili, die Ehefrau von Anish Giri.

 

Die erneute Führung für Schwäbisch Hall besorgte Nino Batsiashvili, die gegen ihre gute Freundin Olga Girya – beide hatten zusammen mit Karina Ambartsumowa vor einem Jahr Sylvester in Paris gefeiert – ihre überragenden Endspielfähigkeiten unter Beweis stellte. Im Mittelspiel hatte sie zwei Bauern gewonnen, musste aber im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern noch einige Klippen umschiffen. Und dann gab es noch ein relativ ereignisarmes Remis zwischen Ekaterina Atalik und Tatjana Melamed.

 

Deizisau drehte gegen Friedberg ebenso eine schon verlorengeglaubte Begegnung noch zu einem 3,5:2,5 Sieg. In den letzten beiden Partien setzte sich Erfahrung gegen Jugend durch, wenn man es so beschreiben will: Cristina-Adela Foisor gewann ein kompliziertes Turmendspiel gegen Melanie Lubbe, Zoya Schleining bezwang Dina Belenkaja trotz einer Qualität weniger, als ihre Bauern einfach zu stark wurden.

 

Jetzt zu den Geschehnissen am Samstag: Friedberg überraschte Schwäbisch Hall gehörig damit, dass Elena Levushkina fehlte, die eigentlich immer spielt. Die Erklärung war einfach: sie hatte an diesem Tag ihren 32. Geburtstag und wollte diesen gerne feiern, nachdem sie schon am Geburtstag ihres Freundes Schach gespielt hatte. Daher hatte ihr Teamkapitän Elena „freigegeben“. Damit traf Irina Bulmaga wie schon vor zwei Wochen, aber diesmal mit vertauschten Farben, auf Filiz Osmanodja, gegen die sie beim Open im französischen Cappelle la Grande verloren hatte.

 

Neuauflage der Begegnung aus Cappelle: Irina Bulmaga vs. Filiz Osmanodja

Ekaterina „Katia“ Atalik – Anna Kantane

 

An den hinteren Brettern spielte unter anderem Anna Kantane (ehemals Ivanow) – auch dies etwas überraschend, hat sie doch erst vor drei Monaten ihr erstes Kind zur Welt gebracht.

 

Jana Zpevakova gegen Alisa Frey, letztere gehandicapt durch einem kürzlich erlittenen Skiunfall

Der Mannschaftskampf begann gut für Schwäbisch Hall: Jana Zpevakova gewann eine blitzsaubere Partie gegen Alisa Frey. Die Zuschauer hatten ihre Zweifel, als der weiße König völlig offen auf b3 auftauchte, aber hinterher offenbarte Jana, dass das alles vorbereitet war, sie hatte sich direkt vor der Abfahrt zum Spiellokal die Variante noch angesehen. Selbst Alisa glaubte, besser zu stehen, und war überrascht, dass später der Computer schon zu diesem Zeitpunkt Vorteil für Weiß ausspuckte.

 

Die anderen Partien gaben aber Grund zur Sorge: Vorteil war nirgends zu erkennen, und Sophie Milliet und Sopiko Guramishvili standen in ihren Schwarzpartien mächtig unter Druck.

 

Sopiko Guramishvili agierte dieses Wochenende ziemlich unglücklich …

… und Sophie Milliet hatte dieses Wochenende ebenfalls kein Glück

Dann verlor auch noch Irina Bulmaga erneut gegen Filiz Osmanodja – sie lehnte Remis ab und stellte kurz darauf einzügig die Partie ein. Ekaterina Atalik sorgte gegen Anna Kantane für die Führung, aber die Partien von Sophie und Sopiko gingen verloren. Insbesondere Sophie ließ einige Chancen aus, die Partie doch noch im Gleichgewicht zu halten.

 

Den Ausgleich zum 3:3 Endstand, der die Haller Meisterschaftschancen intakt ließ, schaffte Nino Batsiashvili, die ein kompliziertes Endspiel gegen Melanie Lubbe gewann. Auch hier lagen die Zuschauer das ein oder andere Mal falsch: der Autor dieser Zeilen berichtete in seinem Liveblog, dass Melanie wohl die ein oder andere Chance ausgelassen habe, dies bestätigte sich in der nachträglichen Analyse aber nicht, Nino meinte beim Abendessen nur, dass sie immer mindestens Remis hatte. Nino spielte dieses Wochenende befreit auf, nachdem sie das Kopftuch, das sie beim nur vier Tage vor der Bundesliga-Runde beendeten Grand-Prix-Turnier in Teheran tragen musste, wieder ablegen konnte. Jetzt freut sie sich erst einmal auf eine Turnierpause nach Katar-Open, Wijk-aan-Zee-Challenger-Turnier und Grand-Prix.

 

Nino Batsiashvili fast noch im „Teheran-Look“

Ein 3:3 mit sechs entschiedenen Partien sieht man allerdings nicht allzu oft.

 

Blick in den sehr repräsentativen Sitzungssaal des Deizisauer Rathauses auf die Begegnung Deizisau-Bad Königshofen

Bad Königshofen gewann knapp gegen Deizisau 3,5:2,5, aber der Sieg war am Ende doch relativ sicher, Julia Naiditsch – das ist die Ehefrau von Deutschlands ehemaliger Nummer 1 Arkadij Naiditsch, der inzwischen für Aserbaidschan aktiv ist – konnte am Ende gegen Josefine Heinemann noch verkürzen, nachdem der Sieg schon feststand …

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