Ding Liren und Kosteniuk sind am Ende die besten Basken

 

Was geDing Lirennau baskisches Schach ist, zeigen andere Fotos noch besser als das Titelfoto (alle Fotos Gu Xiaobing – Turnierseite), aber Ding Liren hat nun einmal bei den Herren gewonnen. Es ist, wenn man so will, simultan gegen einen Simultanspieler – allerdings wird nur an zwei Brettern gespielt, jeder hat einmal Weiss und einmal Schwarz, und man kapartiennn auf einem Stuhl hin und her rollen oder eventuell in der Mitte sitzen bleiben. Wie die Spieler ihre Aufmerksamkeit und Bedenkzeit über beide Partien verteilten, wieweit Stellungen auf einem Brett Entscheidungen und letztendliche Ergebnisse auf dem anderen Brett beeinflusst haben, usw. – all das konnte ich live kaum beurteilen, und im Nachhinein auch nicht.

 

Zunächst der Spitzenstand in beiden Turnieren, und dann eher kurz wie es dazu kam:

 

Herren: Ding Liren 7/10, Navara 6(2737), Ponomariov 6(2710), Tomashevsky 6(2708), Mamedyarov 6(2707) usw. In Klammern jeweils der gegnerische Eloschnitt, der als Tiebreaker diente; dahinter vier Spieler mit 5,5/10 und teilweise nach Elo noch stärkeren Gegnern.

 

Damen: Kosteniuk 7/10, Dzagnidze 6.5, Gunina 6, Huang Qian, Mkrtchian, Lagno, Stefanova 5.5. Bei den Medaillen also klare Verhältnisse.

 

Die Partien habe ich nur kurz überflogen und beschränke mich auf ein paar Banalitäten: Manchmal fielen Entscheidungen im Mittelspiel (z.T. im Königsangriff), manchmal im Endspiel. Es gab den einen oder anderen groben Patzer, mitunter „fand“ ein Spieler den schlechtesten Zug in der Stellung. Ein paar Mal hatte eine ausgeglichene Stellung doch Sieger und Verlierer – vermutlich Zeitüberschreitung, sei es weil der Verlierer sich zu sehr auf das andere Brett konzentrierte, sei es weil er in doppelter Zeitnot schon rein motorisch nicht schnell genug ziehen konnte (10 Sekunden Inkrement sind dann wahrlich nicht viel).

 

Bei den Herren war Tag 1 der Tomashevsky-Tag: zweimal 2-0 gegen Wang Hao und Ponomariov sowie ein Doppelremis gegen Navara bedeutete 5/6 und die Führung im Turnier vor Ding Liren und Navara mit jeweils 4/6. In den Gewinnpartien konnte er alles: Endspiele verwerten (jeweils mit Weiss), angreifen (Schwarz gegen Pono) und auch einen groben gegnerischen Patzer dankbar akzeptieren (Schwarz gegen Wang Hao). Die beiden Partien gegen Navara waren voll ausgekämpft (65 und 72 Züge), aber wohl immer ziemlich ausgeglichen. Navara hatte er bereits, also spielte er tags darauf in Runde 4 gegen Ding Liren und kassierte eine Doppelnull. Einmal wurde er überspielt, einmal überschritt er offenbar in einem nur leicht schlechteren Damenendspiel die Bedenkzeit. Parallel machten Ponomariov (2-0 gegen Dominguez) und Mamedyarov (1,5-0,5 gegen Fressinet) Boden gut. Und dabei blieb es in der Schlussrunde, da alle für den Stand vorne relevanten Mini-Matches 1-1 endeten – sei es zweimal Remis, sei es einen Sieg für beide Spieler.

 

Ding Liren punktete vor allem mit Schwarz – zweimal spektakuläre Königsjagd gegen Ivanchuk und Dominguez. Navara war dagegen mit Weiss erfolgreich, bevorzugt in Endspielen. Was Patzer betrifft herrschte (so ist der Tscheche eben) ausgleichende Gerechtigkeit: selbst patzte er gegen Ivanchuk und profitierte dann gegen Mamedyarov. Ponomariov gewann wieder vor allem mit Schwarz, der Schwarzsieg gegen Dominguez aus der Rubrik „vermutlich Zeitüberschreitung“. Mamedyarov hatte ein bisschen von allem zu bieten.

 

Ich habe bewusst alle Spieler, die am Ende Platz zwei teilten, kurz besprochen – der Tiebreak gegnerischer (Schnellschach-)Eloschnitt erscheint mir reine Lotterie. Navara profitierte davon, dass er als einziger dieser vier gegen Ivanchuk spielte – der seine gigantische Schnellschach-Elo 2844 nicht bestätigen konnte (auch wenn 5,5/10 relativ OK war); zwischen den drei anderen war es ohnehin sehr knapp. Ausserdem landeten mit Ding Liren und Ponomariov zwei Spieler trotz Schnellschach-Elo unter 2700 weit vorne. Preisgeld wurde geteilt, Medaillen kann man nun einmal nicht teilen.

 

Kosteniuk

 

Bei den Damen gewann, wie bereits erwähnt, Kosteniuk das Turnier und damit auch das Recht auf ein Foto in diesem Beitrag. Nach dem ersten Tag lag das Feld noch dicht beisammen: Kosteniuk, Mkrtchian, Tan Zhongyi 4/6, Krush, Dzagnidze, Gunina 3,5/6. Den Regeln entsprechend direkte Duelle dieser Spielerinnen in Runde 4: Kosteniuk – Tan Zhongyi 1.5-0.5, Mkrtchian – Gunina 1-1, Dzagnidze – Krush 1.5-0.5. Tan Zhongyi-Kosteniuk 0-1 aus der Rubrik „ein Fehler in einer Benoni-Stellung (34.Sc4 statt 34.Sd3) und es geht bergab“.

 

Zhao Xue - Kosteniuk

 

Vorteil Kosteniuk vor der Schlussrunde, aber Gegnerin Zhao Xue konnte sie eventuell noch ein- oder gar überholen. Offenbar reicht vor den Partien ein Händedruck, beid- bzw. vierhändig muss nicht sein. Die Chinesin gewann mit Weiss nach 14 Zügen eine Figur, aber irgendwie konnte Kosteniuk diese Partie remis halten (zum Schluss war 55.Le7+??!, was die Figur einfach so wieder hergibt, wohl ein Blackout) und die andere gewinnen. Dzagnidze-Mkrtchian und Gunina-Tan Zhongyi jeweils auch 1.5-0.5, die Medaillen waren vergeben. Wer in der Schlussrunde verliert, hat das Nachsehen – das galt weiter unten in der Tabelle auch für Elisabeth Paehtz: durch ein 0-2 gegen Stefanova wurden aus einigermassen akzeptablen 3,5/8 nicht so tolle 3,5/10 und Platz 14 in der Tabelle.

 

Nochmal kurz alle (Fast-)Medaillengewinner inklusiv Schnell- und Blitzschach:

 

Herren Schnellschach: Mamedyarov (nach Armaggedon), Ponomariov, Dominguez (Tiebreak-Sieger über Wang Hao)

Herren Blitzschach: Mamedov, Tomashevsky, Harikrishna (nach Tiebreak vor Dominguez und Wang Hao)

Herren Baskisch: Ding Liren, Navara, Ponomariov, (Tomashevsky, Mamedyarov)

 

Damen Schnellschach: Tan Zhongyi, Khotenashvili, Ju Wenjun, (Lagno)

Damen Blitz: Lagno, Gunina, Stefanova

Damen Baskisch: Kosteniuk, Dzagnidze, Gunina

 

Zweimal neun Medaillen waren zu vergeben, Ponomariov und Gunina bedienten sich doppelt, sieben andere Herren und Damen dürfen eine Medaille mitnehmen, demnach gingen acht Herren und Damen diesbezüglich leer aus. Die Herren brauchten immer Tiebreaks, die Damen nur im Schnellschach – und da entschied das direkte Resultat.

 

Zum Schluss noch ein paar baskische Foto-Impressionen:

 

Navara

 

Auch David Navara sitzt auf einem Stuhl zwischen den Brettern.

 

Harikrishna-Baskisch

 

Harikrishna drückt nicht etwa die Uhr an einem fremden Brett, auch diese muss er im Auge behalten.

 

Diagonal

 

Kosteniuk und Ushenina spielen gegeneinander, aber eben an zwei Brettern simultan.

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