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Kollars, Bortnyk und van Wely (und viele andere)

Schnellschach

van Wely
Die erste Märzwoche ist vorbei, und damit auch das erste Turnier aus meiner Liste – Aeroflot in Moskau hatte schon zuvor begonnen, ist allerdings noch in der heissen Phase, nebenbei-zwischendrin in diesem Artikel später ein kurzes Zwischenfazit. Ansonsten berichte ich heute aus dem lettischen Jurmala („aus“ ist nicht wörtlich gemeint, ich war im Gegensatz zu einigen anderen deutschen Schachspielern nicht vor Ort), und zwar über gleich drei Turniere. Zunächst jeweils der Endstand, bei mehr als 10 Teilnehmern werde ich dabei nicht alle erwähnen:

 

GM-Normturnier: IM Kollars und GM Neiksans 6.5/9, IM Kantans und IM Meskovs 5.5, GM Stupak und IM Ladva 5, IM Carlstedt 4.5, GM Miezis 4, FM Lokander 2, FM Kenneskog 0.5. Da hat aus baltischer Sicht der falsche IM gewonnen und eine GM-Norm erzielt, aus deutscher Sicht war es der richtige.

 

Blitzturnier: GM Bortnyk 9/11, GM Kovalenko 8.5, GMs Vitiugov, Shirov, Naiditsch, IM Ladva, GMs van Wely, Piorun, IM Krivonosov, GM Gleizerov 8, usw. (118 Teilnehmer).

 

Schnellschach: GMs van Wely, Ivanchuk, Shabalov, Neiksans 9/12, GMs Stupak und Alekseev sowie IM Kantans 8.5, 8/12 unter anderem GMs Vitiugov, Naiditsch, Malakhov, Shirov und Kovalenko (128 Teilnehmer, der vorab angekündigte Daniel Fridman war doch nicht in seiner alten Heimat).

 

Das Titelbild (alle Fotos Quelle Turnierseite) gebe ich Loek van Wely.

 

Bei den ersten beiden Turnieren kann ich nicht auf die Partien eingehen, da diese offenbar nicht verfügbar sind. Ein paar Worte zu Dmitrij Kollars: Elomässig stagniert er seit gut einem Jahr, auch nachdem er sich für eine Karriere als Schachprofi entschied – näheres hier, wo es auch kontrovers diskutiert wurde. Das muss nichts heissen, neue Trainingskonzepte müssen nicht unbedingt kurzfristig einschlagen, langfristig ist/wäre auch in Ordnung. Dieses Turnier war allerdings ein voller Erfolg: nach Elo war er nur Nummer sieben von zehn, noch hinter Trainer/Manager/Ersatzvater Jonathan Carlstedt. Neben der GM-Norm bedeutet es auch Elo +25 – wieder ein Schritt Richtung Elo 2500, die er neben weiteren Normen für den GM-Titel braucht (für ein Dasein als Schachprofi braucht er lang- bzw. mittelfristig wohl noch etwas mehr). Es war übrigens das zweite Normenturnier kurz nacheinander – im Februar im dänischen Aarhus waren allerdings die teilnehmenden GMs so frech, selbst die ersten drei Plätze zu belegen. Auch das kann passieren, obwohl Ausrichter für Normenturniere gerne mässig starke GMs einladen, die nicht unbedingt hohe eigene Ambitionen haben.

 

Zum Blitzturnier zunächst fotografische Impressionen. Auf mich wirkt es ein bisschen wie Monatsblitz in einem grösseren Verein, wobei da nur selten Grossmeister mitspielen und es wohl kaum bei (für Amateure) 14 Euro Startgeld 12 Geldpreise (400 Euro für den Sieger) gibt.

 

Turniersaal Blitz

 

Der Turniersaal (Runde 1) – links spielt vorne der Este Kirill Chukavin (*2002) gegen GM Olexandr Bortnyk (*1996), im Hintergrund der Lette Ilja Semjonovs (ebenfalls *2002) gegen den erfahrenen GM Nikita Vitiugov. Für maximal knapp 14-jährige ist Elo ca. 2080 durchaus ordentlich.

 

Kovalenko-Cramling (blitz)

 

Hier ist der Altersunterschied ca. 25 Jahre, der importierte Lokalmatador Igor Kovalenko spielt gegen Pia Cramling.

 

Carlstedt-Kovalenko (blitz)

 

Jonathan Carlstedt gratuliert gerade Igor Kovalenko, im Publikum (generell sehr nahe am Geschehen) hinten Loek van Wely.

 

Zum Turnierverlauf: Verschiedene Spieler lagen zwischendurch vorne, u.a. Shirov und Naiditsch. Bortnyk begann mässig mit 2,5/4 (Niederlage gegen GM Dobrov, remis gegen Pia Cramling), aber gönnte danach nur Naiditsch ein Remis. Auch Kovalenko landete erst am Ende weit vorne, neben u.a. Jonathan Carlstedt und Nikita Vitiugov besiegte er auch Arkadij Naiditsch, und zwar in der wichtigen letzten Runde. Kovalenko hatte ich bereits nach seinem Sieg im Keres-Memorial vorgestellt, wer ist Olexandr Bortnyk? Alter hatte ich bereits genannt, im Normalschach hat er vergleichsweise bescheidene Elo 2568, im Blitz immerhin 2707 (vor dem Turnier, und diese Zahl hat er durchaus bestätigt). Blitz spielt er viel und sicher gerne, vor allem in seiner Heimat Ukraine. Was Normalschach betrifft: einige Deutsche kennen ihn vielleicht vom Staufer-Open im Januar 2016 oder vom Böblinger Open Ende Dezember 2015, jeweils landete er weit aber nicht ganz vorne. Matthias Bluebaum (remis) und Dennis Wagner (Niederlage) kennen ihn von der Jugend-WM U18 anno 2014 im südafrikanischen Durban, Sieger Olexandr Bortnyk. Bluebaum und Wagner spielen momentan recht erfolgreich beim Aeroflot-Open, Kollars spielte in Jurmala auch Blitz- und danach Schnellschach und landete erwartungsgemässs jeweils unter ferner liefen.

 

Shirov+Gunina

 

Shirov (in Lettland oft Spieler und Organisator) mit Valentina Gunina, die den Damenpreis gewann

 

Shirov+Bortnyk

 

Shirov mit Bortnyk

 

Beim Schnellturnier gibt es eine Parallele zum Aeroflot-Open. Jeweils konnte sich ein Spieler, der zum erweiterten aber eher nicht zum engeren Favoritenkreis zählte, früh absetzen und remisierte dann Runde für Runde. Wer kann ihn ein- und nach Wertung eventuell überholen? In Moskau ist es Evgeny Najer, der immerhin mal russischer Meister war – nach der sechsten von neun Runden haben Favorit Gelfand, Matlakov und Bartel aufgeschlossen. In Jurmala war es Loek van Wely, der nach drei relativ leichten Gegner(inne)n mit jeweils Elo unter 2400 auch die GM-Kollegen Vitiugov, Krasenkow und Zhigalko besiegte, das Foto wurde kurz vor Schluss in letzterer dramatischer Partie geschossen:

 

Zhigalko-van Wely

 

Ich verzichte auf Diagramme, aber manchmal macht das der Fotograf für mich. Weiss hat sicher Kompensation für die geopferte Qualität, aber mit 36.-Df1+ konnte Schwarz remis erzwingen (bzw. den Gegner dazu zwingen, remis zu erzwingen – 37.Kh4 Dxf2 38.Txg7+ nebst Dauerschach). Stattdessen geschah 36.-Da6? 37.Td6? (37.Df8) 37.-Da7? (37.-Df1+ ging immer noch) 38.Td7 Dxf2 39.Df8 (jetzt aber!) 39.-Df1+ 40.Lg2 Dxg2+!? 41.Kxg2 1-0. Zuvor konnte van Wely Krasenkow mattsetzen, Vitiugov verhinderte selbiges durch rechtzeitig aufzugeben. 6/6 am ersten Tag für King Loek, ungeschlagene 3/3 am zweiten Tag – anfangs ausgekämpft (lag vielleicht auch am Gegner, jedenfalls ein gewisser Arkadij Naiditsch in Runde 9 wollte wohl kein Kurzremis), zum Schluss 11 Züge mit Schwarz gegen Lokalmatador Neiksans und 9 Züge mit Weiss gegen Shabalov.

 

Auch andere remisierten viel am zweiten Tag, nicht immer war es ausgekämpft. Zum Beispiel Ivanchuk hatte dagegen Nachholbedarf: 4/6 am ersten Tag (Remis gegen GM Fier und – obwohl er Königsgambit spielte – IM Krivonosov, drastische Niederlage gegen den Weissrussen Fedorov), dann eben nun: Der Sieg gegen Hracek roch nach Zeitüberschreitung, der gegen Gleizerov war etwas kurios (Chucky opferte einfach so seine Dame für Turm und Läufer und gewann dann langsam aber sicher, sicher mit gegnerischer Hilfe), der gegen Bortnyk taktisch-brutal: wieder gab er seine Dame, aber diesmal für zwei Türme und sofort glatte Gewinnstellung. Zur Dramatik der Schlussrunde komme ich noch.

 

Shabalov verlor in Runde 3 gegen Vitiugov (kann passieren), arbeitete sich wieder nach vorne durch und hatte nach dem ersten Tag immerhin 5/6. Dann dreimal ausgekämpft remis, dann ein Zwischenspurt in Runde 10 und 11 mit Siegen gegen Zhigalko und Lintchevskii (ein eher unbekannter russischer GM, der allerdings auch lange ziemlich weit vorne mitmischte). Shabalov ist Amerikaner mit lettischen Wurzeln und inzwischen im etwas fortgeschrittenen Alter – wobei: 1967 ist auch mein Jahrgang, ich bin doch nicht alt! Schachlich gilt er als ein Nachfolger von Mikhail Tal, die Mutter aller Varianten mit frühem g2-g4 trägt den Namen Shabalov-Shirov Gambit – und so spielte er jedenfalls phasenweise auch in diesem Turnier.

 

Auch Lokalmatador Neiksans brauchte einen kleinen Zwischenspurt mit Siegen in Runde 8 und 9, und dann das passende Ergebnis in Runde 12.

 

Ich gehe mal davon aus, dass das deutsche Publikum nach wie vor wissen will, was Naiditsch so anstellte. Er spielte gewohnt spektakulär, was zum Teil auch an seinen Gegnern lag: In Runde 7 gab Vitiugov eine Figur für drei Bauern, in Runde 8 dachte Shabalov „das kann ich auch“ – jeweils wurde es nach Irrungen, Wirrungen und Aufregungen remis. Auch in einigen anderen Partien ist es müssig, Computer zu befragen ob das „richtige“ Ergebnis entstand: am Brett sass nun einmal Naiditsch, und er spielte Schnellschach. Ärgerlich die Niederlage in Runde 10 gegen Stupak, denn das Bauernendspiel zum Schluss war wohl remis – sah Naiditsch Gespenster und gab auf, oder verlor er auf Zeit? Dann eben in Runde 11 ein „Kontersieg“ gegen Krasenkow, zum Computerurteil s.o. . Schlussrunde kommt noch … .

 

Noch einige andere Spieler könnte ich einzeln belichten, zum Beispiel Shirov – der relativ weit vorne mitmischte, aber vielleicht doch der Doppelrolle Spieler plus Organisator Tribut zollen musste. Oder Vitiugov, der in der letzten Runde zum „Pechvogel“ wurde. Oder oder oder … . Stattdessen, bevor ich die Schlussrunde bespreche, ein Blick in den Turniersaal:

 

Turniersaal Rapid

 

Turniersaal Rapid2

 

Gespielt wurde im „City Museum of Jurmala“, auf der Turnierseite so beschrieben: „This modern building near the train station has all the makings of a fine museum, although they could use some more exhibits.“ [Dieses moderne Gebäude in Bahnhofsnähe hat alles, was ein nettes Museum braucht, obwohl sie ein paar mehr Ausstellungsstücke brauchen könnten.]

 

Stand vor der Schlussrunde: van Wely und Shabalov 8,5/11, Ivanchuk, Naiditsch, Vitiugov, Neiksans, Stupak, Alekseev 8. Das Ergebnis am Spitzenbrett kennt der Leser bereits, auch Stupak und Alekseev waren sich nach 9 Zügen remiseinig. In den beiden anderen Partien gewann aus van Welys Sicht der richtige Spieler, nämlich derjenige mit relativ schlechter Buchholzwertung. Vitiugov-Neiksans 0-1! Die Turnierseite sagt, dass der lettische Underdog den Favoriten „überspielte“, Computer sehen das anders: Vitiugovs Opfer waren durchaus korrekt, erst 30.Lc4?? war ein Blackout und nach 30.-Th8 konnte und musste Weiss aufgeben. „Moment mal, ICH wollte doch mattsetzen, und nun machst Du das einfach so“ (es sei denn, Weiss spuckt noch mehr Material mit nun hoffnungsloser Stellung). Zuvor und auch danach hatte Vitiugov, warum auch immer, die deutlich beste Buchholzwertung von allen Spielern.

 

Ivanchuk-Naiditsch

 

Ivanchuk-Naiditsch 1-0: Ich setze noch ein fotografisches Diagramm: Zwei Minusbauern konnte Naiditsch noch (mehr oder weniger) verkraften bzw. die Hoffnung stirbt zuletzt, aber hier verliert er auch noch seinen Turm und hatte keinen Grund mehr, an Ivanchuks „Technik“ zu zweifeln. Mit einem Sieg gegen Ivanchuk wäre Naiditsch punkt- UND wertungsgleich mit van Wely. Ein Schwarzsieg war wohl nie ansatzweise drin, die Niederlage womöglich vermeidbar (aber das gilt für viele wenn nicht alle Niederlagen).

 

Für die Statistik: Bester U20 Olexandr Bortnyk, der immerhin auch 8/12 erzielte. Bester Senior 50+: Michal Krasenkow, ebenfalls 8/12. Beste Dame: die Lettin Laura Rogule (7/12, nach Wertung vor Pia Cramling, einen halben Punkt vor Gunina – deutlich bessere TPR, aber das zählt nur als Tiebreaker). Bester von zwei Senioren 65+: Evgeny Sveshnikov, der immerhin gegen Kovalenko, Shirov und Zhigalko spielen und verlieren durfte und gegen den Rest 7/9 erzielte. Bester U18 und insgesamt Platz 44: Dmitrij Kollars (0/4 gegen die GMs Malakhov, Kovalenko, Gleizerov und Hracek, 6,5/8 gegen Nicht-GMs). Andere Deutsche u.a. Philipp Schlosser mit 7/12 (Platz 29), Jonathan Carlstedt, Thomas Casper und Bernd Kohlweyer mit 6,5/12 (Platz 48, 50 und 53) und noch einige mehr mit oder auch ohne IM-Titel.

 

Und noch ein paar Bilder:

 

Rogule

 

Das ist vermutlich Laura Rogule, jedenfalls gibt es Ähnlichkeiten mit dem Foto hier.

 

Gunina mal anders

 

Valentina Gunina – bis in die Haarspitzen auf Schach eingestellt – erkenne ich auch von hinten.

 

Sveshnikov-Kovalenko

 

Sveshnikov-Kovalenko

 

Shirov3

 

Shirov (und wer/was auch immer auf den Bildern im Hintergrund)

 

Ivanchuk

 

Manchmal wiederhole ich mich was Fotomotive betrifft: Ivanchuk in Trainingsjacke

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