Über 600 Schüler kamen nach Kamen – Ein Bericht von CHRISTIAN GOLDSCHMIDT

 

Ergebnisse

Schach rockt

Schach rockt

143 Schulmannschaften mit 664 Schülern zwischen 7 und 17 Jahren und gut 200 erwachsenen Begleitern machten sich am Freitag auf den Weg nach Kamen. In der dortigen Stadthalle wurden die NRW-Schulmeister in 5 Wettkampfklassen (WK II-IV,Grundschulen und Mädchen) ermittelt. Angemeldet waren sogar 156 Teams, aber aufgrund der aktuellen Grippewelle mussten 13 Mannschaften kurzfristig absagen.

 

Dennoch bot sich den Anwesenden ein atemberaubendes Panorama, soviele Schachspieler an einem Ort haben die meisten zu ihren Lebzeiten noch nicht gesehen. Einige ältere Schulschachaktivisten fühlten sich an den Mephisto-Schulschachcup in der Kölner Messehalle erinnert. Unter großem Sponsoreneinsatz, bundesweiter Werbung und dem medienwirksamen Auftritt u.a. von Garry Kasparow wurden 1998 und 99 jeweils über 1000 Schüler an die Bretter bewegt.

Turnierseite

Das diesjährige Megaevent hatte weit weniger Rückenwind und entstand eigentlich aus der Not heraus. Auslöser war Ende Mai 2015 ein weithin kaum beachteter Entschluss im Düsseldorfer Sportministerium. Alle Sportarten, die nicht im „Jugend trainiert für Olympia“-Bundesfinale in Berlin vertreten waren, wurden vom Schulsport-Wettkampfbereich A nach C verlegt. Diese unscheinbare Entscheidung bedeutete die Streichung aller finanziellen Zuschüsse für überregionale Wettkämpfe auf Regierungsbezirks- und Landesebene in der Größenordnung von jährlich etwa 9000 Euro. Viel verheerender als die Streichung dieser Zuschüsse für Fahrt- und Turnierkosten war allerdings das damit verbundene Signal an die Schulsportausschüsse in den Städten und Kreisen: Wenn es keine überregionalen Wettkämpfe mehr gibt, braucht es ja auch keine Kreismeisterschaften mehr. Schon nahmen einige Kreise Schach aus dem Wettkampfprogramm. Damit drohte das Aus für eine der bis dahin Top-10 Schulsportarten in NRW. Im Schuljahr 2014/15 nahmen dabei noch 659 Schulmannschaften an den Stadt- und Kreismeisterschaften im Schach teil mit seit Jahren steigender Tendenz. Es musste ein klares Zeichen gesetzt werden um die Katastrophe zu verhindern.

 

Dieses Zeichen setzte die Schachjugend NRW. Sie kratzte aus Eigenmitteln 4000 Euro zusammen und beschloss unter eigener Regie ein Landesfinale für alle fünf Wettkampfklassen auszurichten.

 

Dabei galt es zunächst einen geeigneten Spielort zu finden, der genügend Spielern Platz bietet, auch noch verkehrsgünstig liegt und bezahlbar ist. Dieser fand sich in der Stadthalle Kamen mit einem Regionalbahnhof in fünf Minuten Entfernung und Autobahnanschluß Kamener Kreuz in alle Himmelsrichtungen. Als viel schwieriger erwies sich die Kontakte in alle Kreisschulsportämter zu knüpfen um diese zu ermutigen weiter Schachwettkämpfe auszuschreiben und die Sieger weiterzumelden. Die Situation vom Schulschach in NRW offenbarte sich dabei als sehr uneinheitlich. Einigen Hochburgen stehen weiße Flecken gegenüber, in die noch keine Schachfigur vorgedrungen zu sein scheint. Zudem werden nicht überall alle Wettkampfklassen ausgespielt. Für die Grundschulen mussten also noch zusätzliche regionale Vorturniere in den Verbänden stattfinden. Alleine daran beteiligten sich über 130 Grundschulteams, von denen schließlich 25 das Ticket nach Kamen lösen durften. Nur die WK Mädchen wurde ohne Qualifikation offen gehalten. In den übrigen Wken mussten sich die Mannschaften über Kreismeisterschaften qualifizieren. Schließlich kamen Mannschaften aus 41 Kreisen und Städten zum Landesfinale zusammen. Sollten eines Tages mal alle 53 Städte und Kreise ihre Meister ermitteln, könnte man über 250 Teams zum Finale begrüßen mit weit über 1000 Spielern. Dieser Wettbewerb hat also genug Potential einmal wieder die Kölner Messehalle zu füllen, vor allem wenn man bedenkt, dass er nur die Spitze eines Eisbergs abbildet.

 

Die logistische Herausforderung ein Turnier mit über 600 Spielern über die Bühne zu bringen, meisterte die SJNRW mit ihren ehrenamtlichen Helfern vorbildlich. Einen nicht unbedeutenden Anteil trägt jedoch auch die Firma Niggemann, die das komplette Spielmaterial mit elektronischen Uhren kostenlos zur Verfügung stellte.

 

Natürlich gab es am Ende des Tages auch sportliche Gewinner:
WK II: Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Bünde
WK III: Gymnasium Theodorianum Paderborn
WK IV: Leibniz-Gymnasium Dortmund
WK GS: Lutherschule Paderborn
WK M: Humboldt-Gymnasium Düsseldorf

 

Die Sieger werden NRW bei den Deutschen Schulmeisterschaften Ende April vertreten.

 

Der komplette Endstand und viele weitere Fotos vom Event finden sich unter

 

 




Eine Antwort auf Schulschach-Landesfinale 2016

  • dm sagt:

    Ein beispielhafter Baustein für die Zukunft des Schachs!
    Im „Verbund“ mit anderen Sportarten läuft Schach immer Gefahr, als Exot eingestuft, nicht ernstgenommen und weggekürzt zu werden. Frage nur irgend einen Fußballfunktionär . . .
    Im Vergleich zu anderen Nischensportarten, können wir aber eine gewaltige Infra-Struktur vorweisen und dazu den Rest des Eisberges – der großen Bereich unterhalb des Vereinsschachs.

    Als Sportart sind wir belächelte Außenseiter, aber (teilweise) finanziert.
    Richtig gut wahrgenommen wird Schach aber, wenn es sich als Kulturgut präsentiert (und sich von den verbreiteten kniefälligen Litaneien – „wir sind doch so ein mächtig cooler Sport“ – weitgehend emanzipiert).
    Großes Lob an die Schachjugend NRW!

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