Spanische Mannschaftsmeisterschaft 2016 – LIVE

liveVom 26.9. bis zum 2.10. wird die spanische Mannschaftsmeisterschaft ausgespielt. 8 Mannschaften kämpfen um den Sieg. Die Siegermannschaft ist Spanischer Mannschaftsmeister, während die letzten beiden Mannschaften absteigen. Die Bedenkzeit beträgt für 40 Züge 90 Minuten zuzüglich 30 Minuten für den Rest der Partie. Es gibt einen Zeitzuschlag von 30 Sekunden ab dem ersten Zug. Spielort ist das Hotel Mas Monzón in Monzón.
Dabei sind auch einige Spieler der absoluten Weltklasse wie zum B.: Harikrishna, Dominguez Perez, Inarkiev, Rapport, Vallejo Pons, Radjabov, Kryvoruchko.


Viktor der Schreckliche, der Streitbare, der Unverwüstliche, der Vize-Weltmeister

Korchnoi FIDE
„Kalenderblätter“ übernehme ich, wenn ich einen gewissen Bezug zur jeweiligen Person habe. Im gegebenen Fall bin ich Kortschnoi immerhin mehrfach begegnet und spielte im selben Turnier – auch wenn ich, im Gegensatz zu zwei Vereinskollegen, nicht gegen ihn gespielt (und verloren) habe. Reporter war ich damals noch nicht, daher heute kein Interview. Schon zuvor begann für mich, Jahrgang 1967, die selbst miterlebte Schachgeschichte mit den WM-Matches Karpov-Kortschnoi.

 

Zu den Untertiteln: „Der Schreckliche“ stammt nicht von mir, ist wohl durchaus als Kompliment gemeint aber vielleicht bezieht es sich (insgeheim) nicht nur auf seinen Schachstil, sondern ein bisschen auch auf seinen Charakter. „Der Streitbare“ deutet das auch an – über Geburtstagskinder nicht nur 100% Gutes, er war (ist?) wohl mitunter auch ein etwas unangenehmer Zeitgenosse, liegt vielleicht auch an seiner Biographie. „Der Unverwüstliche“: Im fortgeschrittenen Alter wirkte er zwar körperlich gebrechlich, aber geistig ist er noch voll da, und schachlich konnte er sehr lange mithalten – irgendwann nicht mehr mit der Weltelite, aber durchaus noch mit „normalen“ Grossmeistern. „Der Vize-Weltmeister“: Kortschnoi ist womöglich über die gesamte Schachgeschichte der stärkste Spieler, der nie Weltmeister wurde – andere Kandidaten sind Paul Keres, Akiba Rubinstein und aktuell (aber seine Karriere läuft noch) Levon Aronian. Auch dieser Artikel ist so strukturiert: erst einige biographische Fakten – bei älteren Lesern wohl bekannt, bei der „Jugend von heute“ vielleicht nicht. Dann eine Reihe Bilder (diesmal neben Wikipedia auch andere Quellen), dann einiges das international wohl nicht so bekannt ist. Das Titelfoto – klein aber fein – stammt von der FIDE-Eloseite.

 

Laut Wikipedia (und die haben meistens recht) war Kortschnoi an zehn WM-Zyklen beteiligt – ab 1962 generell im Dreijahresrhythmus, nur 1965 konnte er sich nicht qualifizieren. Eines stimmt in meinem Bericht zum derzeit laufenden Kandidatenturnier nicht: ich schrieb, dass ich als nächstes über einen Spieler schreibe, „der nur deshalb keine Kandidatenturniere spielte, weil es am Höhepunkt seiner Karriere noch Kandidatenmatches gab“. Da hatte ich noch nicht zu Ende recherchiert, bzw. Kortschnoi war schon vor meinem schachlichen und anderweitigen Leben aktiv. 1962 konnte er sich über sowjetische Meisterschaft und Interzonenturnier (jüngere Leser fragen vielleicht „was ist das denn?“) für das Kandidatenturnier in Curacao qualifizieren. Also doch ein Kandidatenturnier, wie heutzutage mit acht Spielern aber vierrundig. Achtundzwanzig Runden sind eine Menge – am Ende waren es 27, da Tal sich nach dem dritten Durchgang aus gesundheitlichen Gründen zurückzog. Da hilft es, wenn man ab und zu mit einem Kurzremis Kräfte sparen kann. Das machten Petrosian, Keres und Geller gegeneinander konsequent, darüber beschwerte sich Bobby Fischer – im Interzonenturnier noch klarer Sieger, im Kandidatenturnier dann Vierter hinter den drei Genannten – und deshalb war Curacao 1962 bis auf weiteres das letzte Kandidatenturnier. Kortschnoi war im zarten Alter von 31 Jahren wohl noch nicht voll etabliert und musste auch die Partien gegen seine Landsleute auskämpfen (Petrosian war zwar nur zwei Jahre älter als Kortschnoi, aber hatte schon 1959 im Kandidatenturnier gespielt). Am Ende wurde er Fünfter mit 13,5/27.

 

1965 konnte Kortschnoi sich nicht für das Interzonenturnier qualifizieren, im nächsten Zyklus war er dann wieder unter den letzten acht. Nun gab es Kandidatenmatches – 1971 besiegte er Reshevsky und Tal und verlor im Finale gegen Spassky, der dann Weltmeister Petrosian entthronte. Für die nächsten Kandidatenmatches war Kortschnoi als verlierender Finalist direkt qualifiziert; diesmal besiegte er Geller und verlor im Halbfinale gegen Petrosian, der im Finale gegen Bobby Fischer unterlag. Das, und auch das WM-Match Fischer-Spassky ist nicht Thema dieses Beitrags und vor meiner eigenen Schachgeschichte.

 

Im nächsten Zyklus wurde Kortschnoi, wenn man so will, zum ersten Mal Vize-Weltmeister. In den Kandidatenmatches 1974 besiegte er Mecking und Petrosian (der beim Stand von 1,5-3,5 aufgab und dann, sagt Wikipedia, versuchte „through political means“ doch noch zu gewinnen). Im Finale traf er einen neuen Namen, der dann zum alten Bekannten wurde: Er verlor knapp 11,5-12,5 gegen Anatoly Karpov. Das Match Karpov-Fischer gab es danach nicht, Karpov wurde kampflos Weltmeister.

 

Ich muss das Kapitel „WM-Zyklen“ kurz unterbrechen: Schon im vorigen Zyklus war klar, dass die sowjetischen Autoritäten den jüngeren (und offenbar angepasst-linientreuen) Karpov gegenüber Kortschnoi bevorzugten. Kortschnoi fand praktisch keine Sekundanten (bis auf den „Querulanten“, ebenfalls nicht linientreu, Bronstein, der dafür bestraft wurde); danach durfte er lange keine internationalen Turniere mitspielen. 1976 dann wieder eines in Amsterdam, und diese Chance nutzte er und beantragte hinterher politisches Asyl in den Niederlanden, Tony Miles schrieb für ihn auf einen Zettel „political asylum“. Frau und Sohn blieben in der Sowjetunion zurück. 1977 gewann er souverän (12/13) die niederländische Meisterschaft, aber dann fand er in der Schweiz eine neue Heimat. Etwas Kurz & Knapp da ich die genauen Hintergründe nicht kenne, aber natürlich war es ein Wendepunkt in seinem privaten und auch schachlichen Leben. Lange boykottierten danach sowjetische Grossmeister Turniere, bei denen Kortschnoi mitspielte – für Veranstalter also „entweder oder“.

 

Im nächsten WM-Zyklus war Kortschnoi daher staatenlos. Er besiegte 1977 Petrosian, Polugajewski und Spassky, dann 1978 ein WM-Match gegen Karpov in Baguio auf den Philippinen – das erste, dass ich bewusst mitbekommen habe. Das ganze „Drumherum“ will ich nicht beleuchten und kommentieren, Endergebnis war 16,5-15,5 für Karpov (bzw. 6-5 Siege, damals galt „Sieger ist, wer zuerst sechs Partien gewinnt“). Nach dieser Rechnung lag Kortschnoi bereits 2-5 zurück, gewann dann drei von vier Partien und verlor dann die nächste und letzte.

 

Nächster WM-Zyklus: 1980/81 besiegte der Schweizer Kortschnoi in den Kandidatenmatches Petrosian, Polugajewski und Hübner (der im Finale vorzeitig aufgab), damit 1981 das nächste Match gegen Karpov in Meran. Diesmal war es deutlich („Massaker von Meran“), 6-2 für Karpov. Zwischendurch ein Foto (Quelle Isabel Hund/Wikipedia) – nicht das technisch allerbeste aber das einzige von einem WM-Match:

 

005

 

Die – was Kortschnoi betrifft – verbleibenden WM-Zyklen eher im Schnelldurchlauf: 1983 verlor er im Halbfinale gegen einen gewissen Garry Kasparov. Dabei hatte er dieses Match bereits gewonnen: Ursprünglich war es in Pasadena, Kalifornien, USA angesetzt – da wollte oder durfte Kasparov nicht spielen, daher gewann Kortschnoi kampflos. Dann war er bereit, in London zu spielen, und nun gewann Kasparov am Brett (7-4). 1985 gab es doch wieder ein Kandidatenturnier, nach dem Interzonenturnier und vor der KO-Phase – Kortschnoi spielte mit und wurde 13. von 16. 1988 verlor er im Achtelfinale gegen Hjartarson, aber immerhin hatte er zuvor eines der drei Interzonenturniere gewonnen. 1991 erreichte er, inzwischen 60 Jahre alt, das Viertelfinale und verlor gegen Timman.

 

Das waren jede Menge Fakten, nun wird es mal wieder bunt bzw. anfangs schwarzweiss (und zwischendrin noch mehr Fakten)

 

Amsterdam 1972 (Dutch National Archive)

 

1972 in Amsterdam (Dutch National Archive)

 

396px-Viktor_Korchnoi_1976 (Match gegen Timman) Dutch National Archive

 

1976 im Match gegen Timman (ebenfalls Dutch National Archive). Wenn wir schon in den Niederlanden sind: In Wijk aan Zee spielte er insgesamt 13-mal, anfangs erfolgreich (Sieger 1968, 1971, 1984 und 1987), später nicht mehr so erfolgreich (zuletzt 2000 Platz 11).

800px-Max_Euwe_rechts_Viktor_Kortchnoi_1978 (Dutch National Archive)

 

1978 mit links Max Euwe (ebenfalls Dutch National Archive)

 

World Team Championship Luzern 1993 (Stefan64)

1993 bei der Mannschafts-WM in Luzern für Ausrichter Schweiz (Stefan64-Wikipedia). Was Mannschaftswettbewerbe betrifft: Kortschnoi spielte 17 Olympiaden – 6 für die Sowjetunion (maximal Brett 2 hinter Karpov), 11 für die Schweiz (immer Brett 1). Ausserdem 13 Mannschafts-EMs (5+8) und 14-mal den Europacup für Vereinsteams (für Biel, Volmac Rotterdam, Margareten Wien, Beer Sheva, nach der Wende im Osten auch wieder für St. Petersburg [aber nie für Leningrad] und zuletzt für die Schachgesellschaft Zürich).

 

Soweit alles via Wikipedia (in diversen Sprachen), nun drei Fotos von der Homepage von En Passant aus Bunschoten. Warum ich das weiss und gefunden habe, dazu später mehr.

 

275-viktor_en_genna (En Passant)

 

Mit seinem alten Freund und Mit-Emigranten Genna Sosonko

 

Korchnoi-Kaaieman 2009

 

Beim Blitzturnier 2009 gegen NL-Urgestein IM Hans Böhm

 

Bunschoten 2010

 

2010 im Mannschaftskampf der dritten NL-Liga

 

401px-Viktor_Korchnoi_2011 Porto Carras (Andreas Kostokanis)

 

2011 bei der Mannschafts-EM im (aus deutscher Sicht schönen) Porto Carras (Andreas Kostokanis – Wikipedia). Das war sein letzter Einsatz für die Schweiz, und das einzige Mal, dass er (hinter Pelletier) Brett 2 bekam. Eines sollte ich noch erwähnen: 2006 wurde er doch noch Weltmeister – bei den Senioren. Eine Auswahl seiner besten Partien würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, ich nenne nur zwei Schwarzsiege als 75+er gegen zukünftige Weltklassespieler: Gashimov-Kortschnoi 0-1, Russische Mannschaftsmeisterschaft 2008 und Caruana-Kortschnoi 0-1, Gibraltar 2011.

 

2012 erlitt Kortschnoi einen Schlaganfall, sitzt nun im Rollstuhl und musste seine schachliche Karriere beenden (wobei er danach noch zwei Schnellschach-Matches in Zürich gegen Wolfgang Uhlmann spielte). Aber Interesse am Schach hat er weiterhin, das letzte Foto ist ziemlich aktuell von der Zürich Chess Challenge 2016 (Fotograf David Llada, Quelle Turnierseite) – Kortschnoi als Ehrengast und interessierter Zuschauer:

 

Kortschnoi Zürich 2016

 

Zum Schluss die persönliche Note: Ich bin Kortschnoi (mindestens) an zwei Orten begegnet. Das erste Mal in den 90er Jahren als Kibitz bei einem Open in Hamburg. Schon damals wirkte Kortschnoi etwas gebrechlich, und bekam auch eine gewisse Sonder/Vorzugsbehandlung: Er (einer der Favoriten, aber nicht DER Favorit) durfte an einem festen Brett spielen – mit etwas mehr Platz und etwas weiter weg von neugierigen Zuschauern. Das zweite Mal ab ca. 2008 mehrfach bei Blitzturnieren in Bunschoten, NL. Die Organisatoren hatten ihn „einfach so“ eingeladen und waren angenehm überrascht, dass er tatsächlich kam – zu bescheidenen Konditionen (die Summe kenne ich, aber sollte sie wohl nicht erwähnen). Kortschnois Erklärung: „Ich spiele nach wie vor sehr gerne Schach, aber bekomme kaum noch Einladungen – dieses Wochenende hatte ich frei.“ Dann spielte er auch vorübergehend und sporadisch für die erste Mannschaft dieses Vereins. Kortschnoi erreichte das A-Finale, bzw. wurde die nächsten Jahre dafür gesetzt, da Vor- und Endrunde wohl doch zu anstrengend wurde. Ich spielte mal im B-Finale (da dann eher chancenlos, auch da spielten noch FMs und IMs), mal in einer tieferen Gruppe, da war dann auch mal Preisgeld drin (Maximum 100 Euro, im A-Finale ging es um vierstellige Summen). Fanatisch war Kortschnoi nach wie vor: Nach einer Niederlage sagte er seinem Gegner „Du hast nur gewonnen, weil du mit beiden Händen spielst!“. Ein FM stand gegen Kortschnoi (jedenfalls nach eigener Aussage) sehr gut, und dann fand Kortschnoi die Verteidigung -Dh5-f6!! . Der FM überlegte ca. 10 Sekunden, ob er reklamieren soll, und verzichtete dann darauf um Ärger zu vermeiden (er lag im Mittelfeld, nicht in der Preisgeldzone). Absicht will ich Kortschnoi nicht unterstellen, im Blitz ist alles möglich.

 

Auch in Wijk aan Zee 2000 hatte ich zugeschaut, aber da war Kortschnoi einer von vielen. Zuletzt „begegnete“ ich ihm beim Limburg Open 2014 im Rahmen meines Interviews mit Erwin l’Ami. Ich erwähnte das Kortschnoi-Zitat von „Rising Stars vs. Experience“ 2008 (am Ende dieses Videos, zuvor zeigt Kortschnoi seine Niederlage gegen l’Ami): „Die jungen Leute spielen alle gleich, alle haben denselben Coach – ‚computer the coach‘. Nur l’Ami spielt Schach.“ Erwin l’Ami dazu: „Nach meinem Sieg gegen Kortschnoi rechnete ich mit einem Wutausbruch, aber der kam nicht – stattdessen lobende Worte und gemeinsame Analyse.“ Nicht immer ist Kortschnoi ein unangenehmer Zeitgenosse …. . Auf jeden Fall ist er eine Persönlichkeit, Ecken und Kanten gehören dazu.

3 Kommentare zu Kortschnoi zum 85. Geburtstag

  • Danke (an beide) für die netten Worte. Wer sich für noch mehr alte Schwarzweiss-Fotos interessiert, findet diese hier: http://www.vorwaerts-orient.de/?p=1838 – nur eines steht auch in meinem Beitrag. Ich war wie immer neugierig: eine Google-Suche zu „Kortschnoi Geburtstag“ oder auch „Korchnoi birthday“ ergab sonst keine aktuellen Treffer, während es zum 70. oder 80. Geburtstag noch mehr gibt, auch von Massenmedien. 85 ist wohl nicht unbedingt ein runder Geburtstag, und die einschlägigen kommerziellen Schachseiten konzentrieren sich momentan voll auf das Kandidatenturnier.

  • Wolfgang Messing sagt:

    Danke für den guten Beitrag. Habe Herrn Kortschnoi das erste Mal 1960 in Leipzig zur Schacholympiade gesehen, später mehrere Male in Dresden anläßlich der Europameistetschaften der Senioren und zur Olympiade in Dresden. Besitze auch einige, von Ihm verfasste, Bücher, die seine sportlichen, aber auch menschlichen Seiten dokumentieren. Aus allen (laienhaft) gewonnenen
    Erkenntnissen, glaube ich, daß Ihre Geburtstagsreminiszens, eine sehr angemessene und ausgewogene Darlegung und gleichzeitig
    auch Würdigung der Lebensleistung eines außergewöhnlichen Menschens widerspiegelt. Sehr gut auch die Unterlegung Ihres Artikels mit selten zu sehenden Fotos.
    Ich würde mich freuen, weiterhin so interressante Beiträge aus Ihrer Feder lesen zu dürfen.
    Mit freundlichen Grüßen und ein schönes Ostern wünschend Ihr Schachfreund
    Wolfgan Messing

Online spielen
Forum

Bundesliga-Statistik

de.wikipedia.org

Elo
DWZ/Spielersuche
RSS-FEED
Archive
Kategorien