Steinitz gewinnt gegen Zukertort die entscheidende Partie und den ersten offiziellen Weltmeisterschaftstitel – Von JULIA KIRST

 

Wilhelm SteinitzAm 29. März 1886, also heute auf den Tag vor genau 130 Jahren, gewann Wilhelm Steinitz die letzte Partie im Weltmeisterschaftskampf gegen Johannes Zukertort und krönte sich damit zum ersten offiziellen Schachweltmeister. Somit nimmt er, der seine Kindheit in Prag und seine Jugendjahre in Wien vebrachte, eine besondere Stellung in der Schachhistorie ein. Steinitz war jedoch nicht nur der Beste seiner Zunft, sondern schuf eine neue Art von Schachverständnis: Die Positionslehre.

 

Das 19. Jahrhundert gilt als Epoche der Romantik. Nicht nur in der Kunst und Literatur, sondern auch im Schachspiel. Geniale Künstler wie Adolph Anderssen und Paul Morphy waren die schillernden Figuren dieser Zeit und begeisterten das Publikum mit wilden Opferkombinationen.

 

Am Anfang seiner Karriere spielte Wilhelm Steinitz ähnlich wie Anderssen und Morphy mit offenem Visier. Eine seiner bevorzugten Weiß-Eröffnungen war das Königsgambit. Steinitz‘ Partieanlage war teilweise sehr riskant und er scheute sich nicht davor, den eigenen König auf das Schlachtfeld hinaus zu führen. Nicht umsonst stammt folgender Ausspruch von ihm: „Der König ist eine starke Figur.“

 

Was ist das besondere Merkmal eines Schachweltmeisters? Diese Frage kann man pauschal nicht beantworten, jedoch ist meiner Meinung nach folgende Eigenschaft unabkömmlich: Sich mit der Zeit und den immer stärker werdenden Gegnern kontinuierlich weiterzuentwickeln. Genau das tat Steinitz. Er erkannte, dass Kombinationen nicht auf Zufall basieren und gesundes positionelles Spiel die Grundlage für den siegreichen Schlussangriff bildet. Diese Erkenntnis führte zu einem Aufbruch in eine neue Schachepoche: Die Moderne.

 

steinitz01-zukertortModerne und Romantik, unterschiedlicher können Spielauffassungen nicht sein: Rationalität gegen Irrationalität, Verstand gegen Gefühl und Prosa gegen Poesie. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Steinitz‘ Theorie am Anfang wenige Befürworter hatte. Dennoch ließ sich der Österreicher nicht entmutigen, entwickelte seine Thesen beständig weiter und konnte die umkämpfte Krone in der ersten offiziellen Schachweltmeisterschaft 1886 im Duell gegen Johannes Zukertort (12,5:7,5) erringen.

 

Hartnäckigkeit, Überzeugung und Mut – all das sind Eigenschaften, welche Erfinder auszeichnen. Für mich ist Steinitz ein Erfinder, da er Dinge ausgesprochen und formuliert hat, welche seine Zeitgenossen nicht für möglich hielten.

 

Heute, 130 Jahre nach der ersten offiziellen Schachweltmeisterschaft, sind viele seiner Thesen immer noch gültig, sie haben also den Test der Zeit bestanden. Somit bleibt festzuhalten: Wilhelm Steinitz schuf eine bedeutende Grundlage für unser heutiges Schachverständnis und er ist somit ein wahrer Pionier des Schachspiels.

 

Um dies zu würdigen, wird im Juni unter dem Gesichtspunkt „Steinitz, ein Pionier des Schachspiels“ eine Folge der Rubrik „Ausgelesen“ veröffentlicht, in welcher ich mehrere Bücher über den ersten Schachweltmeister bespreche.

 

Ich möchte bei diesen Rezensionen mein Hauptaugenmerk auf folgende Punkte legen: Was war Wilhelm Steinitz für ein Mensch? Wie sahen ihn seine Zeitgenossen? Welche Bedeutung hat er für heutige Großmeister? Ich bin gespannt, welche Antworten ich bekommen werde und freue mich jetzt erst einmal auf das Lesen der Bücher.

 

 

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