Der sogenannte Schachfreund und Bürgermeister der Stadt Herne sieht das allerdings anders. Erich L. schwärzte den Schachverein SV Unser-Fritz beim Herner Ordnungsamt an

 

Bismarck gegen den Papst: Machtkampf zwischen Kirche und Staat

Bismarck gegen den Papst: Machtkampf zwischen Kirche und Staat

Zwei Herren vom Ordnungsamt, in einigen islamischen Ländern nennt man sie Religionspolizei, verhinderten am Karfreitag das traditionelle Osterblitzen des Schachvereins SV Unser-Fritz in Herne. Seit Bestehen des Vereins wird am Karfreitag, das bei den Vereinsmitgliedern beliebte Turnier, wie in vielen Vereinen Deutschlands auch, ausgetragen. Darüber hinaus finden über die Ostertage viele Open in Deutschland seit Jahren statt. Auch am Karfreitag. In Karlsruhe spielen über 950 Schachspieler um 40.000 Euro Preisgeld. Die Spitzenpaarungen wurden live über das Internet übertragen. Großmeister aus aller Welt nahmen daran teil. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn das Ordnungsamt das Spielen am Karfreitag verboten hätte. Man lässt 950 Spieler die ersten 3 Züge ausführen um dann das Open abzubrechen. So wie in Unser-Fritz. Es hätte einen weltweiten Aufschrei gegeben.

 

Zur Entlastung der beiden Ordnungshüter muss allerdings bemerkt werden, dass sie durch einen Informanten, der selbst Schachspieler ist, auf die Gesetzeslage aufmerksam gemacht wurden und deshalb tätig werden mussten. Dieses Vorgehen hat natürlich viel Unverständnis bei den Schachspielern hervorgerufen und sie haben es in ihren Kommentaren auf der Vereinseite kundgetan.

Der Schachverein Unser-Fritz ist nicht irgenein Verein. Er ist, was die Jugendarbeit betrifft, ein Vorzeigeverein. Seit Jahren für seine ausgezeichnete Jugendarbeit bekannt und geschätzt. Jugendarbeit entwickelt sich nicht von alleine. Man braucht Mitglieder, die mit Herzblut sich dieser Aufgabe annehmen, die ihre Freizeit opfern, um aus Jugendlichen und Schülern nicht nur gute Schachspieler zu formen. Der SV Unser-Fritz hat die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die ohne Bezahlung und in ihrer Freizeit auch an die Schulen gehen, um den Kindern das Schachspielen beizubringen. Der SV Unser-Fritz ist übrigens der einzige Schachverein in Herne, der sich intensiv um Kinder- und Jugendarbeit kümmert. Eine wichtige soziale Aufgabe, die großen Respekt verdient.

Lesen Sie einen Beitrag des Vereinsmitglieds und ehemaligen Vorsitzenden Martin Pohl an seine Vereinskollegen:

 

Gestern war es mal wieder soweit und wie jedes Jahr seit Vereinsbestehen trafen wir uns zu unserem traditionellen Osterblitzen. Alle waren guter Dinge und freuten sich auf das beliebteste interne Turnier unseres Vereins, was sich auch an der Anzahl der Anwesenden wiederspiegelte. Nachdem wir im Vorfeld noch unsere Ehrungen durchgeführt haben loste Werner die erste Runde aus und alles nahm seinen gewohnten Gang.
Wirklich alles?

 

Nein, kaum saßen wir an den Brettern und hatten die ersten 3 Züge gemacht, erschienen zwei Herren vom Ordnungsamt auf die Bildfläche und beendeten das Turnier! Völlig perplex standen wir nun da und konnten die ganze Situation erst einmal nicht wirklich begreifen. Bei dem Gespräch mit den beiden Herren stellte sich dann heraus, dass ihre Anwesenheit nicht von ungefähr kam, sondern sie einen Hinweis aus dritter Hand bekommen hatten. Ja, es stellte sich sogar heraus, dass dieser Tipp aus den Reihen eines – so wie wir annahmen – befreundeten Vereins kam. Irgendein für uns nicht nachvollziehbarer Umstand hat vermutlich einen schwergewichtigen Meinungsbildner des Vereins dazu bewogen, dem Ordnungsamt einen sachdienlichen Hinweis zu geben, welches dem selbstverständlich nachgegangen ist. Ich kann hier nur sagen, sollte diese, sich Schritt für Schritt konkretisierende Befürchtung, letztendlich Gewissheit werden, dann sind die Mitglieder dieses Vereins nicht zu beneiden!

 


Außerdem kamen mir noch einige andere Gedanken. Wenn ich z.B. dabei bin, falsch zu parken, und eine Ordnungskraft des Amtes zugegen ist, macht diese mich im Normalfall darauf aufmerksam und wartet nicht, bis ich geparkt habe um mir anschließend ein Knöllchen zu geben! Gestern war es aber anders! Die beiden „Ordnungshüter“ waren schon lange vor unserem Turnier anwesend und haben unser Treiben beobachtet und uns nicht im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht, dass wir dabei sind eine Ordnungswidrigkeit zu begehen! Dieses bestärkt mich in der These, das es geplant und gewollt war und ihre Anweisungen wohl auch eindeutig waren! Eigentlich schade, aber es konnten die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamtes, einem höheren Amtsträger unserer Stadt, wohl nicht widerstehen? Wäre für uns zumindest preisgünstiger gewesen!
Und in welchem Mikrokosmos leben wir denn überhaupt, wenn es zum guten Ton gehört, die Bürger unserer Stadt anzuschwärzen?
Ein weiterer Gedanke, der mir kam – wie geldgeil ist unsere Stadt eigentlich? In Oberhausen wird ein Open mit über 200 Teilnehmern gespielt und gestern sogar doppelrundig! Genauso in Karlsruhe: Über 900 Teilnehmer und auch hier Doppelrunde am Karfreitag! Die Liste ist lang und ließe sich hier unendlich weiterführen….

 

Wer das Gesetz kennt weiss auch, dass andere Dinge verboten sind, wie Dinge die laut sind und somit die Gottesdienste stören könnten, wie z.B. laute Musik, laute Filme usw. … Aber ein Film z.B. wie „Batman vs Superman“ erhält scheinbar eine Freigabe zur Aufführung an diesem stillen Feiertag vom Kultusminister. Dagegen muss ein kleiner Schachverein mit einer Veranstaltung, die niemanden stört oder belästigt bluten!
Wie falsch ist unsere Welt nur geworden?

 

Ich könnte jetzt noch stundenlang meinen Frust hier niederschreiben, möchte Euch aber auch nicht überstrapazieren oder gar langweilen…
Bleibt mir nur noch Euch schöne Osterfeiertage zu wünschen und Euch zu bitten, sich eigene Gedanken zu machen, wie man mit solchen Leuten umgehen soll…

 

Mit schachlichen Grüßen“

 

Lesen Sie auch: Wenn Schach die heilige Ruhe stört.

 

In der WAZ vom 30.3. stand: Stadt Herne stoppt Blitzschachturnier am Karfreitag

 

Sogar die Bild-Zeitung berichtet

 

Bild: Deutscher Schachbund empört …

 

Humanistischer Pressedienst: Kein Schach für Jesus

 

Während in Wanne-Eickel am Karfreitag etwas über 20 Schachspieler vom Herner Ordnungsamt nach Hause geschickt wurden, konnte in Karlsruhe das größte Open Deutschlands, mit über 950 Teilnehmern, ohne Beanstandungen durchgeführt werden.

 

 

Feiertagsgesetz

14 Antworten auf Gens una sumus – Wir sind eine Familie

  • Fred sagt:

    Religonen schüren seit jeher Hass und Intoleranz. Falls ich Vereinsvorsitzender oder Turnierleiter gewesen wäre, hätte ich die Ordnungshüter rausgeschmissen und das Turnier durchgezogen. Bußgeld hin oder her. Trennung von Staat und Kirche ist eine Illusion in unserem tollen Merkelland.

  • Martin Pohl sagt:

    Hallo ihr lieben,
    mein Name ist Martin Pohl und ich bin der Verfasser des Berichtes.
    Habe mit Freude festgestellt, dass auch hier eine rege Diskussion angefangen hat!
    Nun möchte ich zu einigen Kommentaren stellung beziehen!
    Ich fange an mit dem Bußgeld!
    Sicherlich sind wir uns darüber im Klaren, dass wir gegen geltende Gesetze verstoßen haben!Aber! früher haben wir unser Osterblitzen schon um 14.00 Uhr begonnen. Auch hier hatten wir einmal Besuch vom Ordnungsamt und mussten damals 250DM Strafe bezahlen. Zusätzlich bekamen wir von den Ordnungsbeamten die Auskunft, dass wir erst ab 18.00 Uhr spielen dürften! Daran haben wir uns dann auch immer gehalten!
    Außerdem bin ich selbst aktiver Christ und kann es trotzdem nicht nachvollziehen!
    Morgen erscheint noch ein Bericht in der Bild, welche nun auch vom DSB kontaktiert wurde und schreibt dort unter anderem über die Haltung des DSB.
    Ansonnsten freue ich mich über soviel positive Resonanz in unserem Sinne!
    Also an alle, die diesen Artikel lesen….
    Schreibt Kommentare bis die Seite platzt!
    Dieses gilt auch für Kommentare wie der von M. K.
    Wir sind ja schließlich ein freies Land mit freier Meinungsäußerung!!
    in diesem Sinne
    Gruß Martin

  • Franz Jittenmeier sagt:

    Interessant lieber Herr Jim Knopf. Offenbsichtlich haben sie einen wichtigen Grund ihren richtigen Namen nicht zu nennen. Hier können sie nachlesen wie die Kirche Druck und Einfluss ausdübt:
    „Als bekannt wurde, dass die Mittelfränkischen Schachmeisterschaften 2012 zum zweiten Mal in der auf eine römische Limes-Siedlung zurückgehenden ehemaligen Reichsstadt stattfinden sollten, da fragte der Weißenburger Oberbürgermeister Jürgen Schröppel den katholischen Dekan Konrad Bayerle und den evangelischen Pfarrer Gerd Schamberger, ob sie einverstanden wären, wenn er dem Schachverein den Wildbadsaal für das Turnier zur Verfügung stellen würde. Die beiden Kirchenmänner verweigerten jedoch ihre Zustimmung mit Verweis auf den Artikel 3 Absatz 2 des FTG und meinten, ein Schachturnier sei an einem Karfreitag „deplatziert“.“ Der ganze Artikel auf Heise,de http://www.heise.de/tp/news/Turnierverbot-am-Karfreitag-2008573.html

  • Jim Knopf sagt:

    Auf Druck der atheistischen Mehrheit sollte man dann einfach den staatlichen Schutz des Karfreitags abschaffen. Allerdings müsste die atheistische Mehrheit dann wohl arbeiten gehen und könnte nicht einfach Schach spielen.
    Aber wo ist in diesem Fall der angebliche Druck der Kirche? Eine religiöse Minderheit schreibt hier gar nichts vor. Der besondere Schutz stiller Feiertage ist nun eben einmal (bisher) (Bundesländer-)Gesetz. Punkt. Da wird kein Druck ausgeübt. Man kann das Gesetz verändern, weil sich unsere Gesellschaft vielleicht verändert und die kirchlichen Feiertage nicht mehr haben will. Aber dafür gibt es in unserem Staat geordnete Verfahren. Man sollte die Kirche also mal im Dorf lassen.
    Der hier vorgestellte Fall und das Verfahren des Ordnungsamtes mutet allerdings tatsächlich sehr merkwürdig an. Eine Schachveranstaltung muss nicht unterbunden werden.

  • Franz Jittenmeier sagt:

    Auf Facebook gab es folgende Kommentare:
    M. R.: Hahaha, und im nächsten Jahr stürmt in Karlsruhe eine Hundertschaft vom Ordnungsamt das GRENKE Chess Open… 😉
    S. S.: Der 1. April ist doch erst morgen!!
    F. S.: Inzwischen hat es sich wohl nicht nur im Schachbezirk Herne-Vest, sondern auch über die Grenzen hinaus wie ein Lauffeuer verbreitet: Der ,,Osterblitzskandal„ sorgte für ein großes Empören. Wie aus heiterem Himmel tauchten plötzlich Männer vom Ordnungsamt beim SV Unser Fritz auf und untersagten das Osterblitzturnier und drohten gar mit einem Bußgeld. Echt scheiße so eine Aktion! Kann man nicht auf diese Strafe verzichten, zumal ja noch keine einzige Runde gespielt worden war? Darüber hinaus ist es mehr als schockierend, dass das Ordnungsamt auch noch von einem anderen Schachverein offensichtlich denunziert wurde. Damit hätte ich niemals gerechnet, vor allem ist die gesamte Sache lächerlich, gleich aus einer Mücke einen Elefanten zu machen! In den Jahren zuvor haben so viele Schachvereine am Karfreitag ihr Osterblitzturnier veranstaltet, soll es in Zukunft also stets verboten werden? Wir spielen dies doch stets nur zu unserem Vergnügen, wir sind ja keine Profis. Das grenzt ja fast an ,,Eindringen in Privatsphäre!„ Wir spielen hier ja nicht um Geld, nicht mal eine Startgebühr wird verhängt. Sollte es laut Feiertagsgesetz tatsächlich verboten sein, Karfreitag jegliche sportliche Veranstaltung durchzuführen, so muss jeder Schachverein wohl tatsächlich künftige Turniere verschieben, aber gleich eine Strafe sollte dem Schachverein SV Unser Fritz erspart bleiben! Schach ist nunmal eine ruhige Sportart. Ist es daher zuküntig nicht mal gestattet, innerhalb der Familie beispielsweise ein Gesellschaftsspiel o. Ä. zu spielen oder beispielsweise gemeinsam fernzusehen? Dann würde ich mich in der Tat sehr schikaniert fühlen!
    M. K.: Ist vollkommen rechtens das dass Ordnungsamt einschreitet. Die Vereine, egal ob Schach oder Rugby können sich gern auf einen der anderen Tage am Osterwochenende verlegen. Ein Witz, das ein so langjähriger Verein das nicht weiß. In meinen Augen muss hier ein Bußgeld fällig werden was richtig weh tut.
    D. M.: Ernsthaft? Soll die Polizei auch nächste mal bei einem Mord zuschauen und danach erst verhaften? Es geht hier vielmehr um die Vorgehensweise des Ordnungsamtes. Wie beschrieben geht es um die Vorgehensweise des Ordnungsamtes, die bewusste gewartet haben bis eine Straftat begangen wurde…

  • Zur generellen „Bewertung“ dieses Falls teile ich die Meinung einiger Vorredner – für einige sind Ostern religiöse Feiertage, für andere ist es vor allem ein langes Wochenende, das man auch mit seinem Hobby, z.B. Schach, verbringen kann. Man stelle sich vor, das Ordnungsamt hätte beim Grenke Chess Open eingegriffen und u.a. Grossmeister am Karfreitag nach Hause bzw. zurück ins Hotel geschickt – „morgen dürft ihr wieder, statt neun werden eben sieben Runden gespielt“. Anders ist es eventuell, wenn ein Blitzturnier feucht-fröhlich mit jeder Menge Alkohol ist (soll es geben, gab es z.B. viele Jahre am 30.12. in Travemünde).

    Ist es eigentlich formal-juristisch haltbar? Das Gesetz verbietet „öffentliche“ Sportveranstaltungen am Karfreitag, aber das war doch ein vereinsinternes Turnier im Vereinsheim? Ist entscheidend, ob/wo es vorher angekündigt wurde und ob Gäste willkommen waren? Privat darf man sich ja auch am Karfreitag treffen und Schach spielen, ohne dass die Religionspolizei eingreift – jedenfalls in Deutschland, in einigen anderen Ländern vielleicht, am Karfreitag und überhaupt, nicht.

  • Bernfried Schultz sagt:

    Konsequenterweise sollte dann dieser Feiertag ganz abgeschafft und zu einem normalen Werktag umgewandelt werden.

  • Das lässt mich staunend zurück. Wir machen auch unser Osterblitzen seit Jahren am Karfreitag und lassen sogar schon ab 15 Uhr die Puppen tanzen. Noch dazu wird trotz strengem Fastengebot gegessen und getrunken, da soll mich doch der Blitz treffen.

  • Daniel sagt:

    Kaum zu fassen!
    Und Gratulation, Herr Jittenmeier, dass Sie danach noch ein paar sachliche Worte finden, statt gerechtem Zorn freien Lauf zu lassen. In der Tat sehr verwunderlich, dass in einem vermeintlich säkularen Staat der (nichtreligiösen) Mehrheit von einer (religiösen) Minderheit auch noch gesetzlich vorgeschrieben wird, wie sie gewisse Tage zu verbringen haben. In Stille und Andacht. In der Tat eine gute Gelegenheit sich mal zu überlegen, wie man diesen Mißstand, und um nichts anderes handelt es sich bei diesen stillen Feiertagen, abschaffen kann.

  • Jonn sagt:

    Ist das ein verfrühter Aprilscherz? Falls nicht: Bitte das nicht einfach so hinnehmen. Wer auch immer das im Ordnungsamt zu verantworten hat, sollte seine Position räumen.

  • Tim Reder sagt:

    Wirklich eine miese Sache.In Deutschland leben längs mehr Atheisten als Christen…mittlerweile eine Frechheit was die Ordnungsämter auf Druck der Kirche der Gesellschafft antun.Von den vielen Millionen aus dem Steuertopf die sich die Kirche jedes Jahr zukommen läßt mal ganz zu schweigen.Armes Deutschland!

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