Frauen-WM im Iran gefährdet ?

Kopftuchzwang bei der Frauen-WM im Iran

 

Nazi Paikidze-Barnes (Copyright Maria Emelianova)

Nazi Paikidze-Barnes (Copyright Maria Emelianova)

Der Iran hat sich zwar dem Westen ein wenig angenähert, doch die Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Die Religionspolizei gibt den Ton an. Besonders Frauen sind im Iran benachteiligt. Todesurteile und Steinigungen sind an der Tagesordnung.
Zwischen 1981 und 1988 war Schach im Iran verboten, weil man meinte, dass es ein Glückspiel sei, zumal in den Parks und im Geheimen um Geld gespielt wurde.  Ausgerechnet im Iran soll nun laut Fide, im Februar 2017, die Frauenweltmeisterschaft mit 64 Teilnehmerinnen ausgetragen werden. So wurde es beim Kongress in Baku (Aserbaidschan), anlässlich der Schacholympiade, beschlossen. Einwände wurden nicht erhoben. Der Beschluss wurde durchgewunken, zumal über 100 Tagesordnungspunkte zur Abstimmung standen.

 

Es regt sich Widerstand. Sollen doch die Frauen Koptücher tragen, wie alle Frauen im Iran die öffentlich auftreten. Die Kommission für Frauenschach im Weltverband hat die Teilnehmerinnen aufgefordert, sich den Sitten und Gebräuchen des Gastgeberlandes anzupassen. Seit 1979 müssen die Frauen im Iran Kopftücher tragen.


Mehrere Großmeisterinnen haben mit Boykott gedroht, wenn der Kopftuchzwang nicht aufgehoben wird. Sie sehen die Frauen im Iran diskriminiert und fordern darüber hinaus, dass kein Veranstalterland seine Teilnehmerinnen zwingen darf, ein Kopftuch zu tragen.

 

Grand-Prix-Serie im Iran Februar 2016: GM Natalia Zhukova (Ukraine) sagte gegenüber GM Emil Sutovsky, dass es ihr und vielen Spielerinnen unangenehm war ein Kopftuch zu tragen und auch beim Spiel erheblich stört.

 

Die amerikanische Meisterin Nazi Paikidze-Barnes sagte der britischen Zeitung The Daily Telegraph: „Natürlich respektiere ich die Kultur des Iran. Wenn ich aber Auflagen dort nicht erfülle, kann ich sofort inhaftiert werden.“

 

Grand-Prix-Serie im IranFebruar 2016: Sarasadat Khademalsharieh (Iran)–Natalia Zhukova (Ukraine)

 

9 thoughts on “Frauen-WM im Iran gefährdet ?

  1. „3. Was die Funktionäre inzwischen wohl vergessen haben: beim Schachsport ist der Kopf der wichtigste Körperteil. Eine Frau, die ihr Leben lang kein Kopftuch getragen hat und dies zum erstenmal und zwangsweise tun muss, kann in ihrer Konzentration ernsthaft beeinträchtigt werden.“

    Hans-Peter Sieber, von allem anderen mal abgesehen, ist das ein bedeutender Beitrag, wenn es nur, und nur ums Schach geht!

  2. „Unsere“ deutsche Spitzen-Frau in Sachen Schach hat ja offensichtlich nicht viel dagegen mit Kopftuch zu spielen. Bei Ihr steht wohl ihr eigenes Interesse vor den Gräueltaten eines steinzeitlichen Regimes. Eine merkwürdige Wertevorstellung, wenn der Frauen-WM-Titel als Schurken-Titel 2017 bezeichnet werden kann.

    Iran, was für eine widerliche Staatsform!
    Wer den Islam, hier speziell den Iran, unterstützt, egal wie oder nur duldet, hat eine Mitschuld an den Menschenrechtsverletzungen. Unfassbar, gerade auch von Schach-Frauen und dann noch bei der Frauen-Schach-WM erfährt der Iran diese Gutheißung.
    Der (radikale) Islam, es mag ja eine gemäßigtere Form geben, aber dann wäre es nicht mehr der Islam, ist eine im Kern verfaulte Staatsform ohne erkennbare menschliche Züge, die nur die Unterdrückung und Ermordung anders denkender als Ziel hat.
    Wie der Islam entstanden ist und wieso die islamische Ideologie mehrfach anders interpretiert werden kann, interessiert in dem Zusammenhang nicht, was aber interessiert, ist, dass sich der Islam nicht weiter entwickelt hat und wenigstens die natürlichen Menschenrechte anerkennt, nämlich weitest gehende Freiheit und das menschliche Leben an sich.
    Die islamische Ideologie erscheint völlig intolerant, fordert aber Toleranz von anderen, eine völlig absurde Forderung, die nur ein uneiniger, sogar zerstrittener und unterwanderter Westen hinnehmen kann.
    Wie ist es denn überhaupt möglich, das diejenigen, die sich vermeintlich vom Islam gelöst haben, hier im Westen trotzdem noch vermummt leben können? Das schreit gerade zu nach einer Unterwanderung und Teilung des Westens mit Hilfe Terroristen und teuflisch radikaler Islamistinnen.
    Daher, NEIN ZUR VERMUMMUNG UND NEIN ZU DISKRIMINIERENDEN ZWÄNGEN, ÜBERALL !

    Man muss sich nur einmal die Informationen des auswärtigen Amtes
    http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/Nodes/IranSicherheit_node.html

    oder den Amnesty Report 2016 Iran durchlesen zu:
    • Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit
    • Folter und andere Misshandlungen
    • Grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafen
    • Unfaire Gerichtsverfahren
    • Religionsfreiheit
    • Diskriminierung von ethnischen Minderheiten
    • Diskriminierung von Frauen
    • Todesstrafe
    • Amnesty International: Berichte

    https://www.amnesty.de/jahresbericht/2016/iran

  3. Im Grunde stellen sich (mindestens) drei Fragen. Ich stelle sie, nenne mögliche Antworten, gebe dann meine und kommentiere das. Letztendlich ist es aber Sache der (potentiellen) Teilnehmerinnen, von denen sich meines Wissens nur zwei namentlich-öffentlich geäussert haben – Nazi Paikidze, die nicht spielen wird und Elisabeth Paehtz, die trotz gewisser Bedenken spielen wird.

    1) Ist der Iran ein guter, oder jedenfalls akzeptabler Ausrichter der Frauen-WM? Ja/Ja mangels Alternativen/Nein

    2) Ist es nachvollziehbar, wenn einzelne Teilnehmerinnen auf dieses Turnier an diesem Ort verzichten? Ja/Nein

    3) Sollten andere – viele bis alle – dann die Veranstaltung ebenfalls boykottieren? Ja/das muss jede für sich selbst entscheiden/Nein

    Zu 1) Ich sage „Ja mangels Alternativen“ (und eher ‚akzeptabel‘ als ‚gut‘). Alternative wäre gar keine Frauen-WM oder allenfalls eine „anderswo“ zu deutlich schlechteren finanziellen Bedingungen – vielleicht Preisgelder, die nach männlichen Masstäben zu den Elozahlen der Frauen passen würden.

    Zu 2) Ich sage „Ja“ – wie zuvor gesagt, auch ich habe gemischte Gefühle bei der WM im Iran.

    Zu 3) Ich sage „das muss jede für sich selbst entscheiden“. Wer keine fundamentalen Probleme mit Kopftuch hat – sondern nur etwa vergleichbar mit Männern, die ungern Krawatte tragen aber das in bestimmten Situationen dennoch tun – sollte nicht zu „Solidarität“ mit anderen gezwungen werden.

    Be.me (wer auch immer sich dahinter verbirgt) sieht das komplett anders, sagt Nein, Ja und Ja und verurteilt dabei neben FIDE und Iran auch alle, die an der WM im Iran teilnehmen werden. Letzteres würde ich – auch wenn ich seine Meinung sonst komplett teilen würde – nicht tun.

  4. pfui pfui pfui? pfui pfui pfui ist es, Frauenrechte mit Füßen zu treten und das auch noch unter den Augen eines SPORTverbandes. Die Damen, die teilnehmen, verhalten sich in meinen Augen auch eher unsportlich als sportlich. Auf Kosten von Menschenrechten Titel erhaschen zu wollen zeugt nicht gerade von sportlichem Verhalten. Ich könnte zu dem Thema Romane schreiben und dann ist es mir auch wieder viel zu blöd, überhaupt noch mehr dazu zu schreiben. Ich finde es einfach so selbsterklärend, dass ich gar nicht weiß, wo ich überhaupt anfangen sollte. Vielleicht meldet sich für die nächste WM mal eine terroristische Vereinigung als Ausrichter – ob für Männer oder Frauen ist mir egal – mal gucken, ob die Verbände dann auch keine Möglichkeit sehen, das Angebot abzulehnen…. Ja, wie man sieht, kann ich die Entscheidung gar nicht ernst nehmen. Welche Frau kann stolz auf einen Weltmeistertitel sein, für den sie die Unterdrückung ihres Geschlechts in Kauf genommen hat?!

  5. Vorab: Ich habe bei der Frauen-WM im Iran auch gemischte Gefühle, aber ganz so einfach wie im Artikel (Meinungsunterschiede im Schachticker-Team gehören dazu) und in den Kommentaren – pfui, pfui und nochmals pfui – ist es nicht. Es gibt offenbar diesen Ausrichter oder keinen, und der iranische Schachverband kann, selbst wenn er es will oder wollte, die Kopftuchpflicht nicht aufheben. Elisabeth Paehtz bei Emil Sutovsky auf Facebook, dort nennt sie sich „Lieschen“: „well honestly, if u give the choice to the top ladies to have the event in Iran or to have 0 event, what would you think will happen?! I bet most of us will go to Iran at the end of the story. The sad point is that the Iranian federation tries their upmost to basically „safe“ the event by hosting it, and the general world wide reaction creates a scandal out of it.“ Sutovsky bezeichnete das als „DDR-Mentalität“ und hat sich dabei, so sehe ich es, zumindest im Ton vergriffen.

    Im Fall des Falles könnte man einen genauso kritisch-provokativen Artikel schreiben „Frauen-WM gefährdet, da FIDE den einzig vorhandenen Ausrichter ablehnt“ … .

    Ich habe die Diskussion auch international verfolgt, alles erwähnen wäre ein eigener Artikel, viel länger als der oben von Franz Jittenmeier. Zwei Punkte dort sind zumindest nicht belegt: „Mehrere Großmeisterinnen haben mit Boykott gedroht“ – bisher hat meines Wissens nur Nazi Paikidze nicht nur gedroht, sondern sich festgelegt. Ansonsten haben sich nur Spielerinnen (eine aus Ecuador, eine aus Albanien) geäussert, die für die WM ohnehin nicht qualifiziert sind. „GM Natalia Zhukova (Ukraine) sagte gegenüber GM Emil Sutovsky, dass es ihr und vielen Spielerinnen (?) unangenehm war ein Kopftuch zu tragen und auch beim Spiel erheblich stört.“ Ich hatte dieses Facebook-Zitat im Original gesehen, auch wenn ich es nun nicht mehr finde. Ja, Zhukova empfand das Kopftuch als störend (einige Männer empfinden Anzug in bestimmten beruflichen Situationen/Rollen vielleicht auch als störend, viel schlimmer war es vielleicht nicht). Aber meines Wissens behauptete sie nicht, für ‚viele‘ andere Spielerinnen zu sprechen und hat jedenfalls keine anderen Namen genannt.

  6. Was für ein Unsinn?
    1. Eine WM in ein Land mit starker Diskriminierung von Frauen zu vergeben, wovon das Kopftuch nur ein Punkt ist. Außerdem verstößt das gegen die Statuten des Schachverbandes, die Diskriminierung untersagen.
    2. Die kulturellen Differenzen tolerieren: es wird ja sicher keine westliche Spielerin etwas dagegen haben, dass ihre iranische Gegnerin ein Kopftuch trägt, sofern diese das aus eigenem Willen tut. Empfindet diese das aber als staatliche Zwangsmaßnahme, sähe das schon wieder anders aus.
    3. Was die Funktionäre inzwischen wohl vergessen haben: beim Schachsport ist der Kopf der wichtigste Körperteil. Eine Frau, die ihr Leben lang kein Kopftuch getragen hat und dies zum erstenmal und zwangsweise tun muss, kann in ihrer Konzentration ernsthaft beeinträchtigt werden.

  7. Die Kommission für Frauenschach im Weltverband sollte allein für die hier genannte Aussage boykottiert werden. Sie fordert die Spielerinnen auf, die Unterdrückung der Frau mindestens zu respektieren, wenn nicht sogar zu unterstützen. Eine Kommission für Frauenschach hat aber u. a. wohl eher die Aufgabe, Frauen zu fördern. Wie sie sich aktuell verhält, verliert sie in meinen Augen ihre Existenzberechtigung.

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