Elisabeth Pähtz tritt bei Weltmeisterschaft im Iran an

Schach-Großmeisterin Elisabeth Pähtz spricht im Interview mit Sportredakteur Axel Eger über die umstrittene Weltmeisterschaft im Iran im kommenden Jahr – Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Axel Eger

 

Elisabeth Paehtz-by Kublashvili

Elisabeth Paehtz-by Kublashvili

Die an den Iran für Februar 2017 vergebene Schach-WM erhitzt die Gemüter. Einige Spielerinnen planen aus Protest gegen die dortige Unterdrückung der Frauen mit dem Boykott. Sie auch?

 

Nein. Sicher ist der Iran aufgrund seiner strengen Gesetze nicht der ideale Ort. Aber es gab leider keinen anderen Ausrichter, der bereit war, eine Frauen-WM zu finanzieren. Also werde ich mit Kopftuch dort spielen.

 

Die Amerikanerin Nazi Paikidze hat bereits öffentlichkeitswirksam ihren Verzicht erklärt. Können Sie ihre Argumente nachvollziehen?

 

Es ist jedem selbst überlassen, ob er mitspielt oder nicht. Man muss aber auch sehen, wer sie ist. Wenn die 98. der Weltrangliste auf ihren WM-Start verzichtet, relativiert das einiges. Wie hätte sie sich entschieden, wenn sie die Chance auf eine Medaille hätte? Von den Top-Spielerinnen habe ich das nicht gehört. Die werden alle dabei sein.

 

Schon vor zwei Jahren in Sotschi gab es Terminprobleme. Was macht es so schwer, einen Ausrichter zu finden?
Das ist eine gute Frage an die, deren Aufgabe es ist, sich darum zu kümmern: die Verantwortlichen beim Weltverband. Welchen Stellenwert haben eigentlich die Frauen, wenn sich niemand als Ausrichter findet. Deshalb: Wenn Sie die Spielerinnen fragen, sagen die meisten: lieber eine WM hier als keine WM.

 

Nach langem Verbot unter Khomeini boomt das königliche Spiel im Iran. Eine WM könnte den Trend verstärken?
Auf jeden Fall. Es hat sich einiges getan. Inzwischen hat der Iran starke Spielerinnen mit Elo-Zahlen über 2400, also internationale Meisterstärke. Und dahinter warten unheimlich viele Talente.

 

Wie kann das aber in einer Gesellschaft funktionieren, in der Frauen kaum Rechte haben?
Weil der Fortschritt nicht aufzuhalten ist! Ich erinnere mich an meine erste Olympiade 1998 in Elista. Damals war die Kleiderordnung für die Iranerinnen noch viel strenger. Eine junge Spielerin war völlig unglücklich, weil während des Spiels immer wieder eine Haarsträhne unter ihrem Schleier hervorkam. In weiteren zehn, zwanzig Jahren wird sich vieles normalisiert haben. Immerhin, das sollte man nicht vergessen, gibt der Iran für die WM einen beträchtlichen Betrag aus – für Frauen.

 

Teheran wird Ihre siebente WM. Mit welchem Ziel?

 

Soweit kommen wie möglich. Mein bisher bestes Ergebnis war das Achtelfinale, gleich bei meinem ersten Start 2001. Damals war ich 16 – und viel unbeschwerter als heute.

 

Quelle: Thüringer Allgemeine

5 thoughts on “Elisabeth Pähtz tritt bei Weltmeisterschaft im Iran an

  1. Klar! Wenn man nur Schach im Kopf hat, spielt mal auch in einem Land Schach, in welchem Frauen für Nichtigkeiten gesteinigt werden. Eventuell sollte man demnächst Syrien als Ausrichter in betracht ziehen. Assad ist bestimmt spendabel und kann gute Werbung brauchen.

  2. Elisabeth Paehtz bringt es auf den Punkt: „Immerhin, das sollte man nicht vergessen, gibt der Iran für die WM einen beträchtlichen Betrag aus – für Frauen.“ Andere sind offenbar nicht bereit, Preisgeld zu spendieren das „nach männlichen Masstäben“ nicht zu den Elozahlen passt.
    Im Iran „boomt“ das Frauenschach, da sie „starke Spielerinnen mit Elo-Zahlen über 2400“ haben (Mehrzahl leicht übertrieben: Khademalsharieh hat 2438, Derakshani hat 2384 und hatte mal knapp über 2400). Bei den Männern hat die Nummer 92 der Weltrangliste Jordanien etwa dasselbe Eloniveau – als Schachland zuletzt nur registriert, da Deutschland bei der Olympiade so erfolglos spielte dass Jordanien beinahe den ukrainischen Tiebreak beeinflusst hätte.
    Der Eloschnitt der zehn besten Damen (ohne Hou Yifan da sie – und das war bekannt – bei der WM nicht mitspielen wird) ist 2541 – wieviel Preisgeld gibt es bei den vergleichbar besetzten „offenen“ (also Männer-)Landesmeisterschaften von Kanada und Dänemark?

  3. Meine „Omma“ trug früher ja auch ein Kopftuch 😀
    Aber im Ernst. Grundsätzlich ist es schon beschämend, dass sich kein anderes Land als Ausrichter für die Frauen-WM gefunden hat. Mir scheint, dass da gerade bei den Frauen Defizite im Marketing des Produkts „Schach“ vorhanden sind. Im Übrigen sind die Spielerinnen keine politischen Demonstrantinnen gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran, sondern sie wollen einfach nur Schach spielen und haben ein sportliches Ziel bei diesem Jahres-Highlight. Wahrscheinlich sieht Eli auch im chicen Kopftuch putzig aus.

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