Wir sind DA, in der 1. Frauenbundesliga!

Gelingt es einem Mädchenteam tatsächlich in der 1. FBL zu bestehen? – Ein Beitrag von Eberhard Schabel

 

Ergebnisdienst

Es ist tatsächlich wahr und man merkte in den Wochen davor und am Tag des Ligastarts den Stolz unserer Mädchen und unserer Vereinsverantwortlichen, auf das bisher vollbrachte förmlich an. Willkommen TuRa Harksheide in der Belletage des Frauenschachs. Gemeinhin wird die 1. FBL auch als die stärkste Frauenschach- Liga der Welt bezeichnet und wir schauen uns von nun an nicht mehr im Ergebnisdienst nur die Resultate der 12 Teams der 1. FBL an, sondern sind mitten drin in der „Verlosung“.

 

Für unsere Premiere hatten wir uns 2 Dinge fest vorgenommen. Zum Einem wollten wir als Gastgeber eine positive Visitenkarte abgeben, was auch aus unserer und der Sicht unserer Gäste sehr gut gelang und zum Anderem hatten wir es uns vorgenommen die beiden ersten Vereinsteams zu ärgern. Das es sich dabei um 2 Spitzenteams handelte, sollte uns daran nicht hindern.

 

Die Auslosung ergab, dass wir am 22.10. gegen den aktuellen deutschen VIZE- Meister spielen würden und am darauffolgenden Tag wartete das Frauenteam des SF Deizisau (Tabellensechste der Vorsaison).
Als Spiellokal konnten wir, trotz Ferien in unserem Bundesland, die MENSA des Gymnasium Coppernicus gewinnen. Der Vorteil war, dass wir bereits am Freitag in Ruhe mit dem Aufbau beginnen konnten. Zudem konnten wir alle benötigten Bretter, Uhren und Kabel für die Livebretter schon mal vor Ort lagern. Ein Nachteil war jedoch, dass die Einrichtung nur begrenzt betreut wurde und so mussten wir in mancherlei Hinsicht improvisieren, was jedoch unsere Gäste nicht so mitbekamen.

 

Vor Ort am 22.10.2016 ließen es sich mehrere Medien, darunter auch ein regionaler TV- Sender, nicht nehmen zusammen mit vielen Zuschauern, unter denen sich auch die Vorsitzende des Gesamtvereins TuRa, Frau Mordhorst und ein Beisitzer (Herr Wojtkowiak) befanden. Es galt ja auch für unseren Verein und für Norderstedt etwas ganz besonderes zu erleben, der erstmalige Auftritt eines/unseres Mädchenteams in der 1. Bundesliga.

 

Gekommen waren der SK Schwäbisch Hall, die SF Deizisau und unsere sympathischen Reisepartnerinnen des Hamburger SK mit ihrem MF Andi Albers. Mitgebracht hatten sie unter anderem mehrere Titelträgerinnen und Nationalspielerinnen aus dem In- und- Ausland, so 1x Groß Meister, 5x Internationaler Meister, 5x Weibliche GM und 5x Weibliche IM.

 

TuRa Harksheide 0 : 6 SK Schwäbisch Hall
1  WFM Endress, Anna (2112) 0 : 1 (2408) IM Atalik, Ekaterina 4
3  WIM Sherif, Amina (2028) 0 : 1 (2414) IM Daulyte, Deimante 5
5  Wächter, Nathalie (2000) 0 : 1 (2416) IM Milliet, Sophie 7
6  Polert, Annika (1976) 0 : 1 (2329) WGM Vojinovic, Jovana 11
7  Rosmait, Emily (1897) 0 : 1 (2270) WGM Ambartsumova, Karina 12
8  Köhler, Inken (1973) 0 : 1 (2135) Mütsch, Annmarie 14

 

Das war also unser erster Auftritt auf der Bühne der stärksten Frauenschach- Liga der Welt. Schaut man auf das Ergebnis, dann ist das 0:6 schon ernüchtern, aber HEY wir haben gegen den Deutschen VIZE der letzten Spielszeit gespielt und zumindest bis zur Zeitnotphase waren auch Spielerinnen des SK Schwäbisch Hall ein wenig in Not.
Begonnen hat alles jedoch mit einer schönen Begrüßung durch unseren TuRa SCHACH Chef und zugleich Mannschaftsführer und einigen Worten des Schiris Jens Wolter, der auch schon bei unserem letzten 2.- Liga WE die Wettkämpfe leitete. Mit Frank hatten wir einen Cateringfachmann gefunden und bevor die ersten Züge absolviert wurden, kamen die Presse und das Fernsehen zu ihrem Recht. Natürlich ist Öffentlichkeitsarbeit wichtig und wenn in einem Team der 1. FBL 3 Mädchen spielen, die auch in Norderstedt wohnen und zur Schule gegangen sind bzw noch gehen, dann helfen uns Berichte natürlich auch bei unserem Mädchenschachprojekt der 2. Generation. Gefreut haben wir uns über wirklich viele Fans aus unserer Stadt und aus Hamburg (zur Unterstützung des HSK). Ganz besonders gefreut haben wir uns über den Besuch unseres „Edelfans“ Henning Geibel aus Bargteheide. Noch bevor er sich auf den Weg nach Bad Wießsee machte, schaute er bei uns herein und natürlich wünschen wir ihm für seinen Turnierauftritt in Bayern VIELE PUNKTE!

 

Schwäbisch Hall musste auf einige Spitzenspielerinnen verzichten, was man dem Sextett jedoch nicht anmerkte, da sie immer noch haushoher Favorit waren. Dennoch passierte auf den Brettern ca 2 Stunden nicht viel was uns Sorgen hätte machen müssen. Im Gegenteil, an 4 und an 6 hatten sich Annika und Inken gute Partiestellungen erspielen können. Man merkte den Mädchen an, dass sie nicht kampflos den Hallerinnen die Punkte überlassen wollten. Vielleicht lag es auch mit daran, dass die Partien Live übertragen wurden und man sich natürlich nicht blamieren wollte. Je näher jedoch die Zeitkontrolle rückte um so mehr merkte man dann jedoch auch den Klassenunterschied. Und innerhalb von 5 Minuten war der Wettkampf nach ca 3,5 Stunden gegen unser Team entschieden.

 

Morgen spielen wir nun gegen Deizisau, die heute in einem wirklich sehr spannenden und hochklassigen Match gegen unsere Reisepartner (Hamburger SK) mit 2,5:3,5 nach 5,5 Stunden verloren. Den entscheidenden Punkt konnte dabei die Neu- Hamburgerin Elisabeth Phätz erobern.

 

So sahen unsere Gegnerinnen das Match

 

SF Deizisau : TuRa Harksheide
1  WIM Naiditsch, Yuliya (2435) 1 : 0 (2112) WFM Endress, Anna 1
3  WGM Schleining, Zoya (2310) ½ : ½ (2003) Brandt, Carina 2
4  WGM Levushkina, Elena (2319) 0 : 1 (2028) WIM Sherif, Amina 3
5  Klek, Hanna Marie (2303) 1 : 0 (2000) Wächter, Nathalie 5
11  WIM Jelica, Mara (2118) 1 : 0 (1897) Rosmait, Emily 7
12  WIM Lauterbach, Ingrid (2053) 1 : 0 (1973) Köhler, Inken 8

 

Deizisau entkam ganz knapp den „Krallen“ unserer Mädchengang 😉

 

Spiel 2 unserer Bundesligazeit und unsere Gegner waren die Frauen und jungen Damen der Schachfreunde Deizisau. Auch diesmal wurden die Partien LIVE übertragen und so konnten die ca 170 Interessierten sehen, dass unser Team dem ersten Punktgewinn gaaaanz nahe war.

 

Anstelle von Annika P. spielte heute Carina und sie war es auch, die nach ca 2,5 Stunden für eine erste Überraschung sorgte.  Gegen die jahrelange Nationalspielerin Deutschlands gelang ihr ein Remis in etwas besserer, aber auch unklaren Partiesituation. „Das war für mich die bisher die/der stärkste GegnerIn überhaupt.“ freute sich unsere Hamburgerin zu Recht. Auf den anderen Brettern sah es unterschiedlich gut oder nicht so gut aus. Anna hatte viel Initiative, dafür aber einen Bauern weniger. Amina stand schon sehr gut, Nathalie verlor im Mittelspiel einen Bauern und „rührte Beton“ an, Emily hatte sich gut aufgebaut und drohte auf die Königsstellung und Inken spielte etwas ungenau, was ihr einen Doppelbauer in der Königsstellung einbrachte.

 

Nachspielen kann man die Partien hier

 

Leider verzettelte sich Emily und lief in eine taktische Falle. Nathalie spielte sehr geschickt gegen Hanna, investierte dafür jedoch auch viel an Zeit, die dann im entscheidenden Moment fehlte. Ein Blackout ihrer Gegnerin konnte sie so nicht zum wahrscheinlich möglichen Sieg nutzen. Allerdings auch wenn sie es ausgenutzt hätte, wäre da noch die Zeitnot bei noch 9 Spielzügen bis zur Zeitkontrolle geblieben und ich weiß nicht ….
Bei Anna entwickelte sich die Partie leider nicht in unserem Sinne und irgendwann ging halt nix mehr. Amina dagegen hatte mittlerweile eine „fette“ Stellung gegen die WGM erspielt und brachte diese dann auch zu unserem ersten vollen Punkt. Blieb noch Inken, die ein Remis- Turmendspiel auf dem Brett hatte. So um den 60. Zug herum verlor sie leider die Linie und verlor.

 

Fazit beider Runden: Gegen den SK Schwäbisch Hall merkte man unseren jungen Spielerinnen noch den Respekt vor den Gegnerinnen an und sie waren bemüht keine groben Fehler zu fabrizieren. Ergebnis waren ordentliche Partiestellungen bei nur noch wenig Bedenkzeit. Gegen SF Deizisau wurde die Scheu schon etwas abgelegt und dies sah man im positiven Sinne dann auch bei den Partien. Unser Trainer Wolfgang Krüger und auch ich waren durchaus zufrieden und zusammen mit unseren Mädels werden wir nun die kommeden Aufgaben angehen. Im Januar geht es nach Bad Königshofen, wo uns erneut 2 schwere Brocken erwarten. Anfang März spielen wir dann gegen den Deutschen Meister aus Baden Baden in Hamburg und gegen Karlsruhe.

 

Ab Ende März 2017 kommen dann die wirklich wichtigen Spiele der Saison, wo es für uns gegen Augsburg, Bayern München, Lehrte und Erfurt um die Punkte zum Ligaerhalt geht.
Der genaue Spielplan auf www.sh-weiblich.de