Treff der Nationalspielerinnen in Harksheide

Schwäbisch-Hall in der 1. Frauenbundesliga mit zwei Siegen spielt vorne mit – Ein Beitrag von Dr. Thomas Marschner

 

Am Wochenende nahm eine Woche nach der Schachbundesliga auch

Am Samstag war das lokale Fernsehen zu Gast, rechts Anna Endress-Ekaterina Atalik

Am Samstag war das lokale Fernsehen zu Gast, rechts Anna Endress-Ekaterina Atalik

die Frauenbundesliga den Spielbetrieb auf. Dabei kam es in Harksheide zu den ersten beiden Gipfeltreffen der neuen Saison: Hamburg trat auf die starken süddeutschen Mannschaften aus Schwäbisch Hall und Deizisau. Gewinner des Spieltags war Schwäbisch Hall mit zwei Siegen, insbesondere das 3,5-2,5 gegen Hamburg war schon ein Big-Point in Richtung Siegertreppchen. Im Abstiegskampf konnte sich Karlsruhe mit zwei 4-2-Siegen gegen Augsburg und Bayern München schon so gut wie aller Sorgen entledigen. In den restlichen Begegnungen gab es Favoritensiege.
Hier die Zusammenfassung für die einzelnen Spielorte mit Konzentration auf Harksheide, da ich dort vor Ort war. Alle Ergebnisse gibt es auf den Seiten des NSV: http://nsv-online.de/ligen/fbl-1617/

 

Spielort Harksheide

 

Für Harksheide war es der erste Auftritt in der Bundesliga. Die Bedingungen waren erstligareif: geräumiges Spielareal, Liveübertragung der Partien (dafür hatte der Reisepartner aus Hamburg gesorgt), und sogar das lokale Fernsehen war am Samstag zu Gast.

 

Aktuelle und ehemalige deutsche Nationalspielerinnen waren reihenweise am Start: für Hamburg Elisabeth Pähtz und Sarah Hoolt, für Deizisau Zoya Schleining und Elena Levushkina. Dazu internationale Klasse, unter anderem die französische Meisterin Sophie Milliet und die polnische Topgroßmeisterin Monika Socko, am Sonntag auch die georgische Teamweltmeisterin Lela Javakhishvili.

Annmarie Mütsch gewann zum Bundesligaeinstand gegen Inken Köhler

Annmarie Mütsch gewann zum Bundesligaeinstand gegen Inken Köhler

Gegen Harksheide war der Vizemeister aus Schwäbisch Hall klar favorisiert. Die jungen Gegnerinnen wehrten sich aber von Anfang an verbissen, und bis in die 3. Stunde war kaum Vorteil für die favorisierte Mannschaft des deutschen Vizemeisters zu erkennen. Dann ging es aber Schlag auf Schlag: innerhalb von 5 Minuten entschied sich in der Zeitnotphase um den 40. Zug eine Partie nach der anderen, so dass schon um 18:00 der Endstand von 6-0 feststand. Bemerkenswert der Bundesligaeinstand von Jungtalent Annmarie Mütsch, die gegen ihre ein Jahr ältere Gegnerin Inken Köhler in unklarer Stellung Remis ausschlug und ein hohes Risiko einging, das am Ende mit einem Schwarzsieg belohnt wurde.
Im Parallelspiel war es wesentlich spannender. Hamburg schlug Deizisau knapp mit 3,5-2,5, aber der Sieg hätte auch höher ausfallen können oder müssen. Für das Endergebnis sorgte Elisabeth Pähtz, die gegen Yuliya Naiditsch ein Springerendspiel mit Mehrbauer nach 5 Stunden gewinnen konnte.

 

Elisabeth Pähtz sorgte für den Hamburger Sieg gegen Deizisau

Elisabeth Pähtz sorgte für den Hamburger Sieg gegen Deizisau

Davor hatten die Hamburgerinnen aber schon reihenweise Chancen liegengelassen: Sarah Hoolt stellte in leicht schlechterer Stellung gegen Elena Levushkina eine Figur ein, Diana Baciu überzog ihre Gewinnstellung in Zeitnot und verlor gegen Hanna Marie Klek, die sich dieses Wochenende über fehlendes Glück nicht beklagen konnte, siehe unten. Stefanie Scaramoglu gab in klar besserer Stellung Dauerschach, auch das der Zeitnot geschuldet. Zum Glück für Hamburg behielten Monika Socko und Alina Zahn – letztere bei ihrem Hamburger Debüt – die Nerven und gewannen.

 

Deutsches Duell: Sarah Hoolt – Elena Levushkina

Deutsches Duell: Sarah Hoolt – Elena Levushkina

Am Sonntag gab es dann das erwartet knappe Spiel zwischen Schwäbisch Hall und Hamburg.
Schwäbisch Hall überraschte Hamburg mit dem Einsatz von Neuzugang Lela Javakhishvili an Brett 1, Hamburg ersetzte die gestern siegreiche Alina Zahn durch die etwa gleichwertige Anja Hegeler. Damit konnte die komplette Vorbereitung der Hamburgerinnen ausgehebelt werden, da alle Spielerinnen ein Brett nach hinten rutschten.

 

Mannschaftsfoto SK Schwäbisch Hall, von links: Annmarie Mütsch, Sophie Milliet, Ekaterina Atalik, Karina Ambartsumova, Deimante Daulytem Lela Javakhishvili, Jovana Rapport

Mannschaftsfoto SK Schwäbisch Hall, von links: Annmarie Mütsch, Sophie Milliet, Ekaterina Atalik, Karina Ambartsumova, Deimante Daulytem Lela Javakhishvili, Jovana Rapport

 

Lela Javakhishvili spielte das erste Mal in der Bundesliga

Lela Javakhishvili spielte das erste Mal in der Bundesliga

 

Die Partien ließen sich ausgeglichen an, und lange konnte keine Tendenz für den ein oder anderen Ausgang festgestellt werden. Als erstes endete die Partie zwischen Elisabeth Pähtz und Lela Javakhishvili mit remis, Lela hatte mit Schwarz schnell ausgeglichen und konnte später die Dame gegen Turm und Springer gewinnen, zum Gewinn reichte das aber nicht.
Dann brachte Deimante Daulyte Schwäbisch Hall mit ihrem zweiten Schwarzsieg am Wochenende in Führung. Sie schlug mit Sarah Hoolt eine weitere für Hamburg spielende deutsche Nationalspielerin.

 


Deimante Daulytes Sieg gegen Sarah Hoolt hatte vorentscheidende Bedeutung

 

Es folgte ein Remis von Sophie Milliet nach einer ziemlich wilden Partie gegen Diana Baciu, Sophie war mit ihrem Spiel gar nicht zufrieden, laut eigener Aussage verlor sie nach der Eröffnung etwas den Faden. Beide Spielerinnen ließen bessere Chancen aus, das Remis am Ende war aber für beide verdient.
Zu diesem Zeitpunkt konnte man den Haller Sieg schon absehen. Jovana Rapport (heute zeigte das Schild neben ihren Brett auch den richtigen Namen) verwaltete einen Mehrbauern gegen Anja Hegeler, und Karina Ambartsumova versuchte noch eine Zeitlang, das völlig blockierte Läufer-Springer-Endspiel gegen Stefanie Scoglamiglio zu gewinnen. Nur Ekaterina Atalik stand schlechter, sie hatte im Mittelspiel gegen Monika Socko eine etwas zu scharfe Abwicklung gewählt und einen Bauern geopfert. Monika Socko verwertete den Materialvorteil am Ende im Turmendspiel. Zu dem Zeitpunkt hatte Rapport aber schon für die Entscheidung gesorgt.
Damit hat Schwäbisch Hall den ersten dicken Brocken aus dem Weg geräumt und kann optimistisch dem Spitzenspiel gegen den deutschen Meister Baden Baden im Januar entgegensehen.

 


Amina Sherifs Sieg gegen Elena Levushkina bedeutete gleichzeitig den ersten vollen Bundesligapunkt für Harksheide

 

Im Parallelspiel holte Harksheide gegen Deizisau die ersten Brettpunkte, und es wäre sogar mehr dringewesen als ein 1,5-4,5, hätte Nathalie Wächter den Bock von Hanna Marie Klek in Zeitnot ausgenutzt, als sie eine Kombination mit Turmgewinn erlaubte, die ihre Gegnerin aber nicht fand. Jedoch sind das Remis von Carina Brand gegen Zoya Schleining und vor allem der überzeugende Sieg von Amira Sherif gegen Elena Levushkina aller Ehre wert und zeigen, dass der sympathische Aufsteiger sich nicht kampflos den Bundesliga-Gegnerinnen ergeben wird.

 

Hier noch der Link zu den Partien:
Samstag: http://www.hsk1830.de/pages/uebertragung/fbl/2016-2017/Runde1/tfd.htm
Sonntag: http://www.hsk1830.de/pages/uebertragung/fbl/2016-2017/Runde2/tfd.htm

 

Spielort Baden Baden (Foto: Thilo Gubler)

 

 

Auch aus Baden Baden gab es Livepartien sowie den schon gewohnten Liveblog von Kapitän Thilo Gubler (http://gubler-chessblog.blogspot.de/ ). Baden Baden gewann mit seiner B-Mannschaft zweimal souverän gegen die Aufsteiger aus München und Augsburg. Nur die letztjährige Topscorerin Iamze Tammert rettete gerade noch ein Remis gegen ihre Augsburger Gegnerin. Gegen Bayern München gab es dann ein 5-1.

 

Spannender war es parallel zwischen Karlsruhe und den beiden Aufsteigern, die Karlsruherinnen landeten zwei ganz wichtige 4-2-Siege, die schon einen Riesenschritt zum Klassenerhalt bedeuten.

 

Spielort Lehrte

 

Hier war die Favoritenrolle eindeutig verteilt, und die Gäste aus Rodewisch und Bad Königshofen ließen auch gegen Erfurt und Lehrte nichts anbrennen und gewannen glatt, wenn auch nicht in Bestbesetzung. Bemerkenswert der erneute Sieg von Fiona Sieber gegen Alexandra Obolentseva, schon bei der U16-EM hatte sie gegen die Russin gewonnen, die auch am Sonntag eine überraschende Niederlage gegen das Erfurter Spitzenbrett Natasa Richterova einstecken musste.

 

In der Tabelle liegen nach 2 Spieltagen Baden Baden, Rodewisch, Bad Königshofen, Schwäbisch Hall und Karlsruhe mit 4-0 Punkten vorne, am Tabellenende stehen die Aufsteiger sowie Lehrte, die ihre Punkte in den direkten Begegnungen machen müssen.

 

Der nächste Spieltag ist erst im Januar 2017 mit dem Höhepunkt Schwäbisch Hall – Baden Baden und weiteren Spitzenspielen zwischen Hamburg und Rodewisch bzw. Bad Königshofen. Knüppelhart natürlich das Auftaktprogramm für Aufsteiger Harksheide, nach Schwäbisch Hall und Deizisau warten ebenfalls Rodewisch und Bad Königshofen.