Hallo wach: Schachbund verschläft seine Meisterschaft

AW: 87. Deutsche Schachmeisterschaften – Von Olaf Steffens

 

„heute ist der 4. Tag der DEM und der letzte Satz den der DSB auf seiner Homepage hierzu äußerte ist schon fast eine Woche her. Auch wenn die DEM aufgrund der Umstände sicher nicht die Massen elektrisiert, so kriegt man schon den eindruck, dass die eigene eigentlich wichtigste Meisterschaft des jahres selbst nicht so ernst genommen wird. ob das wirklich so ist und das teil des Problems ist, kann ich nicht sagen, es drängt sich aber der eindruck auf.“

als Beitrag im Schachfeld-Forum, 24.Oktober 2016

 

Huch, so haben wir uns das aber nicht vorgestellt mit der Deutschen Meisterschaft 2016!

 

Der Lübecker SV hatte mit einer noblen Großtat im Mai diesen Jahres das Zustandekommen des Wettbewerbs gesichert und den Deutschen Schachbund, unser aller Verband, vor der Blamage bewahrt, dass in diesem Jahr leider k54f5be3ea3d707845e48b51427471fd9_xlein neuer Meister ermittelt werden würde.
Doch da waren wie gesagt die Lübecker in Gestalt von Thilo Koop und Ullrich Krause vor, die mit ihrem Team, viel Elan und noch mehr souveräner Projektplanung im hohen Norden ein sehr würdiges Turnier samt Rahmenprogramm auf die Beine stellten.

Einen Preisfonds gibt es leider so gut wie gar nicht für die teilnehmenden Meister und Amateure, doch das war Teil der Abmachung, unter der der LSV dem Durchführen dieses sportlich wichtigen Turniers zugestimmt hatten. Der DSB, unser Verband, hatte leider keine Mittel zur Hand, um durch ein etwas fabelhafteres Preisgeld die Anzahl der vertretenen Meisterspieler zu erhöhen – die Chance, dass noch mehr Bären, Riesen, Meisterspieler aus dem Lande anreisen, ist ja durchaus höher, wenn der ausgelobten Preise attraktiver sind, wir verstehen das gut.

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6 thoughts on “Hallo wach: Schachbund verschläft seine Meisterschaft

  1. Moinmoin,

    Glückwunsch an Sergey Kalinitschew, dem neuen Deutschen Meister!

    Hier noch etwas aus den Lübecker Nachrichten von gestern:

    „Es geht um die Deutschen Meisterschaft, den Modus, die Rolle des Ausrichters. Denn der DSB, der 80.000 Mitglieder und 2.400 Klubs vereint, lässt die Vereine in punkto DM im Stich. Preisgeld, Übernachtung und Vollverpflegung für alle Spieler, Empfang und Abschlussbankett – alles soll der Ausrichter stemmen.

    Dass sich in diesem Jahr mit dem Lübecker SV in letzter Minute überhaupt noch ein Verein gefunden hatte, grenzte schon an ein Wunder. „Der Zuschuss vom Verband reicht lange nicht. Wir haben auch nur eingewilligt, weil kein Preisgeld aufgerufen wird“, erklärte Koop, der einen 50.000,-€- Etat zu stemmen hat. ihn nur mit Sponsoren […] decken kann. „Wir schreiben gerade so die schwarze Null.“
    […]

    „Der Modus muss reformiert werden“, fordert deshalb Schleswig-Holstein-Chef Krause, der 2017 als neuer DSB-Präsident kandidieren will. Er will ein weiteres Entwerten der DM stoppen. Die Top-Profis, die Deutschland im Ausland vertreten, zur Teilnahme zu verpflichten, sei dabei eine Option. Krause: „Auch darüber müssen wir reden, einfach neue Wege finden.“

    https://www.lsv1873.de/index.php/presseschau

  2. Ob Spitzenspieler fehlen, weil Sponsoren fehlen, oder ob Sponsoren fehlen weil Spitzenspieler fehlen, tja das ist Henne und Ei. Bei früheren deutschen Meisterschaften war das Preisgeld für die besten acht durchaus etwa vergleichbar mit den niederländischen Meisterschaften – dabei gab es einen Unterschied: In den Niederlanden (Rundenturnier) bekam auch der Letzte Preisgeld, quasi Antrittsgeld; im Schweizer System kann auch ein Grossmeister ganz leer ausgehen. Profis wollen dann wohl auch Antrittsgelder (garantierter Betrag vor dem Turnier) – da wäre ich bei nationalen Meisterschaften dagegen, man sollte alle qualifizierten Spieler gleich behandeln.
    Bei der NL-Meisterschaft hat (laut Turnierdirektor Paul Rump) jedenfalls 2015 der Schachbund das Preisgeld spendiert, ist offenbar hierzulande mit Statuten vereinbar. Dieses Jahr hatte das Turnier mit Deloitte (Finanz/Consultingbranche) einen Sponsor.

  3. Liebe Freunde! Eine „Deutsche Meisterschaft“ ist immer etwas besonderes. Man stelle sich vor, es wird eine „Deutsche Meisterschaft“ im 100-Meter-Lauf ausgetragen und es kommen nur Läufer, die die !00 Meter über 11 Sekunden laufen. Wen interessiert das schon. Weder die überregionalen Printmedien noch das Fernsehen haben an einer solch schwach besetzten Meisterschaft Interesse. Wenn wir mit unserem Sport in der Öffentlichkeit Interesse wecken wollen, dann müssen die Besten bei einer „Deutschen Meisterschaft“ mitspielen. Es ist ja keine Amateurmeisterschaft. Die läuft zur Zeit mit großem Erfolg (360 Teilnehmer) in Bad-Soden. Die Macher dieser Meisterschaft sind Profis. Anders ist der Erfolg nicht zu erklären. Da stimmt einfach alles.

  4. Spott ist immer preiswert zu haben … es kann aber nicht so weitergehen, dass „die Deutsche“ weiter zur Zielscheibe flotter Sprüche gemacht wird.
    Der einzige Ausweg ist, dass die Verbände – es liegt deutlich nicht am DSB – sehr, sehr deutlich die Beiträge erhöhen, um mehr an den DSB abführen zu können. So lange Schach aber in den Augen einiger seit 50 Jahren im Amt befindlicher Schachfreunde „nichts kosten“ darf, und so lange es eine absurde Frontstellung ggüb. dem DSB zu geben scheint, gibt’s eben auch keine Möglichkeit, „die Deutsche“ ordentlich auszustatten. Die gehört offenbar zum Spielbetrieb und damit zum originären Zweckbetrieb des DSB; natürlich können und müssen dafür Beiträge aufgewändet werden.
    Neben dem Finanziellen muss eine in Nord, Süd, Ost, West gestaffelte Qualifikationsrunde her – ja, dann kann nicht mehr jeder „Verbandsqualifizierte“ an der Endrunde teilnehmen. Freiplätze für elo-starke Spieler gehören dazu und eben auch Antrittsgelder.
    Man kann sagen, dass man all das nicht wolle – aber dann muss man aufhören, über das selbst Verschuldete zu spotten.

  5. Die Gemeinnützigkeit des Deutschen Schachbundes steht in Frage, wenn Preisgelder für bezahlte Sportler aus Mitteln des ideellen Bereichs (Mitgliedsbeiträge) finanziert werden. Es wäre hilfreich gewesen, wenn der Verfasser sich hierzu vorab beim DSB oder andernorts sachkundig gemacht hätte. Dass Sponsoren sich nicht für Turniere engagieren, in denen weithin unbekannte Amateurspieler anstelle namhafter Großmeister agieren, sollte keine Überraschung darstellen.

  6. Die Qualität der deutschen Meisterschaften ist wie Ratiopharm, nur andersrum:
    Keine Preise, keine Besserung.

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