Schachzüge sind lizenzfrei und für jedermann zugänglich

chess24 berichtet live über die Schach-WM in New York, erringt ersten juristischen Erfolg

 

chess24 wird die Schach-WM in New York zwischen dem amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen und dessen Herausforderer Sergey Karjakin vom ersten Tag an (11. November) live übertragen. Das Match wird inklusive Live-Kommentar auf Deutsch, Englisch und Spanisch online auf chess24.com zu verfolc24_share_defaultgen sein. Im Vorfeld der Veranstaltung konnte chess24 den ersten wichtigen Erfolg innerhalb eines grundlegenden juristischen Streitfalls gegen den Turnierorganisator Agon Ltd. verzeichnen. Die seit einiger Zeit geführten Prozesse befassen sich mit der Frage, wer die Rechte besitzt, die Schachzüge einer Veranstaltung live zu übertragen.

 

Die Entscheidung von chess24, die Schach-WM live zu übertragen, folgt einem im Oktober gefällten Gerichtsurteil des Moskauer Handelsgericht über die Übertragungsrechte an Schachpartien. Der Organisator des Qualifikationsturnieres zur WM, das im März dieses Jahres in Moskau stattfand, erhob eine Schadensersatzklage in Höhe von 20 Millionen Rubel (ca. 280.000 Euro), nachdem chess24 die Züge des Kandidatenturniers live übertrug. Der Versuch des Veranstalters Agon Ltd., die Live-Berichterstattung auf veranstaltungsfremden Plattformen einzuschränken, stieß in der Schachwelt auf viel Kritik. Nachdem einem der vor Ort arbeitenden chess24-Reporter der Zutritt zum Moskauer Turnier verwehrt wurde, stellte sich chess24 der juristischen Auseinandersetzung.

 

Der Turnierveranstalter verwies vor dem Moskauer Gericht darauf, dass die Züge einer Schachpartie urheberrechtlich geschützte Inhalte seien, die einer Lizenzierung des Veranstalters bedürften. chess24 hingegen vertrat die Auffassung, dass Züge einer Schachpartie öffentliche Informationen seien, die keines urherberrechtlichen Schutzes unterlägen. Auf dieser Überzeugung basierend setzte chess24 seine journalistische Berichterstattung des Turniers fort.

 

In der entscheidenden Anhörung vom 25. Oktober 2016 lehnte das Gericht die Klage von Agon Ltd. ab und bekannte sich zur Argumentation von chess24, dass Schachzüge lizenzfreie und für jedermann zugängliche Informationen seien.

 

“Wir haben diese juristischen Schritte nicht auf die leichte Schulter genommen – in der Vergangenheit haben wir mit dem Veranstalter Agon zusammengearbeitet und würden diese Zusammenarbeit in Zukunft gerne wieder aufnehmen – aber im Namen von Schachwelt und Schachfans durften wir nicht klein beigeben. Wir wollten sicherstellen, dass jeder über die Züge einer Schachpartie berichten können darf. Einfach gesagt heißt das, dass man genauso wenig jemanden darin hindern kann, über einen Zug Magnus Carlsens zu berichten, wie über ein Tor von Lionel Messi. Ein juristischer Erfolg Agons wäre für die Schachwelt ein gefährlicher Präzedenzfall gewesen”, sagte der chess24 Geschäftsführer Enrique Guzman.

 

“Wir sind froh, dass das Moskauer Gericht festlegte, dass es ein Recht auf Berichterstattung in Echtzeit von Schachturnieren gibt. Wir freuen uns darauf, live von den in New York gespielten Partien zu berichten und Schachenthusiasten aus aller Welt mit zeitnahen Informationen und eingehenden Analysen zu versorgen”, fügte Guzman hinzu.

 

Bei der Schach-WM wird der auf der Krim geborene Sergey Karjakin (26), der sich durch einen Sieg beim achtköpfigen Kandidatenturnier im März qualifizieren konnte, auf den amtierenden Weltmeister aus Norwegen, Magnus Carlsen (25), treffen. Das Match ist auf zwölf Partien beschränkt und wird live auf chess24.com zu sehen sein. Unter den Live-Kommentatoren für die englischsprachige Übertragung befinden sich u.a. die Großmeister Peter Svidler und Jan Gustafsson.

 

chess24-Kommentator Peter Svidler blickt mit Freude auf das Match: “Wir sind sehr erfreut darüber, dass wir mit chess24 die marktführende Plattform für unsere Live-Übertragung des Turniers in New York nutzen können. Das Match wird großartig werden und wir werden dafür sorgen, dass wir jedem Zuschauer das bestmögliche Erlebnis bieten.”

 

Mit 200.000 Besuchern pro Tag und einer Reichweite von fünf Millionen internationalen Schachspielern ist chess24 die Schachplattform, auf der Schachbegeisterte aus aller Welt gegeneinder spielen, über Schach lernen, lesen und Schach-Videos sehen können. Die Seite ist auf Englisch, Deutsch und Spanisch verfügbar.

2 thoughts on “Schachzüge sind lizenzfrei und für jedermann zugänglich

  1. Es geht um Informationen wie z.B. „1.e4“, nicht um Bildaufnahmen vom Veranstaltungsort an denen der Veranstalter natürlich die Rechte hat. Darüber kann jedermann genauso einen YouTube-Stream veranstalten wie zu der Information „Tor 67. Minute Messi – Linksschuss“. Es gibt da rechtlich keinen Unterschied. Niemand kann ein Recht an Informationen wie „1.e4 e5“ beanspruchen.
    Die FIDE hat auch bislang erfolgreich Weltmeisterschaften ausgetragen. Man fragt sich, weshalb sie es jetzt auf einmal nicht mehr können soll. Ich verstehe auch Schachfans nicht die sagen „Ich möchte mich gerne entmündigen und Gebühren an jemanden zahlen für etwas, das ein Gemeingut ist, frei verfügbar sein sollte und an dem niemand ein Recht anmelden kann“. Wer Sponsoren erreichen will versteckt sein Angebot nicht hinter einer Paywall, sondern schafft größtmögliche Reichweite für die Sponsoren, indem er ein Produkt schafft, das alle nutzen wollen und können. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass AGON das schon mal geschafft hat.

  2. „Wir wollten sicherstellen, dass jeder über die Züge einer Schachpartie berichten können darf. Einfach gesagt heißt das, dass man genauso wenig jemanden darin hindern kann, über einen Zug Magnus Carlsens zu berichten, wie über ein Tor von Lionel Messi.“

    Klingt plausibel und sehr sehr edel – aber über ein Tor von Messi zu berichten bzw. davon zu erzählen, das ist etwas anderes als einen Film davon im Fernsehen auf seinem Sender zu zeigen und damit Geld zu verdienen. Das geht leider nur, wenn man die Rechte daran hat – und sonst leider nicht. Nicht umsonst heißt es ja „Sportübertragungsrechte“, und die werden für viel Geld immer neu verhandelt und verkauft.

    Die Schach- Veranstalter werden sich bedanken, dass sie für viel Mühe, Geld und mit einigem Risiko ein Turnier ausrichten, und dann kein Geld mit Werbung einnehmen können. Wenn potentielle Zuschauer bei anderen „free rider“ Anbietern wie hier jetzt chess24 oder auch bei chessbase die Partien verfolgen, dann wird das nichts mit Werbeeinnahmen. Und wie soll sich ein großes Turnier dann noch tragen, außer durch (teils zwielichtige) Sponsoren?

    Von einer Partie berichten und davon erzählen, ist eine Sache. Die Originalzüge zu zeigen, ist etwas ganz anderes – auch einen Kinofilm darf man ja nicht abfilmen und ins Netz stellen. Ich finde es sehr schade, dass es keine Handhabe gibt, um im Schach etwas dagegen zu tun. Wir Zuschauer werden es schon überleben, wenn wir die Partien nur erstmal beim Ausrichter und auf dessen Webseite sehen könnten. Einen „gefährlichen Präzedenzfall“ sehe ich hier nicht.

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