Wer bin ich?

Schon als Jugendspieler war ich im Schach die Nummer eins in meinem Land und blieb es über zwanzig Jahre. Auf Kasparow traf ich ein paar Mal. Karpow hat mich in unserer ersten Partie mit Blicken durchbohrt. Viele meiner Landsleute nahmen mich aber erst wahr, als ich als Promi in einer Tanzshow im Fernsehen zu sehen war. Da lagen meine besten Schachjahre lange zurück, aber früher war Schach einfach nicht angesagt bei uns. Heute ist das anders. Und dazu habe ich einiges beigetragen. Schach liegt bei mir in der Familie: Meine Tochter Victoria spielt Turnierschach. Mein Vater war ein starker Klubspieler. Mein zwei Jahre älterer Bruder hat fast IM-Stärke.

Bis vor einigen Jahren war er im Verlagswesen. Lustig ist, dass mein Bruder heute vom Schach lebt, während ich nur kurze Zeit Schachprofi war. In den Medien wurde ich früher oft als „stärkster Amateur der Welt“ bezeichnet. Dabei war mir Schach schon wichtig. Um am legendären Turnier in Tilburg teilnehmen zu können, habe ich mal ein Vorstellungsgespräch in Istanbul geschmissen. Der Job wäre hochbezahlt gewesen, aber ehrlich gesagt wollte ich nicht wirklich in die Türkei.  Meinen ersten Beruf habe ich aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen.

Danach habe ich wie meine Ex-Frau, die Politikerin wurde, Staatswissenschaften studiert und mit einer Magisterarbeit über Südafrika abgeschlossen. Angestellt bin ich inzwischen schon viele Jahre als Lehrer an einer Sportschule. Wer es im Sport weit bringen will, muss mit voller Leidenschaft dabei sein. Es hilft, sich den Erfolg vorher im Kopf vorzustellen. In vielen Sportarten musst du dem Trainer folgen. Im Schach ist das anders. Da musst du selber wissen, was für dich das Beste ist. Mein bester Schüler hatte später einen Russen als Trainer. Gewusst hat der ja eine Menge, aber als er begann, meinem Schüler vorzugeben, gegen wen er wie eröffnen sollte, hat der sich von ihm getrennt. Mit dieser Einstellung hat es der Junge weit gebracht. Über ihn habe ich ein Buch geschrieben. Heute ist er unsere Nummer eins.

Selber spiele ich nur noch wenig. Die letzte Schacholympiade in Baku habe ich ausgelassen. Aber ich kann es noch: Bei meinem letzten Weltklasseturnier konnten mich weder Aronjan, Caruana und Giri noch Grischtschuk, Karjakin, Kramnik und Swidler schlagen. Nebenbei betreibe ich zusammen mit einer Kollegin eine Firma, die Schach in Schulen und Gefängnissen anbietet – wir nennen uns „Großmeister und Großmeister“, in unserer Sprache klingt das lustiger. Ich schreibe eine Schachkolumne für unsere größte Tageszeitung, und ich trainiere unsere Jugend – die nationale Mädchenauswahl, übrigens nicht im Schach. Der letzte Tipp ist der gleiche wie immer bei diesem Rätsel: 2017 feiere ich einen runden Geburtstag. Meinen Namen finden Sie auf Seite 271 (So im Schachkalender 2017).

Auflösung

Diese und andere Geschichten, sowie Fakten und Daten finden Sie im neuen Schachkalender 2017 der EDITION MARCO / LASKER’S.

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