DSAM Bergedorf 2017 : Triumph für Derek Gaede

„Wir hatten gedacht, fünf aus fünf in der A-Gruppe, das wiederholt nach Raphael Rehbergs Erfolg in Magdeburg keiner mehr so schnell“, sagte DSAM-Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan. Aber dann … k

Derek Gaede

am erst das Glatteis und gleich darauf Derek Gaede (Hamburger SK)! Die Pointe des Turniers war, dass in Bergedorf gerade dieser Rehberg der letzte Gegner für den Hamburger Gaede war.

Dem 1982 geborenen Oberligaspieler Gaede, Vierter der Setzliste, hätte nun schon ein Remis für den Turniersieg genügt, der Brandenburger Rehberg hingegen, der auch ein begnadeter Go-Spieler ist, brauchte den vollen Punkt. In dieser spannenden Situation hieß es am Ende Hamburg : Brandenburg 1-0, Derek Gaede, Elo 2239, DWZ 2205, setzte sich also brillant mit 100% durch. Raphael Rehberg beendete den Wettkampf mit 3,5 Punkten und war damit gleichauf mit weiteren fünf (!) Spielern, nämlich dem an 18 gesetzte Zweite Henrik Meyer, Harksheide, dem an 27 gesetzten Bremer Frank Peters, und den höher gesetzten Viktor Friesen, Jens Wulf von Moers, Bernd Wronn und Uwe Rick.

Die vier Spieler der TuRa Harksheide Norderstedt fuhren vermutlich gut gelaunt wieder zurück in die Heimat. Der tolle erste Platz in der B-Gruppe ihres Artur Oganessjan, 4,5 Punkte, ging einher mit dem zweiten Rang in der A-Gruppe von  Henrik Meyer, aber auch Inga Marx, die mit 3,5 Pkt. Vierzehnte in der C-Gruppe wurde, und auch Anna-Lena Schramm durfte mit 3,0 Punkten in der D-Gruppe sehr zufrieden sein. Warum eigentlich? Der 31. Rang von Anna-Lena klingt zwar nicht sooo überwältigend, aber sie war in dieser sehr großen Gruppe nur als 111. der Setzliste gestartet! So etwas ist ein bisschen mit Leichtathleten vergleichbar, die im Wettkampf ihre persönliche Bestleistung übertrafen.

Jeremy Hommer

Gespannt waren alle, ob der junge Lüneburger Jeremy Hommer das ja ziemlich belastende Etikett des „Jahrhunderttalents“, das dem erst 9jährigen von den Experten des Schachticker um den Hals gehängt wurde ( http://www.chess-international.de/Archive/category/simultan ), gewissermaßen rechtfertigen würde – obwohl der Kleine für solche Überhöhungen von außen ja gar nichts kann. Was machte er nun am Brett, nachdem solche Erwartungs-Hürden aufgestellt wurden? Der Knirps aus Lüneburg ging souverän damit um, was wohl noch mehr Respekt als sein Spiel verdient: Er startete mit Elo 1664 und DWZ 1811 in der C-Gruppe auf Platz 45 – und er wurde mit 4,5 Punkten großartiger Zweiter.

Einer machte es sogar noch besser, obwohl am Ende doch „nur“ die Feinwertung den Ausschlag gab. Der Großostheimer Trainer Boris Fuks wird zufrieden gewesen sein, denn sein erst 13jähriger Schützling Jon Englert (DWZ 1941, Elo 1904) wurde mit 4,5 Punkten feingewerteter Erster in der C-Gruppe! Das sind nun also schon zwei noch sehr junge Spieler, die nach vorne drängen. Die Trainer des DSB werden das aufmerksam zur Kenntnis genommen haben. Viele Rückschläge und Niederlagen werden für die jungen Wettkämpfer folgen, die sind einfach Teil des Schachspiels; wie die Jungs und Mädels damit umgehen werden, wird irgendwann (auch) bestimmen, ob der sich so golden abzeichnende Weg weiter beschritten werden kann. Und wenn nicht? Es ist schwer zu glauben, aber es gibt neben dem Matt auch noch andere Ziele in einem jungen Leben …

Und die Damen? Mutter und Tochter Hund spielten in ihren jeweiligen Gruppen die Gegner nicht gerade an die Wand, aber vielleicht geht es im Schach ja auch gar nicht immer darum. Würden nur noch diejenigen spielen, die stetig siegen, wären wir schon sehr viel weniger in den Turniersälen. Auf einem hoffnungsvollen Weg ist jedenfalls Annika Denz, SC Neumühl, Elo 1667, DWZ 1630, die in der D-Gruppe ein Beispiel für das aufstrebende deutsche Damen-Schach gab. Sie wurde Erste dieser Gruppe. Dass drei weitere Spieler ebenso viele Punkte wie sie erzielten, ist ja nicht ihre Schuld … Dieses Buchholzdings gab bei der 1997 geborenen Neumühlerin halt mal wieder den Ausschlag, das gehört zum Schach-Turnier wie die Zwiebeln zum Gulasch.

Annika Denz

Der junge Nordhorner Lars ter Stal, Spross einer Schach-Dynastie, profitierte auch davon, von dem Gulasch … von der Feinwertung. Und natürlich von seinem schachlichen Können. In der E-Gruppe gab es am Ende gleich acht Spieler mit 4,0 Punkten an der Tabellenspitze, von denen eben der Nordhorner die höchste Buchholz aufwies: Sieg. Erster. Wir müssen aber vor allem sehen, eine so große Gruppe von Spielern vor allem dafür kennzeichnend ist, wie konzentriert und zäh auch in den unteren Gruppen gekämpft wurde: Kompliment an die Spieler!

Ganz aus Aachen reiste die Siegerin der nicht minder spannenden F-Gruppe an, nämlich die quicke, für Holstein Quickborn antretende, 1996 geborene Kim Ruiz. 4,5 Punkte hatten auch die ihr nachfolgenden drei Spieler, es stand also Spitz auf Knopf, nur hatte nach den fünf Runden die freundliche Holsteinerin die flottere Buchholz.

Text: Ralf Mulde   Fotos: Ingrid Schulz

 

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