GM Georg Meier nimmt Stellung zum offenen Brief des Bundestrainers

Liebe Schachfreunde,

Im offenen Brief des Bundestrainers vom 2.März, werde ich in Punkt 2 namentlich und in Punkt 5 implizit erwähnt.

Zitat:

2.[…] Zu seiner 1. Kommissionssitzung im Juni 2016 in München erschien Thomas Luther in Begleitung des Nationalspielers Georg Meier. Er kritisierte meine Zweitnominierung für die Dortmunder Schachtage 2016 mit der Begründung, dass es sich bei dem Nominierten um einen „schwachen Spieler“ handeln würde. […]

5.[…] Die Atmosphäre im Team während der Olympiade in Baku ließ ebenfalls zu Wünschen übrig. Vielleicht bedingt durch die Querelen im Vorfeld im Rahmen der KL-Sitzung, siehe Punkt 2. Es ging so weit, dass ein Nationalspieler den von mir nominierten Eröffnungstrainer ignorierte und auch Abstand von seinen Mannschaftskollegen nahm. […]

Ich möchte aus meiner Perspektive zur erwähnten Kommissionssitzung und dem relevanten Kontext Stellung nehmen.

Anlässlich eines Simultans in Moosburg am 12.Juni 2016 nutzte ich die Gelegenheit ein Wochenende in München zu verbringen. Am 8.Juni wurde ich erstmals von Thomas Luther kontaktiert, der mir erklärte, dass er Kontakt und Austausch mit den Nationalspielern suche um deren Interessen in die Arbeit der Kommission besser einfließen lassen zu können. Wir kamen ins Gespräch und er lud mich ein in Ismaning b. München an der KL-Sitzung am 10.Juni teilzunehmen um meine Kritik an intransparenten Nominierungsverfahren vortragen zu können. Ich stehe im Konflikt zwischen dem Bundestrainer und dem Leistungssportreferenten auf keiner Seite.

Meine Kritik an der Nominierung für Dortmund war nicht personenbezogen, trotzdem wurde von Teilnehmern der Sitzung gegen meine Einwände immer ein Vergleich zwischen Rainer Buhmann und mir bemüht. Mein Vorschlag nachvollziehbare Kriterien als Leitlinie für Nominierungsentscheidungen zu diskutieren und bei Konsens zu verabschieden (auch als Basis der Motivation für die Spieler auf Ziele hinzuarbeiten), während man dem Bundestrainer weiterhin die Kompetenz überließe Grenzfälle zu entscheiden sowie begründete Ausnahmen vorzuschlagen, wurde totgeschwiegen.

Ebenso wird mein Vorschlag die Nationalspieler zumindest über deren Vorschläge in die Findung eines geeigneten Team-Sekundanten zu involvieren seit 2015 ignoriert. Ich habe dem Bundestrainer bereits in 2015 erklärt warum ich GM E.Romanov als ungeachtet für diese Position erachte und dass es für mich keinen Nutzen hätte nur für ein Turnier mit ihm zusammenzuarbeiten. Jeder Spieler hat andere Bedürfnisse und Erfahrungen und kann diese Personalie unterschiedlich bewerten, allerdings zeigte der Bundestrainer im persönlichen Gespräch Verständnis für meine Argumente und überrascht mich nun umsomehr mit seiner öffentlichen Anklage.

Mein Umgang mit Nationalmannschaftskollegen war in Baku nicht anders als bei früheren Mannschaftsturnieren, während die Beziehungen untereinander besser sind als bei der Mannschaft in 2011.

Ich befürchte dass der Bundestrainer sich und die Öffentlichkeit darauf vorbereitet mich nicht mehr für die Nationalmannschaft zu nominieren, damit ich ihn nicht weiter mit konstruktiver aber unwillkommener Kritik belästige.

Was mir bei der erwähnten Sitzung der Kommission Leistungssport auffiel, ist das Fehlen einer konstruktiven Diskussionskultur. Sowohl der Bundstrainer als auch der Referent für Leistungssport konnten nicht von Argumenten „ad hominem“ – Diskreditierung des Gegenübers als Argument – lassen. Gleichzeitig wurden Verweise auf eigene Qualifikationen und Erfolge angeführt als würden sie Argumente in einer Sache stärken. In den Themen die ich ansprach konnte sich kein sachlicher Diskurs durchsetzen.

Ich habe nur den Erfahrungshintergrund eines Treffens, doch angesichts des offenen Briefes scheint es naheliegend dass diese Situation zu einer persönlichen Fehde ausgeartet ist. Beim Treffen in Ismaning wurde Thomas Luther bereits isoliert und wenn dieser Trend beibehalten wurde überrascht es mich wenig dass die Arbeit der Kommission Leistungssport eher destruktiv als konstruktiv ausfällt – man eher gegeneinander als miteinander arbeitet.

Ich hoffe dem Leser einen hilfreichen Einblick aus meiner Perspektive vermittelt zu haben. Auf welche Schultern wieviel Schuld fällt ist von der Seitenlinie nicht zu entscheiden, aber ich bin überzeugt dass beide Seiten im sich nun entladenden Streit Fehler begangen haben.

 

Georg Meier, 3.März 2017, Stockholm