Französische Damen-Mannschaftsmeisterschaft aus Turnier- und deutscher Sicht

Zu einem Vorbericht gehört ein Abschlusssbericht, auch wenn dieser etwas verspätet und recht kurz und knapp ausfällt. Aus Teamsicht gab es in beiden Sechsergruppen drei Möglichkeiten: Platz eins oder zwei bedeutet Qualifikation für die später ausgetragene KO-Runde. Platz drei oder vier bedeutet nächstes Jahr wieder top12. Platz fünf oder sechs bedeutet Abstieg.

In beiden Gruppen gab es einen klaren Sieger mit 10-0 Mannschaftspunkten (die sind wohl auch im Finale die Favoritinnen) und einen klaren Letzten mit 0-10 Mannschaftspunkten. Ich beginne in Gruppe A und gebe Monaco das Titelbild – schliesslich erzielten sie mehr Brettpunkte als Evry, Sieger der B-Gruppe (ausserdem hat der französische Schachverband Evry nicht als Team fotografiert).

Gruppe A: 10-0 Mannschaftspunkte und 16 von 20 möglichen Brettpunkten für Monaco, das war deutlich – nur das Match gegen Montpellier war knapp (2,5-1,5). An Hou Yifan lag es nicht – die hat gar nicht mitgespielt, vielleicht ja im Juni im Finale? An Pia Cramling lag es auch nicht unbedingt – fünf Remisen am Spitzenbrett. Der Rest allerdings: Deimante Daulyte 5/5 – mehr geht nicht. Tatiana Kostiuk 4,5/5 – auch OK. Brett 4 teilten sich Julia Lebel-Arias (1,5/2) und Lomandong Noela-Joyce (2,5/3). Der mitrechnende Leser weiss Bescheid: insgesamt 12 Siege und null Niederlagen.

Platz zwei wurde in der letzten Runde im direkten Duell zwischen Bischwiller und Montpellier entschieden, und zwar so: Brett 1 remis in 19 Zügen, Brett 2 remis in 11 Zügen, Brett 3 remis in 9 Zügen, Brett 4 remis in 8 Zügen – offizielles Ergebnis (da in Frankreich nur Siege berücksichtigt werden) 0-0. Zuvor waren beide Teams punktgleich – Bischwiller hatte vorher mehr Brettpunkte, hinterher natürlich auch. Manchmal zeigen Frauen beeindruckenden Kampfgeist, manchmal auch nicht – was Montpellier damit beabsichtigte, dazu habe ich nicht recherchiert. Da auch sonst keine der acht beteiligten Spielerinnen besonders auffiel (weder positiv noch negativ) und da Deutschland nicht beteiligt war, werden sie nicht namentlich erwähnt.

Zum Rest nur aus deutscher Sicht: WIM Judith Fuchs machte am Spitzenbrett von Echiquier Centre Vaucluse anfangs dasselbe wie Sarah Hoolt weitestgehend in Runde 3-9 der Damen-EM – remis spielen, auch gegen nominell bessere Gegnerinnen. Dann allerdings noch zwei Niederlagen gegen Lela Javakhishvili und Marie Sebag, insgesamt genau im Elosoll. Souverän abgestiegen ist die Mannschaft, da sie dahinter nur titellose Spielerinnen mit Elo unter 2000 hatten – das ist auch im Damenschach zu wenig.

Paula Wiesner erzielte an Brett 3 für Strasbourg 2,5/5 – auch das etwa im Rahmen der Eloerwartung.

Gruppe B: Souveräne Siegerinnen Evry: Sabrina Vega-Gutierrez 4/5, Sophie Milliet 4/5, Anda Safranska 4,5/5, Chloe Huisman 2/5 (eine Spielerin mit Elo unter 2000, das hatte keine Konsequenzen). Platz zwei für Mulhouse war auch souverän: die Niederlage in der letzten Runde gegen Evry war irrelevant, da beide bereits für das Finale qualifiziert waren. Zuvor in Runde 2 ein Ausrutscher gegen Sautron – da mit deutsch-deutschem Spitzenbrett ausnahmsweise kurz zu Paehtz-Osmanodja 1/2: Weiss vergeigte ein glatt gewonnenes Turmendspiel zum Remis – am Ende gab Filiz einfach so immer wieder Schach, statt Elisabeth eine neue Dame zu gönnen.

Hatte Elisabeth Paehtz hier bereits beschlossen: „mit Schwarz gewinne ich, mit Weiss spiele ich remis“? Am Ende also – da sie dreimal Schwarz und zweimal Weiss hatte – 4/5. Das ist durchaus OK ist und brachte 6 Elopunkte ein – zusammen mit u.a. ihrem ebenfalls guten Ergebnis bei der Damen-EM sind (für Damenverhältnisse magische) Elo 2500 wieder in Sicht, nun hat sie 2480.

Filiz Osmanodja ist mit Sautron abgestiegen – es lag weniger an ihren 2,5/5 am Spitzenbrett, eher an schlechten Ergebnissen an Brett 2 und 3.

Noch kurz zum souveränen Absteiger: Cannes kann kein Schach spielen!? Sie verzichteten auf die gemeldete Kateryna Lagno, und WGM Anne Haast (0,5/5) war am Spitzenbrett kein gleichwertiger Ersatz. Auch die Kolleginnen dahinter schwächelten, sowohl WIM Marlies Bensdorp-De Labaca (ebenfalls Niederländerin, lebt allerdings seit Jahren in Frankreich) als auch die beiden titellosen Französinnen. Zusammen verloren sie 91 Elopunkte (lag auch an K-Faktoren grösser 10).

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