Ganz schön link Herr Dr. R. K.

Es ist gerade mal ein Jahr her, als ein Bürgermeister und sogenannter Schachfreund dafür sorgte, dass ein Schnellschachturnier, welches vom SV Unser-Fritz e. V. am Karfreitag veranstaltet wurde, auf Anweisung des Ordnungsamtes der Stadt Herne abgebrochen werden musste. Der Fall erregte großes Aufsehen, selbst die Bildzeitung berichtete ausführlich darüber. Das Prekäre an der Situation war, dass besagter sogenannter Schachfreund Vorsitzender eines benachbarten Herner Schachvereins war und heute noch ist.
Unter der Überschrift: „Gens una sumus – Wir sind eine Familie“ kann man den ganzen Vorgang noch einmal nachlesen.

In diesem Jahr erregte ein neuer Fall die Gemüter. Wieder traf es den SV Unser-Fritz e.V.. Was war passiert?
Schon zum 6. mal richtete am 22.4. 2017 die Partei „Die Linke“ ein Schnellschachturnier aus. Da die Räumlichkeiten in der Parteizentrale nicht mehr ausreichten, wurden der große Saal im Stadtteilzentrum Pluto von der Stadt Herne angemietet. Speisen und Getränke waren kostenlos. Veranstalter war also die Partei „Die Linke“.

Wie in den Jahren zuvor stellte der SV Unser-Fritz e.V. das Schachmaterial zur Verfügung. Bei der Turnierauswertung war der SV Unser-Fritz e.V. behilflich. Das Turnier, beliebter denn je, endete mit einer Rekordbeteiligung und war harmonisch wie immer.

Anfang Mai erhielten die Verantwortlichen des SV Unser-Fritz e.V. eine Kopie des Schreibens das an das Dezernat 4 der Stadt Herne gerichtet war, mit folgendem Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Chudziak,

Ich möchte Sie als Verantwortlichen Leiter des Dezernat IV, hier insbesondere Bereich Sport, um Prüfung folgenden Sachverhalts bitten: Ein Herner Schachverein „Unser Fritz“ hat in den Räumen der Stadt Herne („Stadtteilzentrum Pluto“) ein Schachturnier der Linkspartei organisiert und durchgeführt. In schlechtester Tradition deutscher totalitärer Parteien (von der NS-Zeit bis zur SED) bemühen sich auch heute noch Neo Nazis, AFD oder auch SED-Nachfolgeorganisationen darum, ihre Agitation nicht auf die eigene Mitgliedschaft zu beschränken, sondern auch anderweitig in den Freizeitbereich einzudringen.

Problematisch wird dies meines Erachtens nach, wenn dies in Räumlichkeiten bzw. unter Duldung von demokratischen Institutionen oder gar Räumlichkeiten der Kommune geschieht. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit daher auf den Schachverein „Unser Fritz“ lenken, von dem ich vermute, dass weder dieser noch die Linkspartei dazu Ihre Genehmigung als Eigentümer der Räumlichkeiten eingeholt haben. Der entsprechende Link: http://www.sv-unser-fritz.de/. Ganz nebenbei gehört der Schachverein „Unser Fritz“ als Mitglied dem Deutschen Schachbund, dem Schachbund NRW sowie dem Schachverband Ruhrgebiet an.

Alle diese Verbände verlangen in ihren Satzungen von ihren Mitgliedsvereinen politische und weltanschauliche Neutralität. Meine Frage geht auch dahin, ob dieser Schachverein mit dessen mehrjährigen Kooperation mit einer (zumindest in Teilen) vom Verfassungsschutz beobachteten Partei auch alle Kriterien der Gemeinnützigkeit wahrt. Diese Anfrage schicke ich daher auch in Kopie an das Amtsgericht Herne, dass für die Prüfung der Gemeinnützigkeit zuständig ist sowie an den Vorsitzenden dieses Schachvereins.

Mit freundlichen Grüßen Dr. R. K.

Dr. K. ist Mitglied eines großen Essener Schachvereins.

Damit aber nicht genug. Dr. R. K. setzte noch einen drauf und setzte den Vize-Präsidenten des Deutschen Schachbundes Ralf Chadt-Rausch, der gleichzeitig Präsident des Schachverbandes Ruhrgebiet (SVR) ist, von seinem Schreiben an die Stadt Herne in Kenntnis. Aber lesen Sie selbst:

Sehr geehrter Herr Chadt-Rausch,

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit anlässlich unseres heutigen Telefonats. Die Satzung des SVR bezüglich „politischer Neutralität“ ist meines Erachtens verbindlich auch für alle Mitgliedsvereine des Schachverbands Ruhrgebiet. Diese wird kontinuierlich durch den Verein „Unser Fritz Herne“ verletzt. Den diesbezüglichen Link sende ich Ihnen hiermit zu: http://www.sv-unser-fritz.de/ Es liegt wohl in der Tradition totalitärer Organisationen seit der NS-Zeit und auch der inzwischen mehrfach umbenannten SED, die Plattformen für Agitation auf den Freizeitbereich und den Sportbereich auszudehnen und somit auch Sportvereine zu instrumentalisieren. Da der Schachverein „Unser Fritz“ nun bereits mehrfach Schachturniere der „Linken“ organisiert hat und darauf auch „mit Stolz“ auf seiner Homepage verweist, ist es meines Erachtens nach nicht hinnehmbar, dass dieser Verein weiterhin Meisterschaften unseres Schachverbandes organisieren darf. Wer den Schachsport liebt, soll dies (ungestört) in einem Schachverein ausleben dürfen, wer sich rechts- oder linksradikal betätigen will, soll dies in AFD oder (umbenannter) SED tun.

Ich möchte Sie freundlich darum bitten, die Respektierung der Satzungen des Deutschen Schachbundes, des Schachbundes NRW und des Schachverbands Ruhrgebiet gegenüber diesem Verein durchzusetzen.

Mit Caissas Gruß Dr. R. K.

P.S. Ich leite diese Information gleichzeitig an mehrere weitere engagierte Schachfreunde weiter, die dieser Vorgang interessieren könnte.

 

Nachstehend die vom Verband erbetene Stellungnahme des SV Unser-Fritz e.V.:

1. Es handelt sich bei der Veranstaltung „Mit Links Matt gesetzt“ um ein Schnellschachturnier, das in diesem Jahr bereits in 6. Auflage stattfand und von der Partei „Die Linke“ organisiert und durchgeführt wurde – nicht vom SV Unser Fritz.

2. Der SV Unser Fritz hatte lediglich im Sinne und zur Förderung des Schachsports Spielmaterial bereitgestellt und die Turnierverwaltung übernommen.

3. Die Vermutung, dass die Räumlichkeiten ohne Wissen des Eigentümers für diese Veranstaltung genutzt wurden ist falsch. Sie wurden vielmehr seitens des Organisators von der Stadt angemietet, welche auch die Verköstigung der Turnierteilnehmer übernahm.

4. Warum Herr Dr. K. meint, einen Hinweis wie folgt geben zu müssen „Ich leite diese Information gleichzeitig an mehrere weitere engagierte Schachfreunde weiter, die dieser Vorgang interessieren könnte.“ erschließt sich mir nicht, es sei denn als Drohung.

5. Es ist richtig, dass sich die Vereine parteipolitisch und weltanschaulich neutral verhalten sollten. Hier wird aber überdeutlich, dass dies zwar für den SV Unser Fritz zutrifft – allerdings wohl nicht für den Herrn Dr. K. (der aber auch keinen Status der Gemeinnützigkeit besitzt).

6. Vor welchem Hintergrund Herr Dr. K. unterstellt, dass der SV Unser Fritz die Satzung des SVR kontinuierlich verletzt, bleibt wohl sein Geheimnis, denn er begründet diese Aussage nicht.

7. Dass Herr Dr. K. letztendlich aus seinen verqueren Fabulierungen den Rückschluss zieht, der SVR möge seine Meisterschaften mit einem neuen Partner durchführen, ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich, aber keinesfalls folgerichtig.

8. Abschließend noch der Hinweis, dass der SV Unser Fritz mit vielen Institutionen im regionalen Umfeld kooperiert, ohne den Grundsatz der politischen und weltanschaulichen Neutralität aus den Augen zu verlieren. Dazu gehören beispielsweise: CDU, SPD, Grüne, Die Linke, Ev. Kinderheim Herne (Schirmherrschaft MdB Michelle Müntefering), Jugendamt der Stadt Herne, Förderwerk Bickern / Unser Fritz und viele mehr.

So weit so gut, oder nicht gut. Jetzt sollen die Bezirke entscheiden, ob der SV Unser-Fritz e.V. die SVR-Meisterschaft anlässlich des Unser-Fritz Open (14. bis 18.6.) veranstaltet wird, ausgerichtet werden kann.

Meine Meinung: Herr Dr. K. muss wohl seinen Füllhalter in Alkohol getränkt haben. Ein vernünftiger Mensch setzt so etwas nicht in Gang. Die LINKE ist keine verbotene Partei. Sie ist im Bundestag vertreten und die Abgeordneten werden seit einigen Jahren nicht mehr überwacht. Im Freistaaat Thüringen ist Bodo Ramelow (DIE LINKE) Ministerpräsident, der sogar von der Konkurrenz geachtet wird.

5 thoughts on “Ganz schön link Herr Dr. R. K.

  1. Moin moin aus S.-H.

    da unser Verein sich auch gesellschaftspolitisch parteiübergreifend engagiert und ich mich ehrenamtlich im Verein und FÜR den Schachsport engagiere empfinde ich ein solches Vorgehen gelinde gesagt für den Schachsport als solches als daneben. Das bringt, genau wie 2016, nur negative Presse statt positiver.
    In jeder Sportart werden Parteien-Turniere oder ähnliche Veranstaltungen durchgeführt. Daher empfehle ich Herrn Dr. K. und hans schütz sich auch in allen anderen Sportarten nach Veranstaltern und Steigbügelhaltern von Parteien umzusehen, ob dort ggf. auch Tätigkeitsbedarf vorhanden ist. Hier nur eine minimale Auswahl:
    ttp://www.buschhueter.de/spd-meiendorf-laedt-ein-zum-freizeit-fussballturnier/, http://www.cdu-neu-wulmstorf.de/2017/05/cdu-benefiz-fussballturnier-2017/, http://spd-anhalt-bitterfeld.de/foto-galerie/bis-2013/sommerfest-beim-koethener-hockeyclub/
    Die Liste lässt sich mit Sicherheit auf ein paar Tausend Veranstaltungen bundesweit erweitern. Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass gezielte Versuche unternommen wird, den sv unser fritz zu denunzieren. Schachfeinde, wie Herrn Dr. R. K., hans schütz und Herrn Erich L. sollte der Schachbund wegen schwerwiegendem Fehlverhalten gegenüber dem Schachsport und Unsportlichkeit ein Leben lang sperren.

    Viele Grüße an den SV Unser Fritz

    J. E. S.

  2. Lieber Herr Schütze,
    da Ihr Name und Mailadresse frei erfunden ist und nicht existiert nehme ich an, dass Sie daran interessiert sind anonym zu bleiben. Eine Nähe zum Dr. K. ist deshalb nicht auszuschließen.

  3. Eine Kooperation eines Vereins, der per eigener Satzung oder Satzung der übergeordneten Verbände zur politischen Neutralität verpflichtet ist, mit einer politischen Partei – ganz gleich welcher – ist ein Tabu, das m.E. auf keinen Fall gebrochen werden darf.

  4. Ich finde solche Aktionen -wie auch den Kommentar des Herrn Schütze!- in keiner Weise nachvollziehbar, absolut verzichtbar und deprimierend!

  5. Ein Verein, der politische Parteien favorisiert, setzt sich immer der Nicht-Neutralität aus. Wenn das auch noch vor entscheidenden Wahlen in NRW passiert, ist es besonders problematisch.
    Es ist völlig gleichgültig, ob es sich um etablierte oder vermeintlich suspekte Parteien handelt. Es ist auch egal, ob man als Veranstalter oder Steigbügelhalter agiert.
    Ein Schachverein, der immer wieder die Regeln verletzt, (siehe Freitagsverbot) hat in der Gemeinschaft die Vorzüge der Gemeinnützigkeit verloren!!

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