Thomas Richter

Noch ein guter Tag für Carlsen

 

Carlsen
Insgesamt – einschliesslich der beiden Schnellschach-Tage – hatte Carlsen in Leuven abwechselnd (sicher für seine Verhältnisse) mittelmässige und gute Tage. Zwei gute Tage reichten für den klaren Turniersieg, da niemand mithalten konnte – auch wenn einer Carlsens Spielweise recht erfolgreich kopierte.

 

Zuerst die nackten Fakten: Insgesamt stand es am Ende so: Carlsen 23/36, So 20.5, Aronian 20, Anand 19.5, Caruana 17.5, Vachier-Lagrave 17, Nakamura 16.5, Kramnik und Giri 16, Topalov 14. Platz eins war bereits drei Runden vor Schluss vergeben, um Platz zwei bis vier blieb es bis zum Ende spannend, die nächsten fünf lagen auch dicht beieinander, und Topalov wurde wieder Letzter (bzw. in Paris war er Vorletzter, aber Fressinet war ja klarer Aussenseiter).

 

Im Blitz war das Feld quasi dreigeteilt: ein Erster, ein Letzter und der Rest zwischendrin: Carlsen 11, Aronian 10, So, Anand, Nakamura 9.5, Vachier-Lagrave und Kramnik 9, Caruana 8.5, Giri 8, Topalov 6. Nakamura spielte also besser als zuvor im Schnellschach, aber nicht „in seiner eigenen Liga“; daher konnte er auch nur ein bisschen Boden gutmachen.

 

Fotos gibt es bisher nur auf Facebook – von „Your Next Move Grand Chess Tour und Lennart Ootes“. Carlsens Wasserflasche wird im weiteren Bericht noch eine Rolle spielen.

 

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Farrukh Amonatov gewinnt vor bekannteren Spielern

 

Amonatov

Was machte die Chess Tour Truppe heute in Leuven? Blitzen und Geld verdienen (Bericht dazu nach den zweiten neun von achtzehn Runden). Was machten diverse andere Grossmeister gestern und heute – etwas weiter östlich in Kasachstan? Blitzen und eventuell Geld verdienen – „eventuell“ bezieht sich darauf, dass es für weit mehr als zehn Grossmeister zehn Geldpreise gab. Ob es auch Startgelder gab, entzieht sich meiner Kenntnis – das Regelwerk sagt nur, dass Spieler mit Blitzelo über 2750 Übernachtung und Verpflegung bekamen, mit Blitzelo über 2800 dazu auch noch Reisekosten. Am Ende gewann ein recht unbekannter Spieler, so unbekannt dass ich nur ein kleines Foto von ihm finden konnte (Quelle FIDE-Ratingseite). Aber hinter ihm, und auch noch ausserhalb der top10 beim „Eurasian Blitz Chess Cup of the President of Kazakhstan“ (Turnierseite) durchaus bekannte Namen.

 

Endstand: Amonatov und Nepomniachtchi 16/22, Jobava und Artemiev 15.5, Karjakin, Svidler, Vladimir Onischuk 15, Megaranto, Kovalenko, Moiseenko, Sjugirov, Kasimdzhanov, Ponomariov, Gelfand 14.5. Die letzten vier bewusst nicht fett gedruckt, da Preisgeld streng nach Tiebreaks vergeben und bei Punktgleichheit nicht geteilt wurde.

 

Wer ist Farrukh Amonatov?

 

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Am Ende lacht Carlsen

Carlsen
Es passiert mitunter, dass das „Konzept“ für einen Artikel (Überschriften, Fotos, …) bereits ’steht‘ – und dann doch hinfällig wird bzw. nach der jeweils letzten Runde im Turnier nicht mehr passt. Aber so unvorhersehbar wie beim Schnellschach in Leuven warlive es selten – auch wenn manche einwenden mögen „klar doch, dass Carlsen am Ende vorne liegt“. Auf dem Titelfoto (alle Fotos wieder von der Grand Chess Tour) blickt er noch recht mürrisch drein – erstens tut er das ohnehin oft, zweitens stammt das Foto von Tag eins (Tag zwei aktuell noch nicht online) und da hatte er durchaus Grund dazu.

 

Endstand des Schnellturniers dann: Carlsen 12/18, So 11, Aronian und Anand 10, Caruana 9, Topalov, Giri, Vachier-Lagrave 8, Kramnik und Nakamura 7. Ja, das stimmt so, auch was Nakamura betrifft.

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Diesmal im belgischen Leuven

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Nach jedem Turnier kann man fragen „was, wenn es noch einmal komplett von vorne beginnt?“. Meistens ist diese Frage zwar „nett“ oder „interessant“, aber rein hypothetisch – aber die Chess Tour setzt in dieser Hinsicht neue Masstäbe im Schach. Gerade ist livedas Turnier in Paris vorbei, schon wird es in Leuven wiederholt – mit (bis auf ein Detail) identischem Format und fast identischem Teilnehmerfeld. Einziger Unterschied: Anand ist diesmal dabei, damit ist für Fressinet kein Platz (und ein belgischer Spieler, wer auch immer, wäre ohnehin aktuell eine ziemlich wilde Wildcard).

 

Für Leser mit kurzem Gedächtnis wiederhole ich die Teilnehmerliste – heute mal alphabetisch und damit zu Beginn die „Pointe“: Anand, Aronian, Carlsen, Caruana, Giri, Kramnik, Nakamura, So, Topalov, Vachier-Lagrave. Dieser Endstand wäre aus meiner Sicht sehr überraschend, denn MVL traue ich mehr zu.

Titelbild (Fotograf Marco Mertens, Quelle Turnierseite): Austragungsort, das historische Rathaus von Leuven.

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Blitzschach = Schnell spielen und keine Fehler machen!?

Nakamura
So definiert es ein Vereinskollege (Elo ca. 1500), wobei er „keine Fehler machen“ recht locker sieht: Man darf schon den einen oder anderen Fehler machen – wenn man schneller spielt als der Gegner und durch Zeitüberschreitung gewinnt, bevor dieser mattsetzen kann. Bei uns wird ohne Inkrement gespielt, da funktioniert diese Strategie mitunter. Auf GM- bis Weltklasseniveau gibt es heutzutage meistens ein Inkrement, und derlei Spieler können Gewinnstellungen oft auch mit Sekunden auf der Uhr verwerten. Im Paris-Abschlussbericht werden andere wohl die beiden Erstplazierten feiern, zumal sie ohnehin Medienlieblinge sind – ich versuche, den schachlichen Gehalt des Blitzturniers zu erkunden und tue mich da etwas schwer.

 

Aber zunächst der Endstand, Schnell- und Blitzschach kombiniert: Nakamura 25.5/36, Carlsen 24.5, Vachier-Lagrave 22, So 19.5, Aronian 19, Giri 18, Kramnik 15.5, Caruana 14, Topalov 12, Fressinet 10. Nach dem Schnellturnier (bei dem die Partien doppelt zählten) hatte Nakamura einen Punkt Vorsprung auf Carlsen. Den behielt er, wobei es zwei Runden vor Ende des Blitzturniers zweieinhalb Punkte waren. Was entscheidend war, es gibt drei Kandidaten: Carlsens unnötige Niederlage gegen So in der ersten Runde des Schnellturniers („unglücklich“ ist der falsche Begriff, denn Zeitüberschreitung = selber schuld), Nakamuras glücklicher Sieg gegen Caruana in der letzten Runde des Schnelllturniers, und/oder (siehe unten im Bericht) Nakamuras glücklicher Sieg aus Verluststellung im Blitzen gegen Topalov. Jedenfalls gewann Nakamura und bekommt damit das Titelfoto (alle Fotos hier gefunden).

 

Ich „werte“ das Blitzturnier nochmal separat: Carlsen und Nakamura 11.5 (direkter Vergleich 2-0 für Carlsen), Vachier-Lagrave 11, Aronian und Caruana 10 (direkter Vergleich 2-0 für Aronian), Giri 9, So 8.5, Topalov 8, Kramnik 5.5, Fressinet 5. Anlass, um in diesem Bericht zum Blitzturnier auch MVL zu würdigen, und Kramniks Ergebnis ist natürlich erklärungsbedürftig.

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Nakamura vor Carlsen, Topalov und Caruana Flop

Bühne
Die beiden im Untertitel zuerst Genannten zählten natürlich, was Nakamura betrifft speziell bei verkürzter Bedenkzeit, zum engeren Favoritenkreis. Vorne liegen sie auch, da einige ihrer Gegner einfach schlecht gegen sie spielten bzw. übel patzten, währelivend sie selbst derlei in allen neun Runden vermeiden konnten (Ausnahme Carlsen gleich zu Beginn). Topalov am Tabellenende ist aus meiner Sicht nicht überraschend: erstens ist er kein guter Schnellschachspieler, zweitens hat er sich für die Chess Tour mit Ergebnissen aus der Vergangenheit qualifiziert, deren Haltbarkeitsdatum eventuell überschritten ist (sagte er selbst nach dem Kandidatenturnier). Caruana konnte dagegen in der Vergangenheit auch im Schnellschach überzeugen, diesmal hatte er ein für seine Verhältnisse ganz schlechtes Turnier.

 

Wie auf dem Titelfoto zu sehen, haben insgesamt zehn mitgespielt (einer ist ziemlich verdeckt aber doch dabei), mit diesen Ergebnissen: Nakamura 7/9, Carlsen 6.5, So und Vachier-Lagrave 5.5, Kramnik 5, Giri und Aronian 4.5, Fressinet 2.5, Topalov und Caruana 2. Alle Fotos stammen von der Grand Chess Tour – hier bzw. ab da über Flickr. Generell habe ich bei den Fotos den Eindruck, dass Inszenierung wichtiger ist als Schach an sich: bei weitem die meisten Fotos von Tag Null vor dem eigentlichen Turnier, und relativ wenige direkt von den Partien. Auf dem Titelfoto im Vordergrund das kaum erkennbare Publikum. Eintritt war 20 Euro bzw. 15 Euro für Mitglieder des französischen Schachverbands – angemessen oder nicht, das darf der Leser selbst beurteilen. Es ist jedenfalls mehr als doppelt so viel wie in Dortmund (Tageskarte 7 Euro, Dauerkarte 26 Euro), und unendlich mal so viel wie in Wijk aan Zee oder Zürich (Eintritt jeweils gratis).

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Paris, danach Leuven in Belgien

Nachdem Norway Chess sich nach einem Jahr schon wieder verabschiedete, hatte die Chess Tour bekanntlich ein Problem – nur noch Sinquefield Cup und London Classic wäre etwas wenig für eine „Tour“. Aber sie fanden neue Austragungsorte und neue Sponsoren, die allerdings Schnell- und liveBlitzschach bevorzugten und/oder nur ein „halbes“ Turnier finanzieren wollten. Da Frankreich und Belgien Nachbarländer sind und da im Juni noch Termine frei waren im Kalender, bot es sich an, die Turniere direkt nacheinander durchzuziehen – mit nahezu identischem Teilnehmerfeld. In Paris spielen vom 9.-12.6. Carlsen, Kramnik, Caruana, Aronian, Vachier-Lagrave, Nakamura, Giri, So, Topalov und Fressinet. In Leuven (17.-20.6.) macht dann Fressinet Platz für Anand. Wie das Teilnehmerfeld genau zustande kam und warum Anand in Paris fehlt, dazu später mehr. Damit die Spieler sich zwischendurch nicht langweilen bzw. jedenfalls beschäftigt sind, gibt es auch noch ein Rahmenprogramm.

 

Beim Titelfoto hebe ich generell fast nie einen Spieler besonders hervor, es gibt auch keine Ausnahmen für Norweger die – im Rahmen der Chess Tour – dieses Jahr nur Schnell- und Blitzschach spielen. Stattdessen der Austragungsort: das Maison de la Chimie ist durchaus repräsentativ, ausserdem mitten in Paris – ca. 300m Luftlinie zum Eiffelturm.

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Diesmal wieder Clichy vor Bischwiller

Austragungsort

 
Die letzten paar Jahre waren die französischen Mannschaftsmeisterschaften durchaus spannend, nach dem Motto: Wer gewinnt, Clichy oder Bischwiller? Diesmal schaffte es wieder „Team Vachier-Lagrave“ aus Clichy, Grossraum Paris vor „Team Grenke“ (gesponsort von Grenke Location, Ableger von Grenke Leasing) aus dem elsässischen Bischwiller. Es lag vielleicht daran, dass Bischwiller auch im entscheidenden Duell gegen Clichy auf das nominelle Spitzenbrett Giri verzichtete – dabei hätte er auf der Durchreise von Shamkir zur Chess Tour in Paris durchaus in Drancy, Vorort von Paris, vorbeischauen können. Das Turnier hatte quasi zwei Phasen: In den ersten neun Runden ging es darum, ob die Favoriten gegen den Rest der Liga Mannschaftspunkte abgeben würden: Beide spielten 4-4 gegen den späteren Vierten Bois-Colombes, ebenfalls Grossraum Paris, das war’s. In Runde 10 gab es das direkte Duell, Clichy gewann und stand damit bereits als Meister fest. Denn auch wenn sie in der letzten Runde gepatzt hätten, zählt in Frankreich bei Gleichstand nach Mannschaftspunkten zuerst nicht Brettpunkte, sondern der direkte Vergleich.

 

Titelbild (alle Fotos vom französischen Schachverband, hier gefunden) ist der Austragungsort in Drancy – der Aufsteiger aus ebendiesem Ort ist zwar direkt wieder abgestiegen, aber immerhin hatten sie 11 Tage lang ganz Frankreich und auch diverse ausländische Schachspieler zu Gast. Darunter auch mehrere deutsche Spieler, deren Abschneiden spielt im weiteren Bericht auch eine Rolle, aber zunächst zu den beiden Spitzenteams:

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Überraschendes Ende in Shamkir

Mamedyarov
Im Halbzeitbericht zu Shamkir Chess 2016 AKA Gashimov Memorial hatte ich bewusst vorsichtig formuliert, dass „derzeit“ (nun kann man sagen „damals“ vor dem Ruhetag) acht von zehn Spielern bereits abgeschlagen sind. Dabei hatte ich, wenn überhaupt jemand, am ehesten Karjakin zugetraut, doch noch um den Turniersieg mitzumischen – schliesslich hatte er nur einen bzw. anderthalb Punkte Rückstand auf Giri bzw. Caruana und ein relativ leichtes Restprogramm. Aber Karjakin gewann in den letzten vier Runden keine Partie, Caruana und Giri auch nicht. Dafür siegte Mamedyarov (Titelbild, alle Fotos Turnierseite) in Runde 7-9 dreimal, zuerst gegen Safarli (bemerkenswert da die Azeris sonst gegeneinander komplett remisierten), dann gegen Caruana, dann gegen Giri.

 

Und schon hatte er Giri überholt und Caruana eingeholt, dann gewann er auch noch den fälligen Stichkampf gegen Caruana. Endstand: Mamedyarov 6/9(+2.5/4), Caruana 6/9(+1.5/4), Giri 5.5, Karjakin 5, Mamedov 4.5, Harikrishna, Safarli, Radjabov 4, Eljanov 3.5, Hou Yifan 2.5.

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Spanische Experimente – wobei nicht immer Spanisch gespielt wird


Kurz vor Turnierbeginn (ab 14:30 heute Freitag 3. Juni) eine kurze Vorschau zu einem etwas anderen Turnier. Spanien experimentiert gelegentlich mit etwas anderen Turnierformaten – vor Jahren hatten sie „Advanced Chess“ eingeführt (Computerhilfe während der Partie erlaubt) und irgendwann wieder eingestellt, nun nennen sie das neueste Experiment „neoklassisch“. Das bezieht sich nicht auf die Zeitkontrolle (25 Minuten plus 10 Sekunden Inkrement ist schlichtweg Schnellschach), sondern darauf, dass die Spieler Eröffnungen vorgesetzt bekommen, die sie kennen und mögen oder auch nicht.

 

Mehr passt nicht in den Teaser, nur noch die Teilnehmer: Vallejo, Ponomariov, Granda Zuniga, Short, Anton Guijarro. Das Titelbild gebe ich Julio Granda Zuniga, der mit fast 50 Jahren zwei Dinge zum ersten Mal im Leben schaffte: Elo fast 2700 und ein Platz in der deutschen Schachbundesliga (für DJK Aufwärts Aachen). Irgendwo habe ich gelesen, dass er nicht mehr Obstbauer in Peru ist sondern (was die Anreise zur deutschen Bundesliga sicher erleichtert) inzwischen in Spanien lebt. Jedenfalls spielt er jede Menge Turniere in und um Spanien, das Foto stammt vom Andorra Open 2014 (Quelle Federació d’Escacs Valls d’Andorra via Wikipedia). Danach gibt es auch noch ein Open, in dem neben den fünf bereits genannten Grossmeistern auch unbekanntere spanische GMs und Amateure mitspielen, daneben auch ein paar Nicht-Spanier. Einer dieser „Exoten“ ist beim deutschen Publikum wohl relativ bekannt, aber da bitte ich die Leser um etwas Geduld.

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Fünf Tage (bisher) in Shamkir

Caruana
Caruana hat die Nase vorn, nur einer hatte bisher etwas einzuwenden gegen eine Wiederholung seines Auftritts 2014 in St. Louis. Aber ein anderer Spieler, der zuvor beim Kandidateliventurnier gar nicht und in Norwegen nur einmal zum Auftakt gewinnen konnte, liegt nur einen halben Punkt hinter ihm – das ist bei Shamkir Chess 2016, auch bekannt als Gashimov Memorial, der Zwischenstand nach fünf von neun Runden und vor dem einzigen Ruhetag: Caruana 4.5/5, Giri 4, Karjakin 3, Harikrishna und Mamedyarov 2.5, Mamedov, Radjabov, Safarli 2, Hou Yifan 1.5, Eljanov 1. Ziemlich sauber nach Elo sortiert, nur Gelegenheitsspieler Radjabov sollte eigentlich mehr Punkte haben als seine Landsleute Mamedov und Safarli, und Eljanov hat schon wieder (zuletzt auch in Stavanger) ein sehr schlechtes Turnier.

 

Das Titelfoto (fast alle Fotos Quelle Turnierseite) bekommt natürlich Fabiano Caruana. Bei einigen „kommerziellen Konkurrenten“ hat er offenbar quasi denselben Status wie Carlsen: Niederlagen gegen Caruana werden auch dann als ‚unvermeidlich‘ bezeichnet wenn sie eventuell vermeidbar waren; Gegner werden gelobt, wenn sie gegen Caruana kreativen Schrott spielen und recht chancenlos untergehen. Nun mein Blick auf die bisherigen Runden, wobei jede Runde ein eigenes Motto bekommt – ob ich das auch für Runde 6-9 durchziehen kann, wird sich herausstellen.

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Am Ende siegt doch der Favorit

Logo

 

Ein bisschen erinnerte das Kurnosov Memorial an die Berliner WM im Blitzschach: Auch da kam Grischuk „von hinten“ und war zum Schluss Weltmeister. Unterschiede gibt es auch: Damals war er nicht klarer oder einziger Favorit, und damals hatte er vier Runden vor Turnierende anderthalb Punkte Rückstand auf den „uneinholbar führenden“ Vachier-Lagrave. Diesmal hatte er nach sieben von elf Runden nur einen Punkt Rückstand auf das Duo Movsesian-Inarkiev; kein anderer Spieler „hatte das Turnier bereits gewonnen“. Damals wie diesmal brauchte und erzielte er 3,5 Punkte aus den wichtigen vier letzten Runden.

 

So stand es am Ende: Grischuk 9/11, Smirnov, Riazantsev 8.5, Rublevsky, Movsesian, Inarkiev, Maletin, Shomoev, Lysyj, Yudin, Khusnutdinov, Bocharov 8, usw. (insgesamt 145 Teilnehmer). Alle Grossmeister, mehr oder weniger bekannte Namen, zwei Nicht-Russen fallen heraus: Sergei Movsesian ist Armenier, Rustam Khusnutdinov ist Kasache. Da es keine Vorschau zum Turnier gab, gibt es nun erst ein bisschen Vorschau hinterher. Danach werde ich auf einige Runden eingehen und das teilweise dramatische Geschehen auch diagrammatisch dokumentieren. Da mag der Eindruck entstehen, dass vor allem üppig gepatzt wurde: das gehört im Schnellschach dazu, aber es gab auch recht hochklassiges Schach – nur dann eben ohne den einen Moment in dem die Partie kippte.

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Dieses Jahr mit „gemischtem“ Teilnehmerfeld

Gashimov
Superturniere experimentieren gerne mal mit dem Format, bzw. passen es eventuell an aktuelle Möglichkeiten (wer hat Zeit und Lust um zu spielen?) an. Das Gashimov Memorial gibt es seit 2014, da Vugar Gashimov (Titelbild von der Tliveurnierseite) am 10.1.2014 im viel zu jungen Alter von 27 Jahren verstarb. Die wichtigste Info gleich zu Beginn, wer ist diesmal dabei? Caruana, Giri, Karjakin, Harikrishna, Eljanov, Mamedyarov, Radjabov, Safarli, Hou Yifan, Mamedov. „Gemischt“ bezieht sich auf vier Azeris und sechs Ausländer(innen), sowie darauf, dass die Spieler ein bisschen überall in der aktuellen top100 zu finden sind. 2014 hatten sie eine ziemlich elitäre A-Gruppe mit sechs Teilnehmern (darunter Mamedyarov und Radjabov), und dazu ein B-Turnier mit fünf Azeris und fünf Ausländern. 2015 dann nur ein Turnier, dafür zehn Teilnehmer – neun mit Elo fast 2750 oder mehr, Mamedov durfte auch mitspielen (soweit ich mich erinnere, da Radjabov abgesagt hatte). Dieses Jahr ist das Feld zwei- bis dreigeteilt:

 

Caruana, Giri und Karjakin sind etablierte absolute Weltklasse, Harikrishna, Eljanov und Mamedyarov nach aktueller Elo knapp dahinter. Radjabov ist zwischendrin: vor drei Jahren war er noch Nummer 4 weltweit, danach ging es bergab, inzwischen hat er sich im Bereich top30 stabilisiert, spielt allerdings eher sporadisch. Die drei anderen haben Elo unter 2700 – Safarli hat sich bei der (nicht allzu stark besetzten) azerischen Meisterschaft qualifiziert, Mamedov ist ebenfalls Lokalmatador, Hou Yifan ist weiblich.

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Nisipeanu einer von 23 Weltcup-Teilnehmern, Donchenko mit „Pech“ in der Schlussrunde

Inarkiev (Bjornsson)
 
Das Geschehen nach dem Ruhetag bei der Europameisterschaft in Gjakova/Kosovo ganz kurz zusammengefasst: In Runde 7, 8 und definitiv 9 fiel bereits die Entscheidung über Gold. Danach und natürlich bereits parallel ging es noch um die anderen Medaillen und weitere Plätze mit attraktivem Preisgeld sowie – für manche vielleicht wichtiger als ganz vorne landen – die ersten 23 Plätze die zur Teilnahme am Weltcup berechtigten. Einige sicherten da das zuvor Erreichte mit (nicht immer ausgekämpften) Remisen ab, andere hatten noch Nachholbedarf bzw. (ein Leidtragender war Alexander Donchenko) Ambitionen auf mehr.

 

Und das kam am Ende dabei heraus: Inarkiev 9/11, Kovalenko 8.5, Jobava, Navara, Vallejo 8, Wojtaszek, Piorun, Fressinet, Goganov, Dubov, Vitiugov, Cheparinov, Najer, Hovhannisyan, Sergei Zhigalko, Palac, Salgado Lopez, Dreev, Anton Guijarro, Nisipeanu, Tari, Demchenko, Ter-Sahakyan, Lupulescu, Bortnyk 7.5. Alle Grossmeister, der erste IM dann auf Platz 42. Die drei Letzten der obigen Liste sind bewusst nicht fett gedruckt, da einige wenige Buchholz-Punkte zur (vermutlichen) Weltcup-Qualifikation fehlten. In der nächsten Gruppe mit 7/11 nach Wertung vorne der zum Ruhetag noch mit 5,5/6 alleine führende Ivan Saric, knapp dahinter Alexander Donchenko. In der nächsten Gruppe mit 6,5/11 unter anderem Ragger, Ponomariov und Matlakov – in der Setzliste unter den ersten zehn, aber es reichte nur für den geteilten 44. Platz.

 

Zu den anderen deutschen Teilnehmern komme ich noch, im Teaser nur noch der Hinweis auf das Titelbild: natürlich Europameister Ernesto Inarkiev. Fotos stammen weitgehend von der European Chess Union, Fotografen Tomasz Delega und Gunnar Bjornsson, gefunden hier und hier.

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Saric vor dem Ruhetag alleine vorne

Turniersaal
 
Zumindest der Form halber sollte ich hinzufügen: Gemeint ist Ivan Saric aus Kroatien, Ante Saric spielt auch mit und ist momentan auf Platz 74 zu finden. Ab Donnerstag werden noch fünf Runden gespielt, der Stand nach den ersten sechs von elf ist demnach eine Momentaufnahme: Saric 5.5/6, Wojtaszek, Jobava, Navara, Inarkiev, Kovalenko 5, Vitiugov, Ipatov, Salgado Lopez, Cheparinov, Vallejo, Ponomariov, Zubov, Goganov, Fressinet, Berkes, Anton Guijarro, Bartel, Nabaty, Ter-Sahakyan, Demchenko 4.5, usw. . Ich nannte relativ viele Namen (21), da es neben Titel und Medaillen auch um 23 Qualifikationsplätze für den Weltcup geht. Derzeit reicht bei sehr guter Wertung also auch 4/6 (+2) – das haben die vier deutschen Teilnehmer mit Schachtitel, allerdings keine ausreichend gute Wertung. Da muss im weiteren Turnierverlauf sicher noch mindestens ein Sieg her.

 

Da ich Saric im Fotobereich der Turnierseite nicht gefunden habe, stattdessen ein allgemeiner Eindruck vom Turniersaal. Vielleicht etwas rustikal – zu (Kritik am) Austragungsort Gjakova (ein auf chess.com kommentierender Serbe schrieb Djakovica) im Kosovo komme ich noch. Ansonsten ist die Webseite etwas mager – unter „News“ nur der Hinweis auf Eröffnungsfeier und technical meeting sowie eine Stellungnahme zu einem Protestfall, unter „Press releases“ der Hinweis „kommt noch“. Nun erst zu Ivan Saric:

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Grossmeister vorne weitgehend unter sich

Bachmann
Im Vorbericht hatte ich dem Publikum – nach einem Blick auf die Teilnehmerliste – 16 Grossmeister versprochen, zugleich die ersten sechzehn der Setzliste. Dieses Jahr war kein Fast- oder Demnächst-GM dabei, wie die letzten Jahre Jorden Van Foreest (der zwar auch mitspielte, aber seine früheren Titel FM und IM nicht mehr führt). Der Norweger Johannessen ist dann nicht erschienen, aber fünfzehn ist ja auch nicht schlecht. Von diesen machte Axel Bachmann alles richtig: ungeschlagen, 100% gegen Nicht-GMs und auch ein Sieg gegen einen GM-Kollegen. Ab Runde 2 spielte er am ersten Brett, da der nach Elo ganz leicht (2634 zu 2632) favorisierte Christian Bauer bereits in Runde 1 einen halben Punkt einbüsste, und auch danach etwas zu oft remisierte. So gewann der Mann aus Paraguay das Turnier, von mir bekommt er dafür das Titelfoto (alle Fotos Quelle Turnierseite).

 

Endstand: Bachmann 6/7, Gharamian, Fier, Van Foreest, Swinkels, Bauer 5.5, usw. . 5/7 erzielten (nicht sauber nach Wertung sortiert) die GMs Socko, Fridman, Wirig und Dambacher, die IMs Feuerstack, Hovhannisyan und Ducarmon sowie die FMs Van Dooren und Hing Ting Lai. Da fehlen noch fünf von fünfzehn Grossmeistern.

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Zehnte Auflage, 16 Grossmeister, fast 500 Teilnehmer

Schachbundesliga 12. Spieltag

Daniel Fridman (Schachbundesliga 12. Spieltag)

 

Es ist wieder Zeit für die traditionelle Vorschau zu einem traditionellen Open. „Tradition“ ist dabei Definitionssache: Das Limburg Open gibt es seit 2008 immer an Pfingsten, nicht von Anfang an als BPB Limburg Open nach dem derzeitigen Hauptsponsor Bruls Prefab Betoliven. Vor zwei Jahren habe ich es „registriert“ und seither schreibe ich dazu. Geographisch ist ja Kollege Franz Jittenmeier näher am Geschehen (ausser 2014, da war ich zum Turnierende vor Ort), aber ich kenne mich in der NL-Schachszene besser aus. Die zehnte Auflage hat vielleicht ein aufgestocktes Budget und daher mehr GMs als jemals zuvor, noch kann ich alle erwähnen: Christian Bauer, Axel Bachmann, Tigran Gharamian, Alexandr Fier, Daniel Fridman, Bartosz Socko, Emanuel Berg, Jorden van Foreest, Boris Chatalbashev, Sipke Ernst, Jan-Christian Schröder, Ruud Janssen, Anthony Wirig, Leif Erlend Johannessen, Martijn Dambacher, Robin Swinkels.

 

Das sind alles Spieler, die kaum Einladungen zu Rundenturnieren bekommen und daher viele Opens spielen, sowie auch Mannschaftskämpfe oft in mehreren Ländern. Zum Beispiel Daniel Fridman spielte dieses Jahr auch in der niederländischen, belgischen, französischen und israelischen Liga – das Titelfoto habe ich allerdings hier gefunden.

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Schon sind die russischen Mannschaftsmeisterschaften vorbei

The_Bronze_Horseman_(St._Petersburg,_Russia)
Zu Untertitel und generell ein bisschen Vergleich der beiden stärksten Schachligen (bei mir auch was die deutsche Bundesliga betrifft ohne Gänsefüsschen) komme ich noch, erst der Endstand der beiden Topturniere in Sotschi:

 

Bei den Herren (sechs Bretter) war es bis zum Schluss spannend und endete so (Mannschafts- und in Klammern Brettpunkte): St. Petersburg 13(29.5), Moskau 12(31.5), Siberia 10(27), Zhiguli 5(19), Ladya 0(13). Dass hinter Platz drei eine Lücke klaffen würde, war schon vorher klar. Auch der Kampf um Platz vier war schnell quasi entschieden, davor blieb es spannend und endete nicht unbedingt wie erwartet.

 

Bei den Damen (vier Bretter) war dagegen schon nach sieben von neun Runden alles entschieden, Endstand dann: Moskau 16(23), St. Petersburg und Yugra 11(20), usw. . Bei neun Teams durfte jeder einmal pausieren, d.h. Moskau gewann acht von acht Begegnungen. Offiziell heisst das Team (wie auch bei den Herren) SHSM Legacy Square Capital, bei den Damen spielten noch zwei andere Teams aus der Region Moskau. Wie dominant die Metropolen insgesamt sind, zeigt sich auch am Endstand der zweiten Liga: Moskau vor St. Petersburg, St. Petersburg, Moskau, Togliatti, Moskau und 17 anderen Teams.

 

Das stärkste Team aus St. Petersburg heisst offiziell „Bronze Horseman“; da der Sieg eine Mannschaftsleistung war gebe ich das Titelbild (Godot13 – Wikipedia) dem Maskottchen – auch wenn es zu sperrig ist, um im Flugzeug nach Sotschi oder demnächst zum Europacup für Vereinsteams transportiert zu werden. Das ist die Statue von Zar Peter der Grosse auf dem St. Petersburger Senatsplatz. Nun die zweite Turnierhälfte Runde für Runde bei den Herren, danach ein paar Worte zu den Damen.

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Noch ist Sibirien nicht verloren (und „Big pictorial report“)

 

Kramnik

Wie bereits im Vorbericht erwähnt: Die Premier League der Herren in Sotschi umfasst de fakto zwei Turniere, die sich nur ein bisschen gegenseitig beeinflussen. Drei Mannschaften spielen um den Titel, zwei andere um Platz vier der auch noch zur Teilnahme am Europacup für Vereinelive berechtigt. Das eine Turnier ist – vielleicht überraschenderweise – bei Halbzeit total offen, im anderen ist bereits eine Vorentscheidung gefallen. Das ist der Zwischenstand nach Mannschafts- und in Klammern Brettpunkten: SHSM Legacy Square (Moskau) 6(15), Siberia 6(14.5), Bronze Horseman (St. Petersburg) 5(13.5), Zhiguli (Samara) 3(11), Ladya (Tatarstan) 0(6).

 

Siberia war klarer Favorit und ist es vor dem zweiten Durchgang vielleicht immer noch. Dass ihr Rückstand auf Moskau minimal ist, lag daran dass die Truppe um bzw. weitgehend ohne Karjakin auch patzte. Es lag auch daran, dass ein Schlüsselspieler, sobald er auftauchte, voll punktete. Das Titelbild (alle Bilder, bzw. fast alle vom russischen Schachverband) bekommt deswegen Vladimir Kramnik. Die Premier League ist übrigens nur das Sahnehäubchen des laufenden Schachfestivals in Sotschi; auch parallel laufende andere Turniere werde ich (vor allem bildlich) erwähnen. Aber zuerst Runde für Runde in der höchsten Liga:

TurnierseiteResultate

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Stark besetzt, aber auch da gibt es Probleme!?

karjakin
Zu den offenbar vorhandenen Problemen (mit indirektem Bezug zur deutschen Schach-Bundesliga) komme ich noch, zuerst die konventionell-unkonventionelle Einleitung: live Gerade ist Norway Chess für Kramnik und Svidler vorbei, und nun sind sie nicht etwa zu Hause bei ihren Familien sondern in der neuen russischen Schachhochburg Sotschi, Austragungsort der russischen Mannschaftsmeisterschaft. Beide spielen, in Stavanger hatte Svidler stattdessen kommentiert. Reden werden sie wohl auch, jedenfalls zwischen den Runden zumindest mit ihren Teamkollegen (Kramnik lobte die Atmosphäre in seinem Team), eventuell – falls es Pressekonferenzen gibt – in diesem Rahmen auch mit- bzw. durch- bis gegeneinander (gab es bereits): Beide spielen an Brett 1, damit sitzen sie sich wohl (es wird doppelrundig gespielt) zweimal gegenüber.

 

Neben diesen beiden nenne ich zunächst die neun anderen mit aktuell Elo über 2700: Karjakin (Titelfoto von David Llada), Grischuk, Dominguez, Jakovenko, Bu Xiangzhi, Tomashevsky, Vitiugov, Malakhov, Nepomniachtchi. Diverse andere hatten auch schon einmal 2700+ auf ihrem Konto oder waren bzw. sind sehr nahe dran – Matlakov, Rublevsky, Rodshtein, Inarkiev, Korobov, Kamsky (letzter in dieser Liste da er seinen Karrierehöhepunkt wohl hinter sich hat). Najer hat immerhin das Aeroflot-Open gewonnen und darf deshalb dieses Jahr in Dortmund spielen, Fedoseev, Artemiev und Dubov sind Jungstars, usw. – nur vier von vierzig Spielern sind keine Grossmeister.

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