Thomas Richter

Keymer und andere erfolgreich

Keymer

Aktuell hatten wir den Bericht von Frank Hoppe für schachbund.de übernommen – er hatte bereits gestern Zeit etwas zu schreiben und fasste sich relativ kurz. Aber dieses ungewöhnliche Turnier hat noch etwas mehr verdient – ungewöhnlich war vor allem der bunt gemischte Endstand, bei dem neben Vincent Keymer noch andere junge Spieler überraschten und überzeugten, im Gegensatz zu einigen etablierten Spielern: GM Ragger 8/9, IM Vetoshko und Keymer 7.5, GM Buhmann, GM Shengelia, IM Schreiner, IM Koop, GM Vorobiov, IM Rathnakaran, IM Nitin, IM Ponizil, FM Dauth 7, usw. . Von den 12 Spielern mit 6,5/9 erwähne ich nur einige: Wertungsbester ist der griechische GM Mastrovasilis (an drei gesetzt wurde er 13.), aus deutscher Sicht IM Baldauf, GM Hertneck und die zweite positive Überraschung WIM Josefine Heinemann, aus international-jugendlicher Sicht noch der titellose Türke Emre Emin Dedebas. Mit 6/9 unter anderem der Usbeke Javokhir Sindarov (wer ist das denn? dazu komme ich noch).

 

Das Titelbild (beide Fotos Turnierseite) bekommt nicht der Turniersieger Markus Ragger, sondern Vincent Keymer. Frank Hoppe hatte es für den Schachbund etwas zurecht geschnitten, aber auch so steht das Jungtalent optisch (schwarz-buntes T-Shirt) im Mittelpunkt. Ragger erfüllte seine Favoritenrolle, Keymer drehte nach leicht holprigem Start auf – beide verpassten ein anderes Eventualziel knapp, siehe unten. Wieder wähle ich als Format/roten Faden nicht „Runde für Runde“, sondern „Spieler für Spieler“ – fast nach Abschlusstabelle sortiert.

 

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Deutsche Teilnehmer ohne Medaillenchancen

Xiong-1-1

Bei internationalen Jugendturnieren gilt des öfteren: Namen, Elozahlen, Schachtitel (FM/IM/GM oder auch der inoffizielle Titel „Prinz“) – alles Schall und Rauch. Entschepartienidend ist, wie man dann insgesamt – gegen bekannte und „unbekannte“ Gegner – spielt. So war es auch bei der Junioren-WM in Bhubaneswar (Ostindien): Zwar gewannen die beiden nominell besten Spieler Gold und Silber, allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Aber dahinter schnitten einige besser ab als erwartet (wenn Elozahlen das Mass aller Dinge sind), andere demnach schlechter. Alle Fotos von der Turnierseite – das Titelfoto zeigt natürlich den bereits genannten Sieger.

 

Das ist (oben) der Endstand: GM Xiong 10.5/13, GM Artemiev 9.5, GM Sunilduth und FM Xu Yi 9, GM Khartikeyan, IM Mosadeghpour, Xu Yinglun, IM Nasuta, IM Svane 8.5, GM Aravindh, Maghsoodloo, Ivekovic, IM Lorparizangeneh 8, usw. . Jeffery Xiong ist nicht etwa Chinese, sondern US-Amerikaner, geboren am 30.10.2000 in Plano/Texas – damit ist sein Erfolg in der Altersklasse U20 durchaus bemerkenswert. Ansonsten vermutet der Leser richtig: unter den genannten Spielern zwei Chinesen, drei Inder und drei Iraner. Das sind zusammen neun von dreizehn, der Rest kommt aus Europa (Rasmus Svane wird demnächst beim FIDE-Kongress offiziell GM). Von den vierzehn Spielern mit 7,5/13 nenne ich nur einige: den Wertungsbesten IM Christoph Menezes aus Österreich, den Inder FM (demnächst IM) Praggnanandhaa, den (noch) titellosen Inder Paul Srijit der sich um satte 166 Elopunkte verbesserte und (im Gegensatz zu zuvor erwähnten wohl nicht mit seinem Ergebnis zufrieden) GM Dennis Wagner. Praggnanandhaa, Jahrgang 2005, hat noch diverse Chancen um in dieser oder in anderen Altersklassen Weltmeister zu werden (der auf chess24 ebenfalls erwähnte Usbeke CM Sindarov spielt übrigens, wie der dort in Kommentaren erwähnte Vincent Keymer, momentan in Wien).

 

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Sinquefield Cup etwas anders als bisher

 

So

Zum vierten Mal spendierte Rex Sinquefield einigen ausgewählten Spielern eine insgesamt sechsstellige Dollarsumme. Dreimal gab es einen dominanten Sieger – 2013 im Miniturnier (ausser ihm nur Nakamura, Aronian und der klare Aussenseiter Kamsky) Carlsen, 2014 Caruanas historischer Triumph, 2015 siegte Aronian ebenfalls souverän. Die hätten vermutlich auch gewonnen oder jedenfalls wieder vorne mitgespielt, wenn das Turnier direkt danach wiederholt würde. Dieses Jahpartienr bin ich mir da nicht so sicher – zumal mit anderer Auslosung, d.h. Gegner in anderer Reihenfolge mit teilweise vertauschten Farben. Ein fast „spiegelbildliches“ Turnier (dieselben Gegner mit vertauschten Farben) gibt es im Dezember in London – fast, da Ding Liren dann (inzwischen offenbar offiziell-definitiv) durch Michael Adams ersetzt wird.

 

„So“ wie das Turnier lief gewann am Ende Wesley So (alle Fotos von der Turnierseite bzw. ab da via Flickr). Er spielte wie zuvor in Paris, Leuven und Bilbao – betont solide, gewinnen wenn es sich ergibt – und das reichte. Endstand So 5.5/9, Aronian, Topalov, Caruana, Anand 5, Nakamura und Vachier-Lagrave 4.5, Ding Liren 4, Svidler 3.5, Giri 3. Ob dieser Ansatz bei nächster Gelegenheit wieder wunderbar funktioniert, muss man abwarten – 2015 spielte er in St. Louis mutiger und landete am Tabellenende, zuletzt wurde er (wie auch Nakamura) pragmatischer.

 

Auch dieser Bericht ist etwas anders als üblich. Bei nur einem Abschlussbericht ist „Runde für Runde“ schlichtweg zu viel. Die relativ vielen Remispartien ignoriere ich weitgehend – teilweise zu Unrecht, da einige durchaus dramatisch verliefen – und bringe nur das, was sonst am Ende kommt: „Einzelkritik“ bzw. zusammenfassende Bemerkungen zu allen Teilnehmern. Dafür eine etwas grosszügigere Auswahl aus insgesamt 917(!) Fotos – etwas willkürlich, etwas „thematisch“.

 

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Immerhin zwei Neulinge im Turnier

Svidler-headshot

Die Partien beginnen um 20 Uhr

Ich habe schon die letzten Jahre etwas durchschimmern lassen, dass ich mich bei der Vorschau zu diesem und anderen Turnieren der Chess Tour etwas schwer tue – was soll ich denn schreiben? Schon wieder ein Treffen der absoluten Weltelite, immer dieselben Spieler …. . Diesmal haben zwei Teilnehmer abgesagt – einer hatte nie zugesagt, beim anderen kam etwas dazwischen, damit immerhin 20% frisches Blut im Turnier. Dabei sind Carlsen, Vachier-Lagrave, Kramnik, Caruana, Aronian, Nakamura, So, Anand, Giri, Topalov, Ding Liren und Svidler. Das Titelbild (Quelle Turnierseite) gebe ich dem Teilnehmer, der selbst erst seit kurzem Bescheid weiss und es ein kleines Wunder nannte, dass er als Russe so schnell ein Visum für die USA bekam – geholfen haben da offenbar einschlägige Kontakte von (Team) Rex Sinquefield.

 

Spieler genau so nach Elo sortiert ist noch etwas gewöhnungsbedürftig – MVL als Elofavorit, Topalov und Ding Liren fast am Ende der Elo-Hackordnung (die nach dem Turnier vielleicht wieder etwas anders aussieht). Bei MVL und Ding Liren liegt es daran, was sie im Juli schachlich anstellten; Topalov hatte seine Elozahl – letztes Jahr noch durchgehend 2798 oder mehr – schon zuvor nach unten korrigiert.

 

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Interessante Duelle der „zweiten Garnitur“ in Sibirien

korobov

 
Es begann verhalten mit fünf weitgehend ruhigen Remisen – da hatten die Teilnehmer vielleicht die (für fast alle) lange Anreise nach Sibirien noch nicht verkraftet. Unpartiend auch danach hatten einige Runden mehr, andere weniger zu bieten (es gab auch einige Kurzremisen). Im Gedächtnis haften bleiben jedoch die turbulenteren Partien und auch die Tatsache, dass öfters mal Eröffnungen aufs Brett kamen, die man auf höherem Niveau (Elo 2750+) eher selten sieht.

 

Einer setzte sich früh unten ab – Bologan (letztes Jahr noch geteilt Erster, 2005 ebenfalls geteilter, 2000 und 2001 alleiniger Sieger) verlor drei seiner ersten vier Partien. Die zweite Turnierhälfte lief besser für ihn, und da andere nun kriselten bekam er Gesellschaft am Tabellenende: Sutovsky verlor in Runde 4-6, Kovalenko erzielte einen halben Punkt aus seinen letzten fünf Partien. Titelverteidiger Korobov beschleunigte in der zweiten Turnierhälfte und konnte auch eine Niederlage zwischendurch verkraften bzw. kompensieren. Das etwas ungewöhnliche Titelfoto wieder von der Turnierseite.

 

Endstand: Korobov 6/9, Wojtaszek 5.5, Andreikin, Matlakov, Jakovenko 5, Smirin, Motylev 4.5, Sutovsky 3.5, Kovalenko und Bologan 3.

 

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Und mehr zum Xtracon Chess Open (früher Politiken Cup)

Bluebaum

 
„Schon wieder“ bezieht sich darauf, dass er Ende März das Grenke Chess Open gewann – das war finanziell und sportlich noch höher zu bewerten, denn er war nur Nummer 25 der Setzliste, nun immerhin Nummer 10. Damals in Karlsruhe wie nun im dänischen Helsingor landeten mehrere Spieler punktgleichpartien auf Platz eins, damals sechs diesmal sieben. Jeweils hatte Bluebaum – auch ein bisschen Glückssache – die beste Wertung, ein halber Buchholz-Punkt entschied zu seinen Gunsten.

 

Da in Helsingor zu viele (nämlich fünfzehn) Spieler einen halben Brettpunkt zu wenig erzielten für den geteilten ersten Platz, nenne ich nur die glorreichen sieben und dann jeweils einige (international oder jedenfalls aus deutscher Sicht oder auch nur (ex-)hessischer Sicht) bekannte Namen: Bluebaum, Shirov, Amin, IM Carlstedt (alle anderen sind GMs), Marin, Hammer, Degraeve 8/10. Dahinter mit 7,5/10 u.a. Dreev, Timman, Naroditsky, Agdestein, Fressinet und Rasmus Svane. Mit 7/10 u.a. Julio Granda Zuniga, Jan-Christian Schroeder und Malte Colpe. Wertungsbester mit 6,5/10 Erik Zude, punktgleich u.a. Julian Kramer. Wertungsbester mit 6/10 Matthias Bach, punktgleich u.a. Stephan Buchal. Wertungsbester mit 5,5/10 noch ein Svane, Vorname Frederik.

 

Fotos stammen von der Turnierseite – eine kleine Auswahl mit Schwerpunkt deutsche Teilnehmer. Jahrelang hiess das Turnier „Politiken Cup“, dieses Jahr hatten sie mit dem IT-Unternehmen Xtracon einen neuen Sponsor. Offiziell heisst es auch „Copenhagen Chess Festival“ – Austragungsort ist jedoch das Konventum in Helsingor, früher (bevor Kopenhagen und Malmö mit einer Brücke verbunden wurden) wichtiger Fährhafen nach Schweden, noch länger bekannt als Schauplatz von Shakespeares Hamlet.

 

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Sieg und neuer persönlicher Elorekord für MVL

Svidler-MVL 2016
 
Ich hatte einen „deutlicheren“ Titel wie „MVL zerlegt Svidler“ erwogen. Aber Svidler hatte durchaus Chancen im Match – nur hat er sie (im Gegensatz zum Franzosen) kaum genutzt. Gespielt wurden vier recht turbulente Schnellpartien (Endstand 2,5-1,5 für MVL) und vier ebenfalls gehaltvolle Partien mit klassischer Bedenkzeit (3-1 für MVL, bzw. 6-2 da diese Partien doppelt zählen). Da beide jedenfalls zum Unterhaltungswert beigetragen haben, gebe ich beiden das Titelfoto – alle Fotos von der Turnierseite. Später auch noch ein individuelles Foto von Maxime Vachier-Lagrave – dann verrate ich auch, was er auf 1.e4 spielt, der eine oder die andere weiss es vielleicht bereits. Mit neuem persönlichem Elorekord hat er auch Platz 2 in der Weltrangliste konsolidiert – am 1. August ist es dann offiziell, am 1. September (nach dem Sinquefield Cup) gibt es die nächste offizielle Eloliste.

 

„Kurz und knapp und fotografisch“ werde ich auch zeigen, was in Biel noch so passiert – auch noch nächste Woche. Dann sind Vachier-Lagrave und, wie sich herausstellte, auch Svidler bereits in St. Louis – Svidler als Ersatz für Kramnik, der wegen Rückenschmerzen absagte.

 

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Am Ende gm Pruijssers nach Wertung vor FM ten Hertog, nach Punkten vor den Favoriten

Pruijssers
„gm“ (Kleinbuchstaben) ist nicht etwa ein Tippfehler, sondern eine Art ‚Stilmittel‘: Roeland Pruijssers ist einer – von diversen – Spielern, die den GM-Titel haben aber aktuell elomässig kein GM-Niveau. Für den GM-Titel braucht man ja, neben mehreren (meistens drei) GM-Normen, auch Elo 2500, wobei einmal im Leben reicht und dann ist und bleibt man Grossmeister. Pruijssers hatte vor dem Turnier Elo 2463, danach (in ein paar Tagen auch offiziell) wieder 20 Punkte mehr – also hat er für seine aktuell-nominellen Verhältnisse sehr gut gespielt, wie auch sein Nachbar in der Abschlusstabelle. Andere „gms“ wären in den Niederlanden Ruud Janssen (auch wenn er aktuell Elo 2505 hat), Harmen Jonkman und Dennis de Vreugt; vergleichbare Spieler gibt es sicher auch in anderen Ländern. Bei Jonkman und de Vreugt war „GM werden“ quasi Höhepunkt der Schachkarriere (oder gar „Anfang vom Ende“ ebendieser?); Pruijssers hatte durchaus für längere Zeit Elo 2500+ und verliess dann wieder diese Zone.

 

Wie dem auch sei, das ist der Endstand in Leiden – bunt gemischt relativ bekannte und (jedenfalls international) unbekannte Namen: gm Pruijssers und FM Ten Hertog 7/9, GM Sandipan, GM Van Wely, FM Kevlishvili, IM Pijpers 6.5, GM Postny, Van Tellingen, FM Beerdsen, GM Ikonnikov, IM Sagar Shah, gm Pavlovic 6.5, usw. (64 Teilnehmer, nicht alle spielten bis zum Ende mit).

 

Die Turnierseite hat einige wenige Fotos, die ich teilweise im weiteren Bericht verwende, aber keines von Pruijssers – jedenfalls noch nicht, Fotos von der Siegerehrung sind noch nicht online. Daher stammt das Titelfoto von der NL-Meisterschaft 2015.

 

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Carlsen im Schongang zum Turniersieg

_MDA2009
Viel musste er nicht mehr zeigen: Die erste Turnierhälfte war ja nach Wunsch verlaufen, und Nakamura (dank Carlsen selbst erster Verfolger) versuchte nicht wirklich, noch eine Partie zu gewinnen – ein „historischer“ Sieg reichte ihm? Carlsen gewann noch eine Partie, und auch das war ein „historischer“ Sieg: Giri erwischte eine ziemlich schlechte zweite Turnierhälfte. Ich bleibe dabei, Carlsens Spiel so zu beschreiben wie ich es sehe. Anderen gefällt es, sei es generell sei es weil er damit erfolgreich ist, einige glorifizieren es, das mache ich nicht.

 

Endstand: Carlsen 17/30, Nakamura 12, So und Wei Yi 11, Karjakin 9, Giri 7. Das Titelbild ist vielleicht bezeichnend – Karjakin im Hintergrund, nur kleidungsmässig war er in dieser Runde Carlsen ebenbürtig. Aber ihr WM-Match beginnt beim Stand 0-0. Karjakin hatte ein generell mässiges Schachjahr 2015 und gewann den Weltcup, dann 2016 ein schlechtes Ergebnis im Januar in Wijk aan Zee nebst Sieg im Kandidatenturnier, und auch im November gilt dann: für den WM-Zyklus zählen nur Ergebnisse, die Teil des WM-Zyklus sind. Die meisten Fotos aus den Bilbao-Presseberichten, einige (die mit Aufdruck „Por Manu de Alba“) auch direkt von der Turnierseite.

 

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Und drei Matches auf Niveau 2700+ und noch mehr in Biel

andreikin

Ja, Bilbao beschäftigt alle (auch mich), und dann im August Sinquefield Cup – aber Schach ist für mich mehr als die top10. Als Spieler auch mittleres Amateurniveau, als Schreiberling zumindest auch die erweiterte Weltspitze. Deshalb will ich einiges zumindest erwähnen, auch wenn ich es nicht im Detliveail besprechen kann.

 

„Vorschau“ zu Poikovsky steht in Gänsefüsschen, da das Turnier heute bereits begonnen hat – dadurch habe ich es registriert, und erst seit heute weiss ich, wer alles dabei ist. Nach Elo sortiert Andreikin, Wojtaszek, Jakovenko, Matlakov, Smirin, Kovalenko, Motylev, Korobov, Bologan, Sutovsky. Die drei zuerst genannten haben aktuell Elo 2700+ – alle(!) anderen waren mal Mitglieder im Club 2700, wobei es zum Teil länger her ist und gerade so der Fall war.

 

Die Turnierseite hat originelle Spielerfotos – mal (bis auf Smirin) nicht in Schlips und Kragen. Bei Andreikin könnte man fast vermuten, dass er eigentlich bei der Olympiade mitmachen wollte (nicht die der Schachspieler in Baku, die für viele andere Sportarten in Brasilien). Das hat sich wohl erledigt (ohnehin war er wohl nicht im Kader), dann eben eine vorübergehende Verbannung nach Sibirien.

 

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Carlsen wird (nach eigener Aussage) immer besser, seine Gegner immer schlechter

BILBAOCHESS2016-1.5

Das („my play is getting better by the day“) sagte Carlsen nach Runde 3 seinem Adjutanten Tarjei Svensen, der es natürlich veröffentlichte. Schlechter als in der ersten Runde ging allerdings auch kaum – bis Wesley So drei Tage später das Gegenteil bewies. Runde 5 passte dann nicht ins Bild – Giri spielte gegen Carlsen vielleicht phasenweise schlecht, abeliver am Ende nicht schlecht genug. Man kann das alles natürlich auch anders sehen und „Ave Carlsen Halleluja“ singen – so steht es anderswo im Internet, ich beschreibe das Turnier so wie ich es sehe. Alle Fotos aus den offiziellen Pressemails.

 

Bilbao vergibt Fussball-Punkte: drei Punkte für einen Sieg, einen (bzw. zwei über beide Spieler verteilt) für ein Remis – jeweils egal wie das Ergebnis entstand, das gilt natürlich auch bei normaler Punktwertung. Damit steht es bei Halbzeit so: Carlsen 10, Nakamura 7, Giri 5, Karjakin, So, Wei Yi 4. Carlsen führt da seine Gegner es insgesamt so wollten, Nakamura ist Zweiter da Carlsen gegen ihn schlecht spielte, Giri Dritter da er gegen Carlsen insgesamt nicht schlecht spielte.

 

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Vachier-Lagrave, Nepomniachtchi, [Bilbao: Carlsen (bei Halbzeit)]

Maxime_Vachier-Lagrave
 
Bei drei parallelen Superturnieren (zwei heute beendet, eines hat Halbzeit) ist es nett, wenn sie zwecks Titel-Ökonomie einen gemeinsamen Nenner haben. Auch in Bilbao führt zur Halbzeit Generation 1990, da ein gewisser Magnus Carlsen (Karjakin konnte nicht mithalten), aber das bekommt einen eigenen Bericht. Und Andreikin, der fünfte im 2700er Club mit Geburtsjahr 1990, war nirgendwo dabei – ein Spieler mit Elo 2700+ der (wie generell auch Nepomniachtchi) eben kaum Einladungen bekommt.

 

Das Titelbild (alle Dortmund-Fotos von der Turnierseite, Fotograf Georgios Souleidis) bekommt MVL – der mich am meisten überzeugte: als einziger der drei im Untertitel erwähnten blieb er ungeschlagen, und profitierte auch weniger als Carlsen von mitunter groben bis absurden gegnerischen Fehlern. Zunächst der jeweilige Endstand:

 

Xinghua: Nepomniachtchi 6/9, Harikrishna und Wang Yue 5, Ding Liren, Yu Yangyi, Bu Xinagzhi 4.5, Ivanchuk, Leko, Hou Yifan 4. Ganz vorne im Vergleich zu nach der sechsten Runde unverändert, dahinter tat sich ein bisschen was.

 

Dortmund: Vachier-Lagrave 5.5/7, Kramnik, Caruana, Dominguez 4, Ponomariov, Nisipeanu 3.5, Najer 2, Buhmann 1.5. Im Gegensatz zu Nepo in China, der zwischendurch stolperte, zog MVL die Sache souverän durch.

 

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Auch in Warschau wurde Schach gespielt

Grzegorz_Gajewski_POLch_2014

… ein bisschen nach wie vor: einige Partien der letzten Runde des Najdorf-Memorials laufen noch, während ich bereits mit dem Artikel beginne. Aber die Entscheidung vorne ist gefallen: Sieger ist Anand-Sekundant Grzegorz Gajewski, der zum Turnierende aufdrehte und (vielleicht) davon profitierte, dass genau neun Runden – nicht mehr und nicht weniger – gespielt wurden. Das ist der Endstand: Gajewski 7.5/9, Smirin 7, Melkumyan, Gupta, Khairullin, Fier, Indjic, Tomczak, Zhigalko 6.5, usw. . Einige bekannte Namen bzw. Spieler, die zu einem früheren Zeitpunkt im Turnier ganz vorne mitmischten, fehlen noch – und Gajewski war nur oder immerhin Nummer 23 der Setzliste. Die deutschen Teilnehmer, immerhin 15 von 136, vorwiegend junge Spieler, werde ich auch noch ein bisschen erwähnen. Sie hatten gute oder nicht so gute Turniere, in den Kampf um den Turniersieg konnte (erwartungsgemäss) niemand eingreifen.

 

Die Fotogalerie der Turnierseite bietet jede Menge – allerdings (wie oft) keine Spielernamen und auch keinen Hinweis, aus welcher Runde das jeweilige Foto stammt. Teilweise konnte ich das rekonstruieren, weitere Fotos stammen von dort. Aber Gajewski habe ich da nicht entdeckt – daher ein älteres Foto von der Polnischen Meisterschaft 2014, Fotograf Przemyslaw Jahr, Quelle Wikipedia.

 

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Symmetrische Tabelle vor dem zweiten Ruhetag

 

Maxime_Vachier-Lagrave

Man musste kein Hellseher sein, um vor dem Turnier zu vermuten, dass die erste Runde in Dortmund schon einen Fingerzeig für das gesamte Turnier liefern könnte – so kam elives dann auch, wobei das Ergebnis einer relevanten Partie einerseits überraschend war, andererseits nicht. In einer Hinsicht wird Dortmund 2016 keine, jedenfalls keine „identische“ Wiederholung von Dortmund 2015. In einer anderen Hinsicht könnte das noch passieren.

 

Genug rätselhafte einleitende Sätze, zu den nackten Fakten – Stand nach vier von sieben Runden: Vachier-Lagrave 3/4, Dominguez 2.5, Kramnik, Ponomariov, Caruana, Nisipeanu 2, Najer 1.5, Buhmann 1. Das Titelbild bekommt natürlich der momentan führende Franzose – alle Fotos von Georgios Souleidis, Turnierseite.shot2-1

 

Nach drei Runden war das Feld noch dicht beieinander, nach der vierten Runde liegt erstmals einer alleine vorne und einer alleine am Tabellenende. Die rote Laterne für Buhmann ist nicht allzu überraschend, die Führung für MVL auch zumindest keine „Sensation“. Zu den beiden anderen Favoriten: 50% für Caruana und Kramnik sind etwas unterschiedlich zu bewerten – Caruana hatte bisher dreimal Weiss, Kramnik dreimal Schwarz. Und nun Runde für Runde:

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Überraschender Zwischenstand in Xinghua

Nepomniachtchi

Höchste Zeit um ein bisschen was zumlive chinesischen Superturnier zu schreiben, pünktlich vor dem asymmetrischen Ruhetag nach sechs von neun Runden. Beim Zwischenstand ist einiges überraschend, einiges auch eher nicht. Nicht überraschend aus meiner Sicht, dass die Elo-Aussenseiterin derzeit Letzte ist, und drei von vier Spielern mit 2,5/6 gehören nach aktuellen Elozahlen auch etwa dahin (wobei alle drei schon einmal etwas mehr Elo auf ihrem Konto hatten). Überraschend dagegen, wer auch nur 2,5/6 hat, und wer momentan souverän führt: Nepomniachtchi 4.5/6, Bu Xiangzhi, Yu Yangyi, Wang Yue 3.5, Harikrishna 3, Wang Hao, Ding Liren, Ivanchuk, Leko 2.5, Hou Yifan 2.

 

Der „Fremdkörper“ unter den Spielern mit 2,5/6 ist natürlich Elofavorit Ding Liren. So bekommt er kein Titelfoto, das bekommt Ian Nepomniachtchi. Alle Fotos von „China Sports Network Intelligence“ – Dank auch an Kollegen von Chessbase und chess.com die sich ebenfalls dort bedienen, sonst hätte ich es nicht gefunden.

 

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Das dritte Superturnier im Juli

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„Das dritte“ ist chronologisch – derzeit läuft bereits eines in China und eines in Dortmund. In zweierlei Hinsicht ist es – Definitionssache – „das erste“. Zulivem einen nach Eloschnitt der Teilnehmer, dafür gibt es mehrere Gründe: Sie konnten einen Spieler mit Elo 2855 zur Teilnahme motivieren, dafür mussten sie offenbar Sonderwünsche erfüllen, das tut man doch für Carlsen … . Sie haben, mit einer Ausnahme, kein Interesse an Spielern ausserhalb der top10 – dabei sind die durchaus ein bereichernder und belebender Faktor. Und sie haben nur sechs Teilnehmer – auf der Bilbao-Skala ist es „immerhin“, die letzten Jahre waren es vier. Alphabetisch geordnet: Carlsen, Giri, Karjakin, Nakamura, So, Wei Yi – so ausgewählt dass Carlsen auch hier vorne steht?

 

Zum anderen hat Bilbao die lauteste Öffentlichkeitsarbeit – keine Kritik an Dortmund, so laut muss es (für mich) nicht unbedingt sein, und China bedient wohl, wenn überhaupt, ein chinesisches Publikum. Mitunter ist es in/aus Bilbao, nicht nur dieses Jahr, originell: sie machen auch mal, was Schachspieler am Brett nicht dürfen – Züge zurücknehmen bzw. korrigieren.

 

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Drei Favoriten, so sehe ich es …live

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Vor jedem Turnier kann man Fragen stellen, die dann während dem Turnier beantwortet werden, diesmal aufgrund „passender“ Auslosung tendenziell vielleicht schon in den ersten beiden Runden. Wer sind meine drei Favoriten? Als Fragen formuliert: Wird Kramnik sich wieder auf „50%“ verbessern? Macht Caruana den nächsten Schritt, um ihn irgendwann als Dortmundominator abzulösen? Was macht Vachier-Lagrave? Da MVL in Dortmund debütiert, gebe ich den beiden anderen das Titelfoto – alle Fotos aus dem Archiv der Turnierseite, dieses aus dem Jahr 2015.

Sponsordame Jenny Schnitter und der Herr mit Krawatte, der auch nicht selbst mitspielte, drücken kleidungsmässig dem Weisspieler Kramnik die Daumen, aber Caruana gewann mit Schwarz – diese Partie in Runde fünf unshot2-1d in der siebten und letzten Runde auch das turnierentscheidende Duell gegen, wer hätte das vorher gedacht, Nisipeanu.

 

Vielleicht gibt es aber auch, nicht zum ersten Mal in Dortmund, eine Überraschung. Und jedenfalls aus deutscher Sicht wird ohnehin auch interessant, wie Teilnehmer mit Elo unter 2798 abschneiden, daher nenne ich nun alle acht: Kramnik, Caruana, Vachier-Lagrave, Dominguez, Ponomariov, Najer, Nisipeanu, Buhmann. Wie kam dieses Feld zustande?

 

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Xinghua, dann Wenzhou

Ivanchuk
Ich hatte schon einmal erwähnt, dass im Juli schachlich jede Menge los ist – den Anfang macht (was Elo 2700+ betrifft) ab morgen China. Sie haben jede Menge Spieler dieses Niveaus, die nicht alle anderswo Einladungen bekommen, was macht man dann? Man organisiert selbst eiliven Superturnier und findet ein paar Ausländer (oft auch aus der Kategorie „aktuell kaum andere Einladungen“) die mitspielen wollen. Dabei sind Ding Liren, Harikrishna, Wang Hao, Yu Yangyi, Wang Yue, Ivanchuk, Nepomniachtchi, Bu Xiangzhi, Leko und Hou Yifan. Die Nummer eins, zwei und zehn der Setzliste bekommen durchaus auch Einladungen anderswo – das wusste Harikrishna vielleicht noch nicht, als er den Chinesen zusagte.

 

Das Titelfoto bekommt nicht etwa Hou Yifan – schliesslich hat der Schachticker sie gerade erst fotografiert, obwohl sie beim Frauen Grand Prix in Shengdu, auch irgendwo in China, gar nicht mitspielt (nun ist klar warum). Ich entschied mich für Ivanchuk, um den es zuletzt etwas still wurde. Das Foto von Alina l’Ami stammt aus Wijk aan Zee 2015, wohl seine letzte hochkarätige Einladung. Ausnahme ist bis zu einem gewissen Grad Capablanca Memorial – sie mögen ihn, es beruht auf Gegenseitigkeit und da hat er gerade mal wieder gewonnen.

 

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Exklusiv für den Schachticker

Oparin
Nun, nicht alles ist exklusiv – ich beziehe mich auch auf ein Oparin-Interview von Eteri Kublashvili für den russischen Schachverband, daher stammen auch „neue“ Fotos. Das wird vielleicht demnächst auch anderswo erwähnt – von einem Kollegen, der im Gegensatz zu mir bei Russisch nicht auf Google angewiesen ist.

 

Zur Erinnerung: Grigoriy Oparin gewann – ziemlich überraschend da nur Nummer 22 der Setzliste – die Russian Higher League. Im Artikel erwähnte ich, dass er gebürtiger Münchner ist und dass ich dazu recherchierte, „aber bisher erfolglos“. Nun weiss ich Näheres. Kollege Klaus Besenthal für Chessbase hatte wohl auch Wikipedia (oder eine andere Quelle), aber tat womöglich „aus Prinzip“ nicht was ich machte: Oparin hier eine private Nachricht schicken. Es dauerte etwas (er schaut da vielleicht nicht täglich vorbei), neben der Antwort zu „warum gebürtiger Münchner?“ bat ich Oparin um einige Sätze („one/two/a few“) zu sich selbst und bekam mehr als ich unbedingt „brauchte“, zitiere das nun komplett:

 

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Volokitin vor NN und „Jugoslawien“

Volokitin
NN bezieht sich dabei auf das Alphabet, die Spieler auf dem zweiten und dritten Platz sind – jedenfalls in deutschen Schachkreisen – durchaus bekannt. So stand es nach neun von neun Runden beim Vidmar Memorial im slowenischen Bled: Volokitin 7/9, Naiditsch 6.5, Nisipeanu 6, Ivanisevic 5.5, Lenic 4.5, Beliavsky 4, Sebenik, Skoberne, Kozul 3, Borisek 2.5. Recht sauber sortiert, nur Platz sieben ist „umstritten“. Der knappe Endstand täuscht etwas, da die Spieler unterschiedliche Turniere spielten. Volokitin begann mit vier Siegen und liess es danach ruhiger angehen, nur ein weiterer voller Punkt in Runde 5-9. Naiditsch gewann dagegen die letzten drei Partien, Nisipeanu und Ivanisevic die letzten beiden. NN besiegten da die relativ bekannten Balkaner Beliavsky und Kozul, die beide den Höhepunkt ihrer Karrieren wohl hinter sich haben.

 

Fotos von der Facebook-Seite des Turniers – Wer ist Andrei Volokitin? Aktuell ist er (bzw. war er vor diesem Turnier) mit Elo 2624 die Nummer zwölf der Ukraine, allerdings hatte er vor gut drei Jahren schon einmal Elo 2725. Und in einer Hinsicht ist er noch besser als Anish Giri: Giri gönnte Carlsen in vierzehn klassischen Partien dreizehn Remisen und gewann nur einmal, Volokitin verlor gegen Carlsen in sechs klassischen Partien nur zwei halbe Punkte. Da könnte allerdings eine Rolle spielen, dass Giri jünger ist als Carlsen und Volokitin etwa viereinhalb Jahre älter – ausserdem trafen Volokitin und Carlsen zuletzt 2008 aufeinander. Das Vidmar Memorial hatte wohl kein Geld für Carlsen, Volokitin erwies sich als würdiger Ersatz:

 

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