Thomas Richter

Am Ende gm Pruijssers nach Wertung vor FM ten Hertog, nach Punkten vor den Favoriten

Pruijssers
„gm“ (Kleinbuchstaben) ist nicht etwa ein Tippfehler, sondern eine Art ‚Stilmittel‘: Roeland Pruijssers ist einer – von diversen – Spielern, die den GM-Titel haben aber aktuell elomässig kein GM-Niveau. Für den GM-Titel braucht man ja, neben mehreren (meistens drei) GM-Normen, auch Elo 2500, wobei einmal im Leben reicht und dann ist und bleibt man Grossmeister. Pruijssers hatte vor dem Turnier Elo 2463, danach (in ein paar Tagen auch offiziell) wieder 20 Punkte mehr – also hat er für seine aktuell-nominellen Verhältnisse sehr gut gespielt, wie auch sein Nachbar in der Abschlusstabelle. Andere „gms“ wären in den Niederlanden Ruud Janssen (auch wenn er aktuell Elo 2505 hat), Harmen Jonkman und Dennis de Vreugt; vergleichbare Spieler gibt es sicher auch in anderen Ländern. Bei Jonkman und de Vreugt war „GM werden“ quasi Höhepunkt der Schachkarriere (oder gar „Anfang vom Ende“ ebendieser?); Pruijssers hatte durchaus für längere Zeit Elo 2500+ und verliess dann wieder diese Zone.

 

Wie dem auch sei, das ist der Endstand in Leiden – bunt gemischt relativ bekannte und (jedenfalls international) unbekannte Namen: gm Pruijssers und FM Ten Hertog 7/9, GM Sandipan, GM Van Wely, FM Kevlishvili, IM Pijpers 6.5, GM Postny, Van Tellingen, FM Beerdsen, GM Ikonnikov, IM Sagar Shah, gm Pavlovic 6.5, usw. (64 Teilnehmer, nicht alle spielten bis zum Ende mit).

 

Die Turnierseite hat einige wenige Fotos, die ich teilweise im weiteren Bericht verwende, aber keines von Pruijssers – jedenfalls noch nicht, Fotos von der Siegerehrung sind noch nicht online. Daher stammt das Titelfoto von der NL-Meisterschaft 2015.

 

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Carlsen im Schongang zum Turniersieg

_MDA2009
Viel musste er nicht mehr zeigen: Die erste Turnierhälfte war ja nach Wunsch verlaufen, und Nakamura (dank Carlsen selbst erster Verfolger) versuchte nicht wirklich, noch eine Partie zu gewinnen – ein „historischer“ Sieg reichte ihm? Carlsen gewann noch eine Partie, und auch das war ein „historischer“ Sieg: Giri erwischte eine ziemlich schlechte zweite Turnierhälfte. Ich bleibe dabei, Carlsens Spiel so zu beschreiben wie ich es sehe. Anderen gefällt es, sei es generell sei es weil er damit erfolgreich ist, einige glorifizieren es, das mache ich nicht.

 

Endstand: Carlsen 17/30, Nakamura 12, So und Wei Yi 11, Karjakin 9, Giri 7. Das Titelbild ist vielleicht bezeichnend – Karjakin im Hintergrund, nur kleidungsmässig war er in dieser Runde Carlsen ebenbürtig. Aber ihr WM-Match beginnt beim Stand 0-0. Karjakin hatte ein generell mässiges Schachjahr 2015 und gewann den Weltcup, dann 2016 ein schlechtes Ergebnis im Januar in Wijk aan Zee nebst Sieg im Kandidatenturnier, und auch im November gilt dann: für den WM-Zyklus zählen nur Ergebnisse, die Teil des WM-Zyklus sind. Die meisten Fotos aus den Bilbao-Presseberichten, einige (die mit Aufdruck „Por Manu de Alba“) auch direkt von der Turnierseite.

 

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Und drei Matches auf Niveau 2700+ und noch mehr in Biel

andreikin

Ja, Bilbao beschäftigt alle (auch mich), und dann im August Sinquefield Cup – aber Schach ist für mich mehr als die top10. Als Spieler auch mittleres Amateurniveau, als Schreiberling zumindest auch die erweiterte Weltspitze. Deshalb will ich einiges zumindest erwähnen, auch wenn ich es nicht im Detliveail besprechen kann.

 

„Vorschau“ zu Poikovsky steht in Gänsefüsschen, da das Turnier heute bereits begonnen hat – dadurch habe ich es registriert, und erst seit heute weiss ich, wer alles dabei ist. Nach Elo sortiert Andreikin, Wojtaszek, Jakovenko, Matlakov, Smirin, Kovalenko, Motylev, Korobov, Bologan, Sutovsky. Die drei zuerst genannten haben aktuell Elo 2700+ – alle(!) anderen waren mal Mitglieder im Club 2700, wobei es zum Teil länger her ist und gerade so der Fall war.

 

Die Turnierseite hat originelle Spielerfotos – mal (bis auf Smirin) nicht in Schlips und Kragen. Bei Andreikin könnte man fast vermuten, dass er eigentlich bei der Olympiade mitmachen wollte (nicht die der Schachspieler in Baku, die für viele andere Sportarten in Brasilien). Das hat sich wohl erledigt (ohnehin war er wohl nicht im Kader), dann eben eine vorübergehende Verbannung nach Sibirien.

 

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Carlsen wird (nach eigener Aussage) immer besser, seine Gegner immer schlechter

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Das („my play is getting better by the day“) sagte Carlsen nach Runde 3 seinem Adjutanten Tarjei Svensen, der es natürlich veröffentlichte. Schlechter als in der ersten Runde ging allerdings auch kaum – bis Wesley So drei Tage später das Gegenteil bewies. Runde 5 passte dann nicht ins Bild – Giri spielte gegen Carlsen vielleicht phasenweise schlecht, abeliver am Ende nicht schlecht genug. Man kann das alles natürlich auch anders sehen und „Ave Carlsen Halleluja“ singen – so steht es anderswo im Internet, ich beschreibe das Turnier so wie ich es sehe. Alle Fotos aus den offiziellen Pressemails.

 

Bilbao vergibt Fussball-Punkte: drei Punkte für einen Sieg, einen (bzw. zwei über beide Spieler verteilt) für ein Remis – jeweils egal wie das Ergebnis entstand, das gilt natürlich auch bei normaler Punktwertung. Damit steht es bei Halbzeit so: Carlsen 10, Nakamura 7, Giri 5, Karjakin, So, Wei Yi 4. Carlsen führt da seine Gegner es insgesamt so wollten, Nakamura ist Zweiter da Carlsen gegen ihn schlecht spielte, Giri Dritter da er gegen Carlsen insgesamt nicht schlecht spielte.

 

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Vachier-Lagrave, Nepomniachtchi, [Bilbao: Carlsen (bei Halbzeit)]

Maxime_Vachier-Lagrave
 
Bei drei parallelen Superturnieren (zwei heute beendet, eines hat Halbzeit) ist es nett, wenn sie zwecks Titel-Ökonomie einen gemeinsamen Nenner haben. Auch in Bilbao führt zur Halbzeit Generation 1990, da ein gewisser Magnus Carlsen (Karjakin konnte nicht mithalten), aber das bekommt einen eigenen Bericht. Und Andreikin, der fünfte im 2700er Club mit Geburtsjahr 1990, war nirgendwo dabei – ein Spieler mit Elo 2700+ der (wie generell auch Nepomniachtchi) eben kaum Einladungen bekommt.

 

Das Titelbild (alle Dortmund-Fotos von der Turnierseite, Fotograf Georgios Souleidis) bekommt MVL – der mich am meisten überzeugte: als einziger der drei im Untertitel erwähnten blieb er ungeschlagen, und profitierte auch weniger als Carlsen von mitunter groben bis absurden gegnerischen Fehlern. Zunächst der jeweilige Endstand:

 

Xinghua: Nepomniachtchi 6/9, Harikrishna und Wang Yue 5, Ding Liren, Yu Yangyi, Bu Xinagzhi 4.5, Ivanchuk, Leko, Hou Yifan 4. Ganz vorne im Vergleich zu nach der sechsten Runde unverändert, dahinter tat sich ein bisschen was.

 

Dortmund: Vachier-Lagrave 5.5/7, Kramnik, Caruana, Dominguez 4, Ponomariov, Nisipeanu 3.5, Najer 2, Buhmann 1.5. Im Gegensatz zu Nepo in China, der zwischendurch stolperte, zog MVL die Sache souverän durch.

 

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Auch in Warschau wurde Schach gespielt

Grzegorz_Gajewski_POLch_2014

… ein bisschen nach wie vor: einige Partien der letzten Runde des Najdorf-Memorials laufen noch, während ich bereits mit dem Artikel beginne. Aber die Entscheidung vorne ist gefallen: Sieger ist Anand-Sekundant Grzegorz Gajewski, der zum Turnierende aufdrehte und (vielleicht) davon profitierte, dass genau neun Runden – nicht mehr und nicht weniger – gespielt wurden. Das ist der Endstand: Gajewski 7.5/9, Smirin 7, Melkumyan, Gupta, Khairullin, Fier, Indjic, Tomczak, Zhigalko 6.5, usw. . Einige bekannte Namen bzw. Spieler, die zu einem früheren Zeitpunkt im Turnier ganz vorne mitmischten, fehlen noch – und Gajewski war nur oder immerhin Nummer 23 der Setzliste. Die deutschen Teilnehmer, immerhin 15 von 136, vorwiegend junge Spieler, werde ich auch noch ein bisschen erwähnen. Sie hatten gute oder nicht so gute Turniere, in den Kampf um den Turniersieg konnte (erwartungsgemäss) niemand eingreifen.

 

Die Fotogalerie der Turnierseite bietet jede Menge – allerdings (wie oft) keine Spielernamen und auch keinen Hinweis, aus welcher Runde das jeweilige Foto stammt. Teilweise konnte ich das rekonstruieren, weitere Fotos stammen von dort. Aber Gajewski habe ich da nicht entdeckt – daher ein älteres Foto von der Polnischen Meisterschaft 2014, Fotograf Przemyslaw Jahr, Quelle Wikipedia.

 

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Symmetrische Tabelle vor dem zweiten Ruhetag

 

Maxime_Vachier-Lagrave

Man musste kein Hellseher sein, um vor dem Turnier zu vermuten, dass die erste Runde in Dortmund schon einen Fingerzeig für das gesamte Turnier liefern könnte – so kam elives dann auch, wobei das Ergebnis einer relevanten Partie einerseits überraschend war, andererseits nicht. In einer Hinsicht wird Dortmund 2016 keine, jedenfalls keine „identische“ Wiederholung von Dortmund 2015. In einer anderen Hinsicht könnte das noch passieren.

 

Genug rätselhafte einleitende Sätze, zu den nackten Fakten – Stand nach vier von sieben Runden: Vachier-Lagrave 3/4, Dominguez 2.5, Kramnik, Ponomariov, Caruana, Nisipeanu 2, Najer 1.5, Buhmann 1. Das Titelbild bekommt natürlich der momentan führende Franzose – alle Fotos von Georgios Souleidis, Turnierseite.shot2-1

 

Nach drei Runden war das Feld noch dicht beieinander, nach der vierten Runde liegt erstmals einer alleine vorne und einer alleine am Tabellenende. Die rote Laterne für Buhmann ist nicht allzu überraschend, die Führung für MVL auch zumindest keine „Sensation“. Zu den beiden anderen Favoriten: 50% für Caruana und Kramnik sind etwas unterschiedlich zu bewerten – Caruana hatte bisher dreimal Weiss, Kramnik dreimal Schwarz. Und nun Runde für Runde:

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Überraschender Zwischenstand in Xinghua

Nepomniachtchi

Höchste Zeit um ein bisschen was zumlive chinesischen Superturnier zu schreiben, pünktlich vor dem asymmetrischen Ruhetag nach sechs von neun Runden. Beim Zwischenstand ist einiges überraschend, einiges auch eher nicht. Nicht überraschend aus meiner Sicht, dass die Elo-Aussenseiterin derzeit Letzte ist, und drei von vier Spielern mit 2,5/6 gehören nach aktuellen Elozahlen auch etwa dahin (wobei alle drei schon einmal etwas mehr Elo auf ihrem Konto hatten). Überraschend dagegen, wer auch nur 2,5/6 hat, und wer momentan souverän führt: Nepomniachtchi 4.5/6, Bu Xiangzhi, Yu Yangyi, Wang Yue 3.5, Harikrishna 3, Wang Hao, Ding Liren, Ivanchuk, Leko 2.5, Hou Yifan 2.

 

Der „Fremdkörper“ unter den Spielern mit 2,5/6 ist natürlich Elofavorit Ding Liren. So bekommt er kein Titelfoto, das bekommt Ian Nepomniachtchi. Alle Fotos von „China Sports Network Intelligence“ – Dank auch an Kollegen von Chessbase und chess.com die sich ebenfalls dort bedienen, sonst hätte ich es nicht gefunden.

 

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Das dritte Superturnier im Juli

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„Das dritte“ ist chronologisch – derzeit läuft bereits eines in China und eines in Dortmund. In zweierlei Hinsicht ist es – Definitionssache – „das erste“. Zulivem einen nach Eloschnitt der Teilnehmer, dafür gibt es mehrere Gründe: Sie konnten einen Spieler mit Elo 2855 zur Teilnahme motivieren, dafür mussten sie offenbar Sonderwünsche erfüllen, das tut man doch für Carlsen … . Sie haben, mit einer Ausnahme, kein Interesse an Spielern ausserhalb der top10 – dabei sind die durchaus ein bereichernder und belebender Faktor. Und sie haben nur sechs Teilnehmer – auf der Bilbao-Skala ist es „immerhin“, die letzten Jahre waren es vier. Alphabetisch geordnet: Carlsen, Giri, Karjakin, Nakamura, So, Wei Yi – so ausgewählt dass Carlsen auch hier vorne steht?

 

Zum anderen hat Bilbao die lauteste Öffentlichkeitsarbeit – keine Kritik an Dortmund, so laut muss es (für mich) nicht unbedingt sein, und China bedient wohl, wenn überhaupt, ein chinesisches Publikum. Mitunter ist es in/aus Bilbao, nicht nur dieses Jahr, originell: sie machen auch mal, was Schachspieler am Brett nicht dürfen – Züge zurücknehmen bzw. korrigieren.

 

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Drei Favoriten, so sehe ich es …live

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Vor jedem Turnier kann man Fragen stellen, die dann während dem Turnier beantwortet werden, diesmal aufgrund „passender“ Auslosung tendenziell vielleicht schon in den ersten beiden Runden. Wer sind meine drei Favoriten? Als Fragen formuliert: Wird Kramnik sich wieder auf „50%“ verbessern? Macht Caruana den nächsten Schritt, um ihn irgendwann als Dortmundominator abzulösen? Was macht Vachier-Lagrave? Da MVL in Dortmund debütiert, gebe ich den beiden anderen das Titelfoto – alle Fotos aus dem Archiv der Turnierseite, dieses aus dem Jahr 2015.

Sponsordame Jenny Schnitter und der Herr mit Krawatte, der auch nicht selbst mitspielte, drücken kleidungsmässig dem Weisspieler Kramnik die Daumen, aber Caruana gewann mit Schwarz – diese Partie in Runde fünf unshot2-1d in der siebten und letzten Runde auch das turnierentscheidende Duell gegen, wer hätte das vorher gedacht, Nisipeanu.

 

Vielleicht gibt es aber auch, nicht zum ersten Mal in Dortmund, eine Überraschung. Und jedenfalls aus deutscher Sicht wird ohnehin auch interessant, wie Teilnehmer mit Elo unter 2798 abschneiden, daher nenne ich nun alle acht: Kramnik, Caruana, Vachier-Lagrave, Dominguez, Ponomariov, Najer, Nisipeanu, Buhmann. Wie kam dieses Feld zustande?

 

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Xinghua, dann Wenzhou

Ivanchuk
Ich hatte schon einmal erwähnt, dass im Juli schachlich jede Menge los ist – den Anfang macht (was Elo 2700+ betrifft) ab morgen China. Sie haben jede Menge Spieler dieses Niveaus, die nicht alle anderswo Einladungen bekommen, was macht man dann? Man organisiert selbst eiliven Superturnier und findet ein paar Ausländer (oft auch aus der Kategorie „aktuell kaum andere Einladungen“) die mitspielen wollen. Dabei sind Ding Liren, Harikrishna, Wang Hao, Yu Yangyi, Wang Yue, Ivanchuk, Nepomniachtchi, Bu Xiangzhi, Leko und Hou Yifan. Die Nummer eins, zwei und zehn der Setzliste bekommen durchaus auch Einladungen anderswo – das wusste Harikrishna vielleicht noch nicht, als er den Chinesen zusagte.

 

Das Titelfoto bekommt nicht etwa Hou Yifan – schliesslich hat der Schachticker sie gerade erst fotografiert, obwohl sie beim Frauen Grand Prix in Shengdu, auch irgendwo in China, gar nicht mitspielt (nun ist klar warum). Ich entschied mich für Ivanchuk, um den es zuletzt etwas still wurde. Das Foto von Alina l’Ami stammt aus Wijk aan Zee 2015, wohl seine letzte hochkarätige Einladung. Ausnahme ist bis zu einem gewissen Grad Capablanca Memorial – sie mögen ihn, es beruht auf Gegenseitigkeit und da hat er gerade mal wieder gewonnen.

 

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Exklusiv für den Schachticker

Oparin
Nun, nicht alles ist exklusiv – ich beziehe mich auch auf ein Oparin-Interview von Eteri Kublashvili für den russischen Schachverband, daher stammen auch „neue“ Fotos. Das wird vielleicht demnächst auch anderswo erwähnt – von einem Kollegen, der im Gegensatz zu mir bei Russisch nicht auf Google angewiesen ist.

 

Zur Erinnerung: Grigoriy Oparin gewann – ziemlich überraschend da nur Nummer 22 der Setzliste – die Russian Higher League. Im Artikel erwähnte ich, dass er gebürtiger Münchner ist und dass ich dazu recherchierte, „aber bisher erfolglos“. Nun weiss ich Näheres. Kollege Klaus Besenthal für Chessbase hatte wohl auch Wikipedia (oder eine andere Quelle), aber tat womöglich „aus Prinzip“ nicht was ich machte: Oparin hier eine private Nachricht schicken. Es dauerte etwas (er schaut da vielleicht nicht täglich vorbei), neben der Antwort zu „warum gebürtiger Münchner?“ bat ich Oparin um einige Sätze („one/two/a few“) zu sich selbst und bekam mehr als ich unbedingt „brauchte“, zitiere das nun komplett:

 

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Volokitin vor NN und „Jugoslawien“

Volokitin
NN bezieht sich dabei auf das Alphabet, die Spieler auf dem zweiten und dritten Platz sind – jedenfalls in deutschen Schachkreisen – durchaus bekannt. So stand es nach neun von neun Runden beim Vidmar Memorial im slowenischen Bled: Volokitin 7/9, Naiditsch 6.5, Nisipeanu 6, Ivanisevic 5.5, Lenic 4.5, Beliavsky 4, Sebenik, Skoberne, Kozul 3, Borisek 2.5. Recht sauber sortiert, nur Platz sieben ist „umstritten“. Der knappe Endstand täuscht etwas, da die Spieler unterschiedliche Turniere spielten. Volokitin begann mit vier Siegen und liess es danach ruhiger angehen, nur ein weiterer voller Punkt in Runde 5-9. Naiditsch gewann dagegen die letzten drei Partien, Nisipeanu und Ivanisevic die letzten beiden. NN besiegten da die relativ bekannten Balkaner Beliavsky und Kozul, die beide den Höhepunkt ihrer Karrieren wohl hinter sich haben.

 

Fotos von der Facebook-Seite des Turniers – Wer ist Andrei Volokitin? Aktuell ist er (bzw. war er vor diesem Turnier) mit Elo 2624 die Nummer zwölf der Ukraine, allerdings hatte er vor gut drei Jahren schon einmal Elo 2725. Und in einer Hinsicht ist er noch besser als Anish Giri: Giri gönnte Carlsen in vierzehn klassischen Partien dreizehn Remisen und gewann nur einmal, Volokitin verlor gegen Carlsen in sechs klassischen Partien nur zwei halbe Punkte. Da könnte allerdings eine Rolle spielen, dass Giri jünger ist als Carlsen und Volokitin etwa viereinhalb Jahre älter – ausserdem trafen Volokitin und Carlsen zuletzt 2008 aufeinander. Das Vidmar Memorial hatte wohl kein Geld für Carlsen, Volokitin erwies sich als würdiger Ersatz:

 

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Neben Oparin (Titelbild) auch Fedoseev, Kokarev, Riazantsev und Goganov

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Warum ein Bericht über die „Russian Higher League“, ein Turnier mit eher unbekannten Namen? Weil das durchaus starke Grossmeister sind (Elo unter 2700 aber oft über 2600, nach dem Turnier auch der Sieger), und weil die besten fünf sich für das Finale der russischen Meisterschaft qualifizierten und im Oktober dann auf bekannte Namen treffen werden. Wenn man so will, klaffte die grösste Lücke zwischen Platz fünf und sechs, auch wenn es nur ein halber Buchholzpunkt war – das ist der Endstand mit fünf Glücklichen und vier Unglücklichen: Oparin 6.5/9, Fedoseev, Kokarev, Riazantsev, Goganov, Ponkratov, Zvjaginsev, Sjugirov, Volkov 6, usw. .

 

Dabei hatte Ponkratov am ehesten Buchholz-Pech, die drei anderen nicht-qualifizierten hatten nachvollziehbar bzw. begründet im Turnierverlauf schwächere Gegner. Timofeev und Matlakov, die die Gruppe mit 5,5/9 anführen, hatten dagegen stärkere Gegner aber es fehlte halt am Ende ein halber Punkt (Brettpunkt, nicht Buchholz). Das Titelbild (alle Fotos vom russischen Schachverband) bekommt natürlich Grigoriy Oparin. Wer ist Grigoriy Oparin?

 

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Noch ein guter Tag für Carlsen

 

Carlsen
Insgesamt – einschliesslich der beiden Schnellschach-Tage – hatte Carlsen in Leuven abwechselnd (sicher für seine Verhältnisse) mittelmässige und gute Tage. Zwei gute Tage reichten für den klaren Turniersieg, da niemand mithalten konnte – auch wenn einer Carlsens Spielweise recht erfolgreich kopierte.

 

Zuerst die nackten Fakten: Insgesamt stand es am Ende so: Carlsen 23/36, So 20.5, Aronian 20, Anand 19.5, Caruana 17.5, Vachier-Lagrave 17, Nakamura 16.5, Kramnik und Giri 16, Topalov 14. Platz eins war bereits drei Runden vor Schluss vergeben, um Platz zwei bis vier blieb es bis zum Ende spannend, die nächsten fünf lagen auch dicht beieinander, und Topalov wurde wieder Letzter (bzw. in Paris war er Vorletzter, aber Fressinet war ja klarer Aussenseiter).

 

Im Blitz war das Feld quasi dreigeteilt: ein Erster, ein Letzter und der Rest zwischendrin: Carlsen 11, Aronian 10, So, Anand, Nakamura 9.5, Vachier-Lagrave und Kramnik 9, Caruana 8.5, Giri 8, Topalov 6. Nakamura spielte also besser als zuvor im Schnellschach, aber nicht „in seiner eigenen Liga“; daher konnte er auch nur ein bisschen Boden gutmachen.

 

Fotos gibt es bisher nur auf Facebook – von „Your Next Move Grand Chess Tour und Lennart Ootes“. Carlsens Wasserflasche wird im weiteren Bericht noch eine Rolle spielen.

 

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Farrukh Amonatov gewinnt vor bekannteren Spielern

 

Amonatov

Was machte die Chess Tour Truppe heute in Leuven? Blitzen und Geld verdienen (Bericht dazu nach den zweiten neun von achtzehn Runden). Was machten diverse andere Grossmeister gestern und heute – etwas weiter östlich in Kasachstan? Blitzen und eventuell Geld verdienen – „eventuell“ bezieht sich darauf, dass es für weit mehr als zehn Grossmeister zehn Geldpreise gab. Ob es auch Startgelder gab, entzieht sich meiner Kenntnis – das Regelwerk sagt nur, dass Spieler mit Blitzelo über 2750 Übernachtung und Verpflegung bekamen, mit Blitzelo über 2800 dazu auch noch Reisekosten. Am Ende gewann ein recht unbekannter Spieler, so unbekannt dass ich nur ein kleines Foto von ihm finden konnte (Quelle FIDE-Ratingseite). Aber hinter ihm, und auch noch ausserhalb der top10 beim „Eurasian Blitz Chess Cup of the President of Kazakhstan“ (Turnierseite) durchaus bekannte Namen.

 

Endstand: Amonatov und Nepomniachtchi 16/22, Jobava und Artemiev 15.5, Karjakin, Svidler, Vladimir Onischuk 15, Megaranto, Kovalenko, Moiseenko, Sjugirov, Kasimdzhanov, Ponomariov, Gelfand 14.5. Die letzten vier bewusst nicht fett gedruckt, da Preisgeld streng nach Tiebreaks vergeben und bei Punktgleichheit nicht geteilt wurde.

 

Wer ist Farrukh Amonatov?

 

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Am Ende lacht Carlsen

Carlsen
Es passiert mitunter, dass das „Konzept“ für einen Artikel (Überschriften, Fotos, …) bereits ’steht‘ – und dann doch hinfällig wird bzw. nach der jeweils letzten Runde im Turnier nicht mehr passt. Aber so unvorhersehbar wie beim Schnellschach in Leuven warlive es selten – auch wenn manche einwenden mögen „klar doch, dass Carlsen am Ende vorne liegt“. Auf dem Titelfoto (alle Fotos wieder von der Grand Chess Tour) blickt er noch recht mürrisch drein – erstens tut er das ohnehin oft, zweitens stammt das Foto von Tag eins (Tag zwei aktuell noch nicht online) und da hatte er durchaus Grund dazu.

 

Endstand des Schnellturniers dann: Carlsen 12/18, So 11, Aronian und Anand 10, Caruana 9, Topalov, Giri, Vachier-Lagrave 8, Kramnik und Nakamura 7. Ja, das stimmt so, auch was Nakamura betrifft.

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Diesmal im belgischen Leuven

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Nach jedem Turnier kann man fragen „was, wenn es noch einmal komplett von vorne beginnt?“. Meistens ist diese Frage zwar „nett“ oder „interessant“, aber rein hypothetisch – aber die Chess Tour setzt in dieser Hinsicht neue Masstäbe im Schach. Gerade ist livedas Turnier in Paris vorbei, schon wird es in Leuven wiederholt – mit (bis auf ein Detail) identischem Format und fast identischem Teilnehmerfeld. Einziger Unterschied: Anand ist diesmal dabei, damit ist für Fressinet kein Platz (und ein belgischer Spieler, wer auch immer, wäre ohnehin aktuell eine ziemlich wilde Wildcard).

 

Für Leser mit kurzem Gedächtnis wiederhole ich die Teilnehmerliste – heute mal alphabetisch und damit zu Beginn die „Pointe“: Anand, Aronian, Carlsen, Caruana, Giri, Kramnik, Nakamura, So, Topalov, Vachier-Lagrave. Dieser Endstand wäre aus meiner Sicht sehr überraschend, denn MVL traue ich mehr zu.

Titelbild (Fotograf Marco Mertens, Quelle Turnierseite): Austragungsort, das historische Rathaus von Leuven.

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Blitzschach = Schnell spielen und keine Fehler machen!?

Nakamura
So definiert es ein Vereinskollege (Elo ca. 1500), wobei er „keine Fehler machen“ recht locker sieht: Man darf schon den einen oder anderen Fehler machen – wenn man schneller spielt als der Gegner und durch Zeitüberschreitung gewinnt, bevor dieser mattsetzen kann. Bei uns wird ohne Inkrement gespielt, da funktioniert diese Strategie mitunter. Auf GM- bis Weltklasseniveau gibt es heutzutage meistens ein Inkrement, und derlei Spieler können Gewinnstellungen oft auch mit Sekunden auf der Uhr verwerten. Im Paris-Abschlussbericht werden andere wohl die beiden Erstplazierten feiern, zumal sie ohnehin Medienlieblinge sind – ich versuche, den schachlichen Gehalt des Blitzturniers zu erkunden und tue mich da etwas schwer.

 

Aber zunächst der Endstand, Schnell- und Blitzschach kombiniert: Nakamura 25.5/36, Carlsen 24.5, Vachier-Lagrave 22, So 19.5, Aronian 19, Giri 18, Kramnik 15.5, Caruana 14, Topalov 12, Fressinet 10. Nach dem Schnellturnier (bei dem die Partien doppelt zählten) hatte Nakamura einen Punkt Vorsprung auf Carlsen. Den behielt er, wobei es zwei Runden vor Ende des Blitzturniers zweieinhalb Punkte waren. Was entscheidend war, es gibt drei Kandidaten: Carlsens unnötige Niederlage gegen So in der ersten Runde des Schnellturniers („unglücklich“ ist der falsche Begriff, denn Zeitüberschreitung = selber schuld), Nakamuras glücklicher Sieg gegen Caruana in der letzten Runde des Schnelllturniers, und/oder (siehe unten im Bericht) Nakamuras glücklicher Sieg aus Verluststellung im Blitzen gegen Topalov. Jedenfalls gewann Nakamura und bekommt damit das Titelfoto (alle Fotos hier gefunden).

 

Ich „werte“ das Blitzturnier nochmal separat: Carlsen und Nakamura 11.5 (direkter Vergleich 2-0 für Carlsen), Vachier-Lagrave 11, Aronian und Caruana 10 (direkter Vergleich 2-0 für Aronian), Giri 9, So 8.5, Topalov 8, Kramnik 5.5, Fressinet 5. Anlass, um in diesem Bericht zum Blitzturnier auch MVL zu würdigen, und Kramniks Ergebnis ist natürlich erklärungsbedürftig.

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Nakamura vor Carlsen, Topalov und Caruana Flop

Bühne
Die beiden im Untertitel zuerst Genannten zählten natürlich, was Nakamura betrifft speziell bei verkürzter Bedenkzeit, zum engeren Favoritenkreis. Vorne liegen sie auch, da einige ihrer Gegner einfach schlecht gegen sie spielten bzw. übel patzten, währelivend sie selbst derlei in allen neun Runden vermeiden konnten (Ausnahme Carlsen gleich zu Beginn). Topalov am Tabellenende ist aus meiner Sicht nicht überraschend: erstens ist er kein guter Schnellschachspieler, zweitens hat er sich für die Chess Tour mit Ergebnissen aus der Vergangenheit qualifiziert, deren Haltbarkeitsdatum eventuell überschritten ist (sagte er selbst nach dem Kandidatenturnier). Caruana konnte dagegen in der Vergangenheit auch im Schnellschach überzeugen, diesmal hatte er ein für seine Verhältnisse ganz schlechtes Turnier.

 

Wie auf dem Titelfoto zu sehen, haben insgesamt zehn mitgespielt (einer ist ziemlich verdeckt aber doch dabei), mit diesen Ergebnissen: Nakamura 7/9, Carlsen 6.5, So und Vachier-Lagrave 5.5, Kramnik 5, Giri und Aronian 4.5, Fressinet 2.5, Topalov und Caruana 2. Alle Fotos stammen von der Grand Chess Tour – hier bzw. ab da über Flickr. Generell habe ich bei den Fotos den Eindruck, dass Inszenierung wichtiger ist als Schach an sich: bei weitem die meisten Fotos von Tag Null vor dem eigentlichen Turnier, und relativ wenige direkt von den Partien. Auf dem Titelfoto im Vordergrund das kaum erkennbare Publikum. Eintritt war 20 Euro bzw. 15 Euro für Mitglieder des französischen Schachverbands – angemessen oder nicht, das darf der Leser selbst beurteilen. Es ist jedenfalls mehr als doppelt so viel wie in Dortmund (Tageskarte 7 Euro, Dauerkarte 26 Euro), und unendlich mal so viel wie in Wijk aan Zee oder Zürich (Eintritt jeweils gratis).

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