GM-Turnier

Und Mini-Nachruf für Mark Dvoretsky

nepomniachtchi
Berichte zu Superturnieren schreibe ich generell vor den Ruhetagen (und natürlich auch einen Abschlussbericht). Beim Tal Memorial ist bereits nach zwei Tagen der erste Ruhetag – bzw. nach zwei Nachmittagen und zuvor dem abendlichen Blitzturnier. Damit ist das Material noch relativ übersichtlich, zumal ich nicht auf alle Partien mit klassischer Bedenkzeit näher eingehen „muss“. Derzeit steht es so: Anand, Giri und Nepomniachtchi 1.5/2, Aronian, Kramnik, Li Chao und Svidler 1, Gelfand, Mamedyarov, Tomashevsky 0.5.

 

Wer bekommt das Titelbild? Alle drei momentan Führenden sind vielleicht überraschend: Anand, da das Blitzturnier zuvor schlecht für ihn lief, Giri da er doch „immer“ remis spielt (oder?), Nepomniachtchi da er keiner der Favoriten war. Ich entschied mich dann für Nepomniachtchi – nicht nur wegen diesem (bisherigen) Turnier, auch wegen seiner Entwicklung in den letzten fünf Monaten: von Elo 2703 im Mai 2016 zu (Olympiade mit eingerechnet) Elo 2749 am 1. Oktober. Alle Fotos vom russischen Schachverband.

 

Da der Bericht nun chronologisch ist, dauert es noch etwas bis der Untertitel dran ist.

 

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„Russland gegen den Rest der Welt“

Blitz 25.9. ab 18 Uhr

gelfand-2014
Normalerweise bin ich mit Ausrufezeichen im Titel (und anderswo im Artikel) eher zurückhaltend, Grund diesmal: lange war unklar ob es ein russisches Superturnier unter diesem oder auch einem anderen Namen geben würde, nun – relativ kurzfristig angekündigt wobei es zuvor bereits Gerüchte gab – doch. Wikipedia (auf Englisch) hatte Tal Memorial bereits ‚beerdigt‘: „Tal Memorial war ein jährlich von 2006-2014 in Moskau ausgetragenes Schachturnier.“ Ich weiss nicht mehr, wann – 2014 oder 2015 – ich einen russischen Schachjournalisten in Wijk aan Zee gefragt hatte, ob Tal Memorial „safe“ (gesichert) sei, die Antwort war jedenfalls vielsagend „I hope so“ (hoffentlich). 2014 wurde es dann als Blitzturnier ausgetragen, mit klassischer Bedenkzeit und anderem Sponsor wurde dann mit Petrosian ein anderer Ex-Weltmeister geehrt. 2015 entfiel es – ein paar Bemerkungen zu 2006-2013(2014) später im Artikel.

 

Dabei sind diesmal (nach Live-Elo sortiert) Kramnik, Aronian, Anand, Mamedyarov, Giri, Nepomniachtchi, Svidler, Gelfand, Li Chao und Tomashevsky. Nach noch-offizieller Elo (Stand vor der Olympiade) etwas anders, Nepo und Li Chao tauschten die Plätze. Das Feld ist nicht ganz so „super“ wie bei einigen früheren Auflagen – das hat seine Gründe, das hat auch seine Vorteile.

 

Beim Titelbild zweifelte ich und gab es dann Gelfand, den ich als Titelverteidiger betrachte – er gewann 2013 mit klassischer Bedenkzeit, das Foto ist gut zwei Jahre alt und stammt von der damaligen Turnierseite. 2014 gewann im Blitzturnier Mamedyarov, und beim Petrosian Memorial Grischuk (diesmal nicht dabei). Möglich war auch Tal selbst (aber er bekommt womöglich am 9.11.2016 zu seinem 80. Geburtstag ein eigenes Kalenderblatt) oder – dafür entschied sich die kommerzielle Konkurrenz – der Austragungsort, das neu eröffnete Museum der russischen Impressionisten.

 

Das Feld ist in vielerlei Hinsicht bunt gemischt, einiges spielte bei der Auswahl der Teilnehmer vielleicht eine Rolle:

TurnierseiteLive-Partien ab dem 26.9.

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Sinquefield Cup etwas anders als bisher

 

So

Zum vierten Mal spendierte Rex Sinquefield einigen ausgewählten Spielern eine insgesamt sechsstellige Dollarsumme. Dreimal gab es einen dominanten Sieger – 2013 im Miniturnier (ausser ihm nur Nakamura, Aronian und der klare Aussenseiter Kamsky) Carlsen, 2014 Caruanas historischer Triumph, 2015 siegte Aronian ebenfalls souverän. Die hätten vermutlich auch gewonnen oder jedenfalls wieder vorne mitgespielt, wenn das Turnier direkt danach wiederholt würde. Dieses Jahpartienr bin ich mir da nicht so sicher – zumal mit anderer Auslosung, d.h. Gegner in anderer Reihenfolge mit teilweise vertauschten Farben. Ein fast „spiegelbildliches“ Turnier (dieselben Gegner mit vertauschten Farben) gibt es im Dezember in London – fast, da Ding Liren dann (inzwischen offenbar offiziell-definitiv) durch Michael Adams ersetzt wird.

 

„So“ wie das Turnier lief gewann am Ende Wesley So (alle Fotos von der Turnierseite bzw. ab da via Flickr). Er spielte wie zuvor in Paris, Leuven und Bilbao – betont solide, gewinnen wenn es sich ergibt – und das reichte. Endstand So 5.5/9, Aronian, Topalov, Caruana, Anand 5, Nakamura und Vachier-Lagrave 4.5, Ding Liren 4, Svidler 3.5, Giri 3. Ob dieser Ansatz bei nächster Gelegenheit wieder wunderbar funktioniert, muss man abwarten – 2015 spielte er in St. Louis mutiger und landete am Tabellenende, zuletzt wurde er (wie auch Nakamura) pragmatischer.

 

Auch dieser Bericht ist etwas anders als üblich. Bei nur einem Abschlussbericht ist „Runde für Runde“ schlichtweg zu viel. Die relativ vielen Remispartien ignoriere ich weitgehend – teilweise zu Unrecht, da einige durchaus dramatisch verliefen – und bringe nur das, was sonst am Ende kommt: „Einzelkritik“ bzw. zusammenfassende Bemerkungen zu allen Teilnehmern. Dafür eine etwas grosszügigere Auswahl aus insgesamt 917(!) Fotos – etwas willkürlich, etwas „thematisch“.

 

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Interessante Duelle der „zweiten Garnitur“ in Sibirien

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Es begann verhalten mit fünf weitgehend ruhigen Remisen – da hatten die Teilnehmer vielleicht die (für fast alle) lange Anreise nach Sibirien noch nicht verkraftet. Unpartiend auch danach hatten einige Runden mehr, andere weniger zu bieten (es gab auch einige Kurzremisen). Im Gedächtnis haften bleiben jedoch die turbulenteren Partien und auch die Tatsache, dass öfters mal Eröffnungen aufs Brett kamen, die man auf höherem Niveau (Elo 2750+) eher selten sieht.

 

Einer setzte sich früh unten ab – Bologan (letztes Jahr noch geteilt Erster, 2005 ebenfalls geteilter, 2000 und 2001 alleiniger Sieger) verlor drei seiner ersten vier Partien. Die zweite Turnierhälfte lief besser für ihn, und da andere nun kriselten bekam er Gesellschaft am Tabellenende: Sutovsky verlor in Runde 4-6, Kovalenko erzielte einen halben Punkt aus seinen letzten fünf Partien. Titelverteidiger Korobov beschleunigte in der zweiten Turnierhälfte und konnte auch eine Niederlage zwischendurch verkraften bzw. kompensieren. Das etwas ungewöhnliche Titelfoto wieder von der Turnierseite.

 

Endstand: Korobov 6/9, Wojtaszek 5.5, Andreikin, Matlakov, Jakovenko 5, Smirin, Motylev 4.5, Sutovsky 3.5, Kovalenko und Bologan 3.

 

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Carlsen im Schongang zum Turniersieg

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Viel musste er nicht mehr zeigen: Die erste Turnierhälfte war ja nach Wunsch verlaufen, und Nakamura (dank Carlsen selbst erster Verfolger) versuchte nicht wirklich, noch eine Partie zu gewinnen – ein „historischer“ Sieg reichte ihm? Carlsen gewann noch eine Partie, und auch das war ein „historischer“ Sieg: Giri erwischte eine ziemlich schlechte zweite Turnierhälfte. Ich bleibe dabei, Carlsens Spiel so zu beschreiben wie ich es sehe. Anderen gefällt es, sei es generell sei es weil er damit erfolgreich ist, einige glorifizieren es, das mache ich nicht.

 

Endstand: Carlsen 17/30, Nakamura 12, So und Wei Yi 11, Karjakin 9, Giri 7. Das Titelbild ist vielleicht bezeichnend – Karjakin im Hintergrund, nur kleidungsmässig war er in dieser Runde Carlsen ebenbürtig. Aber ihr WM-Match beginnt beim Stand 0-0. Karjakin hatte ein generell mässiges Schachjahr 2015 und gewann den Weltcup, dann 2016 ein schlechtes Ergebnis im Januar in Wijk aan Zee nebst Sieg im Kandidatenturnier, und auch im November gilt dann: für den WM-Zyklus zählen nur Ergebnisse, die Teil des WM-Zyklus sind. Die meisten Fotos aus den Bilbao-Presseberichten, einige (die mit Aufdruck „Por Manu de Alba“) auch direkt von der Turnierseite.

 

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Und drei Matches auf Niveau 2700+ und noch mehr in Biel

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Ja, Bilbao beschäftigt alle (auch mich), und dann im August Sinquefield Cup – aber Schach ist für mich mehr als die top10. Als Spieler auch mittleres Amateurniveau, als Schreiberling zumindest auch die erweiterte Weltspitze. Deshalb will ich einiges zumindest erwähnen, auch wenn ich es nicht im Detliveail besprechen kann.

 

„Vorschau“ zu Poikovsky steht in Gänsefüsschen, da das Turnier heute bereits begonnen hat – dadurch habe ich es registriert, und erst seit heute weiss ich, wer alles dabei ist. Nach Elo sortiert Andreikin, Wojtaszek, Jakovenko, Matlakov, Smirin, Kovalenko, Motylev, Korobov, Bologan, Sutovsky. Die drei zuerst genannten haben aktuell Elo 2700+ – alle(!) anderen waren mal Mitglieder im Club 2700, wobei es zum Teil länger her ist und gerade so der Fall war.

 

Die Turnierseite hat originelle Spielerfotos – mal (bis auf Smirin) nicht in Schlips und Kragen. Bei Andreikin könnte man fast vermuten, dass er eigentlich bei der Olympiade mitmachen wollte (nicht die der Schachspieler in Baku, die für viele andere Sportarten in Brasilien). Das hat sich wohl erledigt (ohnehin war er wohl nicht im Kader), dann eben eine vorübergehende Verbannung nach Sibirien.

 

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Carlsen wird (nach eigener Aussage) immer besser, seine Gegner immer schlechter

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Das („my play is getting better by the day“) sagte Carlsen nach Runde 3 seinem Adjutanten Tarjei Svensen, der es natürlich veröffentlichte. Schlechter als in der ersten Runde ging allerdings auch kaum – bis Wesley So drei Tage später das Gegenteil bewies. Runde 5 passte dann nicht ins Bild – Giri spielte gegen Carlsen vielleicht phasenweise schlecht, abeliver am Ende nicht schlecht genug. Man kann das alles natürlich auch anders sehen und „Ave Carlsen Halleluja“ singen – so steht es anderswo im Internet, ich beschreibe das Turnier so wie ich es sehe. Alle Fotos aus den offiziellen Pressemails.

 

Bilbao vergibt Fussball-Punkte: drei Punkte für einen Sieg, einen (bzw. zwei über beide Spieler verteilt) für ein Remis – jeweils egal wie das Ergebnis entstand, das gilt natürlich auch bei normaler Punktwertung. Damit steht es bei Halbzeit so: Carlsen 10, Nakamura 7, Giri 5, Karjakin, So, Wei Yi 4. Carlsen führt da seine Gegner es insgesamt so wollten, Nakamura ist Zweiter da Carlsen gegen ihn schlecht spielte, Giri Dritter da er gegen Carlsen insgesamt nicht schlecht spielte.

 

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Vachier-Lagrave, Nepomniachtchi, [Bilbao: Carlsen (bei Halbzeit)]

Maxime_Vachier-Lagrave
 
Bei drei parallelen Superturnieren (zwei heute beendet, eines hat Halbzeit) ist es nett, wenn sie zwecks Titel-Ökonomie einen gemeinsamen Nenner haben. Auch in Bilbao führt zur Halbzeit Generation 1990, da ein gewisser Magnus Carlsen (Karjakin konnte nicht mithalten), aber das bekommt einen eigenen Bericht. Und Andreikin, der fünfte im 2700er Club mit Geburtsjahr 1990, war nirgendwo dabei – ein Spieler mit Elo 2700+ der (wie generell auch Nepomniachtchi) eben kaum Einladungen bekommt.

 

Das Titelbild (alle Dortmund-Fotos von der Turnierseite, Fotograf Georgios Souleidis) bekommt MVL – der mich am meisten überzeugte: als einziger der drei im Untertitel erwähnten blieb er ungeschlagen, und profitierte auch weniger als Carlsen von mitunter groben bis absurden gegnerischen Fehlern. Zunächst der jeweilige Endstand:

 

Xinghua: Nepomniachtchi 6/9, Harikrishna und Wang Yue 5, Ding Liren, Yu Yangyi, Bu Xinagzhi 4.5, Ivanchuk, Leko, Hou Yifan 4. Ganz vorne im Vergleich zu nach der sechsten Runde unverändert, dahinter tat sich ein bisschen was.

 

Dortmund: Vachier-Lagrave 5.5/7, Kramnik, Caruana, Dominguez 4, Ponomariov, Nisipeanu 3.5, Najer 2, Buhmann 1.5. Im Gegensatz zu Nepo in China, der zwischendurch stolperte, zog MVL die Sache souverän durch.

 

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Symmetrische Tabelle vor dem zweiten Ruhetag

 

Maxime_Vachier-Lagrave

Man musste kein Hellseher sein, um vor dem Turnier zu vermuten, dass die erste Runde in Dortmund schon einen Fingerzeig für das gesamte Turnier liefern könnte – so kam elives dann auch, wobei das Ergebnis einer relevanten Partie einerseits überraschend war, andererseits nicht. In einer Hinsicht wird Dortmund 2016 keine, jedenfalls keine „identische“ Wiederholung von Dortmund 2015. In einer anderen Hinsicht könnte das noch passieren.

 

Genug rätselhafte einleitende Sätze, zu den nackten Fakten – Stand nach vier von sieben Runden: Vachier-Lagrave 3/4, Dominguez 2.5, Kramnik, Ponomariov, Caruana, Nisipeanu 2, Najer 1.5, Buhmann 1. Das Titelbild bekommt natürlich der momentan führende Franzose – alle Fotos von Georgios Souleidis, Turnierseite.shot2-1

 

Nach drei Runden war das Feld noch dicht beieinander, nach der vierten Runde liegt erstmals einer alleine vorne und einer alleine am Tabellenende. Die rote Laterne für Buhmann ist nicht allzu überraschend, die Führung für MVL auch zumindest keine „Sensation“. Zu den beiden anderen Favoriten: 50% für Caruana und Kramnik sind etwas unterschiedlich zu bewerten – Caruana hatte bisher dreimal Weiss, Kramnik dreimal Schwarz. Und nun Runde für Runde:

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Überraschender Zwischenstand in Xinghua

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Höchste Zeit um ein bisschen was zumlive chinesischen Superturnier zu schreiben, pünktlich vor dem asymmetrischen Ruhetag nach sechs von neun Runden. Beim Zwischenstand ist einiges überraschend, einiges auch eher nicht. Nicht überraschend aus meiner Sicht, dass die Elo-Aussenseiterin derzeit Letzte ist, und drei von vier Spielern mit 2,5/6 gehören nach aktuellen Elozahlen auch etwa dahin (wobei alle drei schon einmal etwas mehr Elo auf ihrem Konto hatten). Überraschend dagegen, wer auch nur 2,5/6 hat, und wer momentan souverän führt: Nepomniachtchi 4.5/6, Bu Xiangzhi, Yu Yangyi, Wang Yue 3.5, Harikrishna 3, Wang Hao, Ding Liren, Ivanchuk, Leko 2.5, Hou Yifan 2.

 

Der „Fremdkörper“ unter den Spielern mit 2,5/6 ist natürlich Elofavorit Ding Liren. So bekommt er kein Titelfoto, das bekommt Ian Nepomniachtchi. Alle Fotos von „China Sports Network Intelligence“ – Dank auch an Kollegen von Chessbase und chess.com die sich ebenfalls dort bedienen, sonst hätte ich es nicht gefunden.

 

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Das dritte Superturnier im Juli

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„Das dritte“ ist chronologisch – derzeit läuft bereits eines in China und eines in Dortmund. In zweierlei Hinsicht ist es – Definitionssache – „das erste“. Zulivem einen nach Eloschnitt der Teilnehmer, dafür gibt es mehrere Gründe: Sie konnten einen Spieler mit Elo 2855 zur Teilnahme motivieren, dafür mussten sie offenbar Sonderwünsche erfüllen, das tut man doch für Carlsen … . Sie haben, mit einer Ausnahme, kein Interesse an Spielern ausserhalb der top10 – dabei sind die durchaus ein bereichernder und belebender Faktor. Und sie haben nur sechs Teilnehmer – auf der Bilbao-Skala ist es „immerhin“, die letzten Jahre waren es vier. Alphabetisch geordnet: Carlsen, Giri, Karjakin, Nakamura, So, Wei Yi – so ausgewählt dass Carlsen auch hier vorne steht?

 

Zum anderen hat Bilbao die lauteste Öffentlichkeitsarbeit – keine Kritik an Dortmund, so laut muss es (für mich) nicht unbedingt sein, und China bedient wohl, wenn überhaupt, ein chinesisches Publikum. Mitunter ist es in/aus Bilbao, nicht nur dieses Jahr, originell: sie machen auch mal, was Schachspieler am Brett nicht dürfen – Züge zurücknehmen bzw. korrigieren.

 

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Der Hockenheimer Nationalspieler Rainer Buhmann nimmt am weltbekannten Sparkassen Chess-Meeting in Dortmund teil – Ein Beitrag von DIETER AUER

 

Rainer Buhmann entstammt der Familie Seitz. Das Hockenheimer Urgestein – Mitglied des Rennstadtteams – ist seit 15 Jahren Nationalspieler, gewann mit Deutschland 2001 Bronze bei der Europameisterschaft und gehörte zum Team, das 2011 Gold bei der EM in Griechenland gewann.

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shot2-1Der 35-jährige Rainer Buhmann – er lebt seit zwei Jahren in Wien – befindet sich zurzeit in der Form seines Lebens. Als Nr.3 der deutschen Rangliste rückte er mit der ELO-Zahl 2653 in den Bereich der TOP-Hundert der Weltrangliste und steht im Moment vor dem Höhepunkt seiner Schachlaufbahn.

 

Seine Teilnahme am Großmeisterturnier „Dortmunder Sparkassen Chess-Meeting“ aus Anlass des 175-jährigen Jubiläums der Sparkasse führt ihn in ein achtköpfiges Weltklassefeld mit drei Spielern aus der aktuellen Top-Ten der FIDE-Weltrangliste.

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An der Spitze des elitären Feldes steht der dreimalige russische Weltmeister Wladimir Kramnik, derzeit die Nummer zwei der Welt. Kramnik feierte 1993 Premiere in Dortmund und wurde auf Anhieb Zweiter hinter dem legendären Anatoli Karpow – dem Ehrenmitglied der Schachvereinigung 1930 Hockenheim und heutigen Mannschaftskollegen von Rainer Buhmann. Kramnik wurde danach Dauerteilnehmer und Seriensieger der Dortmunder Weltklasseveranstaltungen (Chess-Meetings).

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Drei Favoriten, so sehe ich es …live

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Vor jedem Turnier kann man Fragen stellen, die dann während dem Turnier beantwortet werden, diesmal aufgrund „passender“ Auslosung tendenziell vielleicht schon in den ersten beiden Runden. Wer sind meine drei Favoriten? Als Fragen formuliert: Wird Kramnik sich wieder auf „50%“ verbessern? Macht Caruana den nächsten Schritt, um ihn irgendwann als Dortmundominator abzulösen? Was macht Vachier-Lagrave? Da MVL in Dortmund debütiert, gebe ich den beiden anderen das Titelfoto – alle Fotos aus dem Archiv der Turnierseite, dieses aus dem Jahr 2015.

Sponsordame Jenny Schnitter und der Herr mit Krawatte, der auch nicht selbst mitspielte, drücken kleidungsmässig dem Weisspieler Kramnik die Daumen, aber Caruana gewann mit Schwarz – diese Partie in Runde fünf unshot2-1d in der siebten und letzten Runde auch das turnierentscheidende Duell gegen, wer hätte das vorher gedacht, Nisipeanu.

 

Vielleicht gibt es aber auch, nicht zum ersten Mal in Dortmund, eine Überraschung. Und jedenfalls aus deutscher Sicht wird ohnehin auch interessant, wie Teilnehmer mit Elo unter 2798 abschneiden, daher nenne ich nun alle acht: Kramnik, Caruana, Vachier-Lagrave, Dominguez, Ponomariov, Najer, Nisipeanu, Buhmann. Wie kam dieses Feld zustande?

 

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Xinghua, dann Wenzhou

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Ich hatte schon einmal erwähnt, dass im Juli schachlich jede Menge los ist – den Anfang macht (was Elo 2700+ betrifft) ab morgen China. Sie haben jede Menge Spieler dieses Niveaus, die nicht alle anderswo Einladungen bekommen, was macht man dann? Man organisiert selbst eiliven Superturnier und findet ein paar Ausländer (oft auch aus der Kategorie „aktuell kaum andere Einladungen“) die mitspielen wollen. Dabei sind Ding Liren, Harikrishna, Wang Hao, Yu Yangyi, Wang Yue, Ivanchuk, Nepomniachtchi, Bu Xiangzhi, Leko und Hou Yifan. Die Nummer eins, zwei und zehn der Setzliste bekommen durchaus auch Einladungen anderswo – das wusste Harikrishna vielleicht noch nicht, als er den Chinesen zusagte.

 

Das Titelfoto bekommt nicht etwa Hou Yifan – schliesslich hat der Schachticker sie gerade erst fotografiert, obwohl sie beim Frauen Grand Prix in Shengdu, auch irgendwo in China, gar nicht mitspielt (nun ist klar warum). Ich entschied mich für Ivanchuk, um den es zuletzt etwas still wurde. Das Foto von Alina l’Ami stammt aus Wijk aan Zee 2015, wohl seine letzte hochkarätige Einladung. Ausnahme ist bis zu einem gewissen Grad Capablanca Memorial – sie mögen ihn, es beruht auf Gegenseitigkeit und da hat er gerade mal wieder gewonnen.

 

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Humpy Koneru und Harika Dronavalli liegen nach vier Runden beim vierten Turnier der Frauen-Grand-Prix-Serie in Shengdu in Führung – Ein Zwischenbericht von RAYMUND STOLZE

 

HumpyKoneru

Humpy Koneru

Die Frage sei eingangs gestattet: Was ist die Frauen-Grand-Prix 2015/16 sportlich gesehen wert ohne die noch amtierende Weltmeisterin Hou Yifan ? Die Chinesin hat immerhin die Gesamtwertung aller bisher drei Auflagen gewonnen. Zum Auftakt des vierten Wettbewerbs im Oktober vergangenen liveJahres im „Spielerparadies“ in Monte Carlo siegte sie souverän mit zwei Punkten Vorsprung vor der damaligen Schachkönigin Maria Musitschuk, von der sie sich dann im März 2016 in Lviv/Ukraine den ausgeliehenen Titel mit 6:3 [+3 =6 -0 ] zurück holte.

 

Beim dritten Turnier der aktuellen Grand-Prix-Serie in Batumi hätte die 22-Jährige problemlos wieder einsteigen können, doch daraus wurde nichts. Die beste Schachspielerin der Welt ist mit dem derzeitigen Modus der Frauen-Weltmeisterschaft nicht einverstanden. Ihr missfällt der Wechsel von K.o-Turnier und einem Matchkampf, für den die Siegerin der Grand-Prix-Gesamtwertung qualifiziert ist. Hou Yifan hat sich in der Vergangenheit diesem Procedere dennoch immer wieder gestellt. So gewann sie im Dezember 2010 durch einen 5:3-Sieg gegen ihre Landsfrau Ruan Lufei das Finale der K.o.-WM und wurde damit zugleich jüngste Schachweltmeisterin aller Zeiten. Im Jahr darauf verteidigte sie in Tirana die Schachkrone mit 5,5:2,5 gegen die Inderin Humpy Koneru, um 2012 überraschend bei den im K.o.-System ausgetragenen Titelkämpfen in der zweiten Runde in Chanty-Mansijsk gegen die Polin Monika Socko auszuscheiden. 2013 fertigte sie allerdings als Herausforderin die Ukrainerin Anna Uschenina im heimischen Taizhou locker mit 5,5:1,5 in einem WM-Match ab. Es folgte der kampflose Verlust des WM-Titel 2015 wegen eines Terminkonfliktes, aber mit dem dritten Sieg in Folge beim FIDE-Grand-Prix der Frauen 2013/14 bekam sie das Recht auf einen Zweikampf mit Maria Musitschuk.

 

Turnierseite

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Volokitin vor NN und „Jugoslawien“

Volokitin
NN bezieht sich dabei auf das Alphabet, die Spieler auf dem zweiten und dritten Platz sind – jedenfalls in deutschen Schachkreisen – durchaus bekannt. So stand es nach neun von neun Runden beim Vidmar Memorial im slowenischen Bled: Volokitin 7/9, Naiditsch 6.5, Nisipeanu 6, Ivanisevic 5.5, Lenic 4.5, Beliavsky 4, Sebenik, Skoberne, Kozul 3, Borisek 2.5. Recht sauber sortiert, nur Platz sieben ist „umstritten“. Der knappe Endstand täuscht etwas, da die Spieler unterschiedliche Turniere spielten. Volokitin begann mit vier Siegen und liess es danach ruhiger angehen, nur ein weiterer voller Punkt in Runde 5-9. Naiditsch gewann dagegen die letzten drei Partien, Nisipeanu und Ivanisevic die letzten beiden. NN besiegten da die relativ bekannten Balkaner Beliavsky und Kozul, die beide den Höhepunkt ihrer Karrieren wohl hinter sich haben.

 

Fotos von der Facebook-Seite des Turniers – Wer ist Andrei Volokitin? Aktuell ist er (bzw. war er vor diesem Turnier) mit Elo 2624 die Nummer zwölf der Ukraine, allerdings hatte er vor gut drei Jahren schon einmal Elo 2725. Und in einer Hinsicht ist er noch besser als Anish Giri: Giri gönnte Carlsen in vierzehn klassischen Partien dreizehn Remisen und gewann nur einmal, Volokitin verlor gegen Carlsen in sechs klassischen Partien nur zwei halbe Punkte. Da könnte allerdings eine Rolle spielen, dass Giri jünger ist als Carlsen und Volokitin etwa viereinhalb Jahre älter – ausserdem trafen Volokitin und Carlsen zuletzt 2008 aufeinander. Das Vidmar Memorial hatte wohl kein Geld für Carlsen, Volokitin erwies sich als würdiger Ersatz:

 

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Vorletztes Turnier  der Grand-Prix Serie der Frauen in China – Valentina Gunina (Russland) und  Nana Dzagnidze (Georgien) führen gemeinsam in der Gesamtwertung mit 205 Punkten.

 

Valentina Gunina (Russland)

Valentina Gunina (Russland)

Der „Chinesische Schachverband“ in Zusammenarbeit mit der FIDE, organisiert das 4. Turnier der Grandprix-Serie der Frauen. Vom 1. bis 15. Juli spielen 12 Top-Frauen im Hotel Wang Jian, in der 14- livemillionen Stadt Chengdu, einer Provinzhauptstadt in Westchina.

 

Die Veranstaltung wird von der Chinese Chess Association und Chengdu Sports Bureau, gemeinsam mit der Chengdu Volksregierung der Stadt, Brett- und Kartenspiele Verwaltungszentrum der General Administration of Sport von China, Chengdu Schach Institute und Chengdu Chess Association, gesponsert.

 

Chengdu unterstützt nachdrücklich die Entwicklung und Popularisierung der Gedankenspiele. Die Stadt veranstaltete schon eine Mannschafts-Weltmeisterschaft. Das Preisgeld beträgt insgesamt 60.000 Euro. 10.000 Euro für den Sieg.

 

Die Teilnehmerinnen:
Koneru Humpy IND GM 2575; Ju Wenjun CHN GM 2559; Muzychuk Anna UKR GM 2551V Muzychuk Mariya UKR GM 2546; Harika Dronavalli IND GM 2514; Tan Zhongyi CHN WGM 2509; Stefanova Antoaneta BUL GM 2505; Zhao Xue CHN GM 2503; Javakhishvili Lela GEO IM 2497;
Cramling Pia SWE GM 2474; Khotenashvili Bela GEO GM 2456; Girya Olga RUS WGM 2448;

 

Turnierseite

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Mit Großmeister Liviu-Dieter Nisipeanu (Deutschland, Elo 2668) und GM Arkadij Naiditsch, ehemaliger deutscher Spitzenspieler, startet jetzt für Aserbeidschan. Das GM-Turnier geht vom 24. Juni bis zum 3. Juli 2016

 

Liviu-Dieter Nisipeanu

Liviu-Dieter Nisipeanu

Milan Vidmar wuchs in Laibach (nach 1918: Ljubljana), der Hauptstadt des österreichischen Kronlandes Krain, auf. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte seine Heimat zu dem neu entstandenen jugoslawischen Staat.

 

liveNach seinem Studium an der Technischen Hochschule Wien und einer Tätigkeit in der Industrie wurde Vidmar nach Kriegsende im Jahr 1919 zum Professor für Transformatorentechnik an der Universität Ljubljana ernannt. In dieser Funktion, die er bis 1959 innehatte, verfasste er zahlreiche wissenschaftliche Werke. Ein von ihm aufgebautes Institut zur elektrotechnischen Forschung trägt noch heute seinen Namen.

 

Obwohl er das Schachspiel nur als Amateur betrieb, zählte er zeitweise zur erweiterten Weltspitze und belegte beim Kandidatenturnier für die Schachweltmeisterschaft in New York 1927 den vierten Platz. 1914 beim 19. DSB-Kongress in Mannheim lag er hinter Alexander Aljechin auf dem zweiten Platz, als das internationale Turnier wegen Beginn des ersten Weltkrieges am 1. August abgebrochen wurde. Zwischen 1917 und 1923 lag er 21 unterschiedliche Monate auf Platz 4 der nachträglich berechneten Weltrangliste, seine höchste historische Elo-Zahl betrug 2731 im April 1919.

TurnierseiteProgramm

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Alexander Naumann gewinnt erneut Ehrenpreisturnier im Rahmen der Löberitzer Schachtage

 

von links nach rechts: Herbert Bastian, Andreas Domaske (Präsident des LSV Sachsen-Anhalt), Andreas Daus (Vorsitzender der SG 1871 Löberitz), Alexander Naumann, Dr. Robert Hübner, Jan Timman, Dana Reizniece-Ozola, Gert Kleint, Manfred Schöneberg, Konrad Reiß

von links nach rechts: Herbert Bastian, Andreas Domaske (Präsident des LSV Sachsen-Anhalt), Andreas Daus (Vorsitzender der SG 1871 Löberitz), Alexander Naumann, Dr. Robert Hübner, Jan Timman, Dana Reizniece-Ozola, Gert Kleint, Manfred Schöneberg, Konrad Reiß

Im Rahmen der Löberitzer Schachtage fand in langjähriger Tradition erneut das Großmeisterturnier um den Ehrenpreis statt. Schon 1883 konnte sich der 21-jährige Dr. Siegbert Tarrasch als Sieger durchsetzen.

 

Es ist schon sehr beeindruckend, wie es den Löberitzern mit Konrad Reiß als Spiritus Rector immer wieder gelingt, ein höchst attraktives Teilnehmerfeld für das Turnier zu begeistern. Langjährig verdiente und bekannte Schachpersönlichkeiten können noch einmal ihr Können zeigen, in dem sie gegen jüngere noch aktive Schachspieler antreten. Auf diese Weise können auch unsere Nachwuchsspieler, die zeitgleich am Supercup 2016 teilnahmen, ihre sportlichen Vorbilder kennenlernen.

 

Wenn der nach Dr. Lasker erfolgreichste deutsche Schachspieler, IGM Dr. Robert Hübner, schon das 4. Mal teilnimmt, ist dies ein Beleg für die hohe Attraktivität des Löberitzer Turniers, bei dem es nicht um Titel oder Geldpreise geht. Auch die Teilnahme des ehemaligen WM-Kandidaten IGM Jan Timman (Niederlande) und des Präsidenten des DSB bzw. Vizepräsidenten der FIDE, IM Herbert Bastian, ist eine hohe Wertschätzung für Konrad Reiß und sein Team. Über mehrere Jahre eng verbunden mit dem Löberitzer Verein sind WGM Dana Reizniece-Ozola (Lettland) und IGM Alexander Naumann, der für den diesjährigen deutschen Mannschaftsmeister SG Solingen spielt. Dana Reizniece-Ozola (Lettland) ist nicht nur eine erfolgreiche Schachspielerin sondern auch als Politikerin (gegenwärtig Finanzministerin ihres Landes) sehr aktiv. Nicht zuletzt reihte sich Manfred Schöneberg aus Leipzig (ehemaliger DDR-Meister von 1972) in die Schar der Altmeister ein.

 

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Am Ende lacht Carlsen

Carlsen
Es passiert mitunter, dass das „Konzept“ für einen Artikel (Überschriften, Fotos, …) bereits ’steht‘ – und dann doch hinfällig wird bzw. nach der jeweils letzten Runde im Turnier nicht mehr passt. Aber so unvorhersehbar wie beim Schnellschach in Leuven warlive es selten – auch wenn manche einwenden mögen „klar doch, dass Carlsen am Ende vorne liegt“. Auf dem Titelfoto (alle Fotos wieder von der Grand Chess Tour) blickt er noch recht mürrisch drein – erstens tut er das ohnehin oft, zweitens stammt das Foto von Tag eins (Tag zwei aktuell noch nicht online) und da hatte er durchaus Grund dazu.

 

Endstand des Schnellturniers dann: Carlsen 12/18, So 11, Aronian und Anand 10, Caruana 9, Topalov, Giri, Vachier-Lagrave 8, Kramnik und Nakamura 7. Ja, das stimmt so, auch was Nakamura betrifft.

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