Spanische Mannschaftsmeisterschaft 2016 – LIVE

liveVom 26.9. bis zum 2.10. wird die spanische Mannschaftsmeisterschaft ausgespielt. 8 Mannschaften kämpfen um den Sieg. Die Siegermannschaft ist Spanischer Mannschaftsmeister, während die letzten beiden Mannschaften absteigen. Die Bedenkzeit beträgt für 40 Züge 90 Minuten zuzüglich 30 Minuten für den Rest der Partie. Es gibt einen Zeitzuschlag von 30 Sekunden ab dem ersten Zug. Spielort ist das Hotel Mas Monzón in Monzón.
Dabei sind auch einige Spieler der absoluten Weltklasse wie zum B.: Harikrishna, Dominguez Perez, Inarkiev, Rapport, Vallejo Pons, Radjabov, Kryvoruchko.

Kalenderblätter

Ein Schwergewicht in vielerlei Hinsicht


„Kalenderblätter“ schreibe ich (am liebsten), wenn ich die betroffene Person jedenfalls ein bisschen kenne/kennengelernt habe oder ihr zumindest mal begegnet bin. Dieses entstand spontan, und ist etwas zu spät bzw. etwas zu früh. Um den Titel zu erklären: Sein 50-jähriges Karrierejubiläum wurde am 12. April in seinem Geburtsort Tel Aviv gefeiert, sein 64. Geburtstag ist morgen (16.4.). Wie genau sie bis 50 zählten, ist mir nicht bekannt: Hatte er mit noch nicht ganz 14 Jahren seine erste Turnierpartie gespielt, oder etwa bereits seine erste Endspielstudie komponiert und veröffentlicht? Eher unwahrscheinlich erscheint mir, dass er in diesem Alter bereits (professioneller) Journalist, Trainer, Organisator oder Schiedsrichter war. Damit ist bereits erwähnt, dass Afek ein schachliches Multitalent ist – der recht kurze und knappe Wikipedia-Artikel betont, dass er der Einzige mit vier internationalen Schachtiteln ist: IM, Grossmeister für Schachkompositionen, International Arbiter und International Arbiter for Chess Compositions. „Einer von sieben lebenden“ Grossmeistern für Schachkompositionen bezieht sich wohl auf Endspielstudien, ansonsten (einschliesslich anderer Disziplinen) gibt es laut dieser Liste noch mehr, wobei es – verglichen mit GMs am Brett – immer noch überschaubar ist.

 

Das Titelfoto (Wind87 via Wikipedia) zeigt Afek als Schachspieler, 2012 in Groningen. Das ist er auch, nach wie vor recht aktiv, aber am bekanntesten ist er sicher als Problemkomponist. Seit vielen Jahren (seit wann genau konnte ich nicht herausfinden) lebt er in den Niederlanden, da bin ich ihm an verschiedenen Orten immer mal wieder begegnet. Und das ist Grundlage bzw. Motivation für dieses Kalenderblatt, aber eingangs gebe ich das Wort an Emil Sutovsky:

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Steinitz gewinnt gegen Zukertort die entscheidende Partie und den ersten offiziellen Weltmeisterschaftstitel – Von JULIA KIRST

 

Wilhelm SteinitzAm 29. März 1886, also heute auf den Tag vor genau 130 Jahren, gewann Wilhelm Steinitz die letzte Partie im Weltmeisterschaftskampf gegen Johannes Zukertort und krönte sich damit zum ersten offiziellen Schachweltmeister. Somit nimmt er, der seine Kindheit in Prag und seine Jugendjahre in Wien vebrachte, eine besondere Stellung in der Schachhistorie ein. Steinitz war jedoch nicht nur der Beste seiner Zunft, sondern schuf eine neue Art von Schachverständnis: Die Positionslehre.

 

Das 19. Jahrhundert gilt als Epoche der Romantik. Nicht nur in der Kunst und Literatur, sondern auch im Schachspiel. Geniale Künstler wie Adolph Anderssen und Paul Morphy waren die schillernden Figuren dieser Zeit und begeisterten das Publikum mit wilden Opferkombinationen.

 

Am Anfang seiner Karriere spielte Wilhelm Steinitz ähnlich wie Anderssen und Morphy mit offenem Visier. Eine seiner bevorzugten Weiß-Eröffnungen war das Königsgambit. Steinitz‘ Partieanlage war teilweise sehr riskant und er scheute sich nicht davor, den eigenen König auf das Schlachtfeld hinaus zu führen. Nicht umsonst stammt folgender Ausspruch von ihm: „Der König ist eine starke Figur.“

 

Was ist das besondere Merkmal eines Schachweltmeisters? Diese Frage kann man pauschal nicht beantworten, jedoch ist meiner Meinung nach folgende Eigenschaft unabkömmlich: Sich mit der Zeit und den immer stärker werdenden Gegnern kontinuierlich weiterzuentwickeln. Genau das tat Steinitz. Er erkannte, dass Kombinationen nicht auf Zufall basieren und gesundes positionelles Spiel die Grundlage für den siegreichen Schlussangriff bildet. Diese Erkenntnis führte zu einem Aufbruch in eine neue Schachepoche: Die Moderne.

 

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Viktor der Schreckliche, der Streitbare, der Unverwüstliche, der Vize-Weltmeister

Korchnoi FIDE
„Kalenderblätter“ übernehme ich, wenn ich einen gewissen Bezug zur jeweiligen Person habe. Im gegebenen Fall bin ich Kortschnoi immerhin mehrfach begegnet und spielte im selben Turnier – auch wenn ich, im Gegensatz zu zwei Vereinskollegen, nicht gegen ihn gespielt (und verloren) habe. Reporter war ich damals noch nicht, daher heute kein Interview. Schon zuvor begann für mich, Jahrgang 1967, die selbst miterlebte Schachgeschichte mit den WM-Matches Karpov-Kortschnoi.

 

Zu den Untertiteln: „Der Schreckliche“ stammt nicht von mir, ist wohl durchaus als Kompliment gemeint aber vielleicht bezieht es sich (insgeheim) nicht nur auf seinen Schachstil, sondern ein bisschen auch auf seinen Charakter. „Der Streitbare“ deutet das auch an – über Geburtstagskinder nicht nur 100% Gutes, er war (ist?) wohl mitunter auch ein etwas unangenehmer Zeitgenosse, liegt vielleicht auch an seiner Biographie. „Der Unverwüstliche“: Im fortgeschrittenen Alter wirkte er zwar körperlich gebrechlich, aber geistig ist er noch voll da, und schachlich konnte er sehr lange mithalten – irgendwann nicht mehr mit der Weltelite, aber durchaus noch mit „normalen“ Grossmeistern. „Der Vize-Weltmeister“: Kortschnoi ist womöglich über die gesamte Schachgeschichte der stärkste Spieler, der nie Weltmeister wurde – andere Kandidaten sind Paul Keres, Akiba Rubinstein und aktuell (aber seine Karriere läuft noch) Levon Aronian. Auch dieser Artikel ist so strukturiert: erst einige biographische Fakten – bei älteren Lesern wohl bekannt, bei der „Jugend von heute“ vielleicht nicht. Dann eine Reihe Bilder (diesmal neben Wikipedia auch andere Quellen), dann einiges das international wohl nicht so bekannt ist. Das Titelfoto – klein aber fein – stammt von der FIDE-Eloseite.

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Schachspieler (erweiterte Weltklasse), Trainer, Buchautor, Mensch

 

Bei Draw discussion Wijk aan Zee 2016der Kalenderblätter-Vorschau 2016 (veröffentlicht am 23.12.2015) hat mich ein Name besonders angesprochen: dazu kann ich recherchieren und dann darüber schreiben. Grund ist – Bilder sagen mehr als viele Worte, wobei dieser Beitrag natürlich auch Worte enthält – z.B. das Titelfoto (von Alina l’Ami, dieses Jahr hinter den Kulissen in Wijk aan Zee). Vladimir (laut manchen Quellen auch Wolodymir) Tukmakov steht da zentral, war aber – wie zwei andere Herren, rechts neben ihm Gert Ligterink und links halb abgeschnitten Ihr Reporter Thomas Richter – eher Zuhörer: Loek Van Wely und Anish Giri diskutierten, ob man (Loek, nicht etwa Anish) nach nur 20 Zügen gegen Karjakin einfach so remis vereinbaren kann.

 

Ich „kenne“ Tukmakov vor allem als Trainer von (aktuell) Anish Giri, deswegen bzw. in dieser Rolle war er 2015 und 2016 in Wijk aan Zee, daneben „indirekt“ als Buchautor, fast gar nicht als aktiven Spieler (aber dafür gibt es z.B. Wikipedia), und zuletzt habe ich ihn im Interview auch ein bisschen als Mensch mitbekommen. Der Artikel beginnt mit noch einer kleinen Anekdote, wird dann allgemein und historisch-fotografisch, und zum Schluss (mit Anlauf) das bereits erwähnte Interview.

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Schnellschach in Tallinn

 

Beginn 8.1.: 13 Uhr – Beginn 9. u. 10.1. 10 Uhr

Normalerweise beginnt das Schachjahr (für mich, d.h. offene Turniere in der ersten Januarwoche verfolge ich allenfalls ein bisschen) mit Wijk aan Zee. Dieses Jahr ist Wijk aan Zee eine Woche später, und damit lohnt sich am Tallinnzweiten Januar-Wochenende auch ein (Internet-)Blick nach Tallinn. In Wijk aan Zee sind die Bedingungen (draussen, natürlich nicht drinnen) mal winterlich, mal eher herbstlich. In Tallinn herrscht momentan der Winter – Wettervorhersage kommt später, aber das Titelbild ist auch aussagekräftig. Das habe ich auf Emil Sutovskys Facebook-Seite gefunden – das Turnier wird von ACP, estnischem Schachverband und Estonian Sports Association Kalev (zu Lebzeiten Keres‘ Verein) gemeinsam organisiert.

 

Wer spielt alles mit? Ich nenne zunächst die ersten fünfzehn der Setzliste – da Schnellschach gespielt wird, nach Rapid-Elo sortiert: Svidler, Kovalenko, Gelfand, Fridman, Matlakov, Berkes, Eljanov, Vitiugov, Motylev, Tiviakov, Howell, Ganguly, Georgiev, Sutovsky, Duda. Damenpreise gibt es auch, Kandidatinnen sind wohl vor allem Gunina, Kosteniuk und Cramling. Und da es ein Turnier nach Schweizer System ist, sind auch titellose Spieler dabei – im unteren Bereich der Setzliste (insgesamt haben sich 178 Spieler angemeldet) vor allem Esten, daneben die anderen baltischen Staaten, Finnland usw. . Daniel Fridman vertritt die deutschen Farben alleine – aus biographischen Gründen spielt er öfters mal im Baltikum.

 

Eine Turnierseite gibt es, bzw. eine Seite zum Thema „Paul Keres-100“. Momentan stehen da vor allem allgemeine Infos, während dem Turnier gibt es dann zumindest Live-Übertragung. Da Keres‘ runder Geburtstag Anlass dieses Turniers ist, wähle ich auch die Rubrik Kalenderblätter, aber speziell zu Paul Keres wird Kollege Hartmut Metz etwas schreiben.

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Das Phänomen Bronstein – Von JULIA KIRST, die im kommenden Jahr als Autorin eine monatlich erscheinende Serie zum zehnten Todestag der Schachlegende veröffentlichen wird

 

Zauberlehrling Bronstein

Zauberlehrling Bronstein

Im Jahre 2016 jährt sich der Todestag von David Ionowitsch Bronstein [19. Februar 1924 bis 5. Dezember 2006] zum zehnten Mal. Der aus Bila Zerkwa im Oblast Kiew stammende einzige Sohn eines Mühlenverwalters und einer Ärztin zählte lange zur Weltspitze des Schachs und begeisterte die Schachwelt sowohl mit unkonventionellen Eröffnungsideen als auch mutigen Opfern. So sorgte er beispielsweise dafür, dass die Königsindische Verteidigung populär wurde, und im Königsgambit spielte Bronstein als Weißer hochinteressante Angriffspartien. Seine Intuition wies ihm auch in schwierigen und verwickelten Positionen meist den richtigen Weg. Er machte oft Züge, die sehr verwegen und bisweilen sogar falsch aussahen, aber letztendlich doch richtig waren. Für Bronstein war das Schachspiel eine Kunst, die die Leute begeistern soll. Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Michail Botwinnik war David Bronstein gegen die Verwissenschaftlichung des Schachs.

 

Obwohl David Bronstein jahrelang einer der besten Schachspieler war und bis ins hohe Alter sehr stark spielte, konnte er nie Weltmeister werden. Dieser Makel haftet ihm auch nach seinem Tode noch an, er gilt als einer der „Ewigen Zweiten“.

 

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Der Mann, der Schachgeschichte[n] schreibt – Zum 80. Geburtstag von Albin Pötzsch [29. Oktober 1935] – Von RAYMUND STOLZE

 

Es sind nicht allein die unvergesslichen Legenden, die Schachgeschichte[n] schreiben, soDSC00143ndern jene, die für die Verbreitung des wahrhaft Königlichen Spiels in der Öffentlichkeit sorgen. Und das über Jahrzehnte mit dem ihnen eigenen Fleiß sowohl kontinuierlich als auch häufig faszinierend und nicht zuletzt mit der nötigen Neugier und dem unverzichtbaren Spaß.

 

Einer von Ihnen, den ich bisher zwar niemals persönlich kennen gelernt habe, aber dem ich doch nahe stehe – unsere Telefonate belegen das hinreichend – ist Albin Pötzsch, der am 29. Oktober seinen 80. Geburtstag begeht. Und ehrlich, ich kann es wirklich nicht fassen! Wie doch die Zeit vergeht …

 

Unsere erste Zusammenarbeit datiert aus Mitte der 1980er-Jahre. Ich hatte damals die ehrenvolle Aufgabe, für den Sportverlag Berlin das Projekt „Umkämpfte Krone – Die Duelle der Schachweltmeister von Steinitz bis Kasparow“ – das Buch ist heute nur noch antiquarisch zu erwerben – innerhalb von gerade fünf Monaten quasi aus dem Stand zu schreiben. Ein Konzept war schnell gefunden, aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt, jedes Hauptkapitel unbedingt mit einem passenden Zitat einzuleiten, das beispielsweise den jeweiligen Weltmeister charakterisiert. Bloß wie diese klugen „Aufmacher“-Texte schnellstens finden? Es gab damals für Recherchen ja noch keine Suchmaschinen.

 

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Der verdienstvolle Ehrenamtler – Zum 80. Geburtstag von Alfred Schlya am 25. Oktober – Von DSB-Präsident HERBERT BASTIAN

 

Alfred Schlya

Alfred Schlya (by G. Hund)

Der Jahrgang 1935 wird nicht nur eine Reihe herausragender Schachspieler präsentiert, sondern es gibt auch jene selbstlosen Funktionäre, die sich unermüdlich um die Entwicklung des Schachsport in Deutschland bemüht haben. Dazu zählt selbstverständlich Alfred Schlya, der 14. Präsident des Deutschen Schachbundes, der in Hettstedt geboren wurde und den der amtierende DSB-Präsident Herbert Bastian im folgenden Beitrag würdigt.

 

Am 25. Oktober feierte der ehemalige Präsident des Deutschen Schachbundes seinen 80.Geburtstag. Alfred Schlya war von 1993 bis 2001 Präsident des Schachbundes Nordrhein-Westfalen und ist heute dessen Ehrenpräsident. Er ist ebenfalls Ehrenpräsident des Oberhausener Schachvereins 1887 e.V., welchem er 1951 beitrat. Als dessen Mitglied organisierte Schlya die Europa-Mannschaftsmeisterschaft im Schach 1961 beim OSV 1887 in Oberhausen.

 

Alfred Schlya war maßgeblich daran beteiligt, dass Schach gemeinnützig wurde. Im Jahr 2001 wurde er zum Präsidenten des Deutschen Schachbundes gewählt, nachdem er seit 1993 den Arbeitskreis der Landesverbände [AKLV] stark mitgeprägt hatte. Beim Bundeskongress 2007 kandidierte er nicht zur Wiederwahl und wurde auch hier zum Ehrenpräsidenten gewählt.

 

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Der Schach-Geschichtenerzähler – Zum 80. Geburtstag von Klaus Trautmann [4. Juni 1935]

 

Vielleicht bin ich altmodisch in Zeiten der Beschleunigung, wo der Grundsatz „Time is money“ gilt. Aber im Sport – und dazu gehört für mich selbstverständlich Schach – hat mich immer die Story hinter dem Ergebnis interessiert.

 

Die gute Nachricht ist: Es gibt sie auch im Königlichen Spiel, die Schach-Geschichtenerzähler. Die sehr guten unter ihnen – mir fallen da sofort Helmut Pfleger [nicht nur wegen seiner ZEIT-Kolumnen], Christian Hesse [gerade ist von ihm im Verlag C.H.Beck sein neuestes Buch Damenopfer … erschienen], Albin Pötzsch [im SCHACH-MAGAZIN 64 wird in unregelmäßigen Abständen seine Rubrik Begebenheiten am Schachbrett veröffentlicht], Martin Breutigam [zuletzt überraschte er mit Himmlische Züge, VERLAG DIE WERKSTATT] natürlich der Niederländer Jules Welling [besorgen Sie sich unbedingt seine Bändchen Aus erster Hand – Restexemplare sollte es bei der EDITION MARCO vielleicht noch geben], und Klaus Trautmann.

 

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In Erinnerung an Michail Moissejewitsch Botwinnik (Foto), der vor 20 Jahren am 5. Mai 1995 in Moskau verstarb

 

(Foto: by Gerhard Hund)

Er gilt immer noch als der Partriarch des der Sowjetischen Schachschule: Michail Moissejewitisch Botwinnik [17. August 1911 bis 5. Mai 1995]. In unserer schnelllebigen Zeit fällt einem das Erinnern schwer, ansonsten hätte wir nicht vergessen, dass   der sechste Weltmeister der Schachgeschichte vor genau zwei Jahrzehnten in Moskau verstorben ist. Garri Kasparow hat ihn in Band 3 der deutschsprachigen Ausgabe seines Jahrhundertwerkes „Meine großen Vorkämpfer“ [erschienen 2004 bei der EDITION OLMS] als zweifellos einen der größten Weltmeister, einen wahren Neuerer des Schachs, charakterisiert, der eine ganze Epoche dieses Spiels verkörpert.

 

 

„Sein Stil ist gekennzeichnet durch eine tiefe Strategie, die auf einer seriösen eröffnungstheoretischen und psychologischen Vorbereitung beruht, eine hohe Technik und präzis abgewogene positionelle und kombinatorische Entscheidungen. Obwohl er, wie auch Euwe, auf einem anderen Fachgebiet – der Elektrotechnik – wirkte und hier den Doktortitel erwarb, erlangte er die allerhöchste Professionalität gerade im Schach. Seine wissenschaftliche Herangehensweise erlaubte es Botwinnik, ein bisher nie da gewesenes System der Wettkampfvorbereitung zu schaffen, das grundlegende eröffnungstheoretische Ausarbeitungen, das systematische Studium des Stils der Gegner und eine strenge Analyse der eigenen Partien bis hin zu deren Publikation einschloss, damit sie einer Kritik durch andere zugänglich wurden“, so der 13. Schachweltmeister.

 

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„Ich spiele auf Sieg!“ – Zum 80. Geburtstag von Bent Larsen [4. März 1935 – 9. September 2010]

 

Als der HamburgeBent_Larsenr Großmeister Karsten Müller und ich an unserem gemeinsamen Buch „Zaubern wie Schachweltmeister Michail Tal …“ [Deutschsprachige Ausgabe Edition Olms, 2010] arbeiteten, wollten wir für die Rubrik „Zwischenzüge“ unbedingt auch einen persönlichen Beitrag von Bent Larsen [http://de.wikipedia.org/wiki/Bent_Larsen ].Der Aufgabe, ihn zu kontaktieren fiel mir zu. Da er regelmäßig für die Zeitschrift „KAISSIBER“ in der Rubrik „Ohne Krawatte“ u.a. originelle Beiträge zu Leserfragen veröffentlichte, kontaktierte ich Herausgeber Stefan Bücker, um zu erfahren, wie denn der besten dänische Schachspieler aller Zeiten in Buenos Aires vielleicht telefonisch zu erreichen wäre. Dort hatte Larsen seine spätere Frau Laura, eine promovierte Juristin und Rechtsanwältin, 1980 kennen gelernt, und seitdem und lebte seitdem in der argentinischen Hauptstadt. Ich bekam die Festnetznummer und konnte es kaum fassen, dass ich im Frühjahr 2009 Bent am Telefon hatte, der noch dazu ein einwandfreies Deutsch sprach. Nach einem Smalltalk, wo ich vor allem sein Buch „Ich spiele auf Sieg!“ zurecht euphorisch lobte – diese kämpferische Einstellung zum Schach war stets sein Markenzeichen –, rückte ich mit meinem Wunsch heraus. Es war für einen spürbaren Augenblick am anderen Ende der Leitung völlig still, und dann kam die unmissverständliche Antwort „NEIN!“.

 

Ich habe nicht weiter nachgefragt, warum er sich so konsequent entschieden hat. Ein Grund könnte vielleicht das WM-Kandidaten-Halbfinale 1965 gewesen sein, das Larsen gegen den Magier aus Riga höchst unglücklich mit 4,5:5,5 verloren hatte, nachdem er zur Halbzeit noch 3:2 in Führung lag. Diese Niederlage hatte bei ihm wohl doch Spuren hinterlassen …

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Der Schattenmann – zum 80. Geburtstag von Alexander Nikitin [27. Januar 1935]

 

Durch meine Arbeit als Cheflektor im Sportverlag Berlin hatte ich wahrlich das Glück, auch einige jener „Schattenmänner“ kennen zu lernen, die immer nur im „Background“ und dennoch voller Hingabe für die Erfolge ihrer weltberühmten Schützlinge arbeiteten. Ich nenne nur stellvertretend einmal den für mich unvergessenen Alexander Koblenz, ohne den Mischa Tal wohl niemals Weltmeister geworden wäre, und Alexander Nikitin. Im Sommer 1973 entdeckte er bei Jugendwettkämpfen in Vilnius bereits in der 1. Runde einen Jungen, der unruhig auf seinem Stuhl hin und her rutschte. „Er spielte in diesem Turnier ohne Glanz, in einem soliden mannschaftsdienlichen Stil, der von kindlicher Unbefangenheit geprägt war. Es fiel jedoch auf, dass seine Figuren in den meisten Fällen auf natürlichem, geradezu selbstverständlichen Wege in die richtige Position gelangten. Mich verblüffte auch sein erstaunliches Gedächtnis und die Fähigkeit, schnell und mühelos Varianten im voraus zu berechnen“, schreibt Alexander Nikitin in seinem Buch „Mit Kasparow zum Schachgipfel“ ,das 1991 im Sportverlag Berlin erschien. Und weiter heißt es in dem Kapitel: „Eine Begegnung mit Folgen“: „ Am meisten beeindruckten mich seine klugen, feurigen durch ihren Glanz faszinierenden Augen. Rein intuitiv war ich davon überzeugt, dass solche Augen für eine übermächtige Begabung sprechen…“

 

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Der Sympathieträger aus den „hohen Norden“ – zum 80. Geburtstag von Friðrik Ólafsson [26. Januar 1935]

 

Lothar Schmid und Frederick Olafsson, Schacholympiade 1980 in Valletta auf Malta. ( Copyright: Barbara Hund)

Lothar Schmid und Frederick Olafsson, Schacholympiade 1980 in Valletta auf Malta (Copyright: Barbara Hund)

Dass ich das große Vergnügen hatte, Friðrik Ólafsson (Foto: Wikipedia)

 

[http://de.wikipedia.org/wiki/Fri%C3%B0rik_%C3%93lafsson ] persönlich kennen zu lernen, verdanke ich dem alljährlichen Schach-Legendentreffen im August in Dresden. Der sechsfache isländische Landesmeister, dessen größter Erfolg ganz sicherlich 1959 die Teilnahme am Kandidatenturnier1 war, ist seit der Premiere 2012 dabei und wird hoffentlich auch in diesem Sommer mit seiner Frau Odur wieder den Weg in die deutsche Schachhauptstadt finden.

 

Unter den Großmeistern und Persönlichkeiten des internationalen Schachs eröffnet der Sympathieträger aus den „hohen Norden“ die Reihe der Jubilare, die 2015 ihren 80. Geburtstag feiern. Ólafsson, dem auf dem FIDE-Kongress 1958 in Dubrovnik der GM-Titel verliehen wurde,   ist allerdings der erste von ihnen. Gern widmen wir ihm mit der nachfolgende Geschichte von Jules Welling aus dessen Band „Aus erster Hand – Begegnungen mit den Großmeisters des Schachs“ – die deutsche Erstausgabe des niederländischen Journalisten, ist 1994 in der Edition Marco des Berliner Verlegers Arno Nickel erschienen – dieses Kalenderblatt…

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Ein Hoch auf den erfolgreichsten deutschen gehörlosen Schachspieler – zum 75. Geburstag von Sergej Salow [14. Januar 1940 in Moskau]

 

Sergey Salov fing im Alter von neun Jahren mit dem Schach an. Als Zwölfjähriger ging er in die Schachsektion eines Moskauer Pionierhauses. Trainiert wurde er unter anderem von Jakow Estrin und Ilja Kan. Im ljkJahr 1957 verbuchte er als 17-jähriger seinen ersten Sieg bei der sowjetischen Schachmeisterschaft der Gehörlosen. Bis 1988 konnte er sieben weitere Siege bei den Meisterschaften für sich entscheiden. 1970 wurde er als Meister des Sports der UdSSR und 2000 als verdienter Meister des Sports Russland geehrt. Ab 1991 nahm Sergey an internationalen Wettbewerben der Gehörlosen teil.

 

1992 gewann Sergey mit 10 Punkten aus 11 die 10. ICSC (=Gehörlosen-Welt – Schachverband) -Weltmeisterschaft in Edinburgh, Schottland. Für diesen Erfolg verlieh ihm die FIDE(=hörende Welt –Schachverband) den Titel eines Internationalen Meisters. Auch bei der 11. ICSC-Weltmeisterschaft 1996 in Rotterdam, Niederlande holte er mit 9,5 Punkte aus 11Runden den Sieg. Von ICSC wurde im Jahr 1994 dem Sergey als ICSC-internationale Gehörlosen-Großmeister verliehen. 1994 und 1998 gewann er mit der russischen Nationalmannschaft die ICSC-Mannschafts- Weltmeisterschaft. Mit der ICSC-Weltauswahl-Mannschaft nahm er an den FIDE-Schacholympiaden 2002, 2006, 2008, 2010, 2012 und 2014 teil.

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Eine Schach-Ticker-Übersicht zu runden Geburtstagen wichtiger Persönlichkeiten und Jubiläen von bedeutenden Turnieren sowie dazu vorgesehenen Beiträgen

Fridrik Olafsson

Fridrik Olafsson

 

Zum Jahresende   2013 haben wir beim Schach die Rubrik Kalenderblätter eingeführt und inzwischen sind bereits 18 erschienen – zuletzt das zum 80. des ehemaligen Bundesnachwuchstrainers Heinz Rätsch [ http://www.chess-international.de/Archive/31232#more-31232 ] .

 

Selbstverständlich s wollen wir auch künftig an runde Geburtstage von Persönlichkeiten der Schachgeschichte sowie Jubiläen von bedeutenden Turniere erinnern. Deshalb veröffentlichen wir zum zweiten Mal eine Jahresübersicht. Natürlich muss auch diese für 2015 subjektiv bleiben, und sie kann gern von unseren Besuchern durch Beiträge ergänzt werden.

 

Ein sehr markanter Jahgang ist übrigens 1935, denn bereits im Januar feiern mit dem Isländer Fridrik Olafsson und mit Alexander Nikitin, dem einstigen Cheftrainer von Weltmeister Garri Kasparow,  zwei Große des Weltschachs ihren 80. Geburtstag.

Hier die  komplette Übersicht

 

Der Mann, dem der Nachwuchs immer am Herzen liegt – zum 80. Geburtstag von Heinz Rätsch [13. Dezember 1934]

 

 

Heinz Rätsch

Heinz Rätsch

Was den Prozess der deutschen Wiedervereinigung betrifft, der meiner Meinung nach bis heute nicht abgeschlossen ist, so hatten es selbst die erfolgreichen Trainer aus dem Osten der Republik alles andere als einfach, eine ihrer Qualifikation entsprechende Stellung im nun neuen Deutschland zu finden.

 

Dbillionphotos-934458_xsmall150as hatte vor allem zwei Gründe: Die einseitigen Vorwürfe, dass in der DDR-Sport, um es einmal extrem zu reduzieren, Spitzenleistungen fast ausschließlich durch das vom Staat verordnete Doping erreicht wurden, und schlichtweg auch die unerwünschte Konkurrenz. Wohl wissend, dass es an der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport [DHfK] in Leipzig erstklassige Trainerausbildungen gegeben hat – darunter waren übrigens sogar Schachlehrer…

 

Eine Ausnahme machte allerdings der Deutsche Schachbund [DSB], denn seit Beginn der 1990er-Jahre betreute Heinz Rätsch die Mädchen und Jugendkader sowie die Auswahlspieler der Deutschen Schachjugend bei Europa- und Weltmeisterschaften. Zu verdanken war die Anstellung des früheren Nachwuchstrainers des DDR-Schachverbandes einer Initiative aus Bonn, Trainer der einmaligen DDR zu stützen. Weiterlesen

Ein Hoch auf einen Schachkalender! – zum 150. Geburtstag von Heinrich Ranneforth [18. März 1864 – 3. November 1945]

 

Natürlich werden Sie fragen: Warum ist dieses Kalenderblatt nicht schon im März erschienen, wo der Verleger und Redakteur Heinrich Ranneforth seinen 150. Geburtstag hatte?

Leseprobe

 

Meine ehrliche Antwort lautet: Ich wusste damals einfach zu wenig von ihm und hatte noch keine so richtige persönliche Geschichte. Natürlich habe ich fleißig die Suchmaschine Google bemüht. Und es gab sogar interessante Fakten. Beispielsweise war Ranneforth von 1927 bis zum März 1943 Redakteur der Deutschen Schachzeitung

 

[ http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Schachzeitung ]. Über seine Arbeit kann man sich hinreichend informieren, denn die Edition Olms hat 1985 einen Nachdruck der Jahrgänge 1846 bis 1944 in 29 Bänden herausgeben! Das war fraglos eine unglaubliches Projekt, denn die Zielgruppe für diese Publikation dürfte überschaubar sein. Aber Schwerpunkt im Schachbuch-Programm von Manfred Olms waren damals Reprints von wichtigen Werken der Schachliteratur. In der berühmten Tschaturanga-Buchreihe erschienen 94 Bände – und die meisten sind wohl nur noch antiqurisch zu erwerben. Hier ein Link, um einen Überblick zu dieser wahrlich verlegerische „Meisterleistung“ zu erhalten: http://de.wikipedia.org/wiki/Tschaturanga_(Buchreihe) . Weiterlesen

„Völlig vergessen!“ – zum 80. Geburtstag von Lew Polugajewski [20. November 1934 – September 1934 – 30. August 1995] – eine Geschichte von Jules Welling

 

 

Lev_Polugaevsky_1972

Lew Polugajewski

Der Mann, der 1956 seine erste von insgesamt 20 UdSSR-Meisterschaften spielte und dabei einen ehrenvollen 5.-7. Platz mit Ratmir Cholmow und dem späteren Weltmeister Michail Tal belegte, war in den 1970er- und 1980er-Jahren einer der WM-Kandidaten. Ich selbst bin im Anfang der 1990er-Jahre in Berlin begegnet. Da war Lew Abramowitsch auf der Durchreise via Paris, wo er in seinen letzten Lebensjahren sein neues Zuhause hatte und schachlich die damals große französische Hoffnung Joel Lautier betreute. In der „Stadt der Liebe“ ist er auch gestorben und wurde auf dem berühmten Friedhof Cimetière du Montparnasse beigesetzt, unweit des Grabes von Alexander Aljechin.

 

Ein Ergebnis unserer Arbeitsberatung war sein zweibändiges Werk Im Sizilianischen Labyrinth, das 1992 im Sportverlag Berlin erschien, dessen Cheflektor ich damals war. Dass ich dieses Projekt in unser Programm aufgenommen hatte, lag daran, dass es ein originelleres und ebenso kühnes Schach-Buch über diese populäre Eröffnung bis dahin nicht gegeben hatte. „Diese bisher beste Monographie über die Sizilianische Verteidigung verdient in der Tat das Prädikat Standardwerk der internationalen Schachliteratur!“ [Originalton Anatoli Karpow].

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Danke Aljechin! – Eine Hommage an einen der fantasievollsten Schachspieler anlässlich seines 122. Geburtstages von JULIA KIRST

 

Aljechin

Alexander Alexandrowitsch Aljechin

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JULIA KIRST

Am 31.Oktober 1892 wurde Alexander Alexandrowitsch Aljechin in Moskau geboren. Zum Glück für die Schachwelt, denn schließlich war Aljechin nicht nur Weltmeister, sondern schenkte vielen Schachspielern einzigartige Partien, die erstaunlich und faszinierend zugleich sind. Er wird als das „Genie der Schachkombinationen“ (Garri Kasparow in „Meine großen Vorkämpfer“, Band 2, Edition Olms 2004) bezeichnet.

 

Aljechin kam aus einer russischen Erbadelsfamilie, war Jurist und sein Leben gleicht einer wahren Achterbahnfahrt. Im Ersten Weltkrieg arbeitete er als Leiter eines Sanitätstrupps des Roten Kreuzes und wurde bei Bergungen verletzter Personen mehrmals selber verwundet. Alexander Aljechin wurde in Russland als Konterrevolutionär der Oktoberrevolution verdächtigt, zur Todesstrafe verurteilt (diese konnte er abwenden, weil man ihn als Schachkünstler erkannte) und soll zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges mit den Nazis kollaboriert haben. Er war gerade in seinen letzten Jahren voller Einsamkeit dem Alkohol verfallen, durfte zwar nach Lissabon ausreisen, musste aber seine Frau in dem von Deutschland besetzten Frankreich zurücklassen.

 

Sein Tod ist ebenso mysteriös: Er starb am 24. oder 25. März  1946 (das genaue Sterbedatum ist nicht mehr nachprüfbar) im Alter von 53 Jahren in Estoril (Portugal). Bis jetzt ist nicht eindeutig geklärt, ob Aljechin eines natürlichen Todes starb, sich selbst das Leben nahm oder im Auftrag Moskaus als Staatsverräter ermordet wurde.

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Ein kurzer Besuch bei Reinhart Fuchs – zum 80. Geburtstag einer [leider fast vergessenen] Berliner Schachlegende [28. September 1934]

 

 

Reinhart Fuchs bin ich das erste Mal beim Internationalen Dr.-Emanuel-LaskFotoer-Gedenkturnier 1962 [8.-24. Juli 1962] begegnet. Damals zählte ich zu der auserlesenen Schar von acht Berliner Nachwuchsspieler, die im Haus der Jungen Talente in der Klosterstraße die Demobretter bedienen durfte. Ich habe von dieser Veranstaltung ein Fotoalbum angelegt, und darin befinden ein Sonderbriefumschlag mit den Autogrammen aller 16 Teilnehmer.

 

Einige Jahre später – ich hatte inzwischen einen bescheidenen Leistungssprung zu Lok Brandenburg in der DDR-Liga gemacht – trafen wir uns im Pokal in der Stadt an der Havel. Nach meinen Erinnerungen bereitete ich dem IM, der sich Französisch verteidigte, einige Schwierigkeiten, aber in Zeitnot hat er mir dann ziemlich sicher meine Grenzen aufgezeigt.

 

Die nächste Begegnung fand Mitte der 1980er-Jahre statt. Ich schrieb damals mein Buch Die Umkämpfte Krone… [Sportverlag Berlin 1987], und bei der Suche nach Quellen war Reinhart Fuchs, der damals Stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift SCHACH war, zu einem ungewöhnlichen Tauschgeschäft bereit: Ich gab ihm ein kleines Kurt-Richter-Bändchen und erhielt dafür den Band 100 Jahre Schachturniere… [W. TEN HAVE N.V. Amsterdam]. Weiterlesen

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