Kolumne

Meister SG Solingen beendet zehnjährige Erfolgsserie der Kurstädter – Von Hartmut Metz

 

Nikolic – Heinemann: Schwarz (in Verluststellung) erlaubt – mit Absicht – ein hübsches Matt in Zwei

Nikolic – Heinemann: Schwarz (in Verluststellung) erlaubt – mit Absicht – ein hübsches Matt in Zwei

Das darf doch nicht wahr sein, dass mir die Jungs heute so einen Stress machen“, plagten Herbert Scheidt im letzten Spiel der Bundesliga-Saison arge Zweifel. Seine Mannen der SG Solingen mühten sich ausgerechnet gegen den Absteiger SV Griesheim wie gegen kaum einen anderen Gegner. Doch metzwie erklärte Großmeister Alexander Naumann gegenüber dem „Solinger Tageblatt“: „Gegen schwache Mannschaften flippen wir manchmal aus.“ Doch diesmal flippte der deutsche Rekordmeister nicht komplett aus und rettete sich mit einem 5:3-Sieg und 28:2 Punkten über die Ziellinie. Der zwölfte Titel ist der erste seit 1997! Vor allem die OSG Baden-Baden ließ die Klingenstädter nach der Jahrtausendwende dauernd über die Klinge springen. Zuvor hatte Solingen zusammen mit der SG Köln-Porz und Bayern München die Szene jahrzehntelang beherrscht. Diesmal kam die OSG jedoch gegen das Gründungsmitglied der Bundesliga nicht über ein 4:4 hinaus und patzte vor allen Dingen gegen Werder Bremen. Die erst zehnte Niederlage in 13 Bundesliga-Jahren erwies sich als eine zu viel!

 

Mit 27:3 Punkten blieb damit „nur“ Platz zwei vor den Werderanern (25:5) und Schwäbisch Hall (20:10).

 

„Ich gehe davon aus, dass Baden-Baden das sehr ärgern wird – und sie in der nächsten Saison ganz stark antreten werden, um uns den Titel wieder abzunehmen“, ahnt Solingens Vorsitzender Oliver Kniest und blickt auch gleich voraus, „es wäre vermessen zu sagen, wir würden nächstes Jahr wieder deutscher Meister – aber wir wollen Baden-Baden selbstverständlich erneut ärgern.“

 

Weiterlesen

Iamze und Günther Tammert beste Punktesammler in ihren Ligen – Von Hartmut Metz

 

Schach-Familien gibt es zahllose. Väter „vererben“ ihr Hobby an die Kinder. Gute Spielerinnen heiraten gerne noch bessere Spieler – schließlich verbindet somarkgraf-tammertlch eine zeitintensive Passion auch. In Mittelbaden gibt es ebenso mehrere Paare, die glänzend mit König und Dame umgehen können. Zu diesen zählen Iamze und Günther Tammert, der die Georgierin vor 18 Jahren vor den Traualtar führte. Wer der bessere Schachspieler ist, mag vielleicht einen kleinen neckischen Disput im Hause der beiden Balger auslösen. Erfolgreicher ist aber zweifellos die Mutter von Töchterchen Anna-Lena.

 

Seit ihrem Wechsel von der Rochade Kuppenheim zur OSG Baden-Baden gewann Iamze Tammert zehnmal die deutsche Meisterschaft. Das OSG-Jubiläum Mitte März in der Damen-Bunmetzdesliga krönte die 45-Jährige mit einer eigenen Bestleistung: Mit 7,5:0,5 Punkten kürte sich die Leistungsträgerin der Kurstädter zur besten Spielerin der Bundesliga-Saison. Da konnte der Herr des Hauses natürlich nicht nachstehen, schließlich sprechen ihn Kunden während der Arbeit mit seinem Lieferservice häufig auf Schach an – genauso wie seine Frau, wenn sie täglich in ihrem kleinen Laden in Balg steht. Notgedrungen trumpfte Günther Tammert in der Verbandsliga mit 7,5 Zählern auf. Das reichte dem Kuppenheimer ebenfalls zum Titel als bester Punktesammler, auch wenn er dafür neun Runden benötigte. Dabei musste er achtmal mit den schwarzen Steinen antreten, was dazu führte, dass Tammert mangels Kenntnis der aktuellen Eröffnungstheorie oft miserabel stand. Doch hernach wurde der 50-Jährige fast immer seinem Ruf als „Hexer von Balg“ gerecht: Mit taktischen Tricks drehte Tammert regelmäßig die Partien und zeigte dabei, warum er in Jugendjahren zu den besten deutschen Nachwuchsspielern zählte… Weiterlesen

Mentalcoach Werner Schweitzer rät: „Handle mutig und du wirst mutig“ – Von HARTMUT METZ

 

Schweitzer – Albadri: Weiß dreht an der Mutspirale – und Schwarz gibt auf!

Schweitzer – Albadri: Weiß dreht an der Mutspirale – und Schwarz gibt auf!

Schach entscheidet sich im Kopf! Eine vermeintlich banale Aussage, die Werner Schweitzer jedoch interessant zu beleuchten weiß. Der Wiener ist Mentalcoach. Der 48-Jährige arbeitet mit Spitzensportlern und Wirtschaftsbossen zusammen. Bis zum Vorjahr betreute Schweitzer auch die Spieler des österreichischen Schach-Nationalkaders im mentalen Bereich. Der Zweitliga-Spieler beim ASV Pöchlarn gibt seimetzne Erfahrungen seit vielen Jahren in Einzelcoachings, Seminaren und Vorträgen weiter. Für Schachspieler besonders lesenswert ist seine monatliche Kolumne im „Schach-Aktiv“, dem öster- reichischen Verbandsorgan. Im Interview mit dem deutschen „Schach-Magazin 64“ räumte Schweitzer mit mancher Mär auf. So dächten viele, Schach habe etwas „mit Intelligenz zu tun. Das stimmt insofern, dass intelligentere Menschen eher Schach spielen. Bei der Spielstärke wurde indes kein signifikanter Zusammenhang festgestellt“, meint der Mentalcoach. Dank einer Untersuchung weiß der Wiener, dass Schachspieler im „Vergleich zu anderen Sportlern eine höhere Selbstverantwortung und mehr Furchtlosigkeit besitzen. Gleichzeitig zeigen sie weniger Selbstdisziplin und Einsatzbereitschaft und haben weniger Ziele als diese“.

 

Eigenschaften aus dem „normalen“ Leben fänden sich auch häufig am Schachbrett wieder: „Mutige Menschen im Leben sind auch beim Schach eher bereit, Risiken auf sich zu nehmen.“ Aber es gibt ebenso Angsthasen, die Niederlagen fürchten und deshalb allzu gerne früh remisieren. Dass derlei überwiegend schlechtere Spieler betrifft, liege in der Natur der Sache, erklärt Schweitzer: „Derjenige, der mehr Angst vor Niederlagen hat, bleibt schwächer. Wenn jemand von 25 Partien im Jahr 15 schnell Remis gibt, hat er eigentlich nur zehn gespielt und im Vergleich zu dem, der 25 ausfocht, nur 40 Prozent der Erfahrung des anderen Spielers gesammelt – und genau das wirkt sich dauerhaft in der Spielstärke aus… Weiterlesen

 

Ohne Indien ginge heute gar nichts im Schach: Königsindisch, Indischer Curry, Grünfeldindisch, das Indische (Hals)tuch, Damenindisch, … https://de.wikipedia.org/wiki/Das_indische_Tuch und überhaupt der Anand und ganz viele andere sind ja auch noch aus Indien. Sogar soll das Schach ja insgesamt in Indien erfunden worden sein, dann kam es nach Arabien, danach über Sizilien nach Europa …

 

"Taj Mahal" ein indisches Grabmal

„Taj Mahal“ ein indisches Grabmal

Weniger bekannt ist, warum diese „indischen Eröffnungen“ oder gar der „indische Zauber„, wie Aljechin einmal kommentierte, überhaupt „indisch“ heißen. Es hätte ja auch „türkisch“ oder „äthiopisch“ sein können, oder? Das Ganze hängt mit den Briten zusammen, die Indien zum Teil ihres Weltreiches machten. Üblich war damals in der Gentry, dass ein aufstrebender Militär, Jurist, Kaufmann oder überhaupt „Gentleman“ einige Jahre in Indien „gedient“ hatte, also ein karriere- und seelenbildender Auslands-Aufenthalt mitteljunger Männer. Das ist der Gegensatz zu mittelaltem Gouda.

 

Die saßen dort nun in Hitze, tropischem Regen und zehrender Langeweile und … spielten Schach. Im flugs gebildeten „Calcutta Chess Club„. Die spielten unter sich, aber so viele Gentlemen gab’s dort ja gar nicht, dann also auch mit ihren Dienern, irgendwann einfach mit jedem, der eben so daherkam. Einer davon war Bonnerjee Mohishunder, wohl um 1800 bei Kalkutta geboren, vielleicht hieß der Mann auch Mahesh Chandra Banerjee oder auch noch irgendwie anders, die Briten nahmen’s eben so wie alle Kolonial“herren“ nicht so genau mit den Details aller Nicht-Briten. ChessBase nennt ihn dann auch gleich „Mahescandra“. Aufgeschrieben wurde das vor allem im „Chess Player’s Chronicle„, Schachzeitungen gab’s also auch schon.

 

Weiterlesen

Matthias Blübaum feiert größten Erfolg bei Mammut-Open in Karlsruhe – Von HARTMUT METZ

 

Schirow – Blübaum: Schwarz am Zug – der Rest ist Technik…

Schirow – Blübaum: Schwarz am Zug – der Rest ist Technik…

Die Prinzen werden erwachsen! Und der „Kronprinz“ in deutschen Landen hat sich bereits mit 18 Jahren gekrönt: Matthias Blübaum feierte beim Grenke Chess Open in Karlsruhe seinen bisher größten Erfolg und gewann das Turnier, an dem insgesamt 965 Spieler und mehr als 200 Titelträger teilnametzhmen. Der Lemgoer wies wie Wladimir Fedosejew, Nikita Witiugow (beide Russland), Milos Perunovic (Serbien), Ni Hua (China) und der Spanier Francisco Vallejo Pons nach neun Runden 7,5 Punkte auf. Blübaum gewann jedoch dank der besten Buchholz-Wertung, die die erzielten Punkte der neun Gegner aufaddiert, mit 7 375 Euro den größten Batzen des Preisgelds. „Ausschlaggebend für den Turniersieg war der Punkt mit Schwarz gegen Alexej Schirow“, lässt Blübaum den Wettbewerb über Ostern Revue passieren. Bundestrainer Dorian Rogozenco traut dem Sechsten der U20-Weltrangliste weitere Fortschritte zu.
Blübaum besitze vor allem „eine eindrucksvolle schachliche Ausdauer im Training: Er kann konzentriert stundenlang arbeiten, weil seine Rechenfähigkeiten und Brettvorstellungen praktisch unverändert bleiben“. Trotzdem will der Bremer Bundesliga-Spieler ein Mathematik-Studium in Bielefeld beginnen. „Die Entscheidung, dass ich ein Studium beginne, ist schon vor längerer Zeit gefallen. Das heißt aber nicht, dass eine Profikarriere auf keinen Fall in Betracht kommt“, erläutert Blübaum den Schritt.

 
Der Deutsche Schachbund freut sich, dass sein Konzept der „Schach-Prinzen“ aufging. Die vier Schützlinge von Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler erreichten inzwischen durchweg Großmeister-Stärke und finden sich in der U20-Weltrangliste weit vorne: Hinter dem potenziellen neuen deutschen Schach-König Blübaum folgen Dennis Wagner, Alexander Donchenko und Rasmus Svane auf den Plätzen 13, 14 und 32. Nachstehend das spannende Duell mit Schirow aus der achten Runde, die Blübaum den Weg ebnete…  Weiterlesen

Karjakin – Caruana: Weiß demonstriert die Vorzüge seiner Schwerfiguren auf ihrer Wirkungslinie

Karjakin – Caruana: Weiß demonstriert die Vorzüge seiner Schwerfiguren auf ihrer Wirkungslinie

Jüngster Großmeister aller Zeiten steht im WM-Finale gegen Carlsen – Von HARTMUT METZ

 

„Mir fehlen die Worte, um meine Gefühle auszudrücken“, gab Sergej Karjakin nach seinem größten Erfolg zu Protokoll. Der Weltcup-Sieger aus Russland gewann in Moskau überraschend das WM-Kandidatenturnier und trifft im November in New York auf Weltmeister Magnus Carlsen. metzDamit kommt es zum Duell der beiden Wunderkinder des Jahrgangs 1990: Der Norweger wurde im Alter von 13 Jahren und vier Monaten Großmeister – Karjakin drückte die Best- marke auf bisher unerreichte zwölf Jahre und sieben Monate. Die Entwicklung ging hernach etwas auseinander. Carlsen steht seit 2011 unangefochten auf Platz eins der Weltrangliste und gilt im Herbst auch als klarer Favorit. Dass Karjakin kaum Chancen gegen den Titelverteidiger habe, wie in Diskussionen im Web geunkt wurde, sieht Jonathan Speelman anders: „Er hat in Moskau ein fantastisches Turnier gespielt, und allein die Qualifikation in diesem Turnier wird ihn besser und stärker gemacht haben“, glaubt der Großmeister, der selbst schon im Kandidaten-Zirkus mitspielte. Der Brite verweist dabei auch auf die Bilanz der beiden in klassischen Turnierpartien, die mit 6:5 Siegen (bei 17 Remis) für Carlsen nahezu ausgeglichen ist.
In der Weltrangliste kletterte Karjakin von Platz 13 auf acht – liegt damit aber immer noch 72 Elo-Punkte hinter seinem Rivalen. Die Statistik signalisiert damit eine Gewinnerwartung von 59:41 Prozent… Weiterlesen

Der Russe Sergej Karjakin fordert Schach-Weltmeister Magnus Carlsen – Von HARTMUT METZ

 

Der Russe Sergej Karjakin triumphiert beim WM-Kandidatenturnier in Moskau Foto: Wo

Der Russe Sergej Karjakin triumphiert beim WM-Kandidatenturnier in Moskau Foto: Wo

Wunderkinder sorgten vor 13 Jahren für Aufsehen im königlichen Spiel: Magnus Carlsen wurde im Alter von 13 Jahren und drei Monaten Schach-Großmeister. Damit unterbot er den Rekord der US-Legende Bobby Fischer, der Experten einst für die Ewigkeit gemacht schien, um zwei Lenze. Das war jedoch keine Bestmarke mehr, weil schon zuvor der ebenfalls 1990 geborene Sergej Karjakin diesen pulverisiert hatte: Mit zwölf Jahren und sieben Monaten wurde er rund 200 Tage früher jüngster Großmeister aller Zeiten. Am Ostermontag qualifizierte sich der Russe für das WM-Finale im Herbst in New York – Titelverteidiger in dem Millionen-Dollar-Match: Carlsen. Der Weg der beiden Wunderkinder verlief unterschiedlich. Die Entwicklung des Norwegers ging steil und kontinuierlich nach oben. 2011 übernahm Carlsen Platz eins der Weltrangliste und setzte sich seitdem mit großem Abstand von der Konkurrenz ab. 2013 entthronte er den Inder Viswanathan Anand als Weltmeister. Demnächst erscheint ein Film über den Jungen aus Lommedalen, der schon als Pennäler in der Schule bemerkte: „Ich bin ganz anders als meine Klassenkameraden!“

 

Karjakin verbesserte sich zwar auch kontinuierlich, aber weniger rasant und schwankte in seinen Leistungen. Beim WM-Kandidatenturnier in Moskau galt er als Weltranglisten-13. auch nicht als Topfavorit. Mehr hatten die Experten Fabiano Caruana, der auch kurz vor dem 15. Geburtstag Großmeister geworden war, auf der Rechnung. Ausgerechnet der 23-jährige Italo-Amerikaner war der letzte Gegner in der 14. Runde… Weiterlesen

Rechner spielen nach Schach nun auch Go stärker als Menschen – Von HARTMUT METZ

 

Habu – Merkesvik: Weiß setzt matt in drei – ohne gegnerische Racheschachs

Habu – Merkesvik: Weiß setzt matt in drei – ohne gegnerische Racheschachs

Lee Sedol schüttete Asche auf sein Haupt und entschuldigte sich bei seinen Fans: „Ich war machtlos“, gestand der Go-Meister, nachdem er auch das dritte Match gegen die Google-Software AlphaGo verlor. Der Südkoreaner konnte wenigstens die vierte Partie gegen das Programm gewinnen, unterlag aber imetzn Seoul letztlich mit 1:4. Das Preisgeld von einer Million Dollar spendeten die Programmierer der Maschine, die gegen sich selbst spielen kann und so lernt. Nachdem Schach bereits durch „Deep Blue“ 1997 entzaubert worden war – der IBM-Rechner schlug den Weltranglistenersten Garri Kasparow mit 3,5:2,5 –, schien Go noch zu komplex für Computer. Die Regeln des ursprünglich aus China stammenden Go gelten zwar als relativ einfach, erfordern aber eine hohe Rechenkapazität: Zwei Spieler versuchen, auf einem Spielbrett mit einem Raster von 19 vertikalen und 19 horizontalen Linien Gebiete zu erobern. Dabei setzen beide Parteien abwechselnd schwarze und weiße Steine. Auf dem Brett mit 361 Feldern entsteht somit eine gewaltige Zahl von Zügen, die selbst für leistungsstarke Computer eine Herausforderung darstellen. Lee Sedol hatte nicht daran geglaubt, dass er unterliegen könnte …

 


Der 33-Jährige irrte genauso wie Kasparow anno 1997. AlphaGo wurde danach vom Go-Verband auf eine Stufe mit Sedol gehoben und bekam den neunten Dan verliehen. Diese grenze „nahezu an Göttlichkeit“, hieß es beim Go-Verband. Unter den bekanntesten und beliebtesten Denkspielen bleibt nun nur Shogi, bei dem die Menschheit dem Elektronenhirn noch überlegen ist… Weiterlesen

22-Jährige bleibt erneut im WM-Finale ungeschlagen – Von HARTMUT METZ

 

Musitschuk – Hou: Schwarz schiebt und siegt…

Musitschuk – Hou: Schwarz schiebt und siegt…

Die Suche nach dem nächsten Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen ist in Moskau in vollem Gange. Womöglich kommt es im Herbst in New York zum Duell der Wunderkinder des Jahrgangs 1990: Der Norweger wurde mit 13 Jahren und drei Monaten Großmeister – der beim Kandidatenturnier aussichts- reich im Rennen liegende Russe Sergej Karjakin sogar noch früher mit zwölf Jahren und sieben Monmetzaten – das ist bis heute Bestmarke. Bei den Damen hält Hou Yifan den Rekord: Der Chinesin gelang die dritte und entscheidende Norm zum Herren-Großmeister mit vierzehneinhalb Jahren. Mit 16 wurde sie bereits Weltmeisterin. Den Titel büßte die seit dem Rücktritt der Ungarin Judit Polgar beste Schachspielerin überraschend 2012 bei der K.o.-WM ein. Von dem frühen Aus in Runde zwei zeigte sich Hou allerdings unbeeindruckt und holte sich bereits ein Jahr später die WM-Krone im Zweikampf zurück. Dieses Kunststück gelang ihr nun erneut in Lwiw – wobei die 22-Jährige zuvor nicht wieder bei der K.o.-WM frühzeitig gescheitert war, sondern diese wegen einer vorher gegebenen Turnierzusage abgesagt hatt! Eine erstaunliche Entscheidung, ordnen die Asse doch dem höchsten Titel sonst stets alles unter. Für Hou ist derlei aber offensichtlich kein Beinbruch.

 

Wie schon 2013 die Ukrainern Anna Uschenina fertigte die Chinesin ihre Nachfolgerin ab, ohne eine einzige Partie zu verlieren! Immerhin bot diesmal die amtierende Weltmeisterin etwas mehr Paroli: Marija Musitschuk verbuchte beim Heimspiel in der Ukraine wenigstens sechs Remis. Drei Niederlagen und ein 3:6 machten jedoch deutlich, dass die Weltranglistenvierte und -erste mindestens eine Klasse trennen. Musitschuks zwei Jahre ältere Schwester Anna steht im Übrigen in der Weltrangliste auf Position fünf. Beide sind bei Damen-Bundesligist OSG Baden-Baden gemeldet und helfen womöglich den Kurstädterinnen dieses Wochenende beim Kampf um den zehnten Meister-Titel.

 

In der sechsten Begegnung stand Marija Musitschuk aussichtsreich. Die 23-Jährige wurde aber einmal mehr von Hou mit einem sehenswerten Trick ausgekontert… Weiterlesen

In Seoul spielt das Computerprogramm AlphaGo  einen Wettkampf über fünf Partien gegen Lee Sedol, einen der besten Go-Spieler der Welt. Mensch gegen Maschine, da werden Erinnerungen wach.  – Ein Artikel auf ZEIT-ONLINE von JOHANNES FISCHER

 

Deep Blue, ein Computer ähnlich wie dieser besiegte im Mai 1997 den Schachweltmeister Garri Kasparow.

Deep Blue, ein Computer ähnlich wie dieser besiegte im Mai 1997 den Schachweltmeister Garri Kasparow.

Vor 20 Jahren, am 10. Februar 1996 verlor der damalige Schachweltmeister Garri Kasparow in Philadelphia, USA, die erste Partie seines Sechs-Partien-Wettkampfs gegen den IBM-Computer Deep Blue. Nach zurückhaltender Eröffnung hatte der Computer seinen Springer ins Abseits manövriert, um einen Bauern zu erobern. Das sah riskant aus, denn jetzt konnte Kasparow gefährlich wirkende Drohungen gegen den König Deep Blues aufstellen. Doch der Computer, der Millionen von Stellungen pro Sekunde kalkulieren konnte, hatte berechnet, dass keine wirkliche Gefahr für ihn bestand. Deep Blue parierte alle Drohungen des Angriffskünstlers Kasparow und gewann die Partie. Maschinelle Rechenkraft hatte über menschliche Intuition triumphiert.

 

Ein Meilenstein in der Geschichte der Computerentwicklung und eine Sensation, denn noch nie hatte ein Schachcomputer den amtierenden Schachweltmeister in einer Partie unter Turnierbedingungen besiegt. Das sorgte in der ganzen Welt für Schlagzeilen. Teilweise auch für hysterische Reaktionen. Skeptiker sahen die Menschheit in Gefahr und fürchteten, Menschlichkeit würde bald auch in anderen Bereichen durch kalte Berechnungen von Maschinen erszeit_Onlineetzt werden. Schachspieler glaubten, der Computer würde das Schachspielen überflüssig machen. Denn welchen Sinn sollte es noch haben, sich mit einem Spiel zu beschäftigen, dass eine Maschine besser beherrscht als jeder Mensch? In dem alle Fragen und Probleme durch die Rechenkraft des Computers gelöst schienen?

Weiterlesen

Einfallsreicher Förster: Alexej Troizki vor 150 Jahren geboren – Von HARTMUT METZ

 

Studie von Alexej Troizki: h8 gewinnt, fragt sich nur mit welcher Figur!?

Studie von Alexej Troizki: h8 gewinnt, fragt sich nur mit welcher Figur!?

Es gibt nur wenige Schachspieler, die ohne Turniererfolge in die Geschichte eingehen. Alexej Troizki gehört zu ihnen. Der Förster besaß seinen Erzählungen nach nur ein Buch, das Standardwerk von Dufresne und Berger, „Theorie und Praxis des Endspiels“. Das prägte den vor 150 Jahren (14. März 1866) geborenen Russen. Er untersuchte als Erster tiefgründig das Endspiel mit zwei Springern gegen Bauer. Troizki stelltemetz fest, dass die stärkere Partei nur gewinnt, wenn der verbliebene Bauer hinter einer bestimmten Linie steht. Sie heißt deshalb Troizki-Linie. Doch noch mehr machte sich der St. Petersburger um Studien verdient. Man darf ihn als Urvater dieser Kunstsparte bezeichnen. Originelle Ideen finden sich in allen Beispielen. Sie reichen von gegnerischer Figurenjagd, Unterverwandlung von Bauern, Patt-Kombinationen, Kampf verschiedener Figurengruppen, Einmauerung und positionellen Remisstellungen, obwohl eine Seite materiell weit überlegen ist. Troizki legte Wert darauf, die Studien nahe an die Praxis anzulehnen, so dass jeder Turnierspieler davon profitieren kann. 1928 wurde er in der UdSSR als erster Schachkomponist mit dem Titel „Verdienter Künstler“ geehrt.  1934 folgte der Titel als „Meister des Sports“.

1924 verbrannte ein Großteil seiner Studien. Der Förster rekonstruierte jedoch viele aus dem Gedächtnis. Insgesamt hinterließ der Russe so rund 750 Studien. Etwa 1 000 soll Troizki bis zu seinem Tod am 14. August 1942 ersonnen haben, als er während der Blockade von Leningrad starb. Nachstehend finden sich mehrere großartige wie lehrreiche Beispiele.
Selbst mit neun Läufern derselben Farbe kann Weiß kein Matt erzwingen gegen den nackten schwarzen König. Wie gewinnen jedoch die fünf Läufer in dieser Studie von 1915?  Weiterlesen …

Die „Zeit“ feiert ihren Geburtstag mit einem Carlsen-Simultan – Von HARTMUT METZ

 

Carlsen – Mütsch: Der einfache Gewinnzug Dxd6 ist dem Weltmeister zu „einfach“

Carlsen – Mütsch: Der einfache Gewinnzug Dxd6 ist dem Weltmeister zu „einfach“

 

„Es war ein unvergesslicher Moment“, berichtet Jens-Erik Rudolph von seinem Triumph, als ihm der Schach-Weltmeister im 57. Zug die Hand zum Zeichen der Aufgabe über das Brett reichte. Die Zuschauer im Alten Hauptzollamt in Hamburg feierten den einzigen Bezwinger vmetzon Magnus Carlsen. Der Norweger weilte anlässlich des 70. Geburtstages der „Zeit“ in der Hansestadt und trat – passend zur Jahreszahl – an 70 Brettern gegen Amateure an. Der Rest des Feldes hatte weniger zu lachen als Rudolph. Zwei Remis gab Carlsen noch ab. In 67 Partien behielt der Weltranglistenerste die Oberhand. Der erste Gegner gab nach neun Zügen auf, der letzte nach mehr als sechs Stunden. Die zwei prominentesten Teilnehmer, HSV-Fußball-Ikone Felix Magath und SPD-Politiker Peer Steinbrück, hielten bis Mitte der Veranstaltung durch, ehe auch sie den Kürzeren zogen. „Die Diskrepanz bei der Anzahl der Zuschauer zwischen hier und bei der Bundesliga ist schon frappierend“, stellte Großmeister Karsten Müller laut der Webseite „Chessbase.de“ ernüchtert fest, als er vom Bundesliga-Derby des Hamburger SK gegen Werder Bremen hinübereilte. Mehr als 1400 Leser hatten sich binnen kürzester Zeit online bei der „Zeit“ für das Simultan beworben.

 

Den Stellenwert unter all den „Zeit“-Veranstaltungen zum 70. Geburtstag unterstrich auch Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, der den Event mit Carlsen besonders hervorhob.

 

Die Affinität zum königlichen Spiel liegt nicht allein im intellektuellen Anspruch des Blattes begründet. Seit 33 Jahren ziert das Magazin eine Schach-Kolumne von Helmut Pfleger. Der Mediziner und Großmeister aus München versteht es wie kein Zweiter, pointiert und unterhaltsam über das Geschehen auf den 64 Feldern zu berichten. Neuerdings unterhält die „Zeit“ außerdem einen interessanten Schach-Blog: Dabei unterhält Johannes Fischer Laien wie Vereinsspieler ebenso gekonnt.
Annmarie Mütsch gelang eine der schönsten Simultan-Partien gegen Carlsen. In einem Moment hätte die Eppingerin sogar eine sehr gute Stellung gegen den Weltmeister erreichen können… Weiterlesen

Titelfrage vertagt: Dramatisches Bundesliga-Spitzenspiel endet 4:4 – Von HARTMUT METZ

 

Rapport – Aronian: Weiß lässt sich – a tempo – nicht zweimal bitten…

Rapport – Aronian: Weiß lässt sich – a tempo – nicht zweimal bitten…

Selten hat es solch ein dramatisches Bundesliga-Spitzenspiel gegeben: Die SG Solingen schien den Serienmeister OSG Baden-Baden am Wickel zu haben, obwohl dieser geschickt pokerte und am Sonntagmetz überraschend mit allen drei WM-Kandidaten am Brett saß – tags zuvor waren weder Ex-Weltmeister Viswanathan Anand noch der Weltranglistenvierte Lewon Aronjan beim 5,5:2,5 über die SG Trier dabei. Baden-Baden drehte jedoch das Blatt und stand bei der 4:3-Führung vor dem Sieg, der den Kurstädtern wohl den elften Titel in Folge beschert hätte. Richard Rapport glich jedoch für Solingen aus. Sven Noppes nahm das 4:4 gelassen: „Es ist nichts passiert“, kommentierte der Kapitän der OSG und versprach seinem Punktegaranten Etienne Bacrot, der Jan Smeets schlug, ihn umgehend zu informieren, an welchem Termin ein möglicher Stichkampf stattfindet. Gegenwärtig liegen der Abonnementchampion und der deutsche Rekordmeister mit 17:1 Punkten gleichauf. In der letzten laufenden Partie in München patzte Aronjan zwei Bauern ein, die Rapport ohne Not wieder hergab. Dennoch besaß er noch Gewinnchancen, die der Ungar trickreich nutzte.
Als Kommentar zu der Partie fiel Aronjan mit Blick auf die drei Partiephasen nur ein: „Ich spielte die Eröffnung, das Mittelspiel und das Endspiel schlecht“ – und nach einer kurzen Kunstpause schob der Armenier frustriert nach, „aber das Endspiel spielte ich besonders schlecht!“ … Weiterlesen

Rekordmeister trifft heute auf Serienmeister OSG Baden-Baden – Von HARTMUT METZ

 

Gharamjan – Ragger: Schwarz sucht – und findet – den entscheidenden K.O.-Zug

Gharamjan – Ragger: Schwarz sucht – und findet – den entscheidenden K.O.-Zug

Die Schach-Bundesliga besteht seit 1980. Nur zwei Vereine zählen seitdem immer zum „Inventar“: Wie im Fußball kommt der eine Klub aus Hamburg. Bei den Denksportlern heißt er allerdings HSK und nicht HSV. Beide befinden sich zuweilen in Abstiegsgefahr, konnten aber bisher immer noch im letzten Moment den Kopf aus der Schlinge ziehen. Um Titel spielen die Hamburger selten, dafür investiert der größte deutsche Schachverein zu wenig in Top-Personametzl und setzt lieber auf Eigengewächse. Anders sieht das nicht nur beim HSV, sondern auch beim zweiten Bundesliga-„Dino“ aus: der SG Solingen. Die Klingenstädter führen mit 784:258 Punkten die ewige Tabelle mit großem Vorsprung vor der SG Porz (686:118) und dem HSK (594:448) an. Mit elf Titeln ist der aktuelle Tabellenführer auch Rekordchampion der Bundesliga – der letzte Titel liegt jedoch 19 Jahre zurück. Und die OSG Baden-Baden schickt sich an, nach zehn Meisterschaften in Folge aufzuschließen. Dazu müssen die Kurstädter jedoch heute (10 Uhr) in München den Bundesliga-Hit gegen Solingen gewinnen. Beide Teams weisen 14:0 Punkte auf – die Bundesliga ist damit so spannend wie seit vielen Jahren nicht mehr, freut sich Solingens Teamchef Herbert Scheidt über das bisherige starke Auftreten seiner Truppe.
Doch auch wenn bei der OSG wohl drei Topleute wegen des anstehenden WM-Kandidatenturniers fehlen dürften, geht der Serienmeister als Favorit ins Spitzenspiel, betont nicht nur Baden-Badens Kapitän Sven Noppes.

 
Zu den zuverlässigsten Punktesammlern der Solinger zählt seit Jahren Markus Ragger. Der Österreicher war auch maßgeblich daran beteiligt, dass der Saisonstart gelang: In der ersten Runde bremste der Bundesliga-Rekordmeister den ambitionierten Aufsteiger Schwäbisch Hall mit einem 4,5:3,5 knapp aus. Die Schwaben gewannen danach alle weiteren Duelle und liegen mit 12:2 Punkten in Lauerstellung hinter dem Führungs-Duo. Nachstehend Raggers sehenswerter Erfolg über Schwäbisch Halls französischen Großmeister Tigran Gharamjan… Weiterlesen

 

 

Pianisten- und Schach-Legende Mark Taimanow feiert 90. Geburtstag – Von HARTMUT METZ

 

Evans – Taimanow (Variante): Schwarz gewinnt rasch mit einem „Pauken- schlag“

Evans – Taimanow (Variante): Schwarz gewinnt rasch mit einem „Pauken- schlag“

„Jetzt bleibt mir nur meine Musik!“, lautet der berühmteste Satz von Mark Taimanow. Daraus klang bloße Verzweiflung nach einer vernichtenden Pleite. 1971 unterlag der sowjetische Großmeister im Kandidaten-Viertelfinale Bobby Fischer mit 0:6. Obwohl der Amerikaner auf dem Weg zum WM-Titel auch noch den Dänen Bent Larsen mit 6:0 metzüberfuhr und Ex-Weltmeister Tigran Petrosjan mit 6,5:2,5 genauso schlug wie danach Titelverteidiger Boris Spasski, musste Taimanow in seiner Heimat Repressalien erdulden. Dank der Musik überstand der Pianist aber diese und hadert nicht mehr damit, berichtet die Schach-Webseite Chessbase: „Auch wenn dieses Match auf Grund sehr ungünstiger Umstände 0:6 gegen mich ausging, gehört es zu meinen größten Erlebnissen und wird immer Teil der Schachgeschichte bleiben“, sieht Taimanow die Schlappe nun gelassen. Sie liegt schließlich 45 Jahre zurück – und der ehemalige Senioren-Weltmeister ist jetzt doppelt so alt. Vergangenen Sonntag feierte die Legende seinen 90. Geburtstag. Als zweiter Schachspieler nach dem Opernkomponisten und stärksten Meister des 18. Jahrhunderts, François André Philidor (1726-1795), feierte der zweifach sowjetische Landesmeister ebenfalls in den großen Konzertsälen der Welt Triumphe.

 


„Ich kann mich zu den Enthusiasten auf beiden Gebieten zählen und von einer Kunst zur anderen umschalten. Wenn ich einen Misserfolg in dem einen Bereich hatte, konnte ich das durch den anderen kompensieren. Und umgekehrt, wenn ich Siege auf dem einen Gebiet erreichte, konnte ich gelassen mit Niederlagen in dem anderen umgehen. Gott sei Dank gab es keine Zeit, in der ich im Schach und in der Musik gleichzeitig nichts Besonderes zuwege brachte.“  … Weiterlesen

Weltmeister Carlsen knüpft wieder an „standesgemäße“ Erfolge an – Von HARTMUT METZ

 

Van Wely – Carlsen: Schwarz piekst und gewinnt

Die Jäger hatten bereits etwas den Respekt verloren und attackierten ihn härter. Magnus Carlsen büßte 2015 von seiner Aura als unantastbarer Weltmeister ein. In der Weltrangliste schrumpfte der Abstametznd zusehends. Doch in den vergangenen zwei Monaten trumpfte der 25-Jährige wieder in gewohnter Manier auf. „Die Rückkehr des Königs“ titelte das „Schach-Magazin 64“ im aktuellen Februar-Heft, noch bevor Carlsen seine dritte Glanztat in Wijk aan Zee folgen ließ. Der Norweger gewann nicht nur die London Chess Classic und die Gesamtwertung der Grand Chess Tour. Danach siegte er beim Qatar Masters. Carlsen wagte sich als erster Weltmeister seit Boris Spasski 1971 in ein offenes Turnier und siegte standesgemäß vor dem niederen Fußvolk. Die Plätze gingen an den Chinesen Yu Yangyi und den Russen Wladimir Kramnik, der mit 2801 Elo auf Platz zwei der Weltrangliste nun fast 50 Zähler hinter dem Führenden liegt. Beim Traditionsturnier an der niederländischen Küste deklassierte Carlsen die Kronprinzen. Bei der 78. Auflage in Wijk aan Zee blieb der Ausnahmekönner ungeschlagen und ging nach 13 Runden mit neun Punkten über den Zielstrich. Ein voller Zähler Vorsprung auf die Verfolger sind im Schach Welten.

 

Der Amerikaner Fabiano Caruana hielt bis zu seiner Schlussrunden-Niederlage am besten mit und wurde vor Ding Liren (China) Zweiter. Mit einem weiteren Zähler Abstand folgten der ungeschlagene Wesley So (USA), der niederländische Lokalmatador Anish Giri und Pawel Eljanow (Ukraine/alle 7).
Nach den jüngsten Turniererfolgen darf Carlsen wieder zuversichtlich der Suche seines Herausforderers im März beim Kandidatenturnier entgegensehen. In der fünften Runde in Wijk aan Zee wich der Weltmeister sogar von seiner üblichen Spielweise ab: Statt den Gegner bis zu dessen Erschöpfung „zu kneten“, opferte der 25-Jährige riskant eine Figur für zweifelhaften Angriff. Loek van Wely, der sich als Schlusslicht mit fünf Punkten gut in der A-Gruppe verkaufte, griff in Zeitnot fehl… Weiterlesen

Saudischer Großmufti verteufelt nach Barbie auch das Denkspiel – Von HARTMUT METZ

 

Wei – Navara: Weiß startet einen (sündhaft) starken Opferangriff

Müssen die Bauern demnächst in Ziegenhirten und die Springer in „Sprenger“ umbenannt werden? Hilft es, die Türme mit einem Minarett auszustatten? Oder dass die Damen auf dem Brett in eine Burka gehüllt werden und immer nur drei Felder hinter dem König herlaufen dürfen? Schachspieler metzaus der westlichen Welt nahmen die Fatwa eines arabischen Großmuftis gegen ihr Denkspiel mit Humor. Augenzwinkernd schlugen sie auf Facebook Änderungen beim Schach vor, um Scheich Abdulaziz Al al-Sheikh milde zu stimmen. Der oberste islamische Gelehrte in Saudi-Arabien hat Schach „verboten“, weil es „süchtig“ mache. Das sündige Spiel sei eine „Verschwendung von Zeit und Geld und verursacht Rivalität und Feindschaft“. Mit dem islamischen Rechtsgutachten, das der Geistliche in einer TV-Sendung verkündete, ist er reichlich spät dran. Seit rund 1 400 Jahren spielen Muselmanen Schach, die Wurzeln liegen in Indien und Persien. „Schachmatt“ – der König ist tot – stammt von dort. Die Araber brachten es auch nach Europa. Bekannt wurde die Fatwa von Al al-Sheikh, der bereits Barbie-Puppen und Pokémon-Karten verteufelt hat, jetzt erst richtig, weil ausgerechnet in Mekka ein Schachturnier stattfand. Der saudische Verband ließ sich jedoch nicht von dem Wettbewerb abhalten und befand, dem Großmufti mangele es an Hintergrundwissen.

 


Schach sei gewiss kein „Glücksspiel“, betonte Musa Bandr laut der Deutschen Presseagentur. Der Verbandsvertreter fürchtet jedoch, dass die „Fatwa der Religionspolizei künftig im Königreich einen rechtmäßigen Grund gibt, uns an der Organisation von Schachturnieren zu hindern“.
Sunnitische und schiitische Führer sind sich ausnahmsweise im Hass einig: Großajatollah Ali al-Sistani vom Erzfeind Iran hat Schach ebenfalls schon mit dem Bannstrahl belegt, weil es für Wetten eingesetzt werden könne. Von 1979 bis 1988 war es für Iraner gar verboten.

Weiterlesen

Ehmann – Rieper: Nach einigen „zweitbesten“ Zügen wird Weiß nunmehr zum Gewinnzug „gezwungen“

Trainer Sentef krönt seine Nachwuchsarbeit beim Verbandligisten – Von HARTMUT METZ

 

„Nach der 1,5:2,5-Niederlage gegen Topfavorit Porz hakten wir den Titel ab und wollten ab der fünften Runde deutscher metzVizemeister werden“, erzählt Marco Riehle von den Schachfreunden Sasbach. Der Abonnement-Champion aus Köln, der Jahr für Jahr in allen Altersklassen glänzt, patzte jedoch im U16- Wettbewerb erst mit einem 2:2 – und in der letzten Runde in Lingen fing das große Zittern an. Sasbach gewann rasch 3:1 gegen Hagen. Danach lagen die Nerven der Porzer blank. In der letzten laufenden Partie verlor der Kölner Spieler die Übersicht und stellte die Partie ein. Bei jeweils 11:3 Mannschaftszählern lagen die Mittelbadener so dank der 20:8 Brettpunkte hauchdünn vor Porz (19,5:8,5). Den größten Erfolg des Verbandsligisten machten die Spitzenspieler Thilo Ehmann (5,5 Punkte), Riehle (6) und Raphael Zimmer (5,5) perfekt. Edward Schneider steuerte drei Punkte in sieben Runden bei. Ehmann und Riehle heimsten zudem die Preise als beste Einzelbretter ein. Wäre Talent Julian Martin nicht von Sasbach zum Erstligisten OSG Baden-Baden gewechselt, hätte der aufstrebende Klub wohl noch klarer den nationalen Titel geholt. Den Aufschwung verdanken die Schachfreunde vor allem der Nachwuchsarbeit von Nikolaus Sentef.

 

Weiterlesen

Ein Dank geht an die Redaktion von Zeit-Online, die uns freundlicherweise die Genehmigung zur Veröffentlichung erteilte. Ein herzliches Dankeschön auch an den Autor IM ILJA SCHNEIDER

 

Ilja Schneider

Ilja Schneider

Eigentlich dachte ich, in 22 Jahren Schach alle Abgründe gesehen zu haben. Vor Jahren bekam ich mit, wie ein Senior sich während einer Runde hinter einer Gardine die Unterhose wechselte. Ein anderes Mal steckte sich ein Schachfreund mehrere alte Brotlaibe ein, die im Rahmen einer Kunstausstellung auf einer Theke ausgelegt waren. So mancher Spieler rauft sich während einer Partie so stark die Haare, dass seine Brettseite von Schuppen und Haarbüscheln übersät ist; der Gegner überlegt dann vielleicht zweimal, ob er dort wirklich eine Figur schlagen und in die Hand nehmen möchte. Nichts eignet sich so gut für Charakterstudien wie ein Besuch in einem Turniersaal.

zeit_Online

Doch was ich neulich erlebte, war in dieser Form auch mir neu. Es begab sich bei einem kleinen, familiär organisierten Halbmarathonturnier – etwa 45 Partien Blitzschach am Stück ohne längere Pausen – bei dem es kaum etwas zu gewinnen gab und schon der ungewöhnliche Modus nahelegte, dass man wirkliche Freude an der Sache selbst verspüren müsste, um sich so etwas an einem Wochenende kurz vor Weihnachten anzutun. Doch schnell wurde klar, dass ein wahrer Masochist am Start war, ein Mann um die Fünfzig, auf den ersten Blick unauffällig, aber nur auf den ersten.

 

Weiterlesen

Rekordchampion starb vor 75 Jahren / Mathematiker und Philosoph – ein Freund von Albert Einstein – Von HARTMUT METZ

 

Pillsbury – Lasker: Mit der „Magie des Schachspiels“ – sagt Kasparow – gerät der weiße Monarch in ein wohlberechnetes Mattnetz

„Ein dreifaches Hurra dem neuen Weltmeister!“ Mit dem Ausruf erhob sich Emanuel Lasker nach seiner zehnten Gewinnpartie gegen Wilhelm Steinitz und feierte sich 1894 selbst als zweiten Weltmeister der Schach-Geschichte. Der Ausnahmekönner kam an Heiligabend 1868 in Berlinchen zur Welt umetznd starb vor 75 Jahren, am 11. Januar 1941, an der Stätte seines ersten großen WM-Triumphes, in New York. So lange wie kein anderer Großmeister, 27 Jahre, verteidigte Lasker den Thron. Egal, ob Frank Marshall, Erzrivale Siegbert Tarrasch oder David Janowski – mit Ausnahme von Carl Schlechter wurden alle WM-Herausforderer in den fast drei Jahrzehnten deklassiert. Erst der Kubaner José Raoul Capablanca konnte 1921 die Regentschaft des Doktors der Mathematik und Philosophie beenden. Der Universalgelehrte aus der Mark Brandenburg war ein enger Freund des Physikers Albert Einstein. Die folgende Glanzpartie beim Viererturnier in St. Petersburg 1895/96 besaß enorme Bedeutung. Der neue amerikanische Stern am Schach-Himmel, Harry Pillsbury, lag deutlich in Front und hätte bei einem Erfolg Ansprüche auf einen WM-Kampf anmelden können.

 

Allein Ex-Weltmeister Wilhelm Steinitz hielt durch sein gutes Resultat gegen Pillsbury den Wettbewerb offen. Bei einem dritten Sieg im vierten Duell der beiden Führenden wäre dem 23-jährigen Amerikaner Platz eins nicht mehr zu nehmen gewesen – doch Lasker schlug grandios zurück und verbesserte seine Bilanz im direkten Vergleich auf 1,5:2,5. Pillsbury brach ein und verlor fünf Partien in Serie. Nach einem der schönsten doppelten Turmopfer der Schach-Historie setzte sich der Deutsche noch vor Steinitz, Pillsbury und Michail Tschigorin durch. In den folgenden Jahren eilte der beflügelte Lasker bei allen großen Turnieren von Sieg zu Sieg… Weiterlesen

RSS-FEED

Bundesliga-Statistik

de.wikipedia.org

Elo
DWZ/Vereinssuche
DWZ/Spielersuche
Archive
Kategorien
  • Aufrufe heute: 60.300
  • Aufrufe gestern: 187.830