Kolumne

31-jährige Erfurterin verpasst in der Schlussrunde den EM-Titel – Von HARTMUT METZ

 

Pähtz – Gaponenko: Ein Kraftzug noch – und weiß ist am Ziel..

Pähtz – Gaponenko: Ein Kraftzug noch – und weiß ist am Ziel..

Elisabeth Pähtz ist zwar erst 31 Jahre alt – aber bereits die Hälfte ihres Lebens die deutsche Führungsspielerin. Die Tochter von Großmeister Thomas Pähtz spielte schon mit 13 für die Nationalmannschaft und gewann mit 14 erstmals den nationalen Titel der Frauen. 1999 sorgte die gebürtige Erfurterin noch zweimal für Furore: Zum einen brachte sie die Republik zusammen mit Hape Kerkeling zum Lachen, weil sie ihn via Kopmetzfhörer unterstützte, als er bei seinem Sketch für die Sat-1-Sendung „Darüber lacht die Welt“ mehrere Vereinsspieler mit starken Zügen und vor allem provokanten Sprüchen zur Weißglut trieb. Die Jugend- und Juniorenweltmeisterin war zum anderen als Beraterin im Boot, als der russische Ausnahmekönner Garri Kasparow im Internet gegen „die Welt“ antrat. Hernach wurde es ruhiger um „Miss Eli“, auch wenn sie stets die klare deutsche Nummer eins war. Die Hochzeit mit dem Italiener Luca Shytai, der wie seine Gattin den Titel eines Internationalen Meisters trägt, scheint Pähtz beflügelt zu haben. Erstmals knackte die 31-Jährige die Schallmauer von 2500 Elo-Ratingpunkten und verbesserte sich in der Weltrangliste auf Platz 15. Die Top Ten sind nur noch einen Hauch entfernt und könnten nach einer starken Leistung bei der Europameisterschaft sogar am 1. Juli erreicht werden. Bei der EM kämpfte Pähtz bis zum Schluss um den Titel.
Ihre erste Niederlage in der elften und letzten Runde gegen Sabrina Vega Gutierrez warf die deutsche Spitzenspielerin allerdings auf Platz fünf zurück. Ihre spanische Bezwingerin wurde so mit 8,5 Zählern Zweite. Den EM-Titel sicherte sich die punktgleiche Anna Uschenina dank der besseren Feinwertung. Der zweite große Erfolg der Weltmeisterin von 2012. Bronze holte eine weitere Ex-Weltmeisterin, die Bulgarin Antoaneta Stefanowa. Sie sammelte wie Lilit Mkrtschjan (Armenien) acht Zähler. Das Feld der Spielerinnen mit 7,5 Punkten führte im rumänischen Mamaia Pähtz an.
Immerhin gelang der Wahl-Römerin in Runde neun die wohl schönste Partie der EM … Weiter zur Partie

Fanatische Legende: Viktor Kortschnoi stirbt mit 85 Jahren – Von HARTMUT METZ

 

Averbach – Kortschnoi: Schwarz droht mit Durchmarsch nach h1, nur haperts noch an einem Detail…

Averbach – Kortschnoi: Schwarz droht mit Durchmarsch nach h1, nur haperts noch an einem Detail…

Fanatische Schachspieler gibt es einige – der fanatischste unter ihnen dürfte Viktor Kortschnoi gewesen sein. Tigran Petrosjan hat angeblich einmal befunden: „Mit dem Ehrgeiz von Kortschnoi würde ich ewig Weltmeister bleiben!“, wie der Wahl-Schweizer anlässlich seines 80. Geburtstags stolz im Interview erzählte. Der beste Spieler, der mehrfach im WM-Finale stand, aber nie Weltmemetzister wurde, starb am vergangenen Montag mit 85 Jahren. Obwohl Kortschnoi nach einem Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt war und erheblich an Stärke einbüßte, ließ der gebürtige Leningrader nicht ab von seinem geliebten königlichen Spiel: „Es gibt kein Leben nach dem Schach“, begründete „Viktor der Schreckliche“ seine Passion. Auf dem Zenit aufzuhören, „weil man Weltmeister war, das klingt nach Bobby Fischer, nicht nach Viktor Kortschnoi“, betonte der Dissident, der 1976 aus der Sowjetunion flüchtete. Der dreifache Vizeweltmeister, der stets am 20 Jahre jüngeren Anatoli Karpow scheiterte, zeigte Unverständnis: „Bei mir hören nur die Schüler immer auf: die drei Großmeister Joël Lautier, Ronen Har-Zvi und Jeroen Piket. Das verstehe ich nicht“, sagte er und schüttelte den Kopf.

 

Er hatte zwar gegen „Kasparow und Karpow meine liebe Not, ich bezwang jedoch alle Weltmeister davor von Botwinnik, Petrosjan, Tal bis Spasski und verzeichnete positive Bilanzen. Ich wäre jedoch nie auf den Gedanken gekommen, deshalb mit Schach aufzuhören!“, stellte der Wohlener klar. Bei der Legende, die selbst noch 2011 mit 80 Jahren Schweizer Einzel-Meister wurde, stand alles hinter dem Denksport zurück. Nur einmal schien er müde: „Bis 1981 wollte ich Weltmeister werden. Die dritte Niederlage gegen Karpow war so schrecklich, die ganze Atmosphäre in Meran – das wollte ich nie mehr spüren!“, gestand Kortschnoi unerwartet.

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„Zeit-Schachwunder“: Neuer Band bündelt 120 köstliche Anekdoten und Aufgaben – Von HARTMUT METZ

 

Cebalo – Wasjukow: Weiß zaubert ein selten schönes Matt in (spätestens) 3 Zügen aufs Brett

Cebalo – Wasjukow: Weiß zaubert ein selten schönes Matt in (spätestens) 3 Zügen aufs Brett

In der aktuellen Meko stellt Hartmut Metz den neuen Sammelband „Zeit-Schachwunder“ vor. Unter den 120 Aufgaben aus der beliebtesten deutsche Schachkolumne findet sich auch eine Kombination des Kuppenheimer Autors selbst! Schon wieder macht das Blitzduell gegen Michael Lorenz die Runde, die als elftes Kapitel in der Edition-Olms-Neuerscheinung erscheint. Hier der Link zur Aufgabe, die erst vor Kurzem auf der Rochade-Homepage wegen einer anderen Veröffentlichung gezeigt wurde.

 

Christoph Brumme hat in der populären Buchreihe „111 Gründe … zu liebmetzen“ zunächst dargelegt, warum er das Radfahren mag. In seinem nächsten Werk bei Schwarzkopf & Schwarzkopf fielen ihm auch „111 Gründe, Schach zu lieben“ ein. Kapitel 95 schmeichelt einem besonders, wie er unumwunden zugibt: Helmut Pfleger. Der Münchner Mediziner ist nicht nur Großmeister, sondern der „Großwerber“ des Schachs. Mit seiner Kolumne im Magazin der „Zeit“ erreicht der 72-Jährige wöchentlich neben fanatischen Klubmitgliedern vor allem auch zahlreiche Hobbyspieler fern der Vereine! Brumme listet deshalb in seiner „111er“-Liebeserklärung an das königliche Spiel als Grund Nummer 95 auf: „Weil Helmut Pfleger so spannende Schachkolumnen schreibt.“

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Bayern München bleibt wieder als Vorletzter in der Bundesliga / Kein Ebay-Gebot für viertes Aachener Bundesliga-Brett – Von HARTMUT METZ

 

Krämer – Romanow: Schwarz spinnt langsam aber sicher ein Mattnetz

Krämer – Romanow: Schwarz spinnt langsam aber sicher ein Mattnetz

Und täglich grüßt das Murmeltier“ – die Schachspieler des FC Bayern München haben ihr Déjà-vu allerdings im Gegensatz zu Bill Murray in dem legendären Film nur jährlich. Sie steigen aus der Bundesliga ab, wachen danach auf und sind wieder dabei im Oberhaus. Im Vorjahr hatte die Amateurtruppe die Saison mit nur zwei Pluspunkten als Tabellenvorletzter beendet. Drei Teams wollten nicht in der Bundesliga bleiben, weshalb der Tabellen-15. in den Genuss kam. Jetzt ist die Situation wieder dieselbe: Der FCB belegte mit 4:26 Zählern Rang 15 und müsste eigentlich in die Zweite Liga. Doch der Tabellenachte Turm Emsdetten hatte bereits vor dem letzten Zug seinen Rückzug vermeldmetzet. Der erste Absteiger, Erfurter SK, verzichtete danach gleich als möglicher Profiteur auf eine weitere Erstliga-Saison. „Zu teuer“, hieß es aus Thüringen. Zu dieser Einsicht kam auch der knapp gerettete Tabellenzwölfte Hansa Dortmund, nachdem der Hauptgeldgeber absprang.

 

Das ist bereits der 27. Bundesliga-Rückzug seit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ vor knapp 24 Jahren gedreht wurde! Aufstiegsverzichte von Zweitligisten nicht mitgerechnet. Offensichtlich schaffen es immer weniger Schachvereine, die jährlich rund 30.000 Euro für Reisen und Unterbringung für ihr Achterteam aufzubringen. Meist hängen sie am Tropf eines Mäzens. Um ein Team aufzubieten, das halbwegs mithalten kann, sind ein paar Profis und damit ein mindestens doppelt so hoher Etat nötig. Die Münchner freuen sich: „Wir nehmen das Spielrecht gerne wahr“, betont Bayern-Abteilungsleiter Jörg Wengler, denn die Fußball-Profis spielen genug Geld ein, um die Reisespesen der Schach-Amateure zu decken. Zweitliga-Aufsteiger DJK Aufwärts Aachen versuchte es mit einem Novum – und wollte sein viertes Bundesliga-Brett auf Ebay versteigern! Allerdings vergebens. Kein Spieler mit mindestens 2380 Elo war bereit, das Anfangsgebot von 3000 Euro zu bezahlen, um nächste Saison zehnmal im Oberhaus auflaufen zu dürfen.

 

Bester Spieler der Teams, die sich aus der Bundesliga verabschiedeten, war Jewgeni Romanow. Der Russe trumpfte beim Erfurter SK auf und holte in elf Partien sieben Punkte. Seinen aggressiven Stil demonstriert der folgende Sieg aus der dritten Runde gegen den Berliner Martin Krämer.. Weiterlesen

Norwegischer Weltmeister gewinnt Turnier im vierten Anlauf – Von HARTMUT METZ

 

Carlsen – Grandelius: Weiß schaltet um in den (Opfer-)Angriffsmodus

Carlsen – Grandelius: Weiß schaltet um in den (Opfer-)Angriffsmodus

Heimvorteil? Während dieser im Fußball von enormer Bedeutung ist – außer man ist der SV Darmstadt 98 in der Bundesliga –, hat bisher noch keiner einen im Schach festgestellt. Das mag an den fehlenden Zuschauern liegen, die ihre Heroen lautstark nach vorne treiben. Auf den 64 Feldern geht es eben ruhiger zu. Das gilt inmetzdes nicht für Magnus Carlsen. Um den Weltmeister schwirren in Norwegen zahlreiche Reporter und begehren Auskünfte über die letzten Läufer- und Springerzüge. Das führte dazu, dass der 25-Jährige beim „Heimspiel“ in Stavanger bisher nie seiner Favoritenrolle gerecht wurde. Erst jetzt bei der vierten Auflage von „Norway Chess“ konnte der stark beanspruchte Carlsen den Wettbewerb gewinnen. Er unterlag zwar dem zweitplatzierten Armenier Lewon Aronjan, überzeugte jedoch in den weiteren acht Begegnungen. Vier Siege und vier Remis summierten sich zu sechs Punkten. Knapp dahinter folgte Aronjan mit 5,5 Zählern. Ebenso wie der Weltranglistensiebte blieben der Franzose Maxime Vachier-Lagrave und Ex-Weltmeister Wesselin Topalow (Bulgarien), der sonst häufig die meisten entschiedenen Partien aufweist, ungeschlagen.
Ebenso schloss sein Erzrivale Wladimir Kramnik (Russland) den hochkarätigen Wettbewerb mit fünf Punkten ab. Die Außenseiter Li Chao (China) und Pentala Harikrishna (Indien/beide 4,5) blieben vor Anish Giri (4). Der Niederländer, der beim WM-Kandidatenturnier alle Partien remisiert hatte, musste diesmal gleich zweimal aufgeben. Enttäuschend schnitt der Ukrainer Pawel Eljanow (3) ab. Letzter wurde erwartungsgemäß der zweite Skandinavier, Nils Grandelius (2,5). Der Schwede zeigte jedoch wenig Respekt vor den Top-Großmeistern und ging nicht nur Weltmeister Carlsen mit den schwarzen Steinen forsch an … Weiterlesen

Schach-Legende spielt immer noch stark – und betrügt absichtlich – Von HARTMUT METZ

 

 [So - Kasparow] So – Kasparow: Weiß spielt eine fesselnde Partie – und setzt zum Schluss noch einen drauf

So – Kasparow: Weiß spielt eine fesselnde Partie – und setzt zum Schluss noch einen drauf

Die Fans hat das Comeback elektrisiert: Garri Kasparow spielt wieder! Die 53-jährige Schach-Legende knüpfte sich dabei diesmal keine anderen Altstars wie seine ehemaligen WM-Kontrahenten Anatoli Karpow oder 2015 Nigel Short vor. In St. Louis traf das „Ungeheuer von Baku“ auf die dremetzi Sieger der US-Meisterschaft, die nun alle in den Top Ten der Weltrangliste stehen: US-Champion Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura und Wesley So. Gleich in Runde eins bewies der vor elf Jahren zurückgetretene Kasparow, dass er noch nicht zum alten Eisen zählt: Er zertrümmerte in der ersten Blitzpartie mit fünf Minuten Bedenkzeit (plus drei Sekunden Bonus pro Zug, ehe die Uhr zu laufen anfing) den Weltranglistenzehnten So. Nach den zwei Tagen und 18 Partien hatte der einst als Weltranglistenerster abgetretene Wahl-Kroate stolze 9,5 Punkte auf dem Konto. Und das, obwohl Kasparow mehrere Figuren einstellte! Die zeigte der extrovertierte Ex-Weltmeister auch aufgeregt mit den Fingern an, als er Bilanz zog: „Drei Springer stellte ich heute ein! Und trotzdem habe ich nur einen halben Punkt weniger als der Führende!“ Doch was selbstgefällige Regelauslegungen und Betrügereien anlangt, war die Legende damit auch ganz der Alte:

 

Wie schon 1994 gegen die weltbeste Spielerin, Judit Polgar, ließ Kasparow einen Springer los, stellte fest, dass Nakamura danach sofort gewinnen konnte – und bevor er die Uhr drückte, nahm Kasparow den Zug dreist zurück! Den Eklat spielte der 53-Jährige anschließend herunter: „Ich war mir nicht sicher, ob ich den Springer wirklich losgelassen hatte. Im Blitz ist das manchmal schwer zu sagen“, log der Weltmeister von 1985 bis 2000 und behauptete, „ich schaute Hikaru und den Schiedsrichter an. Hätten sie reklamiert, hätte ich sofort aufgegeben.“
Nakamura war es egal. „Schließlich ist es Garri. Ich nehme das Turnier vielleicht nicht so ernst wie er. Daher entschied ich, im Zweifelsfall für den Beschuldigten zu plädieren. Deshalb unternahm ich nichts.“ Der „schnelle Brüter“ aus den Staaten gewann das attraktive Blitzturnier trotzdem mit elf Punkten vor So (10) und Kasparow (9,5). Der Weltranglistenzweite Caruana (5,5) agierte häufig zu langsam und landete wegen seiner Zeit-Probleme abgeschlagen.

 

Wesley So nahm Revanche für seine Auftakt-Niederlage gegen Kasparow und schlug ihn danach dreimal. Spektakulär fiel vor allem der nachfolgende Sieg aus… Weiterlesen

Gaprindaschwili – Servaty: Weißprindaschwili feiert 75. Geburtstag / Dufter Zug: Parfüm „Nona“ mit Schachfigur-Flakon – Von Hartmut Metz

 

Gaprindaschwili – Servaty: Weiß hat sich – zwei Türme weniger – weit aus dem Fenster gelehnt, was nun?

Gaprindaschwili – Servaty: Weiß hat sich – zwei Türme weniger – weit aus dem Fenster gelehnt, was nun?

Der Präsident der Association of Chess Professionals, Emil Sutovsky, gratuliert Nona Gaprindaschwili

Der Präsident der Association of Chess Professionals, Emil Sutovsky, gratuliert Nona Gaprindaschwili (Foto: Emil Sutovsky)

Erfolge eines einzelnen Sportlers können ganze Nationen prägen. Kinder wollen plötzlich wie ihr Vorbild sein und eifern ihrem Helden nach. Weitere Erfolge sind die Folge. Im Schach hat niemand ein Land so geprägt wie Nona Gaprindaschwili. Die am 3. Mai vor 75 Jahren in Sugdidi geborene Georgierin begeisterte ihre Landsleute so, dass Horden von Großmeisterinnen in ihre Fußstapfen traten und noch lange nach ihrem Abgang als Weltmeisterin die Szene beherrschten. Deshalb wurden mehrere WM-Titelkämpfe zwischen zwei Georgierinnen ausgefochten. Selbst Gaprindaschwili traf mehrfach auf ihre Landsleute und wurde erst nach 16 Jahren auf dem Thron von Maja Tschiburdanidse abgelöst. Die damals 17-Jährige streckte die georgische WM-Vorherrschaft danach auf fast drei Jahrzehnte (1962 bis 1991). Die Jubilarin war zu Hochzeiten in ihrer Heimat so populär, dass sogar ein Parfüm nach ihr benannt wurde! Zudem gab es neben „Nona“ auch noch „Nana“ zu kaufen. Der Duft trug den Vornamen ihrer WM-Rivalin von 1975, Nana Joseliani. Beide Flakons wurden als Schachfiguren vertrieben.

 

Gaprindaschwili lernte das königliche Spiel bereits mit fünf Jahren und gewann schon mit 15 die georgische Meisterschaft. Als erste Frau überhaupt errang sie 1978 den Titel als Herren-Großmeister – ausgerechnet in dem Jahr, als die Ausnahmekönnerin das WM-Finale verlor. Ihre Beliebtheit blieb auch in der Zeit danach ungebrochen. 1989 wurde das Ehrenmitglied des Schach-Weltverbandes FIDE zur Präsidentin des Nationalen Olympischen Komitees von Georgien gewählt, obwohl Schach bei den Spielen gar nicht dabei ist.
Auf eine ihrer schönsten Partien wird die dreifache Senioren-Weltmeisterin (1995, 2009 und 2014) häufig angesprochen: In Dortmund 1974 brachte Gaprindaschwili gegen Rudolf Servaty ein geniales doppeltes Turmopfer… Weiterlesen

Meister SG Solingen beendet zehnjährige Erfolgsserie der Kurstädter – Von Hartmut Metz

 

Nikolic – Heinemann: Schwarz (in Verluststellung) erlaubt – mit Absicht – ein hübsches Matt in Zwei

Nikolic – Heinemann: Schwarz (in Verluststellung) erlaubt – mit Absicht – ein hübsches Matt in Zwei

Das darf doch nicht wahr sein, dass mir die Jungs heute so einen Stress machen“, plagten Herbert Scheidt im letzten Spiel der Bundesliga-Saison arge Zweifel. Seine Mannen der SG Solingen mühten sich ausgerechnet gegen den Absteiger SV Griesheim wie gegen kaum einen anderen Gegner. Doch metzwie erklärte Großmeister Alexander Naumann gegenüber dem „Solinger Tageblatt“: „Gegen schwache Mannschaften flippen wir manchmal aus.“ Doch diesmal flippte der deutsche Rekordmeister nicht komplett aus und rettete sich mit einem 5:3-Sieg und 28:2 Punkten über die Ziellinie. Der zwölfte Titel ist der erste seit 1997! Vor allem die OSG Baden-Baden ließ die Klingenstädter nach der Jahrtausendwende dauernd über die Klinge springen. Zuvor hatte Solingen zusammen mit der SG Köln-Porz und Bayern München die Szene jahrzehntelang beherrscht. Diesmal kam die OSG jedoch gegen das Gründungsmitglied der Bundesliga nicht über ein 4:4 hinaus und patzte vor allen Dingen gegen Werder Bremen. Die erst zehnte Niederlage in 13 Bundesliga-Jahren erwies sich als eine zu viel!

 

Mit 27:3 Punkten blieb damit „nur“ Platz zwei vor den Werderanern (25:5) und Schwäbisch Hall (20:10).

 

„Ich gehe davon aus, dass Baden-Baden das sehr ärgern wird – und sie in der nächsten Saison ganz stark antreten werden, um uns den Titel wieder abzunehmen“, ahnt Solingens Vorsitzender Oliver Kniest und blickt auch gleich voraus, „es wäre vermessen zu sagen, wir würden nächstes Jahr wieder deutscher Meister – aber wir wollen Baden-Baden selbstverständlich erneut ärgern.“

 

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Iamze und Günther Tammert beste Punktesammler in ihren Ligen – Von Hartmut Metz

 

Schach-Familien gibt es zahllose. Väter „vererben“ ihr Hobby an die Kinder. Gute Spielerinnen heiraten gerne noch bessere Spieler – schließlich verbindet somarkgraf-tammertlch eine zeitintensive Passion auch. In Mittelbaden gibt es ebenso mehrere Paare, die glänzend mit König und Dame umgehen können. Zu diesen zählen Iamze und Günther Tammert, der die Georgierin vor 18 Jahren vor den Traualtar führte. Wer der bessere Schachspieler ist, mag vielleicht einen kleinen neckischen Disput im Hause der beiden Balger auslösen. Erfolgreicher ist aber zweifellos die Mutter von Töchterchen Anna-Lena.

 

Seit ihrem Wechsel von der Rochade Kuppenheim zur OSG Baden-Baden gewann Iamze Tammert zehnmal die deutsche Meisterschaft. Das OSG-Jubiläum Mitte März in der Damen-Bunmetzdesliga krönte die 45-Jährige mit einer eigenen Bestleistung: Mit 7,5:0,5 Punkten kürte sich die Leistungsträgerin der Kurstädter zur besten Spielerin der Bundesliga-Saison. Da konnte der Herr des Hauses natürlich nicht nachstehen, schließlich sprechen ihn Kunden während der Arbeit mit seinem Lieferservice häufig auf Schach an – genauso wie seine Frau, wenn sie täglich in ihrem kleinen Laden in Balg steht. Notgedrungen trumpfte Günther Tammert in der Verbandsliga mit 7,5 Zählern auf. Das reichte dem Kuppenheimer ebenfalls zum Titel als bester Punktesammler, auch wenn er dafür neun Runden benötigte. Dabei musste er achtmal mit den schwarzen Steinen antreten, was dazu führte, dass Tammert mangels Kenntnis der aktuellen Eröffnungstheorie oft miserabel stand. Doch hernach wurde der 50-Jährige fast immer seinem Ruf als „Hexer von Balg“ gerecht: Mit taktischen Tricks drehte Tammert regelmäßig die Partien und zeigte dabei, warum er in Jugendjahren zu den besten deutschen Nachwuchsspielern zählte… Weiterlesen

Mentalcoach Werner Schweitzer rät: „Handle mutig und du wirst mutig“ – Von HARTMUT METZ

 

Schweitzer – Albadri: Weiß dreht an der Mutspirale – und Schwarz gibt auf!

Schweitzer – Albadri: Weiß dreht an der Mutspirale – und Schwarz gibt auf!

Schach entscheidet sich im Kopf! Eine vermeintlich banale Aussage, die Werner Schweitzer jedoch interessant zu beleuchten weiß. Der Wiener ist Mentalcoach. Der 48-Jährige arbeitet mit Spitzensportlern und Wirtschaftsbossen zusammen. Bis zum Vorjahr betreute Schweitzer auch die Spieler des österreichischen Schach-Nationalkaders im mentalen Bereich. Der Zweitliga-Spieler beim ASV Pöchlarn gibt seimetzne Erfahrungen seit vielen Jahren in Einzelcoachings, Seminaren und Vorträgen weiter. Für Schachspieler besonders lesenswert ist seine monatliche Kolumne im „Schach-Aktiv“, dem öster- reichischen Verbandsorgan. Im Interview mit dem deutschen „Schach-Magazin 64“ räumte Schweitzer mit mancher Mär auf. So dächten viele, Schach habe etwas „mit Intelligenz zu tun. Das stimmt insofern, dass intelligentere Menschen eher Schach spielen. Bei der Spielstärke wurde indes kein signifikanter Zusammenhang festgestellt“, meint der Mentalcoach. Dank einer Untersuchung weiß der Wiener, dass Schachspieler im „Vergleich zu anderen Sportlern eine höhere Selbstverantwortung und mehr Furchtlosigkeit besitzen. Gleichzeitig zeigen sie weniger Selbstdisziplin und Einsatzbereitschaft und haben weniger Ziele als diese“.

 

Eigenschaften aus dem „normalen“ Leben fänden sich auch häufig am Schachbrett wieder: „Mutige Menschen im Leben sind auch beim Schach eher bereit, Risiken auf sich zu nehmen.“ Aber es gibt ebenso Angsthasen, die Niederlagen fürchten und deshalb allzu gerne früh remisieren. Dass derlei überwiegend schlechtere Spieler betrifft, liege in der Natur der Sache, erklärt Schweitzer: „Derjenige, der mehr Angst vor Niederlagen hat, bleibt schwächer. Wenn jemand von 25 Partien im Jahr 15 schnell Remis gibt, hat er eigentlich nur zehn gespielt und im Vergleich zu dem, der 25 ausfocht, nur 40 Prozent der Erfahrung des anderen Spielers gesammelt – und genau das wirkt sich dauerhaft in der Spielstärke aus… Weiterlesen

 

Ohne Indien ginge heute gar nichts im Schach: Königsindisch, Indischer Curry, Grünfeldindisch, das Indische (Hals)tuch, Damenindisch, … https://de.wikipedia.org/wiki/Das_indische_Tuch und überhaupt der Anand und ganz viele andere sind ja auch noch aus Indien. Sogar soll das Schach ja insgesamt in Indien erfunden worden sein, dann kam es nach Arabien, danach über Sizilien nach Europa …

 

"Taj Mahal" ein indisches Grabmal

„Taj Mahal“ ein indisches Grabmal

Weniger bekannt ist, warum diese „indischen Eröffnungen“ oder gar der „indische Zauber„, wie Aljechin einmal kommentierte, überhaupt „indisch“ heißen. Es hätte ja auch „türkisch“ oder „äthiopisch“ sein können, oder? Das Ganze hängt mit den Briten zusammen, die Indien zum Teil ihres Weltreiches machten. Üblich war damals in der Gentry, dass ein aufstrebender Militär, Jurist, Kaufmann oder überhaupt „Gentleman“ einige Jahre in Indien „gedient“ hatte, also ein karriere- und seelenbildender Auslands-Aufenthalt mitteljunger Männer. Das ist der Gegensatz zu mittelaltem Gouda.

 

Die saßen dort nun in Hitze, tropischem Regen und zehrender Langeweile und … spielten Schach. Im flugs gebildeten „Calcutta Chess Club„. Die spielten unter sich, aber so viele Gentlemen gab’s dort ja gar nicht, dann also auch mit ihren Dienern, irgendwann einfach mit jedem, der eben so daherkam. Einer davon war Bonnerjee Mohishunder, wohl um 1800 bei Kalkutta geboren, vielleicht hieß der Mann auch Mahesh Chandra Banerjee oder auch noch irgendwie anders, die Briten nahmen’s eben so wie alle Kolonial“herren“ nicht so genau mit den Details aller Nicht-Briten. ChessBase nennt ihn dann auch gleich „Mahescandra“. Aufgeschrieben wurde das vor allem im „Chess Player’s Chronicle„, Schachzeitungen gab’s also auch schon.

 

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Matthias Blübaum feiert größten Erfolg bei Mammut-Open in Karlsruhe – Von HARTMUT METZ

 

Schirow – Blübaum: Schwarz am Zug – der Rest ist Technik…

Schirow – Blübaum: Schwarz am Zug – der Rest ist Technik…

Die Prinzen werden erwachsen! Und der „Kronprinz“ in deutschen Landen hat sich bereits mit 18 Jahren gekrönt: Matthias Blübaum feierte beim Grenke Chess Open in Karlsruhe seinen bisher größten Erfolg und gewann das Turnier, an dem insgesamt 965 Spieler und mehr als 200 Titelträger teilnametzhmen. Der Lemgoer wies wie Wladimir Fedosejew, Nikita Witiugow (beide Russland), Milos Perunovic (Serbien), Ni Hua (China) und der Spanier Francisco Vallejo Pons nach neun Runden 7,5 Punkte auf. Blübaum gewann jedoch dank der besten Buchholz-Wertung, die die erzielten Punkte der neun Gegner aufaddiert, mit 7 375 Euro den größten Batzen des Preisgelds. „Ausschlaggebend für den Turniersieg war der Punkt mit Schwarz gegen Alexej Schirow“, lässt Blübaum den Wettbewerb über Ostern Revue passieren. Bundestrainer Dorian Rogozenco traut dem Sechsten der U20-Weltrangliste weitere Fortschritte zu.
Blübaum besitze vor allem „eine eindrucksvolle schachliche Ausdauer im Training: Er kann konzentriert stundenlang arbeiten, weil seine Rechenfähigkeiten und Brettvorstellungen praktisch unverändert bleiben“. Trotzdem will der Bremer Bundesliga-Spieler ein Mathematik-Studium in Bielefeld beginnen. „Die Entscheidung, dass ich ein Studium beginne, ist schon vor längerer Zeit gefallen. Das heißt aber nicht, dass eine Profikarriere auf keinen Fall in Betracht kommt“, erläutert Blübaum den Schritt.

 
Der Deutsche Schachbund freut sich, dass sein Konzept der „Schach-Prinzen“ aufging. Die vier Schützlinge von Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler erreichten inzwischen durchweg Großmeister-Stärke und finden sich in der U20-Weltrangliste weit vorne: Hinter dem potenziellen neuen deutschen Schach-König Blübaum folgen Dennis Wagner, Alexander Donchenko und Rasmus Svane auf den Plätzen 13, 14 und 32. Nachstehend das spannende Duell mit Schirow aus der achten Runde, die Blübaum den Weg ebnete…  Weiterlesen

Karjakin – Caruana: Weiß demonstriert die Vorzüge seiner Schwerfiguren auf ihrer Wirkungslinie

Karjakin – Caruana: Weiß demonstriert die Vorzüge seiner Schwerfiguren auf ihrer Wirkungslinie

Jüngster Großmeister aller Zeiten steht im WM-Finale gegen Carlsen – Von HARTMUT METZ

 

„Mir fehlen die Worte, um meine Gefühle auszudrücken“, gab Sergej Karjakin nach seinem größten Erfolg zu Protokoll. Der Weltcup-Sieger aus Russland gewann in Moskau überraschend das WM-Kandidatenturnier und trifft im November in New York auf Weltmeister Magnus Carlsen. metzDamit kommt es zum Duell der beiden Wunderkinder des Jahrgangs 1990: Der Norweger wurde im Alter von 13 Jahren und vier Monaten Großmeister – Karjakin drückte die Best- marke auf bisher unerreichte zwölf Jahre und sieben Monate. Die Entwicklung ging hernach etwas auseinander. Carlsen steht seit 2011 unangefochten auf Platz eins der Weltrangliste und gilt im Herbst auch als klarer Favorit. Dass Karjakin kaum Chancen gegen den Titelverteidiger habe, wie in Diskussionen im Web geunkt wurde, sieht Jonathan Speelman anders: „Er hat in Moskau ein fantastisches Turnier gespielt, und allein die Qualifikation in diesem Turnier wird ihn besser und stärker gemacht haben“, glaubt der Großmeister, der selbst schon im Kandidaten-Zirkus mitspielte. Der Brite verweist dabei auch auf die Bilanz der beiden in klassischen Turnierpartien, die mit 6:5 Siegen (bei 17 Remis) für Carlsen nahezu ausgeglichen ist.
In der Weltrangliste kletterte Karjakin von Platz 13 auf acht – liegt damit aber immer noch 72 Elo-Punkte hinter seinem Rivalen. Die Statistik signalisiert damit eine Gewinnerwartung von 59:41 Prozent… Weiterlesen

Der Russe Sergej Karjakin fordert Schach-Weltmeister Magnus Carlsen – Von HARTMUT METZ

 

Der Russe Sergej Karjakin triumphiert beim WM-Kandidatenturnier in Moskau Foto: Wo

Der Russe Sergej Karjakin triumphiert beim WM-Kandidatenturnier in Moskau Foto: Wo

Wunderkinder sorgten vor 13 Jahren für Aufsehen im königlichen Spiel: Magnus Carlsen wurde im Alter von 13 Jahren und drei Monaten Schach-Großmeister. Damit unterbot er den Rekord der US-Legende Bobby Fischer, der Experten einst für die Ewigkeit gemacht schien, um zwei Lenze. Das war jedoch keine Bestmarke mehr, weil schon zuvor der ebenfalls 1990 geborene Sergej Karjakin diesen pulverisiert hatte: Mit zwölf Jahren und sieben Monaten wurde er rund 200 Tage früher jüngster Großmeister aller Zeiten. Am Ostermontag qualifizierte sich der Russe für das WM-Finale im Herbst in New York – Titelverteidiger in dem Millionen-Dollar-Match: Carlsen. Der Weg der beiden Wunderkinder verlief unterschiedlich. Die Entwicklung des Norwegers ging steil und kontinuierlich nach oben. 2011 übernahm Carlsen Platz eins der Weltrangliste und setzte sich seitdem mit großem Abstand von der Konkurrenz ab. 2013 entthronte er den Inder Viswanathan Anand als Weltmeister. Demnächst erscheint ein Film über den Jungen aus Lommedalen, der schon als Pennäler in der Schule bemerkte: „Ich bin ganz anders als meine Klassenkameraden!“

 

Karjakin verbesserte sich zwar auch kontinuierlich, aber weniger rasant und schwankte in seinen Leistungen. Beim WM-Kandidatenturnier in Moskau galt er als Weltranglisten-13. auch nicht als Topfavorit. Mehr hatten die Experten Fabiano Caruana, der auch kurz vor dem 15. Geburtstag Großmeister geworden war, auf der Rechnung. Ausgerechnet der 23-jährige Italo-Amerikaner war der letzte Gegner in der 14. Runde… Weiterlesen

Rechner spielen nach Schach nun auch Go stärker als Menschen – Von HARTMUT METZ

 

Habu – Merkesvik: Weiß setzt matt in drei – ohne gegnerische Racheschachs

Habu – Merkesvik: Weiß setzt matt in drei – ohne gegnerische Racheschachs

Lee Sedol schüttete Asche auf sein Haupt und entschuldigte sich bei seinen Fans: „Ich war machtlos“, gestand der Go-Meister, nachdem er auch das dritte Match gegen die Google-Software AlphaGo verlor. Der Südkoreaner konnte wenigstens die vierte Partie gegen das Programm gewinnen, unterlag aber imetzn Seoul letztlich mit 1:4. Das Preisgeld von einer Million Dollar spendeten die Programmierer der Maschine, die gegen sich selbst spielen kann und so lernt. Nachdem Schach bereits durch „Deep Blue“ 1997 entzaubert worden war – der IBM-Rechner schlug den Weltranglistenersten Garri Kasparow mit 3,5:2,5 –, schien Go noch zu komplex für Computer. Die Regeln des ursprünglich aus China stammenden Go gelten zwar als relativ einfach, erfordern aber eine hohe Rechenkapazität: Zwei Spieler versuchen, auf einem Spielbrett mit einem Raster von 19 vertikalen und 19 horizontalen Linien Gebiete zu erobern. Dabei setzen beide Parteien abwechselnd schwarze und weiße Steine. Auf dem Brett mit 361 Feldern entsteht somit eine gewaltige Zahl von Zügen, die selbst für leistungsstarke Computer eine Herausforderung darstellen. Lee Sedol hatte nicht daran geglaubt, dass er unterliegen könnte …

 


Der 33-Jährige irrte genauso wie Kasparow anno 1997. AlphaGo wurde danach vom Go-Verband auf eine Stufe mit Sedol gehoben und bekam den neunten Dan verliehen. Diese grenze „nahezu an Göttlichkeit“, hieß es beim Go-Verband. Unter den bekanntesten und beliebtesten Denkspielen bleibt nun nur Shogi, bei dem die Menschheit dem Elektronenhirn noch überlegen ist… Weiterlesen

22-Jährige bleibt erneut im WM-Finale ungeschlagen – Von HARTMUT METZ

 

Musitschuk – Hou: Schwarz schiebt und siegt…

Musitschuk – Hou: Schwarz schiebt und siegt…

Die Suche nach dem nächsten Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen ist in Moskau in vollem Gange. Womöglich kommt es im Herbst in New York zum Duell der Wunderkinder des Jahrgangs 1990: Der Norweger wurde mit 13 Jahren und drei Monaten Großmeister – der beim Kandidatenturnier aussichts- reich im Rennen liegende Russe Sergej Karjakin sogar noch früher mit zwölf Jahren und sieben Monmetzaten – das ist bis heute Bestmarke. Bei den Damen hält Hou Yifan den Rekord: Der Chinesin gelang die dritte und entscheidende Norm zum Herren-Großmeister mit vierzehneinhalb Jahren. Mit 16 wurde sie bereits Weltmeisterin. Den Titel büßte die seit dem Rücktritt der Ungarin Judit Polgar beste Schachspielerin überraschend 2012 bei der K.o.-WM ein. Von dem frühen Aus in Runde zwei zeigte sich Hou allerdings unbeeindruckt und holte sich bereits ein Jahr später die WM-Krone im Zweikampf zurück. Dieses Kunststück gelang ihr nun erneut in Lwiw – wobei die 22-Jährige zuvor nicht wieder bei der K.o.-WM frühzeitig gescheitert war, sondern diese wegen einer vorher gegebenen Turnierzusage abgesagt hatt! Eine erstaunliche Entscheidung, ordnen die Asse doch dem höchsten Titel sonst stets alles unter. Für Hou ist derlei aber offensichtlich kein Beinbruch.

 

Wie schon 2013 die Ukrainern Anna Uschenina fertigte die Chinesin ihre Nachfolgerin ab, ohne eine einzige Partie zu verlieren! Immerhin bot diesmal die amtierende Weltmeisterin etwas mehr Paroli: Marija Musitschuk verbuchte beim Heimspiel in der Ukraine wenigstens sechs Remis. Drei Niederlagen und ein 3:6 machten jedoch deutlich, dass die Weltranglistenvierte und -erste mindestens eine Klasse trennen. Musitschuks zwei Jahre ältere Schwester Anna steht im Übrigen in der Weltrangliste auf Position fünf. Beide sind bei Damen-Bundesligist OSG Baden-Baden gemeldet und helfen womöglich den Kurstädterinnen dieses Wochenende beim Kampf um den zehnten Meister-Titel.

 

In der sechsten Begegnung stand Marija Musitschuk aussichtsreich. Die 23-Jährige wurde aber einmal mehr von Hou mit einem sehenswerten Trick ausgekontert… Weiterlesen

In Seoul spielt das Computerprogramm AlphaGo  einen Wettkampf über fünf Partien gegen Lee Sedol, einen der besten Go-Spieler der Welt. Mensch gegen Maschine, da werden Erinnerungen wach.  – Ein Artikel auf ZEIT-ONLINE von JOHANNES FISCHER

 

Deep Blue, ein Computer ähnlich wie dieser besiegte im Mai 1997 den Schachweltmeister Garri Kasparow.

Deep Blue, ein Computer ähnlich wie dieser besiegte im Mai 1997 den Schachweltmeister Garri Kasparow.

Vor 20 Jahren, am 10. Februar 1996 verlor der damalige Schachweltmeister Garri Kasparow in Philadelphia, USA, die erste Partie seines Sechs-Partien-Wettkampfs gegen den IBM-Computer Deep Blue. Nach zurückhaltender Eröffnung hatte der Computer seinen Springer ins Abseits manövriert, um einen Bauern zu erobern. Das sah riskant aus, denn jetzt konnte Kasparow gefährlich wirkende Drohungen gegen den König Deep Blues aufstellen. Doch der Computer, der Millionen von Stellungen pro Sekunde kalkulieren konnte, hatte berechnet, dass keine wirkliche Gefahr für ihn bestand. Deep Blue parierte alle Drohungen des Angriffskünstlers Kasparow und gewann die Partie. Maschinelle Rechenkraft hatte über menschliche Intuition triumphiert.

 

Ein Meilenstein in der Geschichte der Computerentwicklung und eine Sensation, denn noch nie hatte ein Schachcomputer den amtierenden Schachweltmeister in einer Partie unter Turnierbedingungen besiegt. Das sorgte in der ganzen Welt für Schlagzeilen. Teilweise auch für hysterische Reaktionen. Skeptiker sahen die Menschheit in Gefahr und fürchteten, Menschlichkeit würde bald auch in anderen Bereichen durch kalte Berechnungen von Maschinen erszeit_Onlineetzt werden. Schachspieler glaubten, der Computer würde das Schachspielen überflüssig machen. Denn welchen Sinn sollte es noch haben, sich mit einem Spiel zu beschäftigen, dass eine Maschine besser beherrscht als jeder Mensch? In dem alle Fragen und Probleme durch die Rechenkraft des Computers gelöst schienen?

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Einfallsreicher Förster: Alexej Troizki vor 150 Jahren geboren – Von HARTMUT METZ

 

Studie von Alexej Troizki: h8 gewinnt, fragt sich nur mit welcher Figur!?

Studie von Alexej Troizki: h8 gewinnt, fragt sich nur mit welcher Figur!?

Es gibt nur wenige Schachspieler, die ohne Turniererfolge in die Geschichte eingehen. Alexej Troizki gehört zu ihnen. Der Förster besaß seinen Erzählungen nach nur ein Buch, das Standardwerk von Dufresne und Berger, „Theorie und Praxis des Endspiels“. Das prägte den vor 150 Jahren (14. März 1866) geborenen Russen. Er untersuchte als Erster tiefgründig das Endspiel mit zwei Springern gegen Bauer. Troizki stelltemetz fest, dass die stärkere Partei nur gewinnt, wenn der verbliebene Bauer hinter einer bestimmten Linie steht. Sie heißt deshalb Troizki-Linie. Doch noch mehr machte sich der St. Petersburger um Studien verdient. Man darf ihn als Urvater dieser Kunstsparte bezeichnen. Originelle Ideen finden sich in allen Beispielen. Sie reichen von gegnerischer Figurenjagd, Unterverwandlung von Bauern, Patt-Kombinationen, Kampf verschiedener Figurengruppen, Einmauerung und positionellen Remisstellungen, obwohl eine Seite materiell weit überlegen ist. Troizki legte Wert darauf, die Studien nahe an die Praxis anzulehnen, so dass jeder Turnierspieler davon profitieren kann. 1928 wurde er in der UdSSR als erster Schachkomponist mit dem Titel „Verdienter Künstler“ geehrt.  1934 folgte der Titel als „Meister des Sports“.

1924 verbrannte ein Großteil seiner Studien. Der Förster rekonstruierte jedoch viele aus dem Gedächtnis. Insgesamt hinterließ der Russe so rund 750 Studien. Etwa 1 000 soll Troizki bis zu seinem Tod am 14. August 1942 ersonnen haben, als er während der Blockade von Leningrad starb. Nachstehend finden sich mehrere großartige wie lehrreiche Beispiele.
Selbst mit neun Läufern derselben Farbe kann Weiß kein Matt erzwingen gegen den nackten schwarzen König. Wie gewinnen jedoch die fünf Läufer in dieser Studie von 1915?  Weiterlesen …

Die „Zeit“ feiert ihren Geburtstag mit einem Carlsen-Simultan – Von HARTMUT METZ

 

Carlsen – Mütsch: Der einfache Gewinnzug Dxd6 ist dem Weltmeister zu „einfach“

Carlsen – Mütsch: Der einfache Gewinnzug Dxd6 ist dem Weltmeister zu „einfach“

 

„Es war ein unvergesslicher Moment“, berichtet Jens-Erik Rudolph von seinem Triumph, als ihm der Schach-Weltmeister im 57. Zug die Hand zum Zeichen der Aufgabe über das Brett reichte. Die Zuschauer im Alten Hauptzollamt in Hamburg feierten den einzigen Bezwinger vmetzon Magnus Carlsen. Der Norweger weilte anlässlich des 70. Geburtstages der „Zeit“ in der Hansestadt und trat – passend zur Jahreszahl – an 70 Brettern gegen Amateure an. Der Rest des Feldes hatte weniger zu lachen als Rudolph. Zwei Remis gab Carlsen noch ab. In 67 Partien behielt der Weltranglistenerste die Oberhand. Der erste Gegner gab nach neun Zügen auf, der letzte nach mehr als sechs Stunden. Die zwei prominentesten Teilnehmer, HSV-Fußball-Ikone Felix Magath und SPD-Politiker Peer Steinbrück, hielten bis Mitte der Veranstaltung durch, ehe auch sie den Kürzeren zogen. „Die Diskrepanz bei der Anzahl der Zuschauer zwischen hier und bei der Bundesliga ist schon frappierend“, stellte Großmeister Karsten Müller laut der Webseite „Chessbase.de“ ernüchtert fest, als er vom Bundesliga-Derby des Hamburger SK gegen Werder Bremen hinübereilte. Mehr als 1400 Leser hatten sich binnen kürzester Zeit online bei der „Zeit“ für das Simultan beworben.

 

Den Stellenwert unter all den „Zeit“-Veranstaltungen zum 70. Geburtstag unterstrich auch Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, der den Event mit Carlsen besonders hervorhob.

 

Die Affinität zum königlichen Spiel liegt nicht allein im intellektuellen Anspruch des Blattes begründet. Seit 33 Jahren ziert das Magazin eine Schach-Kolumne von Helmut Pfleger. Der Mediziner und Großmeister aus München versteht es wie kein Zweiter, pointiert und unterhaltsam über das Geschehen auf den 64 Feldern zu berichten. Neuerdings unterhält die „Zeit“ außerdem einen interessanten Schach-Blog: Dabei unterhält Johannes Fischer Laien wie Vereinsspieler ebenso gekonnt.
Annmarie Mütsch gelang eine der schönsten Simultan-Partien gegen Carlsen. In einem Moment hätte die Eppingerin sogar eine sehr gute Stellung gegen den Weltmeister erreichen können… Weiterlesen

Titelfrage vertagt: Dramatisches Bundesliga-Spitzenspiel endet 4:4 – Von HARTMUT METZ

 

Rapport – Aronian: Weiß lässt sich – a tempo – nicht zweimal bitten…

Rapport – Aronian: Weiß lässt sich – a tempo – nicht zweimal bitten…

Selten hat es solch ein dramatisches Bundesliga-Spitzenspiel gegeben: Die SG Solingen schien den Serienmeister OSG Baden-Baden am Wickel zu haben, obwohl dieser geschickt pokerte und am Sonntagmetz überraschend mit allen drei WM-Kandidaten am Brett saß – tags zuvor waren weder Ex-Weltmeister Viswanathan Anand noch der Weltranglistenvierte Lewon Aronjan beim 5,5:2,5 über die SG Trier dabei. Baden-Baden drehte jedoch das Blatt und stand bei der 4:3-Führung vor dem Sieg, der den Kurstädtern wohl den elften Titel in Folge beschert hätte. Richard Rapport glich jedoch für Solingen aus. Sven Noppes nahm das 4:4 gelassen: „Es ist nichts passiert“, kommentierte der Kapitän der OSG und versprach seinem Punktegaranten Etienne Bacrot, der Jan Smeets schlug, ihn umgehend zu informieren, an welchem Termin ein möglicher Stichkampf stattfindet. Gegenwärtig liegen der Abonnementchampion und der deutsche Rekordmeister mit 17:1 Punkten gleichauf. In der letzten laufenden Partie in München patzte Aronjan zwei Bauern ein, die Rapport ohne Not wieder hergab. Dennoch besaß er noch Gewinnchancen, die der Ungar trickreich nutzte.
Als Kommentar zu der Partie fiel Aronjan mit Blick auf die drei Partiephasen nur ein: „Ich spielte die Eröffnung, das Mittelspiel und das Endspiel schlecht“ – und nach einer kurzen Kunstpause schob der Armenier frustriert nach, „aber das Endspiel spielte ich besonders schlecht!“ … Weiterlesen

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