Ein wahrhaft stolzes Jubiläum

Helmut Pfleger (Foto: Wikipedia) betreut seit 30 Jahren die Schachkolumne im ZEITmagazin und hat dabei mehr als 1500 Beiträge geschrieben u.a. Matt in zwei Zügen auf Tapete

Um Weihnachten werde auch ich nostalgisch. Jedenfalls blickte ich zurück, zumindest was das Jahr im Allgemeinen und Besonderen gebracht hat. Zum Besonderen im Schach-Jahr 2012 gehört für mich die Tatsache, dass Helmut Pfleger seit 30 Jahren die Schachkolumne im ZEITmagazin betreut. In der Nummer 45 vom 5. November 1982 erschien die erste Schachglosse aus der Feder des damals 39-jährigen Facharztes für Innere Medizin und Psychotherapie. „Furchtlose Pia“ hieß dieses Premierenstück, in dem die junge Schwedin Pia Cramling (Jahrgang 1963), die heute immer noch zur absoluten Weltspitze bei den Frauen gehört, dem Vizeweltmeister Viktor Kortschnoi beim 6. Lloyds Bank-Meisterturnier in London 1982 das Fürchten lehrte.

Inzwischen sind es mehr als 1500 Beiträge geworden, und jeder neue wird am Donnerstag schon sehnlichst von seiner Fangemeinde erwartet, zu der auch Richard von Weizsäcker gehört. Und das aus gutem Grund, wie der Bundespräsident a.D. in einem Geleitwort zu dem Band ZEIT-SCHACHSPALTEN (Edition Olms 2009) schreibt: „Die Schachspalte in ‚Die Zeit’ ist auf wohltuend anstrengende Weise erholsam Sie ist anspruchsvoll, weil Helmut Pfleger ein ebenso hervorragender Schachspieler wie Pädagoge ist. Zugleich ist sie vergnüglich, weil er auf unvergleichliche Weise versteht, wahrhaft interessant und unterhaltsam den Zugang zur gestellten Aufgabe zu schildern.“

Dass der Schach-Ticker zu diesem stolzen Jubiläum gern eine dieser kurzweiligen Schach-Texte veröffentlicht ist schon aus gegebenem Anlass Ehrensache. Nach Rücksprache mit Helmut Pfleger, der wenn er für Schach werben würde, es mit dem Slogan „Schach macht Spaß und regt den Geist an!“ tun würde, haben wir uns für den folgenden Text entschieden- Er bietet Ihnen „en passant“ auch eine Mattaufgabe in zwei Zügen quasi als „Weihnachtsnuss“, die der Verfasser übrigens auf Tapete drucken ließ. Aber lesen und lösen Sie selbst!


Weiß am Zuge

30 Jahre Schachspalte in der ZEIT. Im dritten und letzten Teil erinnere ich mich an die Kolumne vom 29. Dezember 2005. Nicht ganz ohne Hintersinn. Damals schrieb ich: „Auf den Schachverleger Manfred Mädler geht die Anregung zurück, Klopapierrollen mit Schachproblemen zu bedrucken. Doppelt nützlich – zuerst wird der Geist angeregt, bevor das Ganze einer anderen Bestimmung zugeführt wird. Der im Alter von 97 Jahren gestorbene Gedächtnis- und Blindschachkünstler Georges Koltanowski wiederum hatte dieses von ihm selbst komponierte Problem (Weiß setzt in zwei Zügen matt) in endloser Folge auf eine Tapete gedruckt und zum Kauf angeboten.

Bei aller Schachbegeisterung ist dies vielleicht doch etwas unruhig in größeren Räumen. 1937 spielte er gleichzeitig 34 Partien blind (natürlich alle gegen ›sehende‹ Gegner), wobei er 24 gewann und 10 remisierte. Seine Frau war weniger beeindruckt: ›Ich weiß nicht, wie er das schafft. Er vergisst doch sogar, einen Laib Brot mitzubringen.‹

1948 übernahm er die Schachspalte des San Francisco Chronicle und betreute diese 52 (!) Jahre lang. Unübertroffen war seine ›Springerwanderung‹. Für drei Schachbretter mit je 64 Feldern ließ er sich für jedes Feld vom Publikum einen Begriff zurufen, studierte das Ganze etwa fünf Minuten und ließ dann blind einen Springer über sämtliche 192 Felder wandern, wobei er jedes Feld nur einmal berührte und dabei den jeweiligen Begriff nannte.“

Lösung

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