Dresden und Porz mit sieben auf einem Streich

Sachsen vom USV TU brauchen in Gruppe-Ost noch zwei Punkte zum Bundesliga-Aufstieg, in den drei übrigen Staffeln ist noch alles offen

 

Alles andere als Platz 1 für den USV TU Dresden wäre in der Staffel Ost der zweithöchsten deutschen Spielklasse eine Sensation. So gaben sich die Sachsen auch am siebten Spieltag keine Blöße, denn das Heimspiel gegen den Vorjahres-Primus Erfurter SK, der dann aber auf den Aufstieg verzichtete, wurde mit 5:3 gewonnen. Um ganz sicher zu gehen, war mit Zoltan Almasi zum zweiten Mal der Mann am Spitzenbrett dabei, und der Ungar mit einer Elo von 2713 löste dann seine Aufgabe gegen Peter Enders (Elo 2481) dann auch gewohnt erfolgreich. Überhaupt gingen die Dresdner höchst professionell an das Unternehmen Aufstieg. Zwar fehlten mir Bartosz Socko und „Mr. 100 Prozent“ Grezgorz Gajewski (5/5) das wichtige polnische Duo sowie Bundestrainer Uwe Bönsch, der allerdings in dieser Saison auch nur einen Einsatz hatte, aber auf die Achse Jens-Uwe Maiwald, Raj Tischbierek, Wolfgang Uhlmann, Gernot Gauglitz und Jakow Loxine war absolut Verlass mit 3,5 aus 5. So beträgt der Vorsprung nach dem siebten Sieg auf Nickelhütte Aue und den FC Bayern München weiterhin zwei Mannschaftszähler. Dass der bisherige unmittelbare Verfolger TSV Bindlach Aktionär drei Punkte beim 3:5 verlorenen Auswärtsduell gegen Aue kampflos abgab, verwundert doch sehr. Warum die drei Tschechen Martin Petr, Petr Neumann und Pavel Cech nicht ins Erzgebirge reisten, bedarf sicherlich noch interner Klärung. Es bleibt zu hoffen, dass das starke Trio in Runde 8 am 17. März gegen den Spitzenreiter dabei sein wird. Am gleichen Tag werden München und Aue in der bayerischen Hauptstadt die Frage beantworten, wer Anschluss hält. Für den FC Bayern wäre ein Sieg enorm wichtig, hat man dann doch zum Abschluss in Dresden zumindest die theoretische Chance, bei einem hohen Sieg gegen die Elbflorenzer vielleicht doch noch den Wiederaufstieg zu schaffen.

Bundeligs-Nord
Bundeliga-West
Bundesliga-Ost
Bundesliga-Süd

 

Dass die SG Köln Porz die West-Liga seit Jahr und Tag dominiert, ist normal, und so ist das 5:3 gegen den Bochumer SV 02 der siebte Streich. Da sich das namhaft aufgestellte Hilgert-Team aber bekanntlich dem Aufstieg „verweigert“, wird der zweite Platz interessant und ist deshalb heiß begehrt.

 

Eigentlich schienen die Zeichen der Zeit auf DJK Aufwärts Aachen hinzudeuten, zumal in Runde 7 der Tabellenletzte SK Nordhorn Blanke Zuhause empfangen wurde. So wurde höchstens über die Höhe des Sieges spekuliert. Aber so ist das manchmal – es kommt anders als erwartet. Als verhängnisvoll erwies es sich, dass Aachen an den hinteren drei Brettern die „zweite Reihe“ einsetzte. Hier punktete nämlich der Neuling mit 3:0, wobei allerdings eine Partie kampflos gewonnen wurde. Nutznießer war Bundesliga-Absteiger SC Hansa Dortmund, der Zuhause die zweite Mannschaft des SK Turm Emsdetten mit 6,5:1,5 abfertigte und nun sogar aus eigener Kraft Zweiter werden könnte. Dazu ist an Runde 8 erst einmal ein Heimsieg gegen Aachen nötig, und in der Schlussrunde muss dann auch noch gegen die SG Bochum 31 gewonnen werden, die bei gleichen Mannschaftspunkten von jeweils 9:5 nur einen halben Brettpunkt weniger hat und am 17. März auf den Favoritenschreck Nordhorn Blanke trifft.

 

Drunter und drüber geht es in der 2. Bundesliga Süd, wo es nach jedem Spieltag einen neuen Spitzenreiter gibt. Diesmal erwischte es den SV Hofheim mit einer 3,5:4,5-Heimniederlage gegen den SC Viernheim. Das kam insofern überraschend, weil die Gastgeber in Bestbesetzung antraten denn der an Brett 4 gemeldete Ukrainer Stanislaw Sawtschenko war nur ein einziges Mal in Runde 3 dabei. Bei Viernheim hingegen fehlte das Spitzenquarett komplett, aber die Aufrücker wuchsen über sich hinaus, denn an den Brettern 1 bis 4 wurde mit einem 3:1 der Grundstein für die Erfolg gelegt. Besonders Überraschte dabei Maximilian Meinhardt, der an Brett 2 mit Schwarz Großmeister Jörg Hickl eine seiner überaus seltenen Zweitliga-Niederlage beibrachte.

 

Ein Blick auf die Tabelle zeigt jedoch, dass noch sechs Teams Platz 1 erreichen können –. Viernheim (10:4), vor dem SC Böblingen, den SV Hofheim, der OSG Baden-Baden II und dem SC Untergrombach mit jeweils 9:5 sind dabei am chancenreichsten.

 

Dass Lokalderbys ihre eigenen Gesetze haben, weiß man nicht nur vom Fußball. Bundesliga-Absteiger SK König Tegel Berlin war also vor der Auseinandersetzung in der Nord-Staffel mit dem SC Kreuzberg hinreichend gewarnt. Doch das 4:4-Unentschieden wird die Tegeler um ihr Urgestein Robert Rabiega insofern mächtig wurmen, da ein kampfloser Punkt von Georg Kachibadze daran Schuld war. Wie hart umkämpft das Match war, zeigen nicht zuletzt die insgesamt fünf entschiedenen Partien, bei der die Tegeler mit 3:2 vorn lagen.

 

Freude dürfte ob dieses letztlich verlorenen Punktes bei der Konkurrenz aufgekommen sein, SSC Rostock 07 hat nach dem 6:2 gegen die SG 1871 Löberitz mit den Berlinern nach Mannschaftspunkten wieder gleich gezogen (beide 11:3). Morgenluft wittert auch der SK Zehlendorf Berlin nach dem 4,5:2,5 gegen den Hamburger SK II. Das Restprogramm (gespielt wird am 17. März und 14. April) jedenfalls könnte den Ausschlag geben, wer sich den Platz an der Sonne holt. Tegel muss noch zum Lübecker SV und empfängt zum Abschluss Werder Bremen II, Rostock hat es auswärts mit dem HSK II und Zuhause mit dem Pinneberger SC zu tun, und Zehlendorf sollte locker in Pinneberg gewinnen, um dann die SC Kreuzberg Zuhause zu meistern. Für Spannung ist also weiterhin gesorgt…

 

Raymund Stolze

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