Turbulenzen bei der 2. FIDE-Grand-Prix-Serie ?

Lissabon als dritte Station fällt aus – Schweizer Schachbund als Alternative für das dritte Turnier der Serie 2012/13

 

Am ersten Spieltag des WM-Kandidaten-Turniers 2013 in London veröffentlichte die FIDE unter der Schlagzeile „FIDE Grand Prix moves from Portugal to Switzerland“ eine Nachricht, die auf unvorhergesehene Turbulenzen bei der 2. FIDE-Grand-Prix-Serie schließen lässt. Ursprünglich war das dritte von insgesamt sechs Turnieren an Portugals Hauptstadt Lissabon vom 17. April bis 1. Mai vergeben worden. Aber wie es ausschaut, scheint der Austragungsort fraglich zu sein, und so haben Sponsor AGON und der Weltschachbund sich geeinigt, in den nächsten Tagen eine Entscheidung zu treffen. Jedenfalls wird hinter dem Kulissen fieberhaft nach einem Austragungsort gesucht. Weil die FIDE in jedem Fall an dem Termin festhalten will. Ein Agreement mit einem Gastgeber in der Schweiz– ist Zürich im Gespräch? – ist als mögliche Lösung ins Gespräch gebracht worden. Und die Eidgenossen haben ja oft genug bewiesen, dass sie hervorragende Organisatoren von Elite-Schachveranstaltungen sind.

 

Die Zeit zur Entscheidung drängt freilich, denn die weiteren Termine für die restlichen Turniere in Madrid (22.5.-4.6.), Berlin (3.-17.7.) und Paris (18.9.-2.10.) sind bereits festgeschrieben, und der dicht gedrängte Wettkampfkalender gestattet keinerlei Verschiebung oder gar einen Ausfall.

 

Allerdings gab’s zum Auftakt in der neuen Serie des FIDE-Grand-Prix schon Hindernisse. Ursprünglich hatte AGON als erste Etappe Tscheljabinsk geplant, aber da es plötzlich zu einer Auseinandersetzung zwischen FIDE und der Russischen Schachföderation kam, war der Veranstalter gezwungen, umzudisponieren. Die Entscheidung fiel auf London und dort für das berühmte Lokal Simpson’s-in-the Strand, wo 1951 die berühme Unsterbliche Partie Anderssen-Kieseritzky gespielt wurde.

 

Was den Wettbewerb 2012/13 angeht, an denen die 18 gesetzten Großmeister vier Turniere spielen müssen, von denen die besten drei in die Wertung kommen, so ist der Anreiz in jedem Fall äußerst groß. Bekanntlich berechtigen am Ende die ersten beiden Plätze zur Teilnahme an den WM-Kandidatenwettkämpfen im März 2014. Und auch das Preisgeld fällt entsprechend üppig ausfällt: 100.000 € für den Gesamtsieger, 80.000. für den zweiten Platz und 60.000 € für Rang 3. Selbst der Elfte kann sich noch über 15.000 € freuen – der neue Vermarkter AGON macht es möglich.1 Da sage nur jemand, dass es sich nicht lohnt, Schachprofi der Spitzenklasse zu sein. Zumal bei der Grand-Prix-Serie immerhin mit Magnus Carlsen, Wladimir Kramnik, Viswanathan Anand und Levon Aronjan ein Top-Quartett nicht ins Geschehen eingreift.

 

Nach den beiden Turnieren in London und Taschkent sind Schachrijar Mamedjarow (Aserbaidschan) mit 220 Punkten vor Wang Hao (China/210) und Boris Gelfand (Israel/170) in Führung gegangen, wobei dieses Trio bereits zweimal am Start war.2

 

Was das Turnier im Juli 2013 in der deutschen Hauptstadt angeht, so stehen Allerdings stehen lediglich die zwölf Teilnehmer bereits fest. Es sind Teimur Radjabow, Sergej Karjakin, Alexander Morosewitsch, Wassili Iwantschuk, Alexander Grischuk, Wesselin Topalow, Boris Gelfand, Peter Leko, Schachrijar Mamendjarow, Anish Giri und Ruslan Kasimdshanow. Wer den schwer erkrankten Aserbaidschaner Wugar Gaschimow ersetzen wird, steht noch nicht fest. Vorstellbar wäre, dass wie in London, wo Michael Adams für Peter Swidler einsprang, und in Taschkent, wo für den Aseri Gata Kamsky eine Wildcart bekam, die FIDE Arkadij Naiditsch nominiert, ansonsten für den laufenden Zyklus 2012/13 nicht gesetzt ist.

 

Auf eine Nachfrage des Schach-Ticker beim Sportdirektor des Deutschen Schachbundes in Berlin, antworte Horst Metzing wie folgt: „Die Kooperation mit der FIDE bzw. mit AGON bezüglich des geplanten Grand-Prix-Turniers in Berlin ist leider unbefriedigend bzw. nicht vorhanden. Mehrere Anfragen vom DSB an die FIDE und an AGON sind bisher unbeantwortet geblieben. Bei einer derartig unbefriedigenden Vorbereitung kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Veranstaltung zum geplanten Termin in Berlin stattfindet.“

 

Bleibt in jedem Fall zu hoffen, dass dieses Szenarium nicht eintrifft, denn wann hat es in der deutschen Hauptstadt schon einmal ein so hochklassigen Schachevent gegeben?

 

Raymund Stolze


1 pro Grand-Prix-Turnier ist der Preisfonds auf 170.000 € festgeschrieben, wo bei Punktgleichheit die Beteiligten jeweils die gleiche Summe erhalten

2 der Sieger erhält 1=120 +50. 2=110 +30 3=100 + 10, 4= 90, 5= 80, 6=70, 7=60, 8=50, 9=40, 1 =30, 1 =20 12=10 Zähler; bei Gleichstand in der Turnierwertung, werden die Punkte geteilt, so bekamen Gelfand, Topalow und Mamedjarow in London ebenso jeweils 140 Punkte wie Karjakin, Wang Hao und Morosewitsch in Taschkent gutgeschrieben

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