Kalenderblätter [8]

Bloß kein Aufsehen machen – zum 65. Geburtstag von Dr. Robert Hübner (6. November 1948)

 

Der 6. November 1948 war ein Samstag. An diesem Novembertag vor 65 Jahren wurden u.a. die Rockmusiker Glenn Frey und George Young, der sich auch als Musikproduzent einen Namen gemacht hat, sowie Robert Hübner, ein deutscher Schachspieler, geboren [http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_H%C3%BCbner ].

 

Ich bin sicher, der innigste Wunsch des promovierten Papyrologen ist, bloß kein Aufsehen wegen des anstehenden Jubiläums am kommenden Mittwoch zu machen. Jeglicher Kult um seine Person – mitunter wird er in Vergleichen als der zweitbeste deutsche Schachspieler aller Zeiten hervorgehoben – ist ihm fremd.

So gesehen war die Einladung zum zweiten Schachlegenden-Treffen im August nach Dresden vielleicht das schönste vorweggenommene Geburtstagsgeschenk. Ich jedenfalls konnte spüren, wie sich Robert (im Foto hinten der 2. von links), in diesem Umfeld u.a. unter seinen alten Nationalmannschafts-Mitstreitern Klaus Darga und Hajo Hecht wohl gefühlt hat.

 

 

Ich selbst habe Dr. Hübner einige Jahre zuvor bei einem Vortrag der Emanuel-Lasker-Gesellschaft in Berlin kennen lernen dürfen, wo er einen überaus interessantem Vortrag über den Weltmeisterschaftskampf Lasker gegen Steinitz hielt [in der Edition Marco meines guten Bekannten Arno Nickel hat er darüber 2008 ein Buch mit weiteren Zweikämpfe Laskers veröffentlicht].

 

Als Karsten Müller und ich unser Buch „Zaubern wie Schachweltmeister Michail Tal…“ [Edition Olms 2010] konzipierten, konnten wir für einen der wichtigen Zwischenzüge-Beiträge Robert Hübner gewinnen. Bescheiden, wie dieser wahrlich außergewöhnliche Mensch ist, hat er es abgelehnt, in den Mittepunkt eine seiner Partien gegen den achten Schachweltmeister zu stellen, weil dieser in den Begegnungen mit ihm niemals gesundheitlich im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen wäre. Aber „Zur Erinnerung an Michail Tal“ kommentierte er dessen Partie gegen Dieter Keller vom legendären Großmeisterturnier in Zürich 1959 Seiten 182-225]. „Mit der Besprechung dieser Partie könnte man ein ganzes Buch füllen. Hier mußte1 es bei einigen bescheidenen Andeutungen blieben.“

 

Bei der Suche nach interessanten Spuren aus Robert Hübners Schachlaufbahn, die aus meiner Sicht längst noch nicht beendet ist – in der zweiten Bundesliga Gruppe West ist er an Brett 1 für den Godesberger Schachklub 1929 gemeldet – bin ich in Engelhardts Schach-Taschenkalender 1962 auf einen bemerkenswerten Fakt gestoßen. Bei den 4. Deutschen Jugendmeisterschaften in Haslach im Kinzigtal (Schwarzwald), die vom 29. Juli bis 12. August 1961 stattfanden, belegte Robert Hübner einen geteilten 3.-4. Platz. „Eine besondere Überraschung war das erst 12jährige Schachtalent aus Köln, Robert Hübner, in der Blitzmeisterschaft konnte Hübner sein rheinisches Temperament richtig austoben und mit 15 Punkten aus 15 Partien, also 100%, als Sieger hervorgehen [Seite 118]. Zwei Jahre später wird er in Bad Schwalbach mit sage und schreibe vier Punkten Vorsprung Deutscher Jugendmeister werden.

 

Als ich über dieses Kalenderblatt nachdachte, war mir klar, dass dazu etwas ganz Persönliches gehören muss. Längst hatte ich dafür den passenden Beitrag ausgemacht, den in der Nummer 1 der Zeitschrift SCHACHWELT vom September 2009 erstmals veröffentlicht worden war. Mein Kollege Jörg Hickl, der das Risiko einging, ein solches Magazin zu starten. musste im Editorial der Ausgabe 07/2010 trotz positiven Feedbacks wegen des unfreundlichen wirtschaftlichen Umfelds für neue Schachzeitungen schweren Herzens das Aus verkünden. Aber was mir bleibt ist jene Serie von Robert Hübner. Den ersten Teil können Sie nun mit der freundlichen Genehmigung des Herausgeber von SCHACHWELT, die uns weiterhin im Internet erhalten geblieben ist [www.schach-welt.de] aus gegebenem Anlass nun online lesen. Der Jubilar, der als Fünfjähriger von seinem Vater das Schachspielern lernte, wenn denn die zitierte Quelle stimmt, erinnert dabei in seinen „Nachrichten aus der grauen Vorzeit des Schachlebens“ an jene ersten Schritte, die in 1958 zum ersten Besuch in einen Schachklub führten…

 

Und bei dieser Gelegenheit – wir machen einen großen Zeitsprung ins Heute – sei Ihnen ans Herz gelegt: Wenn Sie nicht nur den Schachspieler, sondern auch den Menschen Dr. Robert Hübner kennen und schätzen lernen wollen, so nutzen Sie unbedingt das Angebot zu einer persönlichen Begegnung. In diesem Jahr bietet Ihnen SCHACHWELT noch vom 7. bis 8. Dezember bei einem Wochenendseminar „Karpows Kunst des Schachspielens“ in Rotenburg/Fulda dazu die Gelegenheit [ http://schachreisen.eu/seminare/robert-huebner-zu-anatoly-karpov].

 

Für 2014 hat mir Jörg Hickl zwei Termine zum Vormerken mitgeteilt:

 

 

1.bis 6. Februar 2014: 4. Schachtage Sonnenalp [http://schachreisen.eu/schachreisen/schachtage-sonnenalp]

27. September bis 5. Oktober: 3. Seminarturnier [http://www.schachreisen.eu/schachreisen/seminarturnier]

 

Ich kann Ihnen aus meinen Begegnungen und der persönlichen Zusammenarbeit am Tal-Buch nur sagen: Es lohnt sich

 

in jedem Fall, Robert Hübner live zu erleben….

 

Raymund Stolze

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