Tag 1 bei der Mannschafts-EM

Kurzbericht zur ersten Runde

 

Ich will nicht allzu sehr ins Detail gehen – noch ist im Turnier nicht viel passiert, und während ich zu Runde 1 schreibe läuft Runde 2 bereits. Daher nur ein paar allgemeine Eindrücke zu gestern: Bei den Herren gab es sehr viele knappe Ergebnisse und einige Überraschungen, bei den Damen dagegen vor allem klare Favoritensiege. Die deutschen Teams hielten sich bei den Herren an die allgemeine Regel, bei den Damen leider nicht. Ich will doch mit der guten Nachricht beginnen statt "Ladies first":

 

Die deutschen Herren besiegten Israel 2,5-1,5 – gegen Israel in bester Aufstellung wäre das ein tolles Ergebnis, gegen dieses israelische Jugendteam, nominell an allen Brettern gut 100 Elopunkte schwächer, waren es immerhin zwei Mannschaftspunkte. Naiditsch gewann gegen Nabaty eine flotte Angriffspartie, nach 22 Zügen stand es so: Siehe Diagramm

Der Leser hat richtig geraten – Naiditsch hat Schwarz und genug Druck am Königsflügel, dass ein zwei weisse Mehrbauern auf der anderen Seite irrelevant sind (Weiss verzichtete hier auf 23.Sxb7). Nach 34 Zügen standen am Königsflügel noch zwei h-Bauern, ein nackter weisser König, ein gesicherter schwarzer König sowie eine schwarze Damen-Springer-Kombo die Matt oder zumindest Damenverlust erzwingen konnte – Nabaty liess sich das nicht mehr komplett zeigen. Die drei anderen Deutschen (Meier, Baramidze und Fridman) wollten ihre Gegner positionell überwinden, das wurde dreimal Remis.

Die deutschen Damen waren, trotz zum Teil noch viel mehr Elovorteil, gegen Griechenland weniger erfolgreich:

Turnierseite Zeitplan Startrangliste

Drei Partien endeten bereits remis, und bei Melamed (2367) – Tsolakidou (2117) stand es nach 45 Zügen so:

Auch hier ist ein weisser Mehrbauer ziemlich irrelevant, auch wenn Weiss "irgendwas" gespielt hätte statt 46.Td3?? . Warum das ein grober Bock war (Weiss gab einen halben Zug danach auf), verrate ich gegen Ende dieses Berichtes.

Die rumänischen Damen erwähne ich, da Carmen Voicu-Jagodzinsky für den Schachticker berichtet und da sie die Schweiz glatt 4-0 besiegten. Drei recht klare Angelegenheiten und eine Partie mit einem ebenfalls abrupten Ende. Laura Stoeri (2102) konnte gegen Cristina Foisor (2347) gut mithalten, bis sie in dieser Stellung

41.Td5?? spielte, war das noch Nachwirkung der Zeitnotphase? Auch diese Partie dauerte noch einen halben Zug, auch hier die Lösung am Ende.

Keineswegs will ich suggerieren, dass derlei Böcke bei den Damen typisch sind – ich habe dieses Turnier ohnehin nur am Rande verfolgt.

Noch ein paar Ergebnisse bei den Herren und eines bei den Damen:

Russland – Serbien 2,5-1,5 zwei solide Schwarzremisen für Russland, Svidler und Morozevich mussten ihre interessanten Partien zweimal gewinnen, Svidler verdarb sie ein zweites Mal zum Remis.

Bulgarien – Armenien 2-2 vier Remisen, nur am ersten Brett (Topalov – Aronian) war Bulgarien nominell etwa gleichwertig

Schweden – Aserbaidschan 2-2 Tikkanen gewann eine chaotische Partie gegen Safarli, Aserbaidschan nur eine der drei anderen Partien – wieder ein überraschendes Gesamtergebnis

Österreich – Niederlande 2,5-1,5 IM Kreisl besiegte GM Smeets, dazu dreimal Remis – der einzige komplette Favoritensturz bei den Herren

Rumänien – Wales 4-0 ein klares Ergebnis gab es doch

Bei den Damen spielten u.a. die Niederlande gegen Belgien. Die Nordlichter waren klar favorisiert, aber dann geschah dies (NL jeweils mit der besseren Elo): Schut (2333) – Zozulia (2330) 0-1, Goossens (2061) – Peng (2378) 1-0, Haast (2264) – Barbier (1945) 1-0, Degrande (1867) – Van Weersel (2168) 1-0.

Die deutschen Herren spielen in der zweiten Runde (d.h. momentan) gegen Polen, ein nominell etwa gleichwertiges Team mit Heimvorteil. Gegner der deutschen Damen ist die Schweiz – auch hier sind die Nordlichter klar favorisiert.

 

Noch die Auflösung der beiden Aufgaben: 46.-Dxd3 bzw. 41.-Dxd5 – als Taktikaufgabe jeweils eine Fingerübung, aber am Brett ist man (oder hier frau) manchmal blind?

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